Top-Thema vom Donnerstag, 28. Mai 2009
Nordkorea droht mit Krieg
Nach der internationalen Kritik an seinen Atomtests droht Nordkorea nun offen mit Krieg. Das Land verstehe die geplante Teilnahme Südkoreas an einer US-geführten Initiative gegen Massenvernichtungswaffen als "Kriegserklärung", sagte die Regierung in Pjöngjang am Mittwoch.
Diário de Notícias - Portugal
Nach Nordkoreas Kriegsdrohungen fordert die Tageszeitung Diário de Notícias Maßnahmen seitens der UN: "Die Drohungen Nordkoreas sind normalerweise lediglich Rhetorik, um Konzessionen seitens der internationalen Gemeinschaft zu erlangen. So hat das kommunistische Regime es bislang geschafft, dass die USA dem Land Rohöl schicken und Südkorea Lebensmittel. Es ist Kim Jong-Ils Weg, die Bevölkerung zu ernähren und die von seinem Vater Kim Il-Sung gegründete Dynastie zu erhalten. Doch neben den aggressiven Äußerungen verfügt Nordkorea auch über eine machtvolle Militärmaschinerie - nicht nur was traditionelle Waffen betrifft, sondern auch Nuklearwaffen, wie die Tests dieser Woche bewiesen haben. Deshalb sollten Nordkoreas Drohungen mit Vorsicht aufgenommen werden. Eine unüberlegt Reaktion kann zu einem Kriegsfall führen oder zum Sturz des Regimes, was dramatische Folgen für die ganze Region haben würde. Doch die internationale Gemeinschaft kann auch nicht still bleiben, und Nordkorea beharrt weiterhin darauf, allem und jedem die Stirn zu bieten. Eine starke Stellungnahme der UN ist fällig - mit der Unterstützung von Russland und China." (28.05.2009)
» zum ganzen Artikel (externer Link, portugiesisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Asien, » USA, » China
Die Welt - Deutschland
Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il habe offenbar ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, schreibt die konservative Tageszeitung Die Welt: "Die Krise ist für China wie auch für die US-Regierung peinlich - und könnte für beide zu einem entscheidenden Test werden. China hat sich stets zugute gehalten, Einfluss auf Nordkorea auszuüben und seine Beteiligung an den Sechs-Parteien-Gesprächen als Prestigefrage gesehen. Viele außenpolitische Denker sahen in der Finanzkrise schon ein "asiatisches Jahrhundert" heraufdämmern mit Peking als neuer globaler Führungsmacht. Nun erlebt China, was Europa in der Balkankrise erleben musste: Es ist nicht einmal in der Lage, im eigenen Hinterhof als Ordnungsmacht aufzutreten, und das, obwohl das Regime in Pjöngjang gänzlich von China abhängig ist. Aber auch Barack Obama steht an einem Wendepunkt. Seine Politik der ausgestreckten Hand setzt sich der Gefahr aus, von Problemstaaten als Schwäche missverstanden zu werden. Und so ist der seit Wochen anschwellende Bocksgesang aus Pjöngjang auch ein Versuch auszutesten, was sich der Neue im Weißen Haus alles bieten lässt." (28.05.2009)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Asien, » USA, » Global, » China
Alle verfügbaren Texte von » Clemens Wergin
La Tribune de Génève - Schweiz
Die Tageszeitung La Tribune de Genève analysiert die Kriegsdrohungen Nordkoreas: "Die Provokationen folgen einer doppelten inneren und äußeren Verpflichtung. Sie decken sich mit den zahlreichen immer wiederkehrenden Fragen über den Gesundheitszustand des Führers Kim Jong-Il. Nachdem er im Sommer letzten Jahres einen Schlaganfall erlitt, verlor der 'liebe Führer' Teile seiner Macht an die Armee. ... Der Atomversuch würde ihm erlauben, seine Fähigkeit zur Machtausübung zu beweisen. ... Dazu kommt die Absicht, der amerikanischen Regierung Verhandlungen aufzudrängen. Pjöngjang will seinen Aufstieg zur Atommacht unverzüglich anerkennen lassen. ... Der Stil ist aggressiv. 'Diejenigen, die uns provoziert haben, müssen mit einer unvorstellbaren Strafe rechnen', droht die nordkoreanische Armee. ... Die Provokationen Pjöngjangs könnten insofern unangenehm für die amerikanische Regierung sein, weil sie sich verpflichtet fühlt, ihre Prioritäten auf Kosten des Iran zu ändern. [Die Provokation] könnte auch Peking erzürnen." (28.05.2009)
» zum ganzen Artikel (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Asien
Alle verfügbaren Texte von » Jean-François Verdonnet
Dnevnik - Bulgarien
"Nordkorea stellt für die Demokratien ein schwieriges Problem dar: Es ist unberechenbar, es hat ein Kernwaffenpotential, das Alltagsleben der Menschen bleibt dem externen Beobachter verborgen, und eine Reaktion auf das alles ist quasi unmöglich", schreibt die Tageszeitung Dnevnik und fragt sich, wie die internationale Gemeinschaft reagieren soll: "Nordkorea hat so eine extreme Form der Isolation gewählt, dass man sagen kann, es sanktioniert sich selbst - und zwar militärisch. Die einzige Macht, deren Sanktionen einen Effekt haben könnten, ist China. Aber eine solche Aktion würde nicht das Regime, sondern die ohnehin leidende Bevölkerung treffen. Außerdem ist China auch ein heikles Thema, weil es die Menschenrechte nicht anerkennt - ein altes Thema, zu dem man nun ohne Erfolg einen adäquaten Zugang sucht." (28.05.2009)
» zum ganzen Artikel (externer Link, bulgarisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Asien
Alle verfügbaren Texte von » Tatjana Waksberg
La Stampa - Italien
In der liberalen Tageszeitung La Stampa schreibt Enrico Bettiza, dass die Kriegsdrohung Nordkoreas die US-Politik der ausgestreckten Hand in Frage stellt: "Es mag sein, dass der kranke Tyrann die Atom-Schilder als Teil des trüben Nachfolgekriegs erhebt, der seinem Lieblingssohn Kim Jong-Un den Weg zur Macht ebnen soll. Wie dem auch sei: Die Ungewissheiten, die die Schachzüge des skandalösen David umgeben, sind so unendlich wie die Machtlosigkeit des Goliath und der internationalen Gemeinschaft, sie zu entschlüsseln und ihnen zuvorzukommen. ... Was den [US-] Präsidentschaftsnovizen [Barack] Obama angeht, kann man wohl sagen, dass sich die Atomfrage nun im Zentrum seiner Außenpolitik befindet. Zu dem koreanischen Skandal, der noch mehr symbolische als reale Bedrohung ist, kommen noch das weitaus brenzligere Klima in Pakistan mit seinem von den Taliban bedrohten Atomarsenal hinzu sowie der Iran mit seinem verbohrten Streben, eine Atommacht zu werden. Die Politik der ausgestreckten Hand scheint nicht zu funktionieren, wenn Uran und Plutonium auf dem Spiel stehen." (28.05.2009)
» zum ganzen Artikel (externer Link, italienisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Sicherheitspolitik / Krisen / Kriege, » Asien, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Enzo Bettiza
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 28. Mai 2009