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Top-Thema vom Dienstag, 2. Juni 2009


General Motors meldet Insolvenz an


Der US-Autobauer General Motors (GM) hat am Montag in New York Insolvenz angemeldet. Nach einer Sanierung mit staatlichen Krediten soll die Regierung in Washington einen Anteil von 60 Prozent an dem Konzern erhalten. Bei der europäischen GM-Tochter Opel steigt der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna ein, Deutschland gewährt einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro.


Les Echos - Frankreich

Nach der Insolvenz des US-Autobauers General Motors und der Rettung von Opel in Europa sinniert die Wirtschaftszeitung Les Echos über die Zukunft der gebeutelten Autoindustrie: "Die Autoindustrie erlebt einen historischen Spätfrühling 2009. Pleite von General Motors, Übernahme von Chrysler durch Fiat, Kauf von Opel durch Magna und ein Chefkarussell an der Spitze von PSA Peugeot Citroën. Noch nie hat dieser faszinierende und extrem wettbewerbsorientierte Sektor so viele derart tiefe Umwälzungen in so kurzer Zeit erlebt. Vor unseren Augen wird Automobilgeschichte geschrieben. Das 20. Jahrhundert des Automobils ist mit dem unverschämten Erfolg der japanischen Konstrukteure und dem Verfall der amerikanischen 'Big Three' zu Ende gegangen. Das Urteil über das 21. Jahrhundert, das im Kontext einer beispiellosen Krise gerade erst begonnen hat, ist noch lange nicht gefallen: wer werden die großen Gewinner und Verlierer von morgen sein?" (02.06.2009)


De Volkskrant - Niederlande

Mit der Rettung von Opel und GM sollen soziales Elend und industrieller Verfall verhindert werden. Doch die Staatshilfen müssen Folgen haben, meint die Tageszeitung De Volkskrant: "Es ist bitter, dass jetzt erneut Milliarden in Betriebe fließen, die geschlampt haben. GM - einschließlich Opel - haben den Zeitgeist nicht erkannt, und die Anstrengungen der Konkurrenz ignoriert, saubere und sparsamere Modelle zu produzieren, allen voran Toyota mit dem Prius. Dennoch werden sie zu einem hohen Preis gerettet. Die sozialen Argumente dafür wiegen schwer und rechtfertigen die Rettungsoperationen. Aber die Regierungen sollten ihre teuren Investitionen nun nutzen, um diese Autoproduzenten dazu zu bewegen, einen ganz anderen, grüneren Weg einzuschlagen. Vor allem müssen GM und Opel angespornt werden, in die Produktion von Elektroautos zu investieren. Die Milliarden der Steuerzahler müssen in diesem Fall zumindest einem breiteren, gesellschaftlichen Interesse dienen - und nicht nur dem Überleben dieser Oldtimer." (02.06.2009)


Mladá fronta Dnes - Tschechien

Die liberale Tageszeitung Mladá Fronta Dnes meint, General Motors werde sich nach der Finanzkrise ebenso radikal verändern wie die gesamte Welt: "Das ist ein Krach, an den sich nicht nur Amerika noch lange erinnern wird. Der Autolegende geht die Luft aus. ... Probleme hatte der insolvente Autobauer schon lange. Es gelang ihm nicht, sich den Veränderungen anzupassen. In der Tradition der Marken Buick, Cadillac oder Chevrolet produzierte er weiter große und starke Autos. Die waren der Standard und der Traum jeder Familie. Das änderte sich jedoch mit den steigenden Energiepreisen. Der Bruch kam im vergangenen Jahr, als sich der Benzinpreis in den USA verdoppelte. Erstmals verkauften da die Detroiter Flaggschiffe General Motors, Ford und Chrysler weniger Autos als die Produzenten kleinerer Autos aus Asien. ... Das Insolvenzverfahren ist jetzt der Weg, um aus einem Dinosaurier einen schuldenfreien Tiger werden zu lassen. [US-Präsident] Barack Obama kann nur hoffen, dass er so viel wie möglich von den Milliarden zurück bekommt, die die Regierung in die Rettung investiert hat." (02.06.2009)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Zur Rettung der GM-Tochter Opel schreibt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die 'Operation Opel' hat so viele Akteure mit den unterschiedlichsten Interessen, dass man sich schon die Dimension der Doktorarbeiten vorstellen kann, die hierüber einmal geschrieben werden: ein Präsident in Amerika und zahlreiche Regierungschefs in Europa, Kommissare in Brüssel und deutsche Ministerpräsidenten, eine große Koalition, deren Schlüsselfiguren aus drei Parteien kommen, ein enttäuschter Interessent aus Italien und ein kanadisch-österreichisch-russischer Bewerber, der nicht glauben kann, zu welch günstigen Konditionen er den Zuschlag erhielt. ... Was allerdings die (meisten) deutschen Teilnehmer zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verloren, das waren die Wahlen in nächster und naher Zukunft ... . Die Abschlussrechnung wird sowieso erst später präsentiert. Wer hat wirklich Zukunft? General Motors, das auf Staatsgeheiß in die Insolvenz geht, oder Opel, das erst einmal am Tropf des Staates hängt und künftig vielleicht Weisungen aus Washington (statt aus Detroit) und Moskau erhält?" (02.06.2009)


Il Sole 24 Ore - Italien

Zur Insolvenz bei General Motors und der Rettung der GM-Tochter Opel schreibt die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "[US-Präsident Barack] Obama setzt darauf, dass die große GM ... im Niedergang neue Arbeitsplätze schafft. Deutschland setzt auf das Gegenteil: Aber hier sind die Wahlen nicht 2012 sondern im September. Adieu also dem Traum des Ruhms. Lieber die Hand des Kremls und eine Fabrik, die niemals wieder wettbewerbsfähig sein und Arbeitsplätze schaffen kann, als eine Niederlage an den Urnen. ... [Angela] Merkel setzt auf das übliche Deutschland, ... überzeugt, dass früher oder später der Alltag zurückkehrt und das Schlimmste niemals eintritt. Obama kann verlieren, aber er setzt auf eine neue Strömung der Geschichte, und am Ende wird Amerika sich das zunutze machen. Merkel mag Opel nutzen, um bei den Wahlen gut davon zukommen. Aber sie setzt auf eine verrostete Geschichte, und Deutschland wird den Preis dafür zahlen. Ob auch Europa zahlen und wie hoch der Preis sein wird, wird sich bald zeigen." (02.06.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 2. Juni 2009

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