Top-Thema vom Freitag, 26. Juni 2009
Wie geht es weiter im Iran?
Der iranische Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gibt nicht auf. Auf seiner Internetseite forderte er am Donnerstag eine Fortsetzung der Proteste gegen die Regierung. Wegen der Präsenz von Sicherheitskräften nehmen täglich weniger Menschen an den Kundgebungen teil. Die europäische Presse fragt, wie es im Iran weitergehen wird.
Die Presse - Österreich
Die Ereignisse auf den Straßen von Teheran deuteten auf eine neue Revolution hin, schreibt Die Presse: "Was auf den Straßen von Teheran passiert ist, hatte alle Merkmale des Beginns einer Revolution. Nach den Ereignissen der vergangenen Woche wird deutlich, dass die Staatsführung zwar die Straßenschlacht vorerst für sich entschieden hat, den Krieg um die Seele des Iran aber verlieren wird. Warum? Der oberste Führer ist nach seinen Fehleinschätzungen diskreditiert, das Bild einer islamischen Republik lässt sich nun nicht weiter aufrechterhalten. Nicht, dass nicht auch Republiken auf Demonstranten einprügeln lassen. Aber alle Reaktionen der iranischen Regierung auf die Proteste waren die einer paranoiden Militärdiktatur. Nach 30 Jahren islamischer Republik ist ein neues Kapitel aufgeschlagen, nichts wird mehr sein wie zuvor." (26.06.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Thomas Seifert
Helsingin Sanomat - Finnland
Die Tageszeitung Helsingin Sanomat sieht die Chancen für einen friedlichen Wandel im Iran schwinden: "Oberflächlich betrachtet flauen die seit zwei Wochen herrschenden Unruhen im Iran ab. Die Festnahmen und die einschüchternde Gewalt funktionieren. Aber dennoch hinterlassen die Ereignisse einen bleibenden Abdruck in der Gesellschaft von der Spitze bis zu den niederen Ebenen. … Nach dem dramatischem Wahlaufstand kann die iranische Führung unmöglich behaupten, dass die Forderung nach Wandel der Aufstand einer unbedeutenden extremen Gruppe war. Wenn die notwendigen Einwände weiter mit der Strenge der letzten Tage erstickt werden, wird wieder eine Möglichkeit vertan, die notwendigen Reformen mit friedlichen Mitteln durchzusetzen. ... In dem komplizierten System der islamischen Republik gibt es sowohl Ansätze gewalttätiger Macht wie auch den [Ansatz] einer Ausgleich suchenden Vermittlung. Wenn Brutalität und Lügen die Oberhand gewinnen, ist der Iran selbst der sichere Verlierer." (26.06.2009)
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168 óra - Ungarn
Nach Meinung der linksliberalen Wochenzeitung 168 Óra gerät das politische System des Iran ins Wanken: "Noch kann man nicht von einer Revolution sprechen. Aber es ist ein Prozess im Gange, der unaufhaltsam scheint. Nach dreißig Jahren geistlicher Herrschaft haben die Perser 'die Schnauze voll'. Das 70-Millionen-Land mit einer Bevölkerung, die zu zwei Dritteln jünger ist als dreißig Jahre, will einen Wandel. Sie [die Bevölkerung] ist der ... Verbote überdrüssig, die ihr von der islamischen Revolution des Ayatollah [Ruhollah Musavi] Khomeini auferlegt wurden und die ihr Leben freudlos machen. Die jüngsten Präsidentschaftswahlen, bei denen es offenkundig Wahlbetrug gab, haben gezeigt, dass die Alleinherrschaft der Geistlichen mächtige Risse bekommen hat. ... Der Gärungsprozess hat im Inneren des Systems begonnen. Die Zeichen stehen nun ganz klar auf Reformen." (26.06.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Endre Aczél
Tribune de Genève - Schweiz
Auch wenn es so aussehen mag, die iranische Opposition hat ihren Kampf noch lange nicht verloren, meint die Tageszeitung Tribune de Genève: "Noch ist nicht alle Hoffnung auf Veränderung im Land der Mullahs verloren. Die Wahl vom 12. Juni und die ihr vorausgehende Kampagne haben einen tiefen Bruch in einem politischen System aufgezeigt, dem es bis dahin dank unaufhörlicher Kompromisse gelungen war, eine einheitliche Fassade zu zeigen. Weil ein Großteil der Iraner Öffnung und Reformen verlangte, konnten die Widersprüche dieses religiös-politischen Regimes nur offen zu Tage treten. Zur Stunde scheinen die Hardliner gewonnen zu haben. Doch im Kontext der Wirtschaftskrise und aufgrund des internationalen Drucks kann man wetten, dass das Paar Ahmadinedschad-Khamenei nicht lange aushalten kann ohne nachzugeben." (26.06.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Bernard Bridel
La Stampa - Italien
Der Schriftsteller Enzo Bettiza war 1979 Augenzeuge, als der Schah im Iran gestürzt wurde. In der liberalen italienischen Tageszeitung La Stampa vergleicht er die Ereignisse von damals und heute: "Der unvorhergesehene, fast plötzliche, totale Wandel des Regimes und des politischen Klimas hatte sich [damals] in einem Crescendo psychologischer Vorwarnungen und physischer Gewalttaten vollzogen. Mit ihren schnellen, von Wiederholungen geprägten, sich überstürzenden, unaufhaltsamen Rhythmen der Demonstrationen ähneln die Ereignisse von damals in vielerlei Weise den Protestkundgebungen und den Schrecken der Unterdrückung, die seit zwei Wochen Teheran mit Blut überströmen. ... Der Schöpfer der schiitischen Theokratie [Ruhollah Musawi ] Khomeini hatte [damals] der jubelnden Menge verkündet: 'Das Gesetz gehört dem Volk und keine Regierung hat das Recht, es für sich selbst zu sichern. ... ' Seitdem sind 30 Jahre vergangen. Dieselben Worte, die damals die laizistische Tyrannei des Schahs delegitimierten, werden heute von mindestens der Hälfte der Iraner gegen die theokratische Tyrannei der klerikalen Erben Khomeinis gerichtet." (26.06.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Enzo Bettiza
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