Top-Thema vom Montag, 27. Juli 2009
Europäische Staaten zweifeln an Afghanistan-Einsatz
Truppenkontingente aus zahlreichen Ländern Europas sind an der internationalen Sicherheits- und Aufbaumission in Afghanistan beteiligt. Doch je länger der Konflikt andauert und je mehr Soldaten am Hindukusch ihren Tod finden, desto mehr stellen die europäischen Länder den Einsatz in Frage.
La Stampa - Italien
Die liberale Tageszeitung La Stampa sieht eine Fortsetzung der italienischen Afghanistan-Mission als das kleiner Übel: "Die positive Antwort beruht auf der Überzeugung, dass ein Rückzug aus Afghanistan sich als militärische Niederlage des Westens und der Nato darstellen würde (deren politische und militärische Glaubwürdigkeit schwer erschüttert würde); er würde die Dschidhad-Formationen auf der ganzen Welt aktiv werden lassen und stärken, und all denjenigen den Widerstandswillen und die Hoffnung auf einen Sieg rauben, die in der weiten und breitgefächerten Umma der Gläubigen Allahs [der Gemeinschaft aller Muslimen] dafür kämpfen, dass Islam und Demokratie zu einer glücklichen und originellen Synthese finden: das heißt, ein Rückzug würde unser 'benachbartes Ausland' noch instabiler und feindlicher machen." (27.07.2009)
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Der Standard - Österreich
Über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr würde die große Koalition in Deutschland lieber schweigen, aber die Opposition lasse das nicht zu, schreibt die Tageszeitung Der Standard: "Die Skepsis gegenüber dem Afghanistan-Einsatz ist enorm. Ganz offensichtlich schafft es die Koalition nicht, dem Volk zu vermitteln, warum die Deutschen in Afghanistan gebraucht werden und warum sie nicht bloß Nelken im Gewehrlauf stecken haben. Angesichts der verschärften deutschen Offensive in Afghanistan und der nahenden Wahlen in Kabul und Deutschland wird Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) jedoch gar nichts anderes übrigbleiben, als endlich klarer Stellung zu beziehen und nicht bloß wolkig bis beschönigend von einem 'Stabilisierungseinsatz' zu schwadronieren. ... Soldaten wie Bürger haben daher ein Recht, über Gefahren offen informiert zu werden. Jede weitere Verharmlosung spielt nur der Linkspartei in die Hand, die einen völlig unrealistischen Totalabzug fordert." (25.07.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Birgit Baumann
Blog Carl Bildt - Schweden
Nach dem Tod dreier schwedischer Soldaten in Afghanistan stellen die Schweden die Mission am Hindukusch zunehmend in Frage. Nach einem Besuch der Krisengebiete plädiert Außenminister Carl Bildt in seinem Blog jedoch für eine Fortsetzung des Mandats: "Ich glaube nicht, dass wir am Hindukusch schnell eine perfekte Gesellschaft aus dem Boden stampfen können. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass wir diejenigen im Stich lassen, die versuchen, einen Rechtsstaat aufzubauen, Frauen Möglichkeiten zu geben, die ihnen sonst verwehrt werden, sowie Jungen und Mädchen eine Ausbildung zu geben, die sie sonst nicht bekommen hätten. Die Tragik liegt darin, dass diese Bemühungen - auch militärisch - gegen diejenigen geschützt werden müssen, die versuchen, das Land in ein düsteres Mittelalter mit Unterdrückung und Vorurteilen zurück zu versetzen. Etwas anderes zu glauben, hieße nur zu zeigen, wie wenig man verstanden hat." (27.07.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Carl Bildt
Lapin Kansa - Finnland
Mit Blick auf die finnische Beteiligung am Afghanistan-Einsatz meint die Tageszeitung Lapin Kansa, Finnland müsse eine mögliche Nato-Mitgliedschaft überdenken: "Man kann den Finnen schwer begründen, warum es nötig wäre der Nato beizutreten, gerade jetzt da die finnischen Truppen Ziel von Anschlägen in Nord-Afghanistan werden. Die finnischen Friedenstruppen nehmen mit rund 100 Soldaten an der Nato-geführten UN-Friedensmission teil. Auch in Afghanistan geht es um grundlegende westliche Werte, die zum Beispiel bei den Terroranschlägen in den USA im Jahr 2001 bedroht wurden. Finnland repräsentiert die westlichen Länder und ist für Freiheit und Demokratie. Die Nato-Mitgliedschaft ist für die Finnen eine Option. Aber man kann kein Mitglied der Nato werden, weil der größte Teil des Volkes gegen die Einlösung dieser Option ist. Auch wenn Finnland zur Familie der Europäischen Union gehört, hat die bürgerliche Regierung die Nato-Debatte in die Zukunft verschoben." (26.07.2009)
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