Top-Thema vom Mittwoch, 29. Juli 2009
Neuer Dialog zwischen den USA und China
Die USA und China wollen enger zusammenarbeiten. Zum Abschluss ihres historischen Gipfeltreffens in Washington erklärten die beiden Großmächte am Dienstag ihre Absicht, die Weltwirtschaft zu stabilisieren, den Klimawandel zu stoppen und die Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Die europäische Presse kommentiert den neuen Dialog.
Blog Le Figaro - Frankreich
In seinem Blog für die konservative Tageszeitung Le Figaro schreibt Pierre Rousselin: "Die Bedeutung des chinesisch-amerikanischen Treffens, das über zwei Tage in Washington stattgefunden hat, darf nicht unterschätzt werden. Es ähnelt sehr einem informellen G2-Gipfel, von dem so viel gesprochen wird, und bei dem sich die heutige Supermacht Amerika und die zukünftige Macht China über die Zukunft der Welt einigen. Eine solche Beschreibung ist zum Teil Fantasie, weil sich (noch) nicht alles zwischen Washington und Peking entscheidet, da China und die Vereinigten Staaten weit davon entfernt sind, alle zu überstimmen. Aber in einer Zeit, da die Weltkrise die strategischen Gleichgewichte erschüttert und sich kollektive Instanzen wie die G8, G14 und G20 ... vermehren, erreicht die Idee einer G2 etwas: Während die anderen quatschen, verhandeln die Vereinigten Staaten und China im kleinen Kreis über ernste Angelegenheiten." (28.07.2009)
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El País - Spanien
"Es gibt kaum ein deutlicheres Zeichen für den Wandel der Zeiten, als den Dialog zwischen den USA und China", schreibt die linksliberale Tageszeitung El País über das Gipfeltreffen der beiden Länder in Washington. Die Zeit der USA als einziger Supermacht sei bald vorbei: "[US-Präsident Barack] Obama erkennt diese Wirklichkeit, ruft zur Zusammenarbeit auf und unterstreicht die gemeinsamen Interessen. Und dabei übergeht er die Missachtung der Menschenrechte von Seiten der kommunistischen Regierung [Chinas]. Es gibt Bereiche - wie die atomaren Bestrebungen im Iran oder in Nordkorea - , in denen eine Zusammenarbeit von Washington und Peking sehr vorteilhaft wäre. In anderen Bereichen ist sie unabdingbar, wie etwa bei der Erwärmung der Erdatmosphäre, die vermutlich die größte Bedrohung der Erde ist." (29.07.2009)
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Corriere del Ticino - Schweiz
Die liberale Tageszeitung Corriere del Ticino meint, dass die USA und China Probleme wie Klimaschutz, Atombedrohung und Terrorismus pragmatisch angehen: "Bei all diesen Themen kann sich der strategische Dialog entfalten, der auch für China einen entscheidenden Wert darstellt. In der Tat sieht China, dessen globaler Einfluss heute noch begrenzt ist, in dem Dialog mit Amerika die Perspektive, seinen Status auf der Weltbühne zu erhöhen. Aber derselbe Dialogansatz beinhaltet, zumindest unter einem politisch-strategischen Gesichtspunkt, … zugleich die Notwendigkeit, die Beziehungen extrem pragmatisch auszurichten, und zwar so, dass man zwar Fragen von absoluter Priorität beantworten kann, aber fast alles, was dem neuen Alliierten unangenehm sein könnte, nicht zur Sprache bringt. … In Washington hat [US-Präsident Barack] Obama die anhaltenden Spannungen zwischen den beiden Mächten nicht verschwiegen. ... Diese Spannungen ... verschwinden also nicht urplötzlich. Aber der Dialog schreibt vor, das jede Polemik von nun an in einer Atmosphäre der engeren Beziehungen ... in Angriff genommen wird." (29.07.2009)
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The Irish Times - Irland
Zum USA-China-Gipfel schreibt die Tageszeitung The Irish Times: "Obama sagt, die Länder sollten 'Partner aus Notwendigkeit, aber auch aus der günstigen Gelegenheit heraus' sein. Diese gute Formel hängt entscheidend davon ab, wie erfolgreich sie die weitere Agenda zum Klimawandel, zur Verbreitung von Kernwaffen und zur internationalen Führung bewältigen - ganz zu schweigen von dem schwierigen Thema der Menschenrechte in Chinas Innenpolitik, die kürzlich durch die Zusammenstöße mit der Uiguren-Minderheit in der Xinjiang-Provinz aufgezeigt wurden. Die klare Perspektive, die aus diesem Treffen hervorgeht, ist, dass die USA und China mit Blick auf den entscheidenden Kopenhagener Gipfel im Dezember enger beim Klimawandel zusammenarbeiten. Man versteht die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit besser. Und sie haben Fortschritte bei den Möglichkeiten zur Ausweitung internationaler Regierungsstrukturen gemacht, die aufstrebende Länder und Wirtschaftsräume einschließen. Es ist ein guter Start für einen langen und beschwerlichen Weg." (29.07.2009)
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