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Top-Thema vom Freitag, 21. August 2009


Lockerbie-Attentäter frei


Der wegen des Lockerbie-Anschlags von 1988 verurteilte Libyer Abdelbaset Ali al-Megrahi ist am Donnerstag vorzeitig aus seiner schottischen Haft entlassen worden und in seine Heimat zurückgekehrt. Die Regierung in Schottland führte humanitäre Gründe an, weil der 57-jährige al-Megrahi Krebs im Endstadium hat. Die europäische Presse zeigt sich über die Freilassung des Attentäters gespalten. Bei dem vom libyschen Geheimdienst organisierten Anschlag auf ein Flugzeug starben 270 Menschen, als die Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte.


Mladá fronta Dnes - Tschechien

Die liberale Tageszeitung Mladá Fronta Dnes äußert ihr Unbehagen über die Freilassung des Lockerbie-Attentäters mit einem Vergleich: "Stellen Sie sich vor, Osama Bin Laden wird gefasst, verurteilt und für immer hinter Gitter gebracht. Nach ein paar Jahren kommt er frei, weil er an Nierenkrebs leidet, ihm nur noch ein paar Monate bleiben. Grund genug für Mitleid. Wir sind doch schließlich Menschen. Eine absurde Vorstellung? Nein, seit gestern ist das aus dem Leben gegriffen. Ein schottisches Gericht lässt einen Terroristen frei, der zwar nicht so bekannt ist wie Osama, an dessen Händen aber auch viel Blut klebt. ... Der Mensch soll verzeihen können. Menschen machen Fehler und begehen Verbrechen. Aber das in Lockerbie war kaltblütiger Massenmord. Dort müssen andere Maßstäbe gelten. Für eine Terrortat kann es kein Mitleid geben, weil es den Tod der Opfer trivialisieren würde. ... Die Passagiere des zum Absturz gebrachten Flugzeuges damals hatten keine Chance. Es wäre nur gerecht, wenn der Attentäter auch keine bekommen würde." (21.08.2009)


Die Welt - Deutschland

Zur Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdelbaset Ali al-Megrahi aus seiner schottischen Haft schreibt die konservative Welt: "Zweifel allerdings ergeben sich aus den Umständen des Gnadenakts, dem der Ruch eines Deals anhaftet. Ist es nur ein Zufall, dass hochrangige Vertreter Großbritanniens seit einigen Wochen Libyen bereisen, um den Zuschlag für die Ausbeutung gigantischer Öl- und Gasvorkommen vor der Küste des nordafrikanischen Landes zu bekommen? Ist der noble Akt der Humanität also nur die Fußnote eines Geschäftsabschlusses? Diese Frage wird wohl offenbleiben - wie so vieles, was im Zusammenhang mit der Aufklärung eines der spektakulärsten Terrorfälle des 20. Jahrhunderts steht. Denn trotz seiner Verurteilung gab es immer Zweifel, ob die im Prozess gegen Megrahi vorgelegten Indizien wirklich einen Schuldspruch rechtfertigten. Ernst zu nehmende Stimmen sprachen damals von einem 'Fehlurteil'. Es wäre deshalb wünschenswert gewesen, wenn die schottische Justiz früher über eine Wiederaufnahme des Verfahrens nachgedacht hätte. Nun ist es dafür zu spät." (21.08.2009)


Trouw - Niederlande

Die USA haben die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdelbaset Ali al-Megrahi scharf kritisiert. Die Tageszeitung Trouw findet seine Haftentlassung dagegen richtig, auch wenn es für die Angehörigen der Opfer schmerzlich sei: "Warum ihn bei seiner Familie sterben lassen, wenn das ihren Angehörigen an Bord der [PanAm] Boeing [bei dem Attentat von 1988] nicht vergönnt war? Daraus spricht der Wunsch nach Rache, der in der amerikanischen Rechtskultur soviel stärker vorhanden ist als in der europäischen. Das kommt auch bei der Ausführung der Todesstrafe zum Ausdruck. Der schottische [Justiz-]Minister [Kenny MacAskill] hat dem Druck zu Recht standgehalten: Abgesehen von Rache hat ein längerer Aufenthalt des Libyers in der schottischen Zelle keinen weiteren Zweck. ... Es sind dramatische Entscheidungen, die für viele schmerzhaft sind. Einen solchen Verurteilten zu Hause sterben zu lassen, ist ein Zeichen von Stärke. Es ist eine Entscheidung, die zeigt, dass die Zivilisation, die die Verurteilten untergraben wollten, am Ende stärker ist als sie." (21.08.2009)


Irish Examiner - Irland

Im Fall des todkranken Lockerbie-Attentäters Abdelbaset Ali al-Megrahi findet die liberale Tageszeitung The Irish Examiner Gnade wichtiger als Rache: "Fast jedes Kapitel der Geschichte zeigt, dass eine unmenschliche Behandlung von Gefangenen wenig dazu beiträgt, einen Feind zu besiegen. Vielmehr vertieft es Zwietracht und Hass und erschwert die Lösung des Konflikts. [Die Gefangenenlager von] Guantánamo, Long Kesh [in Nordirland] und [der südafrikansichen] Robbeninsel hatten nach Ansicht ihrer Verwalter sehr notwendige Funktionen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht die Entschlossenheit einiger Häftlinge stärkten. Abdelbaset Ali al-Megrahi wurde des furchtbarsten Verbrechens verurteilt, und wenn er nicht todkrank wäre, gäbe es kein Argument für seine Freilassung. Er ... hat ... Blut an seinen Händen. Aber es ist schwer verständlich, was man dabei gewinnen soll, einen sterbenden Mann im Gefängnis zu halten - außer Rache. Es wäre für jeden unklug, sowohl für die Amerikaner als auch für die Libyer, Gnade mit Schwäche zu verwechseln. Gnade wird sicherlich mehr als Rache dazu beitragen, Brücken zu schlagen." (21.08.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 21. August 2009

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