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Top-Thema vom Mittwoch, 26. August 2009


Bernanke bleibt US-Notenbankchef


Der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke soll für weitere vier Jahre im Amt bleiben. US-Präsident Barack Obama begründete die erneute Nominierung des 55-jährigen Ökonomen am Dienstag mit der "Ruhe und Weisheit", mit der dieser die Wirtschaftskrise gemeistert habe. Die europäische Presse kommentiert die Stärken und Schwächen des Mannes an der Spitze der Federal Reserve (Fed).


La Vanguardia - Spanien

Die liberale Tageszeitung La Vanguardia lobt die Weitsicht, die US-Präsident Barack Obama mit der Nominierung von Notenbankchef Ben Bernanke gezeigt habe: "Das erneut ausgesprochene Vertrauen in Bernanke hat abgesehen von der ökonomischen Botschaft auch mehrere politische Inhalte, von denen einige auch außerhalb der Grenzen der USA von Bedeutung sind. Denn indem er auf einen Republikaner wie Bernanke setzt, erinnert uns der Demokrat Obama daran, dass das Kollektivinteresse, wenn es notwendig ist, vor dem Interesse der Partei steht. Das heißt, dass die Loyalität zum Staat - in schwierigen Konjunkturlagen - über jede andere geht. Hier liegt eine Lehre, die wir nicht ignorieren sollten." (26.08.2009)


Corriere della Sera - Italien

Mit der erneuten Nominierung von Ben Bernanke als Chef der US-Notenbank wolle sich US-Präsident Barack Obama vor allem Stabilität sichern, schreibt die Tageszeitung Corriere della Sera: "Wer sich über Obamas Entscheidung wundert, den Republikaner Ben Bernanke zu bestätigen, den bärtigen Professor aus Princeton, der von George Bush in einen Bankier verwandelt wurde, versteht das große Stabilitätsbedürfnis eines Amerikas nicht, das noch mitten in der Wirtschaftskrise steckt, sowie die Tatsache, dass das Angebot des amerikanischen Präsidenten an den Akademiker nicht unbedingt ein bequemer Stuhl ist. Seit dem Absturz der [Bank] Lehman Brothers hat der Chef der Notenbank das vergangene Jahr nicht auf Samt gebettet verbracht, sondern zwischen einer harten Pritsche in seinem Büro mit halb schlaflosen Nächten und dem Kreuz, an das er von den Abgeordneten und Senatoren ... geschlagen worden ist. ... Obama, erschöpft von der Kampagne, die die Konservativen gegen seine Gesundheitsreform vom Stapel gelassen haben, ... braucht alles andere als einen weiteren Zusammenstoß mit der Opposition, um einen republikanischen Notenbankchef durch einen [Vorsitzenden] mit demokratischem Glauben zu ersetzen." (26.08.2009)


De Standaard - Belgien

Trotz einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung sei die Gefahr der Krise noch nicht gewichen, meint die Tageszeitung De Standaard. Daher sei es gut, jetzt nicht "den Kapitän zu wechseln": "Gegner von [US-Notenbankchef Ben] Bernanke behaupten, nicht ganz zu Unrecht, dass er zumindest teilweise für die Entgleisungen des Finanzsektors verantwortlich ist. ... Aber auch die Gegner müssen anerkennen, dass er, als Not am Mann war, schnell und kurzentschlossen eingeschritten ist. Der Geldhahn ging auf, und das Schlimmste wurde verhindert. ... Das Wichtigste ist, dass das nächste Stück auf dem Weg aus der Krise mit derselben Gewandtheit und Entschlossenheit zurückgelegt wird. ... Bernanke bleibt also, und das ist ok. Was wir inzwischen gelernt haben, ist, dass es nicht nötig ist, einen Halbgott aus ihm zu machen, wie es mit seinem Vorgänger Alan Greenspan geschah. Dieser wird jetzt als der Mann verschrien, der das Entstehen der Seifenblase zuließ. Wir dürfen aus einem verdienstvollen Fachmann nicht erneut einen Superhelden machen." (26.08.2009)


Les Echos - Frankreich

Die Wirtschaftszeitung Les Echos lobt und tadelt die Reaktion des US-Notenbankpräsidenten, Ben Bernanke, auf die Wirtschaftskrise: "Auf der Constitution Avenue, in dem Jugendstil-Gebäude, das die amerikanische Notenbank beherbergt, wusste ein Mann, was zu tun war. Im Jahr 2008 war das Ben Bernanke. Sechs Jahre vor der Pleite der Lehman-Bank, erklärte er in einer Rede, was man tun müsse, um eine Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Dieser ehemalige Professor ... zögerte nicht, den Zins auf 0 Prozent zu senken, mehr als 1000 Milliarden Dollar in die amerikanischen Banken zu investieren, um sie vor einer Katastrophe zu bewahren und massenweise faule Papiere der Wall Street und Schatzanweisungen zu kaufen. Und dennoch beunruhigt das erste Mandat von Bernanke in mancher Hinsicht. Zunächst hat er nichts getan, um gegen die zu feige Regulierung der Finanzinstitutionen zu kämpfen, die er von seinem Vorgänger geerbt hat und die eine der Ursachen der Krise ist. Dann hat er zu spät erkannt, dass die Subprime-Hypotheken die gesamte Finanzwelt ins Wanken bringen würden." (26.08.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 26. August 2009

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