Top-Thema vom Montag, 7. September 2009
Keine Obergrenze für Boni
Die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer haben sich bei ihrem Treffen in London am Wochenende auf die Festsetzung von strengeren Regeln für Manager-Boni geeinigt. Eine Obergrenze für Bonuszahlungen an Manager wird es aber nicht geben. Weitere Details sollen auf dem G20-Gipfel Ende September in Pittsburgh ausgearbeitet werden.
Sega - Bulgarien
Die Tageszeitung Sega kommentiert das Scheitern der deutsch-französischen Initiative für eine Begrenzung der Banker-Boni: "Die Spitzenpolitiker der zwei größten europäischen Volkswirtschaften konnten sich selbst bei ihren europäischen Partnern nicht mit einer gemeinsamen Position zu dem Regelpaket, das eigentlich für die G20 bestimmt ist, durchsetzen. ... Dem wahren Ideologen der Restriktionen zufolge - John Lipsky, Nummer Zwei in der Hierarchie des [Internationalen Währungsfonds] IWF - würden die Restriktionen kaum einen Effekt haben, wenn sie nur von Frankreich, Deutschland oder selbst der ganzen EU angenommen würden. Seiner Meinung nach können die Raubtiere der globalen Finanzszene nur gebändigt werden, wenn eine Begrenzung der absurd hohen Boni der Topbanker weltweit durchgesetzt würde. Sonst würden Banken ... die Obergrenzen umgehen. Was in Frankreich verboten ist, würden sie von ihren Filialen in Indien und Indonesien aus bezahlen." (07.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Emil Harsew
De Tijd - Belgien
Die G20 böten eine "einzigartige Plattform, um die dringend notwendigen Reformen in der Finanzwelt umzusetzen", schreibt die Wirtschaftszeitung De Tijd. Dennoch habe man sich nicht auf eine klare Linie zur Deckelung der Banker-Boni einigen können: "Die Finanzkrise des vergangen Jahres hat gezeigt, wie brüchig das Finanzsystem ist. Aber in demselben Maße wie die Krise weiter verebbt, scheint auch die Dringlichkeit zu verfliegen. Und das ist schade. Die Aufsichtskräfte, vereint im Financial Stability Board, müssen nun einen Kompromisstext ausarbeiten. Das verspricht, eine schwierige Aufgabe zu werden. Alle stimmen darin überein, dass an der Bonikultur und an den Kapitalanforderungen für die Finanzinstitute etwas getan werden muss. Aber das heißt nicht, dass jeder auch an dieselbe Lösung denkt. Die politischen Führungskräfte der Welt haben nur noch drei Wochen, um zu einer Einigung zu gelangen und die Finanzmarktreform in eine endgültge Form zu gießen. Die Zweifel nehmen zu, dass dies gelingen wird." (07.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Jean Vanempten
The Times - Großbritannien
Die konservative Tageszeitung The Times begrüßt die Entscheidung der G20-Finanzminister, keine Höchstgrenze für Boni festzulegen: "Der Gipfel hat sich dem Druck der französischen und deutschen Regierung widersetzt, die Bezahlung von Bankern zu begrenzen. Dieser Vorschlag hat eine mächtige populistische Anziehungskraft, aber eine geringe wirtschaftliche Logik. Regierungen können die Ungleichheit von Einkommen durch das Steuersystem reduzieren, wenn die Wähler das wollen. Aber sie haben keine Ahnung, was ein bestimmter Job auf dem Markt wert ist und ob er 'für die Gesellschaft nützlich' ist. Es ist sinnvoll für Banken, das Gehalt ihrer Angestellten an risikoabhängige Rentabilitätsmaßstäbe zu koppeln und in der Lage zu sein, Boni von Tradern zurückzuverlangen, die Risiken eingehen, die sich als schlecht herausstellen. ... Aber gesetzliche Obergrenzen für Banker-Gehälter signalisieren, dass sich nur Versager bewerben sollten. Bislang haben die G20 die richtige Balance bewahrt." (07.09.2009)
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Sydsvenskan - Schweden
Abseits der Diskussion über Banker-Boni bedauert der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren in der Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet, dass es beim G20-Treffen in London keinen Fortschritt in der Klimafinanzierung gegeben habe, hat aber Hoffnung für Pittsburgh: "Wir haben lange genug auf die USA gewartet. ... Wenn man von seiner gestrigen Rede ausgeht, ist [Finanzminister] Anders Borg voller Hoffnung, dass die Amerikaner vorangehen. 'Die haben ja nun mit der neuen Regierung den Willen, voranzukommen'. Das sollte reichen. Man sehe sich nur mal das Treffen in London an: Überraschend gelang es den G20-Ländern mit Blick auf die Bonusregeln für Banker einen großen Schritt zu machen. Wenn bei den Klimafragen in Pittsburgh ein entsprechender Durchbruch gelingt, sollte es für die Klimakonferenz in Kopenhagen [im Dezember] besser aussehen. Wirklich? Na ja. Das meiste ist doch möglich, wenn der politische Wille bloß stark genug ist." (07.09.2009)
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