Top-Thema vom Freitag, 11. September 2009
General Motors verkauft Opel
Nach monatelangen Verhandlungen verkauft der US-Autobauer General Motors (GM) nun doch seine deutsche Konzerntochter Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank. Die Käufer planen einen Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen in Europa. Zwar sollen die vier Opel-Standorte in Deutschland erhalten bleiben, das belgische Werk in Antwerpen werde aber wohl geschlossen, hieß es.
De Morgen - Belgien
Nach der Übernahme von Opel durch den Autozulieferer Magna gibt es kaum Aussichten für den belgischen Standort Antwerpen. Der Todeskampf habe begonnen, schreibt die Tageszeitung De Morgen: "Mit großer finanzieller Unterstützung der deutschen Regierung hat Magna nun das Sagen und muss den Abbau der Überkapazität anpacken. Man muss kein Schwarzseher sein, um zu fürchten, dass dabei nicht an erster Stelle objektive und messbare Kriterien gelten, sondern vor allem deutsche Interessen vorherrschen. Nach dem Motto: 'Die eigene Fabrik zuerst'. [Bundeskanzlerin] Angela Merkel und Deutschland sind nun mal eine Nummer größer als [der belgische Ministerpräsident] Herman Van Rompuy und [der flämische Ministerpräsident] Kris Peeters zusammen, wie viele Reisen sie auch immer nach Detroit unternommen und wie viele Briefe sie auch der Europäischen Kommission geschickt haben. Auch in einem vereinigten Europa ist das Hemd näher als der Rock, und Flandern bleibt ein Ministaat mit wenig internationalem Einfluss oder Überzeugungskraft." (11.09.2009)
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Cinco Días - Spanien
Nach der Entscheidung von General Motors, Opel mehrheitlich an Magna zu verkaufen, werden im spanischen Opel-Standort Figueruelas vermutlich viele Arbeitsplätze verloren gehen. Die linksliberale Wirtschaftszeitung Cinco Días sieht die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gewinnerin des Tauziehens: "Der lange Verhandlungsprozess lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Merkel hat gewonnen. Es gehörte zu dem deutlichen Einsatz der Kanzlerin für das russisch-kanadische Angebot, dass der Großteil der personellen Umstrukturierung außerhalb Deutschlands geschehen würde. Das war entscheidend. In Deutschland arbeitet die Hälfte der 50.000 europäischen Opel-Angestellten. Und die Option war Merkel mitten im Wahlkampf mehrere Milliarden Euro wert. ... Deshalb war das Opelwerk in Figueruelas (Saragossa) im Vergleich zu den übrigen [Werken] der Gruppe im Nachteil." (11.09.2009)
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Blog Carta - Deutschland
Im Autoren-Blog Carta sieht Ursula Weidenfeld die Rettung der deutschen Opel-Standorte durch den Verkauf an den Autozulieferer Magna mit gemischten Gefühlen. Kurz vor der Bundestagswahl hätten die deutschen Regierungsparteien viel einstecken müssen: "Die Erleichterung der Berliner Wahlkämpfer ist unüberhörbar. Den Liebesdienst, den die amerikanische Regierung als GM-Mehrheitseigentümerin den Regierungsparteien erweist, wird sie sich bezahlen lassen. ... Die Amerikaner haben entschieden, wie und wann sie es wollen und für richtig hielten. Das ist nicht besonders nett. Aber es ist ihr Recht. Sie sind die Eigentümer von GM, und sie sind Gesellschafter der Opel-Treuhand. Daran haben sie die Deutschen an diesem Donnerstag erinnert. Sie haben sie zappeln lassen, und sie haben klar gemacht: Die deutschen Interessen zählen nicht, weder die politischen noch die arbeitnehmerischen. Es sei denn, der Preis stimmt - für GM." (11.09.2009)
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Financial Times - Großbritannien
Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times sieht den deutschen Deal mit General Motors (GM) kritisch: "Dass die deutsche Hartnäckigkeit sich durchgesetzt hat, ist schade für den deutschen Steuerzahler, der nun 4,5 Milliarden Euro in Darlehensgarantien für die Gruppe aufbringen muss, statt der 3,2 Milliarden Euro, die [der Finanzinvestor und andere potenzielle Käufer] RHJ akzeptiert hätte. Die Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft sind noch schlimmer. GM hatte gewarnt, dass die Marktkonditionen zwangsläufig zu Entlassungen unter seinen 25.000 deutschen Arbeitnehmern führen würden; der Besitzerwechsel ändert nichts an den ökonomischen Aussichten. Wenn die [deutsche] Regierung Einschnitte vermeiden will, wird sie den aufgeblähten Autosektor als ein teures Beschäftigungsprogramm nutzen. Genau wie bei der Abwrackprämie gibt das dem Problem Zeit zu wachsen, bevor es angegangen werden kann." (11.09.2009)
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Les Echos - Frankreich
In ihrem Leitartikel schreibt die Tageszeitung Les Echos zur Lage der europäischen Automobilindustrie nach dem Verkauf der GM-Tochter Opel: "Amerika macht kurzen Prozess. Bankrott von General Motors und Chrysler, Entlassungswellen und die Infragestellung sozialer Errungenschaften. Auf brutale Weise schlagen die Vereinigten Staaten nach dem goldenen Zeitalter der Automobilindustrie ein neues Kapitel auf. Umgekehrt erweckt die europäische Automobilindustrie den Eindruck, während der schlimmsten Krise der Automobilgeschichte auf der Stelle zu treten. Opel, der am schwersten kränkelnde Automobilhersteller des alten Kontinents, entgeht dem Konkurs. Auf dieser Seite des Atlantiks wurde keine Schließung größerer Werke angekündigt. Und die Angestellten gingen in Kurzarbeit statt in die Arbeitslosigkeit. ... Durch ihre Unterstützung der Nachfrage und der Unternehmer trägt die Politik in Frankreich und Deutschland dazu bei, schmerzhafte Umstrukturierungen hinauszuzögern." (11.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » David Barroux
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