Top-Thema vom Dienstag, 15. September 2009
Ein Jahr Krise
Ein Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die die Welt in die größte Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit stürzte, kommentiert die europäische Presse die Fehler der Vergangenheit, den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und die Hoffnungen für die Zukunft.
De Volkskrant - Niederlande
Ein Jahr nach dem Beginn der Finanzkrise seien die Lektionen für die Regierungen noch immer nicht klar, schreibt die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Die positive Rolle, die der öffentliche Sektor ganz offensichtlich bei der Rettung des Bankwesens gespielt hat, hat nicht zu mehr Klarheit über seine Funktion geführt. Obrigkeiten sind zwar plötzlich Eigentümer von Banken, Versicherungen und Autoproduzenten, aber zu anderen, ideologischen Einsichten hat das nicht geführt. ... Regierungen können es sich absolut nicht erlauben, noch einmal den Finanzsektor zu retten. Leider scheint ein Großteil dieses Sektors wieder zur Tagesordnung übergegangen zu sein. Außerdem zeigen sich die Regierungen trotz ihres prinzipiellen Konsens [über die Notwendigkeit der Reformen], alles andere als einig, wenn die Details zur Sprache kommen. So muss man auf dem G20-Gipfel Ende September nochmal sehen, ob die Bankerboni effektiv in Angriff genommen werden. ... Geschieht das nicht oder nur unzureichend, dann werden die Schwarzseher Recht bekommen, die meinen, dass ein zweites Tief nötig ist, um wirklich aus dieser Krise zu lernen." (15.09.2009)
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Correio da Manhã - Portugal
Ein Jahr nach der Lehman-Pleite scheine die Welt nichts aus der Krise gelernt zu haben, schreibt die Tageszeitung Correio da Manhã: "Nach dem Schrecken und nach Injektionen astronomischer Summen von Steuergeldern zur Bankenrettung scheint es, dass man wenig gelernt hat. Gestern [am Montag] forderte [US-Präsident Barack] Obama mehr Transparenz, mehr Regulierung und mehr Überwachung für das Finanzsystem. Wenn nichts unternommen wird, werden die Steuerzahler in Zukunft erneut büßen müssen, um Institutionen zu retten, deren Manager sich nur um ihre Millionenprämien kümmern und deshalb alles tun, um die Gewinne aufzublähen, selbst wenn sie dafür die Bilanzen fälschen müssen." (15.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Armando Esteves Pereira
Frankfurter Rundschau - Deutschland
Der Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers habe die Welt nicht in die Krise gestürzt. Das Problem seien liberalisierte Finanzmärkte und konsumschwache Länder wie Deutschland, meint die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Die These, Deutschland sei solide aufgestellt gewesen und deshalb unschuldig in die Krise geraten, ist die dritte Lehman-Lüge. Das wird beim Blick auf die Realwirtschaft klar. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Weltwirtschaft vor allem, weil Amerika mehr konsumieren konnte, als es selbst produzierte - finanziert durch fast wertlose Papiere, die Länder kauften, die mehr produzierten, als konsumierten, allen voran China, Deutschland und Japan. Solange diese Länder nicht die globale Nachfragelücke durch stärkeren Konsum füllen, solange wird sich die Weltwirtschaft nicht nachhaltig erholen können. Permanente Exportüberschüsse, wie sie die deutsche Volkswirtschaft anstrebt, sind genauso für die Krise verantwortlich wie das Pendant, permanente Leistungsbilanzdefizite der angelsächsischen Länder." (15.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Robert von Heusinger
Les Echos - Frankreich
Ein Jahr nach der Bankenpleite bei Lehman Brothers vergleicht die Wirtschaftszeitung Les Echos zwei folgenschwere Septembertage: "Zweifellos wird der 15. September 2008 für lange Zeit das Datum der größten Bankenpleite der Geschichte bleiben. An diesem Tag löste sich Lehman Brothers genauso abrupt in die Luft der Wall Street auf wie die beiden Türme des World Trade Centers sieben Jahre zuvor von der New Yorker Skyline verschwanden. Am 11. September 2001 hatten innerhalb weniger Stunden die Flugzeuge nacheinander aufgehört zu fliegen. Diesmal sind es die Banken, die auf einmal aufhörten, Geld zu verleihen. Ein großes Schild mit der Aufschrift 'Schließung wegen flächendeckenden Misstrauens' wurde an allen Schaltern des globalen Kapitalmarkts angebracht. Es ist natürlich die Globalisierung, die zwei so unterschiedliche Ereignisse in einen Zusammenhang setzt. In beiden Fällen konnte man die Stärke [der Globalisierung], aber auch ihre Schwäche sehen." (15.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Henri Gibier
Cinco Días - Spanien
Ein Jahr nach dem Lehman Brothers-Konkurs scheinen die EU-Länder das Schlimmste der Krise überstanden zu haben. Spanien dürfe jedoch nicht den Anschluss verpassen, meint die Wirtschaftszeitung Cinco Días: "Die gute Nachricht von der schnellen Erholung des Clubs der Union steht laut Brüssel im Gegensatz zu dem langen Schatten, den die Rezession noch auf die spanische Wirtschaft wirft. Spanien steckt noch immer fest und wird die einzige große Volkswirtschaft der EU sein, die die Rezession 2009 nicht hinter sich lässt. Um diesen Übergang zu überwinden, während die Binnennachfrage wegen der alarmierenden Arbeitslosigkeit niedrig ist, müsste man die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Exporte erhöhen, um wieder den Anschluss an den EU-Zug zu bekommen. ... Es ist wahr, dass dies nicht von Spanien allein abhängt, aber unseren Hauptkunden Deutschland und Frankreich geht es schon besser. Jetzt geht es darum, das Exportpotenzial Spaniens zu erneuern und den Impuls und die Nachfrage aus diesen Ländern zu nutzen." (15.09.2009)
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