Top-Thema vom Dienstag, 22. September 2009
Truppenchef fordert mehr Soldaten für Afghanistan
Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppen in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, hat vor einer Niederlage gegen die Taliban gewarnt. In einer am Montag veröffentlichten Einschätzung der Lage am Hindukusch forderte er unter anderem mehr Soldaten und zivile Helfer. Der vertrauliche Bericht war der US-Tageszeitung Washington Post zugespielt worden.
Die Presse - Österreich
Die Presse stimmt der negativen Einschätzung der Lage in Afghanistan durch General Stanley McChrystal zu: "Sicher ist: 'Weiterwursteln' führt ebenso ins Desaster, wenn auch zeitverzögert. Was nötig ist, da hat der neue US-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal hundertprozentig recht, ist nichts anderes als ein 'revolutionärer Wechsel' der gesamten westlichen Afghanistan-Strategie: weg von der konventionellen Kriegsführung, möglichst viele Taliban auszuschalten, hin zu jeder Anstrengung, um die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. Nur sie kann die Taliban besiegen. Die Unterstützung der Bevölkerung aber wird die Nato nur gewinnen, wenn sich diese sicherer fühlt, wenn ihr keine Nato-Bomben mehr auf den Kopf fallen, wenn sie nicht mehr das Gefühl hat, dass die ausländischen Soldaten nur einer korrupten Clique in Kabul ihre Macht absichern." (22.09.2009)
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Rheinische Post - Deutschland
Die Warnung des US-Generals Stanley McChrystal zur Lage in Afghanistan komme einem Offenbarungseid gleich, schreibt die konservative Rheinische Post: "Die USA glaubten, die von ihnen nach den Anschlägen des 11. September 2001 von der Macht vertriebenen Taliban auf Dauer kurz halten zu können. Nun müssen sie zähneknirschend zugeben, dass sie sich gründlich getäuscht haben. Die Taliban sind auf dem Vormarsch, sie setzten der stärksten Militärmacht der Welt und deren Verbündeten zu. Deren Demütigung stärkt die ohnehin zu allem entschlossenen Islamisten. Allein in diesem Jahr sind mehr als 350 ausländische Soldaten gefallen. In deren Heimatländern werden immer wieder und immer lauter Ausstiegsszenarien gefordert. Die Forderung nach mehr Soldaten wird sich daher politisch kaum durchsetzen lassen. Die Taliban müssen von ihren Unterstützern abgekoppelt werden. Das geht nur über den zivilen Aufbau und die Verbesserung der Lebensverhältnisse." (22.09.2009)
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La Repubblica - Italien
Die linksliberale Tageszeitung La Repubblica hebt die Art und Weise hervor, in der der Lagebericht von General Stanley McChrystal an die Öffentlichkeit gelangte: "Ein 'Deep Throat', ein geheimer Presseinformant, hat den vertraulichen Bericht von Stanley McChrystal dem Journalisten Bob Woodward von der Washington Post zugespielt, der in den 1970er Jahren mit dem Watergate Skandal berühmt geworden ist, der [Richard] Nixon die Präsidentschaft kostete. Hinter diesem Durchsickern von Nachrichten verbirgt sich eine Kraftprobe. Die Spitzen der Streitkräfte verlieren angesichts der Langsamkeit, mit der das Weiße Haus auf die Forderung neuer Truppen antwortet, die Geduld. ... Das Durchsickern der Meldungen aus dem Bericht entblößt den Engpass, in dem sich [US-Präsident Barack] Obama befindet. Die Option des langsamen Rückzugs nach dem Modell Irak ist ihm verwehrt. Eine Truppensteigerung um mehrere Tausend Soldaten lässt das Vietnamsyndrom, einen ins Unendliche währenden Kriegsmorast befürchten. Der Präsident wird sich zu einer Kompromissposition durchwinden müssen und läuft damit Gefahr, alle unzufrieden zu machen und die schwierigeren Entscheidungen nur um ein paar Monate zu verschieben." (22.09.2009)
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Népszabadság - Ungarn
Laut der linksliberalen Tageszeitung Népszabadság gibt es in Afghanistan kein Zurück: "US-General [Stanley] McChrystal fordert die massive Verstärkung der 68.000 in Afghanistan stationierten US-Soldaten. ... Der neue Generalsekretär der Nato bläst ins gleiche Horn. Auch er verlangt eine Aufstockung der Nato-Truppen in Afghanistan. ... Die Verluste der internationalen Streitkräfte in Afghanistan sind so hoch wie noch nie. Obendrein 'verstehen sie es', mit schlecht gezielten Schüssen und Luftangriffen die afghanische Zivilbevölkerung zu dezimieren. Die zivilisatorische Mission der internationalen Truppen führt vielfach zu einem völlig entgegengesetzten Ergebnis. Es wundert daher kaum, dass die amerikanische, britische, deutsche und französische Öffentlichkeit zunehmend skeptisch, die afghanische wiederum zunehmend feindselig ist. ... Doch es gibt kein Zurück. Niemand wird im Ernst glauben, dass Afghanistan nach acht Jahren Krieg wieder Osama Bin Laden und seinen Schergen überlassen wird, um möglicherweise als Basis für neue Angriffe gegen die USA und Westeuropa zu dienen." (22.09.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Endre Aczél
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