Top-Thema vom Freitag, 11. Dezember 2009
Obamas Friedenspreis spaltet
Während US-Präsident Barack Obama am Donnerstag der Friedensnobelpreis überreicht wurde, demonstrierten in Oslo mehrere Tausend Menschen gegen den Krieg in Afghanistan. Die Presse sieht die Ehrung und ihre Motive zwiespältig.
Die Presse - ÖsterreichNobelpreis-Farce in Oslo
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama ist eine Farce, meint die Tageszeitung Die Presse. Er hätte die Ehrung ablehnen sollen: "Obama wäre nicht der Erste gewesen, der einen Nobelpreis zurückweist. Das haben vor ihm schon zwei andere gemacht: 1964 der französische Schriftsteller-Philosoph Jean-Paul Sartre und 1973 Le Duc Tho, der mit US-Außenminister Henry Kissinger ein Friedensabkommen ausgehandelt hat. ... Kissinger hat die Auszeichnung allein entgegengenommen - und muss sich bis heute dafür rechtfertigen, dass er, der Friedensnobelpreisträger, der Ausweitung des Vietnam-Kriegs auf Kambodscha und Laos zugestimmt und Pinochets Militärputsch in Chile zumindest geduldet hat. Kissinger ist ein Beispiel dafür, dass sich ein Friedensnobelpreis als Fluch erweisen kann. Auch Obama wird der Friedensnobelpreis noch mehr schaden als nützen." (11.12.2009)
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Savon Sanomat - FinnlandObama hat Nobelpreis verdient
US-Präsident Barack Obama hat den Friedensnobelpreis ganz klar verdient, findet die Tageszeitung Savon Sanomat, und weist Kritik wegen des Afghanistan-Kriegs zurück: "Erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob Obamas Afghanistan-Konzept richtig ist und der Frieden die Oberhand gewinnt. Obama steht unter dem Druck der Kriegspolitik seines Vorgängers George W. Bush. Er muss nun das aufräumen, was die Bush-Ära hinterlassen hat. Obama hat jedoch ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Er hat den Friedensnobelpreis verdient. Als das Nobel-Komitee vor einiger Zeit seine Entscheidung bekannt gab, wurde sie auf der ganzen Welt positiv aufgenommen. Es bleibt zu hoffen, dass der Preis für den Führer der Supermacht einen entscheidenden Anreiz für Friedensbemühungen ... darstellt." (11.12.2009)
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La Repubblica - ItalienKrieger wider Willen
Die Kritiker der Verleihung des Friedensnobelpreis an den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama verkennen den feinen Unterschied zwischen friedlich und pazifistisch, schreibt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Wenn der US-amerikanische Präsident die von ihm selbst geweckten Hoffnungen scheinbar enttäuscht hat und eine Auszeichnung annimmt, die scheinbar mit der Eskalation des Kriegs in Afghanistan schwer zu vereinbaren ist, liegt der Grund für dieses Missverständnis darin, dass man den wesentlichen Unterschied übersehen will, der zwischen denjenigen besteht, die einen Krieg aus 'freier Wahl' führen und denjenigen, die ihn aus 'Notwendigkeit' führen. … Ein weiteres Schlüsselwort bei der Annahme des Nobelpreises ist das Wort 'gerecht'. Für die edle Empfindung des Pazifisten ist die Unterscheidung von 'gerecht' und 'ungerecht' hinfällig, da jeder Krieg per Definition das absolut Böse darstellt, das es abzulehnen gilt. Für die Verantwortung des friedlichen Menschen und des widerwilligen Kriegers sind die Waffen hingegen der letzte Ausweg, wenn jeder andere ernsthafte Versuch ... gescheitert ist." (11.12.2009)
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Delo - SlowenienFriedenspreis für Kriegspräsidenten
Der Friedensnobelpreis ist politisch, schreibt die Tageszeitung Delo, was manch eigenwillige Entscheidung des Komitees erklärt: "Zahlreiche Kommentatoren fragten sich, wie Obama, der nichts außer großen Worten geleistet hatte, gleichgestellt werden konnte mit wahrlich verdienten Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Mutter Teresa oder Martin Luther King. Dass er für das, was er bisher getan hat, die Auszeichnung eigentlich nicht verdiene, betonte Barack Obama des öfteren selbst. Auch das Argument, dass mit der diesjährigen Verleihung der Preis an Prestige verloren hat, steht auf wackeligen Beinen. Denn der Friedensnobelpreis ist immer auch ein politischer Preis. Ansonsten hätte ihn auch der fünf Mal nominierte Mahatma Gandhi erhalten und nicht etwa Henry Kissinger, der eher vor ein Kriegsgericht als auf den Sockel des Dynamit-Erfinders gehört hätte. Politisch war der Preis auch dieses Jahr, spiegelte er doch die Hoffnung wieder, dass unter Obamas Friedensgerede und dem frommen Wunsch nach einer atomfreien Welt mehr steckt. Doch angesichts Obamas Verschärfung des sinnlosen Vergeltungskriegs scheint diese Hoffnung übereilt gewesen zu sein." (11.12.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Boris Cibej
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