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Top-Thema vom Mittwoch, 20. Januar 2010


Bilanz nach einem Jahr Obama


Heute vor einem Jahr hat Barack Obama sein Amt als US-Präsident angetreten. Die Welt hat große Hoffnungen in seine Politik gesetzt und wurde enttäuscht, meinen einige Kommentatoren. Andere raten zu Geduld beim Lösen der globalen Probleme.


Hospodářské noviny - Tschechien

Barack Obama hat in seinem ersten Jahr als US-Präsident das Bild der Vereinigten Staaten dramatisch verbessert, lobt die Wirtschaftszeitung Hospodářské Noviny. Aber sein Streben nach Dialog und friedlichen Lösungen habe nicht sonderlich viel Erfolg gehabt: "Afghanistan kann zu Obamas Vietnam werden. Die Taliban begrüßten seine unglückliche Formulierung, dass Amerika in Afghanistan nicht um jeden Preis einen unendlichen Krieg führen werde. Eine härtere Rhetorik könnte auch gegenüber Russland nicht schaden. Obama bot Moskau ein friedfertigeres Gesicht als sein Vorgänger. Trotzdem gelang es ihm nicht, den Start-Vertrag über eine neue Runde der Abrüstung bis zum Ende zu verhandeln. Russland erweist sich als Partner, auf den man sich nicht verlassen kann, auch nicht, was mehr Druck auf den Iran angeht." (20.01.2010)


Der Standard - Österreich

Der US-Präsident hat sich im ersten Amtsjahr gut geschlagen, meint Der Standard. Doch eine Bilanz dürfe erst 2012 gezogen werden: "Obama musste in den ersten zwölf Monaten seiner Amtszeit auch unpopuläre Dinge anpacken. Die Gesundheitsreform oder auch die Truppenaufstockung in Afghanistan gehörten zu den Themen, die selbst für einen Obama schwer zu verkaufen sind. Dazu kommt ein 'enthusiasm gap', eine große Ernüchterung, in der sich wohl jeder Präsident schwertun würde. ... Neben dem Obama-Bashing ist der historische Präsidentenvergleich in Washington dieser Tage eine gern geübte Disziplin. Und dabei kommt heraus, dass nur Ronald Reagan nach seinem ersten Jahr im Amt in Umfragen schlechter dastand als Obama. Der Kalifornier gewann seine Wiederwahl 1984 mit großem Abstand. Nichts spricht dagegen, dass es bei Obama nicht gleich kommen sollte. Denn abgerechnet wird auch für ihn nicht nach einem Jahr im Amt, sondern erst 2012." (20.01.2010)


Delo - Slowenien

Ein Jahr nach der Amtsübernahme des US-Präsidenten Barack Obama sind die Probleme, deren Lösung er während des Wahlkampfs versprochen hat, immer noch die gleichen, meint die Tageszeitung Delo: "Das kapitalistische System der USA mit seinen ungezügelten Finanzspekulationen, die extreme gesellschaftliche Ungleichheit, die unterwürfige Beziehung der Politik gegenüber den großen Unternehmen, die Verspottung der Rechte der Arbeiter und die mörderische Tragikomödie, die als bestes Gesundheitssystem der Welt bezeichnet wird - an all dem hat sich nichts geändert. Obamas Gegner haben schon vor seiner Wahl zum Präsidenten gesagt, er halte gute Reden, aber sie hätten noch keine Beweise dafür, dass seinen Worten auch Taten folgen werden. ... Doch Obama ist eben Teil eines Systems, aus dem ihn nur die übernatürlichen Kräfte eines Barons von Münchhausen ziehen könnten." (20.01.2010)


La Repubblica - Italien

Nach dem ersten Amtsjahr von Barack Obama als US-Präsident fordert der Nobelpreisträger Paul Krugman in der linksliberalen Tageszeitung vor allem mehr Widerstand gegen seine Kritiker: "Barack Obama habe sich nicht gegen die Kritik seiner Gegner gefeit. Obama hat versäumt das zu tun, was Ronald Reagan zu Beginn seines Mandats tat: sich vor jeder Kritik zu schützen, indem er erklärte und immer wieder daran erinnerte, dass die Schuld für das, was nicht funktioniert, bei den vorherigen Regierungen liege. ... Obama hat aus welchem Grund auch immer zugelassen, dass die Öffentlichkeit extrem schnell vergessen hat, dass die wirtschaftlichen Probleme nicht unter seiner Präsidentschaft begonnen haben. ... Obama kann jetzt nur noch versuchen, die Republikaner als das hinzustellen, was sie sind: Gegner der Reformen. Die Demokraten müssen nun alles daransetzen, die Gesundheitsreform zu beschließen. Sie zu verabschieden wird zwar nicht ihre politische Rettung sein - aber sie nicht zu verabschieden bedeutet mit Sicherheit ihren politischen Untergang." (20.01.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 20. Januar 2010

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