Top-Thema vom Donnerstag, 18. Februar 2010
Obama baut auf Atomkraft
Erstmals seit drei Jahrzehnten wollen die USA wieder neue Atomkraftwerke bauen. Präsident Barack Obama hat dafür Kreditgarantien von mehr als acht Milliarden Dollar zugesagt. Er begründet seine Entscheidung mit Klimaschutz-Argumenten, doch Kommentatoren widersprechen dem und vermuten dahinter innenpolitisches Kalkül.
Süddeutsche Zeitung - Deutschland
US-Präsident Barack Obama hat sich aus innenpolitischem Kalkül für die Atomkraft entschieden, analysiert die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Seit Jahren haben die Republikaner den Wiedereinstieg propagiert. Von 100 Reaktoren haben sie phantasiert. Indem der Präsident den Konservativen bei der Atomkraft entgegenkommt, hofft er nun auf Zugeständnisse für sein Klimaschutzgesetz. Doch diese Rechnung wird kaum aufgehen. Obama hat, wie bei der Gesundheitsreform, auch beim Klimaschutz zu lange gezaudert. Sein Klimabündnis, mit dem er sich die Zustimmung der Energiewirtschaft gesichert hatte, zerfällt. Die ersten Unternehmen steigen aus. Das sehen auch die Republikaner und werden deshalb Obama im Wahljahr kaum die Genugtuung geben, eine seiner großen Reformen zu unterstützen. Doch auch unter seinen Demokraten gibt es zu viele Hasenfüße, die sich in die Büsche schlagen. Ein Klimaschutzgesetz mit Emissionshandel nach europäischem Vorbild wird es so schnell in den USA nicht geben. Aber dafür, in zehn Jahren vielleicht, ein paar Atomkraftwerke mehr." (18.02.2010)
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Der Standard - Österreich
So klimafreundlich ist Atomstrom gar nicht, meint die österreichische Tageszeitung Der Standard, und fordert, dass das AKW-freie Österreich sich konsequenter für Alternativen einsetzt: "Da redet man lieber davon, dass in einem AKW kein Kohlenstoff verbrannt wird und die Atomenergie daher klimafreundlich wäre - was sich unter Einrechnung des sonstigen Energieaufwands relativieren würde. Aber so genau wird eben nicht gerne gerechnet. Sonst käme man zu dem Ergebnis, dass man mit dem Aufwand für die Atomindustrie viel sinnvollere Projekte angehen könnte - etwa im Bereich erneuerbarer Energieträger. Oder im Bereich der Wärmedämmung, in der wesentlich mehr Potenzial steckt als in der Umrüstung auf Energiesparlampen, die die EU forciert. Zur EU gehört eben auch Euratom, wo Österreich weiter fleißig mitzahlt. Und damit eine Politik fördert, die in Sonntagsreden von allen Politikern abgelehnt wird. In Glaubensfragen sollte man mehr Festigkeit erwarten." (18.02.2010)
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Expansión - Spanien
Die Atompolitik der US-Regierung ist eine Ohrfeige für die Kernkraftgegner in der ganzen Welt, meint die Wirtschaftszeitung Expansión: "US-Präsident Barack Obama hat entschieden, der Kernenergie in den USA einen neuen Schub zu geben, indem er die Finanzierung für den Bau von zwei neuen Reaktoren genehmigt hat. Es sind die ersten, die in diesem Land nach drei Jahrzehnten gebaut werden. Es ist offensichtlich, dass die Ankündigung des US-amerikanischen Präsidenten, der in Zeiten von Haushaltskürzungen die Mittel für diese Art der Energieerzeugung verdreifacht, eine Unterstützung für die Kernenergie in der ganzen Welt bedeutet und eine Ohrfeige für all diejenigen, die sich in diesem Moment gegen den Bau neuer Kernkraftanlagen wehren, zu denen auch [der spanische Ministerpäsident José Luis Rodríguez] Zapatero gehört." (18.02.2010)
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