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Top-Thema vom Freitag, 19. März 2010


Gewalt in Nahost bedroht Europa


Die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina stocken. Raketenangriffe aus dem Gazastreifen, Luftschläge der Israelis und der angekündigte Bau neuer Siedlungen belasten die Atmosphäre. Der Strudel der Gewalt erzeugt Terror, meinen Kommentatoren, und der bedroht auch Europa.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Ausgerechnet während des Besuchs der EU-Außenbeauftragen Catherine Ashton am Donnerstag in Israel wurde ein Mann von einer palästinensischen Rakete getötet. Ashton hatte die Friedensverhandlungen voranbringen wollen, doch der Frieden ist fern, analysiert die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Je länger die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern dauert, desto zerstörerischer wirkt sie sich auch auf das Innere der beiden Konfliktgesellschaften aus. In Israel wird der Kampf meist im weit gedehnten Rahmen der Demokratie geführt. Doch auch der jüdische Staat hat Erfahrung mit Siedlergewalt und internem Terror bis hin zum Mord an Premier Jitzchak Rabin. Die palästinensische Gesellschaft aber droht zunehmend in Einzelteile zu zerfallen - und auch das mit Gewalt. Denn mittlerweile kämpfen nicht nur die moderate Fatah und die radikale Hamas gegeneinander. Vor allem im Gaza-Streifen positionieren sich noch extremistischere Gruppen, die nicht mehr dem nationalen palästinensischen Interesse verpflichtet sind, sondern sich als Teil der dschihadistischen Internationale verstehen. ... Für die Hamas ist das eine Herausforderung - und für die Welt ist es eine große Gefahr, wenn sich al-Qaida in Gaza festsetzt." (19.03.2010)


De Volkskrant - Niederlande

Der jüngste Affront von Israel darf nicht folgenlos bleiben, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Der eine Schurkenstaat, Iran, wird wegen fehlender Kooperation mit Sanktionen bedroht. Der andere Schurkenstaat, Israel, setzt seine Landraubpolitik ungestraft fort. Er glaubt auch, über dem internationalen Recht zu stehen und schert sich immer wieder den Teufel um UN-Resolutionen. ... Der Staat Israel wird immer mehr zu einem Klotz an unserem Bein. Sein annektionistischer Konfrontationskurs hat sich inzwischen zum Gift für unsere Beziehungen mit der islamischen Welt entwickelt. Unser Interesse an redlichen Beziehungen mit dieser geht deutlich weiter als die Besessenheit von Israel, weil es  unsere eigene Sicherheit betrifft und weil das tolerierte schlechte Verhalten von Israel den anti-westlichen Hass im Nahen Osten, der sich von Madrid bis London in terroristischen Anschlägen ausdrückt, weiter schürt." (19.03.2010)


The Independent - Großbritannien

Die Friedensbemühungen im Nahen Osten sind wieder in Gefahr. Doch von der US-Regierung ist kein Einschreiten zu erwarten, fürchtet die Tageszeitung The Independent: "Macht erwächst aus der Vorstellung von Macht, und keine Organisation in Washington wird als mächtiger eingeschätzt als der AIPAC, der Amerikanisch-israelische Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten. Für Beweise muss man nicht weiter schauen als bis zum Januar 2009, als der Großteil der restlichen Welt über die Israelische Offensive in Gaza entsetzt war. Zur gleichen Zeit einigte sich das US-Abgeordnetenhaus mit 390 zu fünf Stimmen darauf, dass die Schuld allein die [palästinensische Terror-Organisation] Hamas treffe. Jetzt arbeitet die Lobby daran, den akuten Konflikt zu entschärfen, natürlich zu den Bedingungen Isarels." (19.03.2010)


La Stampa - Italien

Am Donnerstag hat sich der Konflikt im Nahen Osten verschärft. Die israelische Luftwaffe erwiderte einen Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser mit der Bombardierung einiger Gebiete im Gazastreifen. Der israelische Schriftsteller Abraham B. Jehoschua beschwört in der liberalen Zeitung La Stampa sein Land, es möge auf die USA hören: "Die Botschaft der USA ist unmissverständlich. Die Siedlungen bedrohen nicht nur den Frieden, sondern schaden in erster Linie Israel selbst, und zwar im Hinblick auf das Ideal vom jüdischen und demokratischen Staat, den zu proklamieren Israel keine Gelegenheit versäumt. ... Die israelischen Führungskräfte täten gut daran, statt wieder die Bedeutung der strategisch-militärischen Allianz zu betonen, dem neuen Ton von moralischer Entschlossenheit, mit dem die USA sich an Israel gewendet haben, Gehör zu schenken." (19.03.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 19. März 2010

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