Top-Thema vom Dienstag, 12. September 2006
Europa und Asien
Die Staats- und Regierungschefs der EU und 13 asiatischer Staaten haben sich am Wochenende in der finnischen Hauptstadt Helsinki zum sechsten EU-Asien-Gipfel (Asem) getroffen. Anlass für Kommentatoren zu fragen, ob Europa sich der Bedeutung Asiens bislang ausreichend bewusst ist.
Le Temps - Schweiz
"Auch nach zehn Jahren haben die Asien-Europa-Gespräche noch immer nicht ihren Rhythmus gefunden", bemerkt Richard Werly im Leitartikel. "Wem ist schon bewusst, dass der Asem-Gipfel alle zwei Jahre 38 Länder vereint, die für 43 Prozent des Welthandels stehen und deren Gewicht demnächst, gemeinsam mit Indien, noch größer sein wird?... Dieses europäisch-asiatische Forum fällt mitten in die Debatte um Energiesicherheit... Aber außerhalb dieses Forums tun sich die Regierungen schwer, die Interessen der anderen anzuerkennen. Welches asiatische Land kann vom Sinn eines multilateralen Dialogs mit der EU überzeugt werden, wenn sich die EU-Mitgliedsländer über Verträge streiten und sich jeweils überschlagen, bilaterale Verträge abzuschließen?... Trotz der vielversprechenden Berichte über das diesjährige Treffen in Finnland ist Asem ist auch deshalb ins Schleudern geraten, weil Europa bei seinen Gesprächen die unerwarteten Veränderungen in Asien nicht berücksichtigt." (12.09.2006)
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Süddeutsche Zeitung - Deutschland
Alexander Hagelüken beschreibt anhand des EU-Asien-Gipfels, wie Europa langsam Asien entdeckt. "Ob Klimaschutz, Exporte oder Menschenrechte: Der Gipfel in Finnland zeigte, wie viele existenzielle Fragen Europa und Asien schon verbinden. Die EU-Staaten können sich deshalb keine Behäbigkeit bei der Entdeckung des anderen Kontinents mehr leisten. Besonders am Verhältnis zu China erweist sich aber auch, wie verschlungen der Weg sein wird. Der Wunsch nach schnellen Geschäften könnte die Europäer verleiten, Werte wie Demokratie und Meinungsfreiheit zu kompromittieren... Wie weit darf Europa gehen, um Geschäfte mit Asien zu machen, speziell mit China? In Helsinki verlangte die chinesische Regierung erneut ein Ende des Waffenembargos und mehr Exportmöglichkeiten für ihre Firmen. Zugeständnisse hätte es dafür nicht gegeben. Bei Menschenrechten stellt sich Peking taub... Offensichtlich testet Peking die Zumutbarkeitsgrenze der Europäer. Die EU aber hat ihre Seele zu verlieren. Die Werte einer Ein-Parteien-Diktatur sind keine erstrebenswerten Importgüter." (12.09.2006)
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Turun Sanomat - Finnland
Die finnische Zeitung begrüßt, dass sich Europa und Asien im Rahmen des Asem-Gipfel überhaupt zu Gesprächen zusammengefunden haben, und hofft auf einen Durchbruch bei den Themen Umwelt und Energie. "Hoffentlich trifft das auch auf China zu, dessen starkes Wirtschaftswachstum einen steigenden Energiebedarf nach sich zieht. Besonders schnelle und billige Energie wird hier aus Kohle gewonnen, aber die dadurch hervorgerufene Umweltverschmutzung in weiten Regionen ist enorm. China muss daher verstärkt auf erneuerbare Energien setzen – ein Bereich, der auch für Finnland und andere EU-Staaten wichtig ist und intensiver genutzt werden muss." (12.09.2006)
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