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Top-Thema vom Donnerstag, 6. Mai 2010


Unruhen verschärfen griechische Krise


Bei schweren Unruhen in Athen hat es am Mittwoch drei Tote gegeben. Zu den Krawallen kam es am Rande einer friedlichen Demonstration Zehntausender Menschen gegen das griechische Sparprogramm. Die aktuelle Regierung ist nicht der richtige Adressat für die Wut des Volkes, meint die Presse und fordert mehr Einsatz für ein gemeinsames Europa in dieser verzweifelten Lage.


Sme - Slowakei

Griechenland befindet sich trotz der europäischen Hilfe in einer fast ausweglosen Lage, schreibt die liberale Tageszeitung Sme mit Blick auf die blutigen Ausschreitungen in Athen: "Unruhen, Gewalt und tragisch ums Leben gekommene Menschen sind das letzte, was Griechenland braucht. Die Lage ist praktisch unlösbar. Weder durch die geplanten Sparmaßnahmen noch durch eine Erklärung des Staatsbankrotts. Das Land steht vor Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs und einer sich steigernden Armut - unabhängig davon, ob es sich in der Währungsunion hält oder nicht. Die Anleihen der Länder der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds sind nur Instrumente, um Zeit zu erkaufen. Die braucht die Union, um die Märkte zu beruhigen und die drohende Krise von weiteren Ländern abzuwenden. ... Wenn sich in Griechenland die Spannungen verschärfen, hilft jedoch auch kein europäisches Geld mehr." (06.05.2010)


Adevărul - Rumänien

Mit den gewalttätigen Protesten bestrafen die Griechen eine Regierung, die keine Schuld an der Misere des Landes trägt, kritisiert die Tageszeitung Adevărul: "Jahrelang haben linke und rechte griechische Regierungen das Geld und ihre eigene Nation verspottet. Sie haben den kaum vorhandenen Wohlstand vernichtet, denn in den guten Zeiten haben sie viel Geld gestohlen und leichtfertig ausgegeben. Damals hat niemand die Politik als eine tickende Zeitbombe ausgemacht. Alle - von Gewerkschaftern über Hoteliers und Olivenzüchtern bis hin zu Pizzaverkäufern - haben zufrieden von den verdorbenen Früchten eines unnatürlich guten Lebens gekostet. ... In einer solch dramatischen Situation ist es das Schlimmste, dass die Griechen jetzt Chaos verbreiten. Sie haben einen Generalstreik ausgerufen, der bei ihnen offenbar Volkssport ist. ... Um gegen was zu kämpfen? Gegen die ersten Maßnahmen einer Regierung, die das alles nicht verschuldet hat? Das ist so, als ob der Kranke seinem Arzt eine Ohrfeige geben würde.
" (06.05.2010)


Der Tagesspiegel - Deutschland

Angesichts der gewaltsamen Proteste in Athen gegen das griechische Sparprogramm muss Europa zusammenrücken, schreibt der linksliberale Tagesspiegel: "Die Staats- und Regierungschefs der EU haben jetzt eine große gemeinschaftliche Aufgabe vor sich, vielleicht die größte seit den Anfängen dieses erstaunlichen Bündnisses, mit dem der Kontinent die Grauen zweier Weltkriege hinter sich gelassen hat. Zwar darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass die Gemeinschaft vor Mördern kuscht. Aber die EU muss die Krawalle als Zäsur begreifen. Jetzt muss ehrliche Hilfe kommen. Hier fängt bei Geld die Freundschaft erst an. Die Kredite könnten durch Investitionszusagen flankiert werden, aber letztlich braucht die Gemeinschaft eine Haltung. Gefragt ist Pathos - so heißt das griechische Wort für Leidenschaft. ... Auch viele Bürger sind nie recht warm geworden mit der EU. Aber jetzt, angesichts der heiklen Lage, geht es darum, wie sie sich begreift: als opportune Freihandelszone oder als Vorläufer der Vereinigten Staaten von Europa." (06.05.2010)


Financial Times - Großbritannien

Nach den gewalttätigen Protesten in Athen müssen Griechenlands Politiker nun zusammenstehen und auch die Reichen zur Kasse bitten, meint die Wirtschaftszeitung Financial Times: "Es ist jetzt zwingend erforderlich, dass Griechenlands politische Führungskräfte sich auf eine Lösung einigen. Obwohl [Ministerpräsident Giorgos] Papandreou eine parlamentarische Mehrheit hat, kann es hier keine Ausnahme für die Opposition geben. ... Die Regierung muss auch ihre Anstrengungen dabei verdoppeln, den Leuten zu erklären, wo die Kürzungen erfolgen. Und sie muss demonstrieren, dass ausnahmsweise die Bessergestellten und jene mit guten Verbindungen nicht aus der Verantwortung genommen werden, während normale Leute unter den Sparmaßnahmen leiden. Eine Verschlechterung des Lebensstandards der Menschen ist unvermeidlich. Aber das muss fair geschehen und auch genau so wahrgenommen werden." (06.05.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 6. Mai 2010

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