Top-Thema vom Montag, 10. Mai 2010
EU will Euro stützen
Die EU hat sich in der Nacht zum heutigen Montag auf eine Kreditgarantie von rund 500 Milliarden Euro für finanzschwache Eurostaaten geeinigt. Hinzu kommen bis zu 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds. Das wird der Union wirtschaftlich schaden, meinen einige Kommentatoren. Andere hoffen nun auf mehr Vertrauen in den Euro.
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Die Finanzminister der EU haben mit ihrer Stützungsaktion für den Euro einen weiteren Schritt in Richtung einer kranken Union mit weicher Währung getan, meint die Neue Zürcher Zeitung: "Wenn die EU-Kommission an den Märkten Anleihen aufnehmen kann, die von den Euro-Staaten mehr oder weniger kollektiv garantiert werden und zur Unterstützung von Ländern mit grossenteils selbstverschuldeten Problemen dienen können, dürfte dies fatale Folgen haben. Zum einen würde gefördert, dass eine kranke Volkswirtschaft die Kreditwürdigkeit gesünderer Staaten nutzen darf. Kränkere Länder würden sozusagen an den Blutkreislauf der gesünderen angeschlossen - und die fitteren an den Kreislauf der kränklichen. Rascher kann man Krankheiten nicht übertragen, damit würden Euro und EU zu regelrechten Ansteckungs-Institutionen, die die Entwicklung Europas schleichend schwächen würden. Zum andern käme die oberste Ebene der EU durch die Anleihenemissionen praktisch zu einer Art eigenem Geld. Von da wäre der Schritt zu einer EU-Steuerquelle wohl nicht mehr so weit." (10.05.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Beat Gygi
Dziennik Gazeta Prawna - Polen
Der Notfallfonds der EU für Mitgliedstaaten in finanziellen Schwierigkeiten ist ein Test, ob die Finanzmärkte auf die Politik reagieren, findet die konservative Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna: "Heute werden wir erfahren, ob die Finanzwelt den europäischen Politikern vertraut. Und ob die Schaffung eines europäischen Stabilitätsmechanismus die Zweifel über die Finanzlage von Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien beiseite räumt. Genauer gesagt, ob am Devisenmarkt Ruhe einkehrt und der Euro aufhört zu fallen. Und ob im Zuge dessen auch die Weltmärkte wieder Luft holen. Wenn ja, dann wird das nach Wochen endlich ein Lichtblick sein bei den ganzen europäischen Sorgen. Und vielleicht beginnt damit auch die Rückkehr des Vertrauens in die Eurozone." (10.05.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Marcin Piasecki
Eleftherotypia - Griechenland
Die Reaktionen der EU auf die Griechenlandkrise und der Schutz des Euros kommen verspätet, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Eleftherotypia und fordert eine grundlegende Richtungsentscheidung: "Die EU muss zwischen zwei Wegen wählen: Der erste ist, die Einigung Europas stärker voranzutreiben ... und sie mit Ressourcen zu unterstützen, nicht aber mit einer Politik, die die Rezession vertieft und die Länder erstickt, die zum Bankrott und zum Austritt aus der Eurozone führt. Der zweite Weg ist, dass jedes Land weiterhin seine eigenen Interessen verfolgt. Er führt - wie die aktuelle Krise zeigt - zum Auseinanderstreben und schließlich zur Auflösung. Eine Auflösung der heutigen Eurozone wird weder die Rückkehr zu den traditionellen Währungen zur Folge haben noch die Bildung eines harten Kerns aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Nein, sie wird große Rivalitäten produzieren und Europa um viele Jahrzehnte zurückwerfen." (09.05.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Dimitris Tsiodras
Blog Estremo Occidente - Italien
Der milliardenschwere Schutz der Euroländer vor Spekulationen ist ein reines Ablenkungsmanöver, schreibt Federico Rampini in seinem Blog Estremo Occidente bei der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: "Die Jagd auf Spekulanten ist jetzt zum Hauptproblem der Regierungen der Eurozone geworden. Das Heraufbeschwören dunkler Kapitalmächte ist jedoch ein Zeichen der Schwäche. Wer gegen Spekulanten zu Felde zieht, zerbricht das Thermometer, das hohes Fieber anzeigt. ... Die Asienkrise 1997 sollte der EU eine Lehre sein. Statt Spekulanten die Schuld in die Schuhe zu schieben, brachten die asiatischen Länder ihre Bilanzen in Ordnung. ... Hetzjagden sind ein bequemes Ablenkungsmanöver für Regierungen und Zentralbanken, nur haben sie nichts mit Wirtschaft zu tun, sondern mit Pseudowirtschaft." (10.05.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Federico Rampini
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