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Top-Thema vom Mittwoch, 2. Juni 2010


Türkei rückt von Europa ab


Die Türkei hat Israel wegen dessen Militäreinsatz gegen einen internationalen Hilfskonvoi im Mittelmeer scharf kritisiert. Der türkischen Reaktion liegt eine Doppelmoral zugrunde, meint die Presse und befürchtet, dass sich das Land von Europa und vom Westen abwendet.


Lietuvos rytas - Litauen

Den Äußerungen der Türkei über Israels Militärschlag gegen einen Schiffskonvoi im Mittelmeer liegt eine Doppelmoral zugrunde, kritisiert die Tageszeitung Lietuvos Rytas: "Hat Ankara das Recht, die Israelis als Piraten und Banditen zu bezeichnen? Warum nennen die Türkei und die EU nicht Ägypten so, das ebenfalls mit militärischen Mitteln den Gazastreifen blockiert? Und wie soll man den Krieg der Türken gegen ihre eigenen kurdischen Mitbürger bezeichnen, die nach mehr Autonomie streben? In dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt hat es bereits 40.000 Tote gegeben. Und wie soll man den kategorischen Unwillen der Türkei nennen, die Tatsache des Völkermords an den Armeniern anzuerkennen? Ja, Israels Führung hat sich schändlich verhalten, und das ist zu kritisieren. ... Aber das Recht Israels auf Selbstverteidigung und die Legitimität des Staates in Frage zu stellen, wie dies der türkische Außenminister getan hat, ist nichts anderes als Heuchelei und Doppelmoral." (02.06.2010)


La Stampa - Italien

Die Türkei entfernt sich kontinuierlich vom Westen und sorgt innerhalb des atlantischen Bündnisses für eine geopolitische Verschiebung, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Nach knapp 60 Jahren eines wirtschaftlichen, politischen und gar militärischen Bündnisses haben sich die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei dramatisch verschlechtert. Dabei geht es jedoch nicht um den Beginn sondern den Höhepunkt einer seit geraumer Zeit negativen Entwicklung in den Beziehungen Ankaras nicht nur zum Nachbarstaat Israel sondern zum Westen insgesamt. Mit dem tödlichen Zwischenfall in internationalen Gewässern nimmt eine umfassende Verschiebung, ein geopolitischer Umsturz Gestalt an: die Loslösung eines Landes mit 80 Millionen Bürgern aus der atlantischen Bündniszone, das ... jahrzehntelang Bollwerk der Nato war. ... Wir stehen vor einer tiefen Krise der einst soliden und fruchtbaren Beziehungen der Türkei zum Westen." (02.06.2010)


ABC - Spanien

Die Türkei handelt gegen die Interessen Europas und muss sich über ihre zukünftige Entwicklung im klar werden, meint die konservative Tageszeitung ABC in Bezug auf die Unterstützung des Hilfskonvois für den Gazastreifen und die Vermittlerrolle der Türkei im Konflikt mit dem Iran: "Natürlich ist die Türkei ein großes Land mit einer Vergangenheit als Großreich, was man nicht vergessen sollte. Als unabhängige Nation kann sie die Prioritäten ihrer Außenpolitik selbst wählen. Aber als Kandidat für die Aufnahme in die europäische Familie darf sie nicht vergessen, dass es Werte und Interessen gibt, die sie nicht ignorieren darf. Wenn es ihr Ziel ist, zu einer Regionalmacht in der Tradition ihrer osmanischen Vergangenheit zu werden, muss sie sich entscheiden, welche ihrer zwei Essenzen sie vorzieht: eine Entwicklung in Richtung Europa oder in Richtung Vergangenheit." (02.06.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 2. Juni 2010

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