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Top-Thema vom Freitag, 11. Juni 2010


Fußball statt Armut und Krise


In Johannesburg beginnt die erste Fußballweltmeisterschaft in Afrika. Der Kontinent kann mit der WM sein von Armut und Gewalt geprägtes Bild korrigieren. Und für Europa ist sie eine willkommene Ablenkung von Wirtschaftskrise und Sparpaketen, meinen Kommentatoren.


El Correo - Spanien

Die am Freitag in Südafrika beginnende Fußballweltmeisterschaft ist eine Chance für Afrika. Und Spanien lässt sie für einige Tage die Krise vergessen, hofft die Tageszeitung El Correo: "Die Fußballweltmeisterschaft, die heute in Südafrika beginnt, ist ein Meilenstein in der Geschichte eines Kontinents, der von Armut und Gewalt gebeutelt ist, der aber auch die Chance hat, seinen Enthusiasmus und Stolz in Solidarität, Frieden und Entwicklung münden zu lassen. Die erste WM, die auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen wird, ist ein Erfolg der friedlichen Revolution von Nelson Mandela und bestätigt das enorme Potenzial einer Weltregion, die Vertrauen in ihre Zukunft benötigt sowie weitere Infrastruktur und eine stärkere Öffnung nach außen. Für die spanische Gesellschaft, die mit ihrer Nationalmannschaft dem Pokalsieg entgegen fiebert, lässt die WM zumindest für einige Tage den Alptraum der Wirtschaftskrise in den Hintergrund treten." (11.06.2010)


Latvijas Avīze - Lettland

Für die Tageszeitung Latvijas Avīze ist die Fußball-WM nicht nur von Bedeutung für den Sport, sondern auch für die Politik: "Schon im alten Rom gab sich das Volk mit Brot und Spielen zufrieden. Das größte Ereignis unserer Zeit ist der Fußball, und darum lassen sich die Menschen kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft auch leichter unangenehme Beschlüsse ihrer Machthaber gefallen. In Deutschland beispielsweise glauben Kritiker, das Sparpaket von Kanzlerin Angela Merkel habe nur deshalb keine Welle der Empörung ausgelöst, weil sich die Deutschen eher über die Verletzung von Kapitän Michael Ballack Sorgen machen und weniger über den Rücktritt von Bundespräsident Köhler. Und in Frankreich wird gerade über eine Rentenreform debattiert, und darum ist Präsident Nicolas Sarkozy wie jeder Staatsführer in einer ähnlichen Lage daran interessiert, dass die französische Mannschaft möglichst weit kommt, denn dies würde die Stimmung in der Bevölkerung verbessern und seine Popularität erhöhen." (11.06.2010)


La Croix - Frankreich

Die Fußballweltmeisterschaft kann die Probleme Südafrikas nicht lösen, dennoch ist sie ein Grund zur Freude, meint die katholische Tageszeitung La Croix: "Die notwendige Infrastruktur und Organisation sowie die finanziellen Mittel, die für das Großereignis aufgewendet wurden, entsprechen nicht dem üblichen Bild von Afrika - auch wenn das Land von Nelson Mandela für Reichtum und Energie steht. Die ganze Welt wird auf den Schwarzen Kontinent blicken. Es werden für alle Afrikaner Tage des Stolzes sein. Zwar können enorme Ungleichheiten, ganz gleich ob sie alt oder neu sind, Gewalt, enttäuschte Träume, Armut und gesellschaftliche Spaltungen nicht einfach weggezaubert werden. Vielleicht wird es Misserfolge geben. Aber wir sollten uns mit diesem Volk und dieser Nation freuen, die für ihre Fähigkeit bekannt ist, Herausforderungen anzunehmen." (11.06.2010)


Dnevnik - Slowenien

Slowenien kann stolz sein, an der Fußballweltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen, weil sie nicht nur ein Sportereignis ist, meint die Onlineausgabe der Zeitung Dnevnik: "Obwohl viele Fans wegen der Angst um ihre eigene Sicherheit den Besuch der Weltmeisterschaft abgesagt haben, steht uns trotzdem das bevor, weshalb der Fußball der König unter den Sportarten ist. Es wird wieder deutlich werden, dass es sich nicht nur um ein Spiel von 22 Männern auf dem Platz, sondern vor allem um ein großes Geschäft, eine moderne Religion, nationale Identifikation, um eine der meist beachteten Herausforderungen der modernen Zeit und um Prestige unter den Völkern und Ländern handelt. In Slowenien sind wir uns nicht ganz bewusst, dass unsere Nationalmannschaft in der 19-jährigen Geschichte als selbstständiger Staat bereits zum zweiten Mal ein gleichberechtigter Teil des Klubs von 32 Nationalmannschaften ist, die sich dieses Recht durch das extrem schwierige Qualifikationssystem erkämpft haben." (11.06.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 11. Juni 2010

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