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Top-Thema vom Donnerstag, 24. Juni 2010


Obama gibt Afghanistan-Strategen auf


US-Präsident Barack Obama hat am Mittwoch seinen Oberbefehlshaber in Afghanistan entlassen. Stanley McChrystal hatte sich zuvor in einem Interview abfällig über die Führungsriege der USA geäußert. Europas Presse ist gespalten über die Abberufung des Generals und bemängelt die unklare Strategie für Afghanistan.


Berlingske - Dänemark

Die Entlassung von US-General Stanley McChrystal nach seinen negativen Äußerungen über die politische Führung der USA ist Ausdruck einer unklaren Afghanistan-Strategie, schreibt die konservative Tageszeitung Berlingske Tidende: "Es ist, gelinde gesagt, beunruhigend, dass die oberste Führung in den USA sich so uneinig über die zukünftige Strategie in Afghanistan ist, dass ein offener Krieg zwischen dem Weißen Haus in Washington und dem nun ehemaligen Oberbefehlshaber der Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, ausgebrochen ist. ... Ohne Zweifel muss Obama - nachdem der General entlassen wurde - mit einer neuen strategischen Initiative kommen, die für Ruhe bei der Afghanistan-Mission sorgt. Das eine ist, dass der General sich daneben benommen hat, aber leider ist es gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass die gesamte Afghanistan-Strategie Probleme bereitet. ... Wenn noch mehr Länder sich wegen des offenen Richtungsstreits zurückziehen, kann das mit einer Niederlage enden." (24.06.2010)


El Periódico de Catalunya - Spanien

Die Entlassung des Afghanistan-Kommandeurs Stanley McChrystal war ein notwendiger Schritt, allerdings mit negativen Auswirkungen, befürchtet die liberale Tageszeitung El Periódico de Catalunya: "Obama war gezwungen, auf diese Weise zur Einheit im Kampf gegen die Taliban und al-Qaida in Afghanistan zu ermahnen, aber der aufgewirbelte Staub wird so einige Konsequenzen nach sich ziehen, und keine guten. Diese betreffen den Präsidenten, der auf jemanden verzichten muss, in den er sein Vertrauen gesetzt hatte. Und die US-amerikanischen Streitkräfte, die sehen, dass einer ihrer brillantesten Strategen einen schweren Fehler begangen hat. Und es betrifft die Strategie im Feld, weil Unstimmigkeiten und Streitereien immer ein willkommenes Fressen für den Feind sind, den man bekämpfen will." (24.06.2010)


Mladá fronta Dnes - Tschechien

US-Präsident Barack Obama hat seinen General Stanley McChrystal zu unrecht entlassen, kritisiert die liberale Tageszeitung Mladá fronta Dnes: "Damit verlässt der Mann die Szenerie, der den Krieg in Afghanistan mit einer neuen, hoffnungsvollen Vision geführt hat. Er vermochte es, den Kugeln auszuweichen und den Feind auf dem Feld zu töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Er konnte seinen Untergebenen zuhören und aus dem lernen, was er hörte. Vor allem aber gelang es ihm, eine Strategie zu konzipieren, die auf der Verteidigung der großen Städte fußt und die als einzige Möglichkeit angesehen wird, den nun schon acht Jahre dauernden Krieg der Verbündeten in Afghanistan zu gewinnen. ... McChrystal hat nichts gesagt, was den Endruck hätte erwecken können, dass er an Obamas persönlichem Willen zweifelt, den Konflikt zu gewinnen. Seine Äußerungen waren nur ein Ausdruck seiner Frustration über die Politik in Washington." (24.06.2010)


Financial Times - Großbritannien

Die Entlassung von General Stanley McChrystal durch US-Präsident Barack Obama ist trotz allem die richtige Entscheidung, meint die Tageszeitung Financial Times: "Obama wäre kritisiert worden, was immer er getan hätte. Der Skandal ist ein bitterer Schlag für seine Regierung, deren Afghanistan-Strategie bereits vor ihrer Umsetzung in Frage gestellt wird, und zwar sechs entscheidende Monate vor der Überprüfung im Dezember. Früher als er sich gewünscht hat und wohl schneller als es Sinn macht, muss Obama eine Politik beurteilen, die ins Straucheln geraten ist - mit einer Zunahme der Kriegstoten, langsamen Fortschritten vor Ort, größeren Zerwürfnissen mit der politischen Führung in Kabul, abtrünnigen Alliierten und einem Gefühl, dass das ganze Projekt vor die Wand fährt. General McChrystals Ungehorsam war das Letzte, was Obama gebraucht hat. Aber es ist leider nicht das größte seiner Probleme in Afghanistan, bei weitem nicht." (24.06.2010)


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