Top-Thema vom Dienstag, 20. Juli 2010
Afghanistan will sich selbst schützen
In Kabul hat die internationale Konferenz zur Zukunft Afghanistans begonnen. Binnen drei Jahren will das Land selbst für seine Sicherheit sorgen und dazu unter anderem mit Taliban-Kämpfern kooperieren. Ein ambitioniertes Ziel, meint die europäische Presse, doch sie sieht viele Hindernisse auf dem Weg dorthin.
The Irish Times - Irland
Anlässlich der Afghanistan-Konferenz in Kabul analysiert die Tageszeitung The Irish Times die Möglichkeiten für eine Lösung im Afghanistankrieg: "Eine realistischere Sicht auf den Krieg entwickeln selbst jene, die am entschlossensten sind zu kämpfen. Afghanistans Probleme mit krasser Unsicherheit, endemischer Korruption, weit verbreiteter Armut und einer schwachen Regierung dauern an. ... Die meisten Afghanen wollen die Nato nicht im Land haben und unterstützen Anstrengungen für einen politischen Deal mit den Taliban. Dabei stützen sie sich auf die Annahme, dass es sich nicht um einen gemeinsamen Widerstand unter Führung von al-Qaida handelt, sondern um eine Koalition von regionalen und lokalen Gegnern, die für einen alternativen Weg gewonnen werden könnten. Jede Verhandlungslösung für den Krieg wird diese Realitäten beachten müssen. Sie wird auch die Nachbarstaaten - besonders Pakistan - verstärkt einbeziehen müssen aufgrund der sich überschneidenden Interessen und Loyalitäten zwischen den Paschtunen auf beiden Seiten jener Grenze." (20.07.2010)
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Berlingske - Dänemark
Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat zum Auftakt der Afghanistan-Konferenz verkündet, dass ab 2014 nicht mehr die internationalen Friedenstruppen, sondern allein einheimische Kräfte für die Sicherheit im Land sorgen. Die Tageszeitung Berlingske Tidende lotet die Möglichkeiten dafür aus: "In Anbetracht der ernsten Lage, die momentan in Afghanistan herrscht, vertritt Karsai hier eine recht optimistische Sicht. Bedenkt man zudem, dass die afghanische Regierung von umfassender Korruption betroffen ist und künftig mit moderaten Elementen der Taliban zusammenarbeiten soll - wenn auch ohne Einbeziehung des harten Kerns - birgt dies das Risiko, zu einem explosiven Cocktail zu werden. Niemand hat Interesse daran, das Regime, das bis 2001 herrschte, wieder auferstehen zu lassen. Dafür haben westliche Soldaten nicht gekämpft. Aber mit Rücksicht auf die Friedenschancen müssen sämtliche Möglichkeiten geprüft werden, also auch die Kunst, den Begriff 'moderate Taliban' zu definieren." (20.07.2010)
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Der Standard - Österreich
Die internationale Afghanistan-Konferenz in Kabul wird vor allem Anschläge provozieren und sonst nur vage Versprechen hervorbringen, sagt die linksliberale Tageszeitung Der Standard voraus: "Das war bei der sogenannten Friedens-Jirga, die Kabul im Juni gesehen hat, nicht anders. Die Versammlung verschiedener afghanischer Interessenvertreter - nicht alle wichtigen waren dabei - war eine Inszenierung des guten Willens von Präsident Hamid Karsai, ohne konkrete Ergebnisse, wobei manche Beobachter sogar befürchten, dass neue Gräben aufgerissen wurden. So schlimm wird es heute nicht werden, aber auch die Kabul-Konferenz ist vor allem eine Show: Hier schwören Kriegsherren und Zahlmeister einander auf ihr Engagement für eine Sache ein, die viele schon für verloren halten. Neben den - alten - Zusagen werden die Ankündigungen nicht fehlen, dass in Kürze die Afghanen die Verantwortung selbst in die Hand nehmen müssen. Und keiner weiß genau, was das heißt und was dann passiert." (20.07.2010)
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Delo - Slowenien
Die neunte internationale Konferenz über die Zukunft Afghanistans wird die Lage im Land nicht verbessern, meint die Tageszeitung Delo und fürchtet sogar eine Verschärfung des Kriegs: "Die afghanische Regierung, die nur knapp ein Viertel des Landes effektiv kontrolliert, wird auf der Konferenz die Entscheidung der internationalen Gemeinschaft unterstützen, dass die 140.000 Soldaten der Isaf-Mission der Nato bis 2014 im Land bleiben. ... Damit werden Washington, das sich den Afghanistankrieg bereits vollkommen zu eigen gemacht hat, sowie London und Brüssel ihre militärische Präsenz und den Krieg legitimieren. Dieser wird mit dem neuen Nato-Oberkommandierenden in Afghanistan, General David Petraeus, in den kommenden Monaten wie schon im Irak noch aggressiver und kompromissloser werden." (20.07.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Bostjan Videmsek
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