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Top-Thema vom Freitag, 20. August 2010


US-Kampftruppen ziehen aus Irak ab


Sieben Jahre nach der Invasion hat die letzte US-Kampfeinheit in der Nacht zum Donnerstag den Irak verlassen. Weitere 50.000 Soldaten sollen noch bis Ende 2011 die irakische Armee ausbilden. Der fragwürdige Abzug ist das ruhmlose Ende eines Krieges, der nie hätte beginnen dürfen, schreiben Kommentatoren.


Sme - Slowakei

Fragwürdiger Abzug

Der Abzug der letzten US-amerikanischen Kampfeinheit aus dem Irak sowie der angekündigte Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan sind nach Meinung der liberalen Tageszeitung Sme vor allem innenpolitisch begründet und sicherheitspolitisch fragwürdig: "Natürlich gibt es eine Chance, dass sich die Entwicklung im Irak nicht wieder umkehrt und sich der Abzug der US-amerikanischen Kampfeinheiten nicht als fataler Fehler herausstellt. Sicher sind sich darin aber auch viele Vertreter der irakischen Regierung nicht, die jetzt vermutlich bedauern, dass sie so auf den Abzug der US-Amerikaner gedrängt haben. Die Ankündigung des Abzugs aus Afghanistan kam zu einem Zeitpunkt, als sich die Lage im Land nicht verbesserte, sondern eher permanent verschlechterte. ... Obama hat den örtlichen Widersachern der Taliban deutlich gemacht, dass er sie faktisch ihrem Schicksal überlässt, unabhängig von der Situation im Land." (20.08.2010)


El País - Spanien

Der verlogene Krieg

Die USA ziehen sich mit dem Abzug ihrer Kampftruppen aus dem Irak von einem Einsatz zurück, den es nie hätte geben dürfen, meint die linksliberale Tageszeitung El País: "Und sie tun dies in einer Situation, die es ihnen weder erlaubt, sich als Sieger zu bezeichnen noch eine Niederlage einzugestehen. Denn die für den Einmarsch im Irak angeführten Gründe waren falsch, die Strategie auf dem Feld verfehlt und die verfolgten Ziele ungenau und wechselhaft. Da sich die Massenvernichtungswaffen, die als Vorwand für diesen Krieg galten, als absichtliche Manipulation entpuppten, wechselten die Befürworter des Einsatzes dazu, ihn als Versuch zu rechtfertigen, die Demokratie im Irak einzuführen. Sie haben also versucht, ihre verwerflichen Mittel hinter einem noblen Zweck zu verbergen." (20.08.2010)


La Stampa - Italien

Ruhmloses Ende

Es ist das ruhmlose Ende eines in jeder Hinsicht verlorenen Kriegs, meint die liberale Tageszeitung La Stampa mit Blick auf den Abzug der US-amerikanischen Kampftruppen aus dem Irak: "Er begann wie der Krieg der Sterne und endet mit dem klammheimlichen Abzug. ... Zwischen dem heldenhaften Beginn und diesem stillen Ende liegt eine Ära des Niedergangs der US-amerikanischen Geschichte. ... Der Irak zeigt das Ende der Unschuld einer großen Nation ohne das Alibi des großen Kampfes, der großen ideologischen Leidenschaft wie sie der Vietnamkrieg gekannt hatte. ... Ein mittelmäßiger Krieg einer mittelmäßigen US-amerikanischen Präsidentschaft. Dessen einziges Symbol ein nackter Mann mit den Stromkabeln der Folter bleiben wird - doch ohne Gesicht, bedeckt von einer Kapuze. Ein Zeichen dafür, dass nicht einmal mehr der Feind erkennbar ist, auch wenn man ihn foltert." (20.08.2010)


Sydsvenskan - Schweden

Auf dem Weg zur Demokratie

Anlässlich des Rückzugs der US-Kampftruppen aus dem Irak ist die Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet vorsichtig optimistisch: "Viele Argumente, die von der Bush-Regierung angeführt wurden, nicht zuletzt die irakischen Massenvernichtungswaffen haben sich in Luft aufgelöst. Aber trotzdem: Ein von Blut besudelter Diktator ist weg und der Irak hat den beschwerlichen Weg in Richtung Demokratie angetreten. Es ist noch überhaupt nicht sicher, ob das Ziel erreicht wird. Aber mit Saddam an der Macht wäre dieser Weg mit Sicherheit versperrt gewesen. Irak braucht noch viele Jahre lang die Unterstützung der Welt, wenn das Ziel erreicht werden soll. Und die USA tragen weiter eine schwere Verantwortung. Jetzt wurde kein Punkt gesetzt, allenfalls ein Komma." (20.08.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 20. August 2010

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