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Top-Thema vom Montag, 23. August 2010


Deutsche Wirtschaft boomt


Wegen der überraschend guten Konjunkturentwicklung im zweiten Quartal haben deutsche Wirtschaftsexperten ihre Prognosen hochgestuft. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands soll für das Gesamtjahr um bis zu 3,4 Prozent wachsen. Die Presse meint, das könnte Frankreichs Wirtschaft schaden, Polen aber nützen.


Le Monde - Frankreich

Die Konjunkturerholung Deutschlands und ihre Auswirkungen auf Frankreich analysiert die Tageszeitung Le Monde: "Es stimmt, dass der Anstieg von 0,6 Prozent des [französischen] Bruttoinlandsprodukts eine recht ehrbare Leistung ist, ... Er ist aber etwa vier mal geringer als der Anstieg in Deutschland. ... Die sprunghafte Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung wird die Feier in Paris verderben. Tatsächlich könnte ein Zurückfallen der französischen Wirtschaft gegenüber seinem wichtigsten Handelspartner katastrophale Folgen haben. Bis jetzt wurde Frankreich von der Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern verschont. Das Land befand sich sogar auf der guten Seite - der von Deutschland. ... Aber mit dem überraschenden Höhenflug jenseits des Rheins wird diese Übereinstimmung bedroht. Das Risiko ist ganz klar, ... dass sich der berühmte 'spread' (Abstand) der Zinssätze zwischen beiden Ländern vergrößert." (21.08.2010)


Rzeczpospolita - Polen

Der Aufschwung in Deutschland wird auch Polen mitreißen, meint die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Wie die Ökonomen einhellig darlegen, tankt der deutsche Mercedes Treibstoff aus den Volkswirtschaften am Rand der Eurozone. Die guten Wirtschaftsergebnisse haben dazu geführt, dass die Bundesbank ihre Wachstumsprognose radikal nach oben geschraubt hat - sie steht nun bei drei Prozent für das Bruttoinlandsprodukt. Wir erinnern uns, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr sogar um 4,7 Prozent geschrumpft ist. Was ist folglich passiert? Hinter unserer westlichen Grenze ist der Export nach oben geschossen. Dieses solide Wachstum, obwohl weniger dynamisch, wird auch in den kommenden Quartalen erwartet. Dazu hat auch die Binnennachfrage geführt. Das ist auch für Polen eine gute Nachricht. Der Export nach Deutschland, der sowieso wächst, kann sogar noch dynamischer werden." (23.08.2010)


De Volkskrant - Niederlande

Das starke Wachstum in Deutschland beweist den Erfolg des deutschen Wirtschaftsmodells, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Das Land, das am meisten sparen musste - vor allem um den Wiederaufbau der früheren DDR bezahlen zu können - steht heute am besten in Europa da. Das verleiht der Bundesregierung einige Autorität in ihrem Widerstand gegen die Stimulierungsmaßnahmen, mit denen anderswo auf der Welt die Krise bekämpft wird. Gegenüber dem US-amerikanischen Modell - mit dem Sparen warten bis die Verbraucher die Rolle des Wirtschaftsmotors vom Staat wieder übernehmen können - steht das deutsche Modell, das Sparsamkeit mit dem sozialen Auftrag des Rheinischen Kapitalismus kombiniert. Im Ausland wird Deutschland vorgeworfen, das Wachstum gehe auf Kosten der anderen EU-Länder. ... Die Tatsache, dass der deutsche Import in den vergangenen Monaten noch schneller gewachsen ist als der Export, scheint diese Meinung allerdings nicht zu stützen." (23.08.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 23. August 2010

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