Top-Thema vom Montag, 30. August 2010
Konservative trommeln gegen Obama
In Washington haben am Samstag Zehntausende Anhänger der konservativen Tea-Party-Bewegung für die "Wiederherstellung der US-amerikanischen Ehre" demonstriert. Das ist Stimmungsmache gegen US-Präsident Barack Obama, meint die Presse und hält diesen Populismus für besorgniserregend.
Público - Portugal
Bei ihrer Großdemonstration in Washington erliegen die Konservativen einer Illusion, meint die Tageszeitung Público: "Die Enterbten der Krise sind zusammengekommen, um von einer Rückkehr in die Vergangenheit zu träumen. Eine gefährliche Illusion. An gleicher Stelle hatte Martin Luther King vor 47 Jahren Amerika verkündet, er habe einen Traum für die Zukunft. ... Damals hat sich King auf Gott berufen, um für ein Amerika aller Rassen einzutreten. Gestern wurde Gott bemüht, um die Illusion eines weißen, imperialistischen Amerikas wieder herzustellen, das es nicht mehr gibt. Was gestern am Lincoln Memorial zu hören war, ist besorgniserregend für die Zukunft der USA. Es zeigt, wie die Krise einen identitätssuchenden und fundamentalistischen Populismus potenziert, der selbst die Traditionen der Republikaner herausfordert. Aber die Welt, von der sie träumen, wird nicht wiederkehren. … Das macht die Illusion so gefährlich, die die Tea-Party-Bewegung nährt." (29.08.2010)
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Il Sole 24 Ore - Italien
Die Proteste der US-amerikanischen Tea-Party-Bewegung könnten die Rückkehr von Protektionismus und Abschottung zur Folge haben, meint die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Mit dem Phänomen der Tea-Party ... nehmen die US-amerikanischen Konservativen neue, liberalistische Guerillazüge an. Das Phänomen betrifft alle, angefangen bei Barack Obama. Der Präsident scheint weder Schlüssel, Ton noch Rezepte gefunden zu haben, um das Land in der Krise zu vereinen, die Wirtschaft anzukurbeln, und den Menschen soziale Sicherheit zu garantieren. … Obama ist eingekeilt zwischen den Tea-Party-Anhängern, die ihn beschuldigen, die USA in ein sozialistisches Land verwandelt zu haben, und der radikalen Linken, die sich zu fragen beginnen, ob das Weiße Haus sich der Wall Street verschrieben hat. ... Eine kämpferische Truppe von Senatoren und Abgeordneten, die durch Tea-Partys gesponsert werden, droht Amerika wieder in Richtung des wirtschaftlichen Protektionismus und der außenpolitischen Abschottung zu treiben." (29.08.2010)
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The Observer - Großbritannien
Die negative Stimmung gegen US-Präsident Barack Obama wird sich auf Dauer nicht halten, schreibt die linksliberale Sonntagszeitung The Observer mit Blick auf die Demonstration der Tea-Party-Anhänger: "Zur Mitte seiner Amtszeit sieht die Prognose für Obama und seine Partei gar nicht gut aus. Auf längere Sicht ist sie ermutigender. Die Anhänger der Tee-Partei vernichten moderate Republikaner oder zwingen Republikaner, die als Zentrumsvertreter angesehen wurden, dazu sich nach rechts zu bewegen, um ihre Haut zu retten. John McCain ist das bekannteste Beispiel. Die Republikaner werden schließlich dafür bezahlen, dass sie sich zu weit von der Mitte haben wegzerren lassen. Die Wirtschaftslage wird nicht ewig so [schlecht] bleiben. Im Falle einer zweiten Rezession ist alles möglich, aber sollte zur Zeit der nächsten Präsidentenwahl ein anständiger Wohlstandsgrad wiederhergestellt sein, werden sich die US-Amerikaner besser in ihrer Haut fühlen. Das wird sie eher in die Stimmung versetzen, einen im Großen und Ganzen beeindruckenden Präsidenten zu schätzen, von dem die ganze Welt überzeugt ist, dass er ihrem Land Ehre macht." (30.08.2010)
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