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Top-Thema vom Montag, 18. Oktober 2010


Merkel forciert Integrationsdebatte


Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat am Samstag die "Multikulti"-Gesellschaft für gescheitert erklärt. In der Integrationsdebatte empfehlen Kommentatoren, dass sich Einwanderer und Aufnahmegesellschaften gleichermaßen anstrengen müssten, sonst profitiere die extreme Rechte.


Pravda - Slowakei

Die Frage des Zusammenlebens mit Zuwanderern muss dringend diskutiert werden, meint die linke Tageszeitung Pravda angesichts der deutschen Integrationsdebatte: "Ein Teil der Zuwanderer besteht aus gesuchten, qualifizierten Arbeitskräften, andere belasten die Sozialsysteme. Sie alle bringen bereichernde Traditionen mit, aber auch Gewohnheiten, die Misstrauen erregen. Die Zuwanderer sind somit zugleich vorteilhaft wie problembehaftet. ... Wenn die Politiker aus Angst davor, als Rassisten etikettiert zu werden, nicht auf die Befürchtungen der Gesellschaft vor den Einwanderern reagieren, dann erweisen sie den tatsächlichen Rassisten einen Dienst. ... Mit ihrer Bemerkung, dass Multikulti gescheitert sei, eröffnet Angela Merkel eine Debatte, der sich auch die Slowaken nicht verschließen sollten, trotzdem wir noch wenig Erfahrung mit Zuwanderern haben." (18.10.2010)


The Independent - Großbritannien

Mit Blick auf die Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach der deutsche Integrationsansatz gescheitert sei, sieht die liberale Tageszeitung The Independent eine europaweite Tendenz: "Deutschland schließt sich jetzt Frankreich, Belgien, den Niederlanden und - in geringerem Maße - Großbritannien an. Die Regierungen dort stellen ebenfalls den multikulturellen Ansatz in Frage, der jahrelang verfolgt worden ist. Wenn nun der Fokus auf der Integration liegen soll, muss der Wille dazu jedoch auf beiden Seiten vorhanden sein. Nicht nur von den Migranten muss verlangt werden, mehr zu tun. Auch die Regierungen und die einheimische Bevölkerung müssen sich mehr anstrengen. Und dafür braucht man finanzielle Mittel - für Sprachunterricht, bessere Schulbildung und Häuser - und das zu einer Zeit, in der Geld Mangelware ist." (18.10.2010)


Trouw - Niederlande

In der deutschen Integrationsdebatte muss besonders über die Rolle gesellschaftlicher Werte gesprochen werden, meint die Tageszeitung Trouw: "Es gibt es keinen Grund, die Integrationsdebatte zu scheuen. Wie viel Einwanderung wollen wir, welche Bedingungen müssen Immigranten erfüllen und gibt es Werte, die man nicht aufgeben kann? Das sind Fragen, die in einer Integrationsdebatte behandelt werden können. Und zu dieser in einem immer größeren Teil von Europa geführten Debatte hat Deutschland etwas beizutragen. ... Deutschland hat vor einigen Jahren bereits eine Debatte über die 'Leitkultur' begonnen. ... Sie berührte vielleicht sogar den Kern des Problems. Kann unter dem Einfluss von Einwanderung eine Gesellschaft entstehen, in der ganz andere Werte gelten? Oder gibt es unabdingbare Werte, die für jeden, der hier wohnen will, feststehen? Einwanderung führt zu Unsicherheit und daher ist es klug, darüber zu reden." (18.10.2010)


Dziennik Gazeta Prawna - Polen

Trotz der harten Integration in den USA funktioniert sie dort besser als in Deutschland, meint die Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna und zieht einen Vergleich: "In den Schulen bringen sie den Deutschen etwas über Otto I. von Sachsen bei, doch die Schüler interessiert das einfach nicht, denn sie sehen ihn nicht als ihren Vorfahren. In den USA behandeln die staatlichen sozialen Dienste die Einwanderer sehr schlecht - in Deutschland hingegen sehr gut. In Amerika ist die Bildung nicht besonders. Und die zahlreichen Universitäten nehmen zu allem Überfluss auch noch Hochschulgebühren. In den USA verläuft Integration brutal, in Deutschland hingegen milde. Und im Ergebnis gelingt den Deutschen die Integration schlechter als den Amerikanern." (18.10.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 18. Oktober 2010

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