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Top-Thema vom Freitag, 5. November 2010


Geldpolitik der USA fragwürdig


Die US-Notenbank Fed hat am Mittwochabend beschlossen, Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar zu kaufen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Aber einfach Geld zu drucken löst nicht die strukturellen Probleme der USA, meint Europas Presse und sieht andere Länder als Verlierer wegen der erwarteten Dollarabwertung.


De Volkskrant - Niederlande

Geld drucken aus purer Verzweiflung

Die 600 Milliarden Dollar-Spritze der US-Notenbank soll Unternehmen und Verbraucher stimulieren, mehr Geld zu leihen und zu investieren. Ein waghalsiges Manöver, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant, dessen Effekt zweifelhaft ist: "Außerdem ist die Gefahr groß, dass die US-amerikanischen Banken, die jetzt über mehr Geld verfügen, es eher an Wachstumsländer wie Brasilien und China verleihen als in den USA. Noch wichtiger ist, dass die US-amerikanische Geldpresse auf Kosten des Auslands angeworfen wird. Mehr Dollars heißt ein niedrigerer Dollarwert gegenüber Euro und Yen. Das macht das Leben für Exporteure in Europa und Japan schwierig. Die Vereinigten Staaten werfen China die Manipulation seiner Währung vor. Aber mit dem Anwerfen der Geldpresse daheim setzen sie sich derselben Kritik aus. Dass die USA bereit sind, diese Kritik in Kauf zu nehmen, ist ein Zeichen für die Verzweiflung angesichts ihrer wirtschaftlichen Lage." (05.11.2010)


Helsingin Sanomat - Finnland

Taktik mit vagem Ausgang

Für die Konjunkturmaßnahme der US-Notenbank zeigt die Tageszeitung Helsingin Sanomat wenig Verständnis: "Wenn eine Eishockeymannschaft nicht ins Spiel kommt und die Spielstrategie nicht wirkt, versucht sie dem mit einem 'langen Schuss ans andere Ende' und dem 'Hinterherlaufen' zu entrinnen. Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch aus dieser spielerischen Idee eine volkswirtschaftliche Anwendung gemacht. ... Die Entscheidung ist allerdings schon wegen der unklaren Notwendigkeit des Handelns sehr fragwürdig. Die Informationen über die US-Wirtschaft sind nämlich widersprüchlich. ... Es ist also möglich, dass die Fed auf schon veraltete Messungen und Schätzungen reagiert hat. Ein weiteres Problem dieser Strategie ist, dass es für ihre Wirksamkeit keine Garantie gibt. ... Vage Taktiken werden in verzweifelten Situationen eingesetzt." (05.11.2010)


Tages-Anzeiger - Schweiz

Dollarschwemme gefährdet Schwellenländer

Mit der Ankündigung, bis Ende nächsten Jahres 600 Milliarden Dollar in Staatsanleihen zu investieren, verabschiedet sich die US-Notenbank von einer berechenbaren Geldpolitik, meint der Tages-Anzeiger und erinnert an die Verantwortung der USA für aufstrebende Schwellenländer in Asien und Lateinamerika: "Die betreffenden Länder stehen vor der Wahl, 'Pest' oder 'Cholera' zu erdulden: Entweder steigt als Folge der Zuflüsse der Wechselkurs ihrer Währungen - was die Exportchancen mindert -, oder sie verhindern eine Aufwertung und nehmen eine Ausweitung ihrer Geldmenge in Kauf, was die Gefahr von Blasen und Inflation erhöht. … Die USA tragen diesbezüglich eine gewichtige Verantwortung. Der Vorwurf an die Notenbank, sie ziele mit ihrer extrem aggressiven Geldpolitik primär auf eine Schwächung des Dollars, greift zu kurz. Doch nimmt sie die erodierende US-Valuta als angenehmen Nebeneffekt nur zu gerne in Kauf - und damit auch die stabilitätspolitischen Nöte vieler Schwellenländer. Der G-20-Gipfel kommende Woche kommt gerade richtig, um diese Problematik zu diskutieren, bevor sich die Fronten vollends verhärten." (05.11.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 5. November 2010

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