Navigation

 

Top-Thema vom Montag, 14. Februar 2011


Ägyptens Militär leitet Übergang ein


Nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak hat Ägyptens Armee am Sonntag die Verfassung außer Kraft gesetzt und das Parlament aufgelöst. Innerhalb von sechs Monaten sollen Neuwahlen stattfinden. Europas Presse reagiert besorgt auf die Macht des Militärs und fordert rasche Reformen in Politik und Wirtschaft.


Hospodářské noviny - Tschechien

Die Ägypter erwarten in ihrer Euphorie nach dem Abgang von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak grundlegende politische und ökonomische Reformen, schreibt die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny, bezweifelt aber, dass es die mit dem starken Einfluss der Armee geben wird: "Die Tatsache, dass sich bei den mehr als zwei Wochen andauernden Massendemonstrationen keine klare Führungspersönlichkeit profiliert hat, könnte die Situation jetzt sehr verkomplizieren. Mubarak hat die Führung des Landes in die Hände der Armee übergeben, die die Demonstranten aufforderte, nach Hause zurückzukehren. ... Sollte die Armee das entscheidende Element bleiben, sind durchgreifende Änderungen weder in der Innen- noch in der Außenpolitik Ägyptens zu erwarten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Menschen, die auf dem Tahrir-Platz Veränderungen verlangten, mit einem solchen Szenario einverstanden wären." (14.02.2011)


Trouw - Niederlande

Nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am Freitag hat die Armee die Zügel in der Hand, schreibt die Tageszeitung Trouw und fordert, dass sie die Macht schnell wieder abgibt: "Die Armee ist seit dem Ausbruch der Proteste damit beschäftigt, die eigene Machtposition sicherzustellen. Das ist angesichts der ägyptischen Verhältnisse unvermeidlich, um den Zusammenbruch des Staats zu verhindern. Aber ob die Militärs sich überwinden können, in absehbarer Zeit die Macht an eine gewählte Zivilregierung zu übertragen, muss man noch sehen. Als sie sich zunächst hinter Mubarak stellte, hat die Armee bewiesen, dass sie in der Lage ist, die Entschlossenheit des Volks ernsthaft zu unterschätzen. Die versammelte Opposition wird daraus gelernt haben: Der Slogan, der auf dem Tahrir-Platz erklang, 'Armee und Volk Hand in Hand', war naiv. Nur wenn sie Druck auf die Militärs ausübt, kann die Opposition auf einen Übergang zu wirklicher Demokratie hoffen." (14.02.2011)


Der Standard - Österreich

Für eine demokratische Zukunft nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak braucht Ägypten vor allem wirtschaftliches Wachstum, meint die linksliberale Tageszeitung der Standard: "Den Millionen Menschen, die in den vergangenen Wochen auf die Straße gegangen sind, ging es nicht nur um freie Wahlen und politische Mitsprache. Sie wollen auch mehr Arbeitsplätze, ein höheres Einkommen und mehr soziale Sicherheit. ... Selbst wenn eine neue Regierung alles richtig macht, bleiben die strukturellen Probleme ungelöst. In der ganzen arabischen Welt ist die Produktivität niedriger als das Lohnniveau. Außer Öl und Gas gibt es keine Exportindustrie, die mit den hocheffizienten Anbietern aus Asien mithalten könnte. ... Die Europäer, die wichtigsten Handelspartner, können dabei nur am Rande helfen. Wohl wäre es gut, neuen Demokratien in Nordafrika die eigenen Märkte stärker zu öffnen und Expertise für Reformen zu bieten. ... Aber den Pfad, der zu mehr Wachstum führt, müssen die Staaten selbst finden. Schaffen sie das nicht, dann schwindet auch die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft." (14.02.2011)


Público - Portugal

Mit dem Rücktritt des ägyptischen Husni Mubarak am 11. Februar 2011 endete eine Periode, die am 11. September 2001 begann, schreibt die Tageszeitung Público. Der 11. September "kündigte den Zivilisationsschock zwischen Westen und Orient an, einer Schlacht auf der Weltbühne zwischen westlicher Herrschaft und arabischem Groll. Am 11. Februar 2011 hat ein Signal aus der arabischen Welt gezeigt, wie lebendig der Glaube an Demokratie und Freiheit ist. Die Revolution in Kairo hat gezeigt, wie der Wunsch, frei zu leben und über sein eigenes Schicksal zu entscheiden, nichts exklusiv Westliches ist. ... In den 18 Tagen, die im Sturz von Hosni Mubarak gipfelten, war der Tahrir-Platz das Symbol für ein Anliegen der gesamten Menschheit und hat bewiesen, dass Tunis kein Einzelfall war. Nach Tunis haben die Araber in Kairo bewiesen, dass sie auf den Zug der Globalisierung aufspringen können. Nach einem Jahrzehnt der Stagnation hat die Geschichte in der arabischen Welt wieder begonnen sich zu drehen. Der 11. September wurde am Tahrir Platz beendet." (12.02.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 14. Februar 2011

Weitere Inhalte