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Top-Thema vom Freitag, 1. April 2011


Gaddafis Macht bröckelt


Libyens Außenminister und Ex-Geheimdienstchef Mussa Kussa ist am Mittwoch nach London geflohen. Die Presse wertet Kussas Flucht als Zeichen für den Zerfall des Regimes und plädiert dafür, ihn nicht wegen möglicher Verwicklungen in Verbrechen Gaddafis anzuklagen.


Aamulehti - Finnland

Die Flucht des libyschen Außenministers Mussa Kussa ist ein Zeichen dafür, dass Gaddafi den Rückhalt innerhalb seiner Regierung verliert, meint die liberale Tageszeitung Aamulehti: "Das sicherste Mittel in der Politik durchzukommen ist, sich auf die Seite des Siegers zu schlagen. Der zum Westen übergelaufene libysche Außenminister Mussa Kussa ist derzeit der hochrangigste libysche Führer, der damit rechnet, dass der Diktator Muammar al-Gaddafi am Ende nicht als Sieger dastehen wird. ... Mit Luftschlägen allein wird der libysche Machtkampf kaum gelöst werden. Da die Entsendung von Bodentruppen nach Libyen aus vielen Gründen unmöglich ist, könnte die Allianz die Aufständischen zum Beispiel mit Waffen unterstützen oder eben hoffen, dass Gaddafis Regierung von innen bröckelt. Kussas Seitenwechsel ist ein ermutigendes Zeichen dafür, dass sich die Reihen von Gaddafis Anhängern lichten. Auch er muss irgendwann erkennen, dass ein Führer ohne Truppen keine Zukunft hat." (01.04.2011)


Die Welt - Deutschland

Die Flucht von Libyens Außenminister Mussa Kussa verdeutlicht nach Ansicht der konservativen Die Welt die schleichende Erosion des Systems und stärkt die Anti-Gaddafi-Koalition: "Wie die letzten Tage gezeigt haben, sind die Aufständischen den Truppen Gaddafis an Feuerkraft und wohl auch an der Zahl der ausgebildeten Kämpfer noch immer unterlegen. Sie müssen deshalb auf den psychologischen Effekt hoffen. Darauf, dass die Gaddafi-Treuen einsehen, für eine verlorene Sache zu kämpfen, für die es sich nicht lohnt, Leben oder Gesundheit aufs Spiel zu setzen. ... Am besten wäre es natürlich, Gaddafi selbst würde das Handtuch werfen und ins Exil gehen. Seine bisherigen Auftritte und seine Persönlichkeitsstruktur lassen aber nicht vermuten, dass es dazu kommen wird. ... Aber wenn jemand wie Mussa Kussa von der Fahne gegangen ist, dann werden sich jetzt auch viele andere im Machtzirkel um Gaddafi fragen, ob es nicht höchste Zeit für einen Seitenwechsel ist." (01.04.2011)


The Daily Telegraph - Großbritannien

Nach der Flucht des libyschen Außenministers Mussa Kussa nach Großbritannien plädiert die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph dafür, ihm nicht den Prozess zu machen: "Sollte er als ein aufgeklärter Überläufer begrüßt werden, dessen Beispiel andere Gefolgsleute von Gaddafi ermuntern wird? Oder sollte er überprüft und nötigenfalls angeklagt werden für seine angebliche Rolle bei den Verbrechen des Regimes? ... Cameron sagte gestern, dass er hoffe, dass Kussas Überlaufen auch andere in Gaddafis Umfeld bestärkt, ihm abtrünnig zu werden. Doch das ist kaum wahrscheinlich, wenn diese davon ausgehen, dass sie im Gefängnis landen werden. Bisher hat der Premier seine Interventionsgründe aufgrund seiner Prinzipien penibel verteidigt. Aber was Kussa angeht, wird sein Wunsch, das Richtige zu tun, mit den Anforderungen einer Außenpolitik aufeinander prallen, bei der es wohl wichtiger ist, das Notwendige zu tun." (01.04.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 1. April 2011

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