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Top-Thema vom Donnerstag, 21. April 2011


Umstrittener Ruf nach Bodentruppen


Die libyschen Rebellen haben die Nato zum Einsatz von Bodentruppen aufgefordert. Frankreich, Großbritannien und Italien wollen aber nur Militärberater schicken. Ein Bodenangriff ohne Mandat wäre ein historischer Fehler, fürchten einige Kommentatoren. Andere sehen darin die einzige Möglichkeit, den Krieg in Libyen zu beenden.


Jyllands-Posten - Dänemark

Die humanitäre Situation in mehreren libyschen Städten macht es nach Ansicht der liberal-konservativen Tageszeitung Jyllands-Posten dringend notwendig, über die Intervention von Bodentruppen nachzudenken: "Es leuchtet immer mehr ein, dass der Kampf gegen Gaddafi nicht aus der Luft gewonnen werden kann. Wenn Gaddafis militärischen Einsätzen und Übergriffen effektiv ein Ende bereitet werden soll, müssen Bodentruppen eingesetzt werden. Möglicherweise deutet die Entscheidung Großbritanniens und Frankreichs, eine begrenzte Anzahl von Offizieren als Berater zu entsenden, darauf hin. Bisher war Frankreich dagegen. Libyen wird immer mehr zum Prüfstein, ob die Nato eine Mission durchführen kann, in der die USA nicht die Führungsrolle übernehmen." (21.04.2011)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Der Einsatz von Bodentruppen in Libyen würde großen politischen Schaden anrichten, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Sollten einzelne Mitglieder des Sicherheitsrats das Mandat derart ausdehnen, dürfte es heftige Gegenwehr geben. ... Dieser Militäreinsatz könnte am Boden vermutlich entschieden werden. Aber es wäre ein historischer Fehler, wenn europäische Truppen als vermeintliche Heilsbringer auf arabischer Erde mit unklarem Ausgang für weitgehend unbekannte Partner in den Krieg ziehen würden. Ehrlicher, wenn auch bitter ist es, weiter Hilfe zu leisten, wo das geht: humanitär, diplomatisch, mit massivem politischen Druck, aber im Rahmen des bestehenden Konsenses. Der politische Schaden in Libyen und Nahost wird groß sein. Aber nicht so groß wie ein Nato-Krieg auf arabischem Boden oder gar ein Militäreinsatz des Westens ohne entsprechendes Mandat." (21.04.2011)


La Repubblica - Italien

Europas Unentschlossenheit in Libyen ist Folge der fehlenden Einigkeit, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Wir können nicht Zuschauer eines Dramas sein, in das wir direkt verwickelt sind, sowohl auf Grund der unmittelbaren geografischen Nähe als auch auf Grund der Tatsache, dass es um Erdöl geht. ... Die wahren Gründe für den Einsatz sind politisch und wirtschaftlich, nicht humanitär. ... Niemals zuvor wurde so deutlich, wie sehr Europas Ohnmacht durch das Fehlen einer gemeinsamen Politik bedingt ist. Nur ein vereintes Europa hätte die richtige Wahl, den Aufstand der Jugendlichen in den arabischen Ländern zu unterstützen, mit einer Intervention untermauert, die nicht von nationalen Herrschaftsgedanken geprägt ist. Dies hätte Europa in die Lage versetzt, sein großes, wirtschaftliches und politisches Gewicht zu nutzen, um die Revolte auf einen demokratischen Ausgang hin auszurichten." (21.04.2011)


De Groene Amsterdammer - Niederlande

Die hart umkämpfte Stadt Misrata verdeutlicht die schwierige Lage der Nato in Libyen, schreibt das Wochenblatt De Groene Amsterdammer: "Misrata ruft schmerzliche Erinnerungen an das umzingelte Sarajewo hervor, das vier Jahre lang das Symbol des internationalen Scheiterns aber auch einer zynischen Kriegspolitik war. ... Die bosnischen Behörden öffneten den Fluchtweg für die ausgehungerte Bevölkerung kaum, denn sonst hätten sie einen moralischen Trumpf verloren, um die internationale Gemeinschaft dazu zu bewegen, ihnen zu helfen. ... Mit dem Leiden von Misrata könnten die Rebellen die Nato zwingen, mehr zu tun. Was uns als schneller humanitärer Einsatz präsentiert wurde, droht in einen langen, schmutzigen Krieg mit ungewissem Ausgang auszuarten. Denn noch immer kennen wir nur neun der 31 Rebellenführer beim Namen und noch immer gibt es keine klare Nato-Strategie." (21.04.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 21. April 2011

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