Top-Thema vom Donnerstag, 30. Juni 2011
Griechenland sucht sein Heil im Sparen
Das griechische Parlament hat am Mittwoch harte Sparmaßnahmen beschlossen, womit es den Weg frei gemacht hat für weitere Finanzhilfen von EU und IWF. Parallel kam es zu Krawallen in Athen mit mehr als hundert Verletzten. Sparen allein reicht nicht, meint die Presse und fordert zur Vermeidung künftiger Krisen eine europäische Wirtschaftspolitik.
Hospodárske noviny - Slowakei
Ein Sparpaket zu verabschieden ist einfach, es umzusetzen schon schwieriger, meint die Wirtschaftszeitung Hospodárske noviny: "Bei der Umsetzung ihrer Beschlüsse haben die Griechen schon einmal versagt, als sie im vergangenen Jahr die Bedingungen für Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds nicht erfüllten. Sie bekommen nun eine neue Chance. Aber auch der gestrige Akt im Parlament war ein von der EU erzwungener. Mit klarer Bedingung: Entweder ihr spart, oder es gibt kein Geld mehr und ihr geht bankrott. ... Die Mehrheit der Ökonomen sagt, es werde dutzende Jahre dauern, bis Griechenland seine Schulden zurückzahlen kann. Zunächst braucht es dazu einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der wird jedoch auf sich warten lassen, wenn die Staatsausgaben immer weiter zusammengestrichen werden. Wachstum setzt öffentliche Aufträge voraus. Insofern steht in Griechenland alles auf dem Kopf." (30.06.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Ivan Szabó
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Mit der Annahme des Sparprogramms hat das griechische Parlament die Zahlungsunfähigkeit des Landes vorerst abgewendet. Doch das bringt Griechenland nicht viel, wenn nicht parallel etwa der traditionelle Klientelismus bekämpft wird, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Die schwierige Zeit der Umsetzung steht erst noch bevor. Eine Besserung ist nicht so schnell in Sicht, denn es braucht umfassende strukturelle Reformen. Notwendig ist zudem die Erneuerung des gesamten politischen Systems, zu dessen Grundpfeilern der tief in der Gesellschaft verwurzelte ... Klientelismus gehört. Die Zeit drängt, denn das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der politischen Institutionen des Landes schwindet in der Gesellschaft immer mehr. Das ist auch nicht erstaunlich, wenn Politiker, die für ihre Taten kaum je zur Rechenschaft gezogen werden und die sich verbissen an ihre Privilegien klammern, von der Bevölkerung immer mehr Opfer verlangen." (30.06.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Cyrill Stieger
El Mundo - Spanien
Nach dem griechischen Parlamentsbeschluss für strenge Sparmaßnahmen braucht Europa jetzt eine einheitliche Wirtschaftspolitik, damit sich solche Krisen nicht wiederholen können, fordert die konservative Tageszeitung El Mundo: "Der Fall Griechenland hat gezeigt, dass die EU ihre Macht- und Entscheidungsstrukturen umbauen muss. Sie braucht eine europäische Wirtschaftsregierung, die in der Lage ist, in allen Mitgliedstaaten eine ähnliche Geschwindigkeit in Schlüsselbereichen wie der Finanz- und Haushaltspolitik sowie in Sachen Arbeitsrecht durchzusetzen. Das ist die einzige Möglichkeit, wie man neue Probleme rechtzeitig erkennen kann. Solange wir das nicht erreichen, können wir nicht verhindern, bald wieder um das Überleben des Euro bangen zu müssen." (30.06.2011)
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Kathimerini - Griechenland
Die Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket hat nach Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Stabilisierung des Euro ein "ganzes Stück vorangebracht". Die konservative Tageszeitung Kathimerini kritisiert die Haltung Merkels: "Ist doch egal, dass gestern das Zentrums Athens verbrannt wurde und die Wunden der griechischen Gesellschaft wegen der Sparmaßnahmen noch stärker bluten werden - die Begeisterung von Frau Merkel bleibt ungetrübt. ... Merkel war nie (und wird nie) bereit sein, Griechenland die nötige Unterstützung zu geben, damit diese grausame Finanzkrise bewältigt werden kann. Die 'eiserne Lady' ist bereit, langfristig die Interessen des europäischen Gebildes für ihre kleinlichen Partei-Interessen zu opfern. ... Solidarität liegt ihr fern, wie ihre Reaktionen auf die griechische Krise gezeigt haben. Sie nutzt die Entwicklungen so, dass diese am Ende ihre eigenen Ziele bedienen." (30.06.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Zeza Zikou
Lidové noviny - Tschechien
Die Gründe für die Krise liegen nicht in Griechenland, meint die konservative Tageszeitung Lidové noviny, sondern vor allem in der Kopflosigkeit der Europäischen Union: "Das Problem ist, dass in dieser Situation weder die EU noch die Euro-Zone eine richtige Führung haben. Eine Führung, die geeint kommuniziert, einen Plan macht und ihn durchzieht. Diese Krise zeigt schonungslos und in voller Schönheit alle Gebrechen der EU. Der Gipfel der Lächerlichkeit wäre es, wenn im Ergebnis dieser Krise eine Steuerunion durchgedrückt werden würde, nach der in Brüssel und in Ländern mit hohen Steuerlasten schon gerufen wird. Das wäre wirklich das traurige Ende eines Schauspiels, das nur so aussieht wie eine griechische Tragödie." (30.06.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Jan Kadaník
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