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Top-Thema vom Mittwoch, 13. Juli 2011


Krise erfordert Durchgreifen Europas


Wegen der Gefahr einer möglichen Ausweitung der Euro-Krise auf Italien diskutieren die Finanzminister der Euro-Gruppe neue Hilfsmaßnahmen, bisher ohne Ergebnis. Die Presse fordert, endlich Griechenlands Schuldenproblem zu lösen und die Finanzwirtschaft zu zügeln.


Kurier - Österreich

Die internationalen Banken und Rating-Agenturen müssen als Verursacher der Euro-Krise jetzt an die kurze Leine genommen werden, meint die linksliberale Tageszeitung Kurier: "Seit Tagen wird massiv gegen Italien spekuliert, ohne dass dort die Wirtschaftsdaten schlechter wurden. Also treffen sich die Finanzminister - um was zu tun? Sie spekulieren, nämlich darüber, ob eine Pleite Griechenlands nicht doch eine Option wäre. Dabei haben einige Handelsplätze die sogenannten Leerverkäufe für gewisse Aktien schon verboten. Es geht also. Auch die Finanzwirtschaft hat die Vorgaben der Politik zu akzeptieren. Aber da müssen Kommission und EU-Regierungen endlich klare Vorgaben machen. Die Bürger sollten Europa spüren. Als Regierungsmacht, die sich gegen Spekulanten durchsetzt. Der Wille ist endlich da: Jetzt wollen wir Ergebnisse sehen." (13.07.2011)


Financial Times Deutschland - Deutschland

Je länger die Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel um eine Lösung der Krise ringen, desto mehr fühlt sich die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland an das Märchen Des Kaisers neue Kleider erinnert: "Alle sehen, dass Griechenland pleite ist. Das sagt natürlich niemand, wobei viele im Gegensatz zu Andersens Erzählung zumindest einsehen, dass der Kaiser ein ernstes Problem hat: Wir bekennen, dass seine Kleidung zerrissen ist. Wir nähen Flicken an die nackten Beine. ... Der rasend schnelle Übergriff auf Italien schwächt das Argument, dass ein Schuldenschnitt Griechenlands unbedingt vermieden werden muss. ... Wenn ein Schuldenschnitt aber nun erwogen wird, müsste er an das große Paket gekoppelt sein - zu dem einige Staaten Europas immer noch nicht bereit sind: Banken müssten unter Umständen gestützt, milliardenschwere Aufbauprogramme beschlossen werden. Der Steuerzahler würde de facto für die Schulden einstehen. Gut, dass wir endlich laut sagen, dass der Kaiser nackt ist. Aber wir müssten dann auch bereit sein, ihm neue Kleider zu schneidern." (13.07.2011)


De Morgen - Belgien

Unentschlossene Europa-Politiker und nationalistische Tendenzen verschlimmern die Eurokrise und bedrohen auch Belgien, warnt die linksliberale Tageszeitung De Morgen: "Gestern Griechenland, heute Italien und Spanien, morgen Belgien. Denn zwischen uns und Berlusconi steht niemand mehr. Der Euro ist eine der größten Errungenschaften der Mitgliedstaaten und hat für Wirtschaftswachstum und Wohlstand gesorgt. Aber jetzt wird deutlich, dass die Währungsunion nicht ohne Regeln und Fundamente auskommt. ... Nötig ist nicht nur eine Batterie europäischer Maßnahmen, die die Mitgliedstaaten zu Haushaltsdisziplin zwingt, sondern auch die Wiederherstellung der europäischen Solidarität. ... Aber in vielen Ländern rückt der Nationalismus vor, gegen jede Solidarität. Den Bürgern wird versprochen, dass es ihnen besser gehen wird, wenn wir zurückkehren zu noch kleineren Nationalstaaten und die Lösung im 19. Jahrhundert suchen. Die Euro-Zone steht in Flammen, der Zustand der europäischen Banken und die Krise durch Staatsverschuldung sind eng miteinander verwoben. Jetzt ist nicht die Zeit für Unentschlossenheit." (13.07.2011)


To Ethnos - Griechenland

Durch die Verzögerungen der Rettung Griechenlands hat die EU viele Länder in Gefahr gebracht, meint die linksliberale Tageszeitung To Ethnos: "Mit dem angeblichen Ziel, private Gläubiger an der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland zu beteiligen, sind Deutschland und die anderen nordeuropäischen Länder in einen Teufelskreis geraten. Sie hat die Krise um ein paar Monate verschoben und nicht nur Griechenland, sondern auch andere Länder Südeuropas den Rating-Agenturen wehrlos ausgeliefert. Die Zeit wird knapp. Der Appell der griechischen Regierung an die Europäer, dass es keine Verzögerungen mehr geben darf, hört sich so dramatisch an wie der allerletzte Aufruf. ... Die EU muss nun beweisen, dass sie eine Führung hat, die den Appell auch hört." (12.07.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 13. Juli 2011

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