Top-Thema vom Freitag, 22. Juli 2011
EU findet solidarisch aus der Krise
Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds haben sich auf dem Sondergipfel am Donnerstag auf ein neues Hilfspaket für Griechenland über 109 Milliarden Euro geeinigt. Banken und Versicherungen übernehmen zusätzlich bis zu 50 Milliarden Euro. Damit ist der Weg aus der Krise beschritten, freut sich die Presse und lobt die solidarische Entwicklung hin zu einem Europäischen Währungsfonds.
Frankfurter Rundschau - Deutschland
Mit den in Brüssel gefassten Beschlüssen ist der Rettungsschirm EFSF endlich zu einem Europäischen Währungsfonds entwickelt worden, lobt die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Eine Einrichtung, die den Konstruktionsfehler der Währungsunion, eine gemeinsame Währung ohne politische Union, ein gutes Stück weit korrigiert. Das ist die Sensation des Treffens. ... Die Euroländer haben sich ein Fremdwährungsrisiko eingehandelt. Streng genommen macht es keinen Unterschied, ob sich Italien oder Deutschland im Euro oder im Dollar verschulden. Durch die von Deutschland durchgesetzte No-bail-out-Klausel, die Chiffre, die es verbietet, dass ein Land für ein anderes haftet, ist der Euro für alle eine Fremdwährung. ... Hier setzt der Europäische Währungsfonds an. Er ist die Feuerwehr, die die Fremdwährung Euro in Notfällen bereitstellen kann. Er ist das Bollwerk gegen Spekulationsattacken. Er ist die Garantie dafür, dass die Euroländer wenn schon nicht füreinander, dann doch zumindest für den Euro gemeinsam einstehen - und damit indirekt natürlich auch füreinander." (22.07.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Robert von Heusinger
Hospodářské noviny - Tschechien
Die Entscheidungen des EU-Gipfels zur Griechenland-Hilfe markieren den Weg aus der Krise, freut sich die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny: "Nach langer Zeit muss man die Euro-Zone loben. Der Plan zur Rettung Griechenlands und weiterer Problemstaaten scheint langfristig lebensfähig, stimulierend und wirtschaftlich rational zu sein. Das ist besser, als man ursprünglich zu hoffen wagte. ... Geradewegs genial ist der Gedanke eines Marshallplans für Griechenland, der seiner Wirtschaft helfen, Investitionen unterstützen und dem Land endlich ein anhaltendes Wachstum bescheren könnte. Positiv ist, dass sich auch die Banken zu dem Plan bekennen, selbst wenn Details noch offen sind. ... Entscheidend ist, dass die Märkte den Vorschlag bislang positiv aufgenommen haben, was sich in der Stärkung des Euro zeigte. Und dass sich auch die Investoren zufrieden äußern. Der Gipfel hat die europäische Schuldenkrise nicht vollends ausgebügelt. Aber er hat wenigstens Marksteine für den Weg aus dieser Krise gesetzt." (22.07.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Julie Hrstková
Les Echos - Frankreich
Mit dem neuen Rettungsplan für Griechenland und den Euro agieren die Staats- und Regierungschefs der Euro-Gruppe diesmal nicht nur als einfache Feuerwehrmänner, sondern sie schützen die Euro-Staaten wirksam gegen Spekulation, lobt die Wirtschaftszeitung Les Echos: "Drei kleine Revolutionen wurden vollbracht. Erstens sollen die Zinssätze für die drei schwächsten Länder, die bereits Hilfe erhalten, von nun an unter dem Durchschnitt der Euro-Zone liegen: Es handelt sich dabei um einen Wohlstandstransfer und eine wirkliche Solidarität unter den europäischen Steuerzahlern. Zweitens nähern wir uns immer mehr einem System von Euro-Anleihen an, ohne dass dies jedoch offen gesagt wird, da diese Entwicklung hinter den höchst komplexen juristischen Formulierungen kaum durchscheint. Und drittens wird der Solidaritätsfonds präventiv eingreifen und nicht erst, wenn die Flammen bereits lodern - auch auf dem Sekundärmarkt. Das ist eine mächtige Waffe gegen Spekulation." (22.07.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Dominique Seux
Ta Nea - Griechenland
Die von den 17 Euro-Ländern beschlossene Hilfe ist gut für Griechenland, meint die linksliberale und regierungsnahe Tageszeitung Ta Nea, doch die Griechen müssen mit anpacken: "Unsere EU-Partner haben uns nicht den Rücken gekehrt. … Stattdessen versuchten sie, ihre Differenzen zu überbrücken und die größten Hindernisse für die Rettung Griechenlands zu umgehen. So konnten sie Entscheidungen treffen, die bis vor einigen Monaten als Tabu galten. ... Gleichzeitig haben die 17 Staats- und Regierungschefs den Spekulanten eine klare Botschaft gesendet, dass die gemeinsame Währung um jeden Preis unterstützt wird. ... All dies sind gute Nachrichten für Griechenland, die aber noch nicht reichen. Der griechische Premier und sein Vize kehren zum ersten Mal seit langem mit vollen Koffern aus Brüssel zurück, aber sie werden auf Chaos treffen. ... Es ist offensichtlich: Damit uns die Ausländer retten, müssen wir erst selbst entscheiden, ob wir gerettet werden wollen." (22.07.2011)
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El Mundo - Spanien
Nach der Einigung auf dem Brüsseler Sondergipfel befürchtet die konservative Tageszeitung El Mundo, dass die neuen Konditionen für die griechischen Kredite als Zahlungsverzug gewertet werden könnten: "Viele Fachleute interpretierten gestern die Einigung als einen versteckten Zahlungsverzug, da man schließlich Griechenland über verschiedene Mechanismen erlaubt, weniger Geld zurückzuzahlen und das über einen längeren Zeitraum, so wie es Unternehmen mit ihren Gläubigern in einem Insolvenzverfahren vereinbaren. Die europäischen Börsenwerte sind in Reaktion auf die bevorstehende Einigung gestiegen und die Risikoaufschläge Spaniens und Italiens gefallen. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Märkte auf das Kleingedruckte des Abkommens reagieren und vor allem, ob die Rating-Agenturen die Bewertungen für die involvierten Geldinstitute und einige stark verschuldete Länder herabstufen werden." (22.07.2011)
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