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Top-Thema vom Montag, 1. August 2011


Welt ignoriert Massaker in Syrien


Syriens Armee hat Augenzeugen zufolge am Sonntag bei einer Offensive gegen die Rebellen-Hochburg Hama und andere Städte dutzende Menschen getötet. Die Staatengemeinschaft sieht den Untaten von Präsident Baschar al-Assad seit Monaten nur zu, kritisiert die Presse und befürchtet das Ende des Arabischen Frühlings.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Nach dem Massaker der syrischen Armee in Hama warnt die linksliberale Süddeutsche Zeitung den Westen davor, sich von Syrien abzuwenden: "Amerika, Deutschland, Großbritannien verurteilen die Gewalt in Hama, aber viel Schlimmeres hat Assad vom Westen nicht zu fürchten. Die jüngsten Ereignisse in Libyen dürften dem Westen jede Lust für ein stärkeres Engagement genommen haben. Dort fallen in der Rebellenhochburg Bengasi die Kämpfer neuerdings übereinander her, was die Chancen auf einen baldigen Triumph über Gaddafi, den Gewaltmenschen in Tripolis, eher sinken lässt. Dies alles kann man bedauern, verfluchen, beweinen. Nur eines sollte der Westen jetzt nicht tun: Sich aus Frustration über den in Zeitlupe explodierenden arabischen Sommer abzuwenden." (01.08.2011)


El País - Spanien

Die internationale Staatengemeinschaft reagiert kaum auf die Brutalität des syrischen Diktators Baschar al-Assad gegen sein eigenes Volk, bedauert die linksliberale Tageszeitung El País: "Die Staatengemeinschaft erwägt in keiner Weise so zu intervenieren, wie sie es in Libyen getan hat. Die Angst vor einer weiteren Destabilisierung im Nahen Osten - wo Damaskus entscheidenden Einfluss hat - und die Blockade durch China und Russland, die größere Initiativen gegen das Regime verhindern, lässt Assad freie Hand, weiterhin gegen sein eigenes Volk vorzugehen. Der einzige Grund, der den Tyrannen verzweifeln lässt, der bislang die Unterstützung des Heeres und der Polizei hinter sich weiß, ist der Mut von tausenden Bürgern. Diese fordern jetzt in Hama und vorher in Damaskus, Deraa oder Banias völlig unbewaffnet die sogenannten Sicherheitskräfte heraus." (01.08.2011)


La Stampa - Italien

Das brutale Vorgehen des syrischen Präsidenten gegen sein Volk kann das Ende des Arabischen Frühlings bedeuten, befürchtet die liberale Tageszeitung La Stampa: "Der Zeitpunkt ist klug gewählt. Die internationale Gemeinschaft ist abgelenkt. US-Präsident Obama ist durch die Gefahr der Staatspleite geschwächt. … Der türkische Premier Erdoğan, dem der Westen die Aufgabe anvertraute, den heißblütigen Brüdern Assad ab und an die Ohren lang zu ziehen, ist im Krisenkonflikt mit seinen Generälen verstrickt, die am Freitag geschlossen zurücktraten. In Kairo soll in zwei Tagen der Prozess gegen [Ex-Präsident] Mubarak beginnen. ... Dieser könnte die Revolution vom Tahrir-Platz offiziell in die Hände der Muslimischen Bruderschaft legen. ... Baschar al-Assad weiß, dass dies der richtige Augenblick ist. Er will vermutlich auch einen Platz in den Geschichtsbüchern. Sollte es gelingen, in Syrien die Revolte zu unterdrücken, kann Damaskus zu Recht für sich beanspruchen, die Revolutionen, die im Frühling begannen, im Herbst zu Grabe getragen zu haben." (01.08.2011)


De Morgen - Belgien

Wegen des Angriffs auf sein Volk in der Rebellen-Hochburg Hama muss Syriens Präsident Baschar al-Assad vor den Internationalen Strafgerichtshof, fordert die linksliberale Tageszeitung De Morgen: "Die Gewalt zeigt, dass das Assad-Regime mit dem Rücken zur Wand steht. Es klammert sich verbissen an die Macht und führt einen schmutzigen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Der absolute Tiefpunkt ist der Mord an dem dreizehn Jahre alten Hamza al-Khateeb. Ein Kind, das einen Monat lang gefoltert wurde, bevor es drei Kugeln in die Brust bekam. ... Die Leiche zeigte Spuren von Brandwunden an Füßen, Ellenbogen und Knien durch Elektroschocks, und sein Penis war abgeschnitten. Wenn die internationale Gemeinschaft aus geopolitischen oder anderen Gründen nicht eingreifen will, können wir nur hoffen, dass es den Demonstranten gelingt, Baschar zu stürzen. Und dass der Diktator nicht wie sein Onkel in einem schicken Londoner Viertel landet, sondern vor dem Internationalen Strafgerichtshof." (01.08.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 1. August 2011

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