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Top-Thema vom Montag, 8. August 2011


Angst vor neuem Finanzcrash


Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft und damit weltweit Angst vor einem weiteren Kursrutsch an den Börsen ausgelöst. Die Presse macht die ultrakonservative Tea Party für den Verlust der höchsten Bonitätsnote verantwortlich und bezweifelt, dass Politiker die Krise noch meistern können.


Tiroler Tageszeitung - Österreich

Die Haltung der ultrakonservativen Tea Party hat in den USA zu falschen Entscheidungen im Umgang mit der Schuldenkrise geführt und damit die Abstufung der Bonität des Landes provoziert, meint die liberal-konservative Tiroler Tageszeitung: "Der Verlust der höchsten Bonität muss die gemäßigte Mehrheit aufwecken. Es wird Zeit, dass Obama und die Demokraten der Tea Party die Themenführerschaft entreißen. Der US-Staatshaushalt kann nur nachhaltig saniert werden, wenn die wohlhabendsten zehn Prozent sowie Konzerne, die Milliardengewinne einfahren, ihren Beitrag leisten. Laut Umfragen sehen dies auch die Amerikaner so. Und es wird Zeit, dass moderate Konservative Mut und Weitsicht beweisen und gegen die Tea Party stimmen. Wenn sie der radikalen Minderheit weiterhin erlauben, Amerika in Geiselhaft zu halten, droht der größten Volkswirtschaft und der Welt eine neue Rezession." (08.08.2011)


Les Echos - Frankreich

Durch die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit macht die Rating-Agentur Standard & Poor's deutlich, dass die Politik ihrer finanzpolitischen Kontrollfunktion nicht mehr nachkommt, meint die liberale Wirtschaftszeitung Les Echos: "Die repräsentative Demokratie, in der wir leben, ist vor drei Jahrhunderten aus einer einfachen Idee entstanden: Um die Schuldenspirale zu verhindern, die zum Bankrott führt, müssen die Staatskonten von den Volksvertretern kontrolliert und nicht dem König überlassen werden. Heute kommen die USA dieser ursprünglichen Mission nicht mehr nach. ... Und in unserem alten Europa wächst ebenfalls der Zweifel an der Fähigkeit der Staaten, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, wie die Märkte vergangene Woche gezeigt haben. Die politischen Führer beschwichtigen zunehmend, aber sie verlieren mit dem weiteren Ansteigen der Staatsschulden ihre Glaubwürdigkeit. Um das Vertrauen zurückzugewinnen, braucht es mehr Taten als Worte. Dies gilt nicht nur für das Wohl der Finanzmärkte, sondern auch für die Zukunft der Demokratie." (08.08.2011)


Trud - Bulgarien

Die Meldungen von einem Crash der weltweiten Börsen, die am vergangenen Wochenende die Weltöffentlichkeit in Atem hielten, sind für die Tageszeitung Trud nichts weiter als ein großer Schwindel: "Die Weltöffentlichkeit ist am Freitag und Samstag einer großen Lüge aufgesessen. An den internationalen Börsen ist zwar ein Rückgang der Kurse zu beobachten, aber kein Drama. Was soll das Gerede von einem Rekordtief? Die wichtigsten Börsen haben noch nicht einmal ihre diesjährigen Tiefststände unterschritten und liegen weit über den Werten von 2009. Wir haben es hier mit Angsthändlern zu tun. Sie machen Panik, um günstig Aktien kaufen und sie danach teuer verkaufen zu können. Wie soll man die pessimistischen Schlussfolgerungen, dass unsere [bulgarische] Wirtschaft schrumpft, sonst verstehen? Schließlich besteht für uns keine direkte Gefahr, denn die bulgarischen Banken und Rentenfonds besitzen keine US-Wertpapiere. ... Wovor haben wir also Angst?" (07.08.2011)


taz - Deutschland

Die Herabstufung der US-amerikanischen Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Standard & Poor's kommt für die Investoren kaum überraschend, meint die linke tageszeitung: "Die Investoren sind ... nicht auf die Rating-Agenturen angewiesen, um die Schuldenkrise in den USA zu beurteilen - und sie haben längst eigene Analysen angestellt. ... Die Investoren sind bemerkenswert gelassen. Das zeigen die extrem niedrigen Zinsen, die die USA für ihre Kredite zahlen: 2,5 Prozent sind es bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Da die Inflation derzeit bei 3,6 Prozent liegt, nehmen die Investoren sogar Verluste in Kauf, nur um ihr Geld in den USA parken zu können. Misstrauen sieht anders aus. ... Die Investoren irren sich nicht, wenn sie meinen, dass die USA ein sicherer Hafen sind. Der drohende Bankrott hat politische, nicht ökonomische Gründe. Schon gezielte Steuererhöhungen für die Reichen würden ausreichen, um das Defizit im amerikanischen Staatshaushalt deutlich zu senken." (08.08.2011)


Il Sole 24 Ore - Italien

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA haben die asiatischen Börsen am heutigen Montag deutliche Kursverluste verzeichnet. Die Talfahrt kann nach Ansicht der liberalen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore nur aufgehalten werden, wenn der Westen die Hilfe Chinas annimmt: "Wir wohnen dem chaotischen Untergang von Jahrhunderten der westlichen Vorherrschaft bei. Seltsamerweise fehlt jedoch China in sämtlichen Vorschlägen zur Vermeidung des Niedergangs. Peking besteht zu Recht auf seiner Rolle und nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um den US-Dollar als globale Leitwährung in Frage zu stellen. Im Zuge der tatsächlichen und noch drohenden Staatspleiten büßt die EU jetzt für ihren Fehler, die Schulden nicht rechtzeitig vergemeinschaftet zu haben. Europäische Staatsanleihen wären weitaus sicherer als die Anleihen einzelner Staaten. Da Europa weltweit der größte Markt ist, wären solche Titel für China eine sinnvolle Investition." (07.08.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 8. August 2011

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