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Top-Thema vom Dienstag, 23. August 2011


Gaddafis Niedergang stärkt Arabischen Frühling


Der Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis geht weiter, auch mittels Propaganda. Vergangene Nacht hat der zuvor als gefangen gemeldete Sohn Saif des Machthabers Muammar al-Gaddafi die Anhänger des Regimes zum Weiterkämpfen aufgefordert. Dennoch halten Kommentatoren das Ende der Diktatur für gekommen und schöpfen neue Hoffnung für die Revolten in Syrien und anderen arabischen Staaten.


El País - Spanien

Mit einem baldigen Sieg über Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi wird die Befreiungsbewegung auch in anderen Ländern der Region wieder an Stärke gewinnen, ist sich die linksliberale Tageszeitung El País sicher: "Es ist zu erwarten, dass mit dem vorhersehbaren Fall der libyschen Diktatur - auch wenn sich Gaddafi weiterhin an einem unbekannten Ort aufhält und seine Getreuen noch immer die letzten Bastionen in Tripolis verteidigen - auch das Regime unter Baschar al-Assad in Syrien ein ähnliches Schicksal erwarten wird. Und dass die revolutionäre Welle, die durch die Region geht, wieder anschwellen wird. Aus der Sicht der arabischen Bürger zeigt der Ausgang des Konflikts in Libyen, dass die Aufstände Erfolg haben, egal wie groß der Widerstand der Tyrannen auch sein möge." (23.08.2011)


Corriere della Sera - Italien

Der nahe Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wird dem Arabischen Frühling Auftrieb geben, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Trotz der Unsicherheit des Moments muss man gestehen, dass die Intuition (oder das Kalkül) des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Ende belohnt werden. ... Der Sturz des Regimes von Tripolis ist eine Botschaft an die gesamte arabische und muslimische Welt, vor allem an die junge Generation, die informierter und laizistischer ist, als wir glauben: Es gibt kein Zurück mehr. Eine Botschaft, die Baschar al-Assad in Syrien seinen bereits unruhigen Schlaf rauben sollte. Eine Botschaft, die trotz der Unterschiede des historischen Kontexts den Fall der Mauer in Erinnerung ruft und das Ende der kommunistische Welt. Es gab auch damals kein Zurück mehr, gleichwohl der lange und schwierige Übergang zur Demokratie in einigen dieser Länder noch nicht gänzlich vollzogen ist." (23.08.2011)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Dass sich Deutschland bei der entscheidenden Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über den Libyen-Einsatz enthalten hat, wird dem Land politisch schaden, warnt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Ausgerechnet Deutschland, das stets als Befürworter einer europäischen Verteidigung aufgetreten ist, hat den Ländern, die für dieses Ziel unentbehrliche Verbündete sind, mit vorgeschobenen Argumenten, hauptsächlich aus innenpolitischen Motiven, die Solidarität versagt. Für die sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit Berlins ist das ein nachwirkender Schaden. Die Rechtfertigung des Außenministers, man wolle keine Bodentruppen entsenden, war von Beginn an eine Ausrede - das wollten auch Briten und Franzosen nicht, von den Amerikanern zu schweigen; die jetzt zur Schau getragene Freude über den Sieg der Aufständischen wirkt umso peinlicher." (23.08.2011)


Kaleva - Finnland

Den Übergang zur Demokratie kann Libyen nicht allein bewältigen, meint die liberale Tageszeitung Kaleva und fordert Finnland auf, wie versprochen zu helfen: "Der Machtwechsel in Libyen wird nicht einfach, da das Land keinerlei demokratische Tradition hat. Libyen war vor Gaddafis Putsch 1969 ein Königreich, das auf einem Stammes-System basierte. Auch wenn Gaddafi dieses System auflösen wollte, so hing doch letztlich auch seine Regierung von den Stämmen ab. ... Der von den Aufständischen gegründete Rat setzt sich aus unterschiedlichen Gruppen zusammen und ist durch große, innere Spannungen bis hin zu Stammes-Auseinandersetzungen gekennzeichnet. ... Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, ist Unterstützung von außen nötig. Libyen ist kaum in der Lage, mit eigenen Kräften eine funktionierende Verwaltung auf den Ruinen der Schreckensregierung zu errichten. Finnland wollte nicht an der Militäroperation teilnehmen, erklärte aber stattdessen seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer von der Uno geleiteten Friedensmission und am Wiederaufbau. Der internationalen Glaubwürdigkeit wegen muss an diesen Versprechen festgehalten werden." (23.08.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 23. August 2011

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