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Top-Thema vom Freitag, 9. September 2011


Zehn Jahre 9/11


Zehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 blickt die Presse auf die damit einhergegangenen Veränderungen in der Welt. Sie diskutiert, welchen Schaden die Terroristen angerichtet haben und welchen die Reaktion der USA, wo al-Qaida heute steht und was der Arabische Frühling in diesem Zusammenhang bedeutet.


Sydsvenskan - Schweden

USA haben sich selbst geschadet

Langfristig gesehen haben die Anschläge den USA erheblich geschadet, analysiert die Tageszeitung Sydsvenskan, aber durch eigenes Verschulden: "Heute ist bin Laden tot und al-Qaida geschwächt. ... So gesehen war der 'Krieg gegen den Terrorismus' der USA ein Erfolg. Aber der Preis war hoch. ... Viele sehen in den Kosten für den Krieg eine wichtige Erklärung für die schwächelnde US-Wirtschaft. Ganz so einfach ist das aber nicht. In einem Bericht an den US-Kongress im März dieses Jahres werden die Kosten für den Einsatz im Irak und in Afghanistan mit 1.283 Milliarden Dollar angegeben. Das muss in Relation zu den Staatsschulden von nahezu 15.000 Milliarden Dollar gesetzt werden. ... Aber es geht nicht nur um Geld. Im vergangenen Jahrzehnt haben die USA auch viel von ihrem Ansehen verloren. Es fällt dem Land immer schwerer, die Rolle als Vorbild und Führer der freien demokratischen Welt auszufüllen. Im Inland hat das Sicherheitsbedürfnis dazu geführt, dass die eigenen Bürger in einem Umfang überwacht werden, der mit der Verfassung kollidiert. ... Hier wie in der Wirtschaft sind die Probleme vor allem selbstverschuldet. ... Es wird lange dauern, bis sich die USA wieder erholt haben. Aber die Welt braucht dieses Vorbild." (09.09.2011)


Spiegel Online - Deutschland

Spaltung zwischen Moslems und Westlern Unsinn

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Welt tief gespalten, analysiert der Verleger Jakob Augstein in seiner Kolumne beim Nachrichtenportal Spiegel Online, und doch gibt es Grund zur Hoffnung: "Es bleibt, dass viele Muslime und Westler sich gegenseitig für fanatisch und gefährlich halten (die Muslime halten die Menschen im Westen überdies noch für korrupt und gierig). Es bleibt eine zugleich lebensgefährliche und unsinnige Spaltung der Welt in Muslime und Westler, die tiefer geht und irreparabler erscheint, als man sich das vor der Erfindung des Begriffs vom Kampf der Kulturen vorstellen konnte. Eine Spaltung, die Staaten und Kontinente trennt, die aber auch die westlichen Gesellschaften im Inneren zerreißt: Die pathologische Islamophobie, die sich in weiten Teilen Europas ausbreitet und rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen Zulauf verschafft, ist ohne 9/11 nicht denkbar. Die Taten des Massenmörders Anders Behring Breivik sind ohne 9/11 nicht denkbar. ... Zehn Jahre danach also nur Grund zur Verzweiflung? Nein. ... Osama bin Laden liegt tot auf dem Meeresgrund, George W. Bush sitzt als Rentner auf irgendeiner Farm in Texas, und in Nordafrika hat der arabische Frühling begonnen. Ein Aufbruch." (09.09.2011)


Lidové noviny - Tschechien

Islamismus mit menschlichem Antlitz

In den zehn Jahren nach den Terrorangriffen auf die USA haben sich nach Überzeugung der konservativen Tageszeitung Lidové noviny weder die Erwartungen der Terroristen noch die des Westens durchgesetzt: "Es geschah etwas völlig anderes. Die arabische Welt ist aufgewacht und hat die bislang üblichen Spielregeln in einem unvorstellbaren Maße verändert. ... Wenn wir heute einen Sieger des am 11. September ausgelösten Kampfs suchen, dann finden wir ihn am ehesten unter den Akteuren des Arabischen Frühlings. Ihr Sieg ist keiner, den wir automatisch beklatschen. Er bringt der Region nicht größere Ruhe, Frieden, Stabilität, Fortschritt oder Demokratie. Es ist auch kein Sieg, der an konkreten Personen oder politischen Kräften festgemacht werden kann. Wenn wir ihm einen Arbeitstitel geben sollten, dann vielleicht den eines Islamismus mit menschlichem Antlitz." (09.09.2011)


Dnevnik - Bulgarien

Al-Qaida hat kein Gewicht mehr

Die arabischen Revolutionen haben gezeigt, dass al-Qaida in der arabischen Welt kein großes Gewicht mehr hat, meint der irakisch-bulgarische Journalist Mohamed Halaf in der Tageszeitung Dnevnik: "Die Jugend auf den Straßen von Kairo, Tunis, Bengasi, Damaskus und Tripolis hat bewiesen, dass sie ein noch größerer Gegner von al-Qaida ist als der gottlose Westen. Sie hat den Dschihadismus und seine politischen Botschaften ignoriert. Bezeichnenderweise waren während der Proteste keinerlei religiöse Losungen zu sehen oder das Bild von bin Laden - auch nicht, als die Nachricht von seiner Tötung bekannt gegeben wurde. Es fehlte auch die rituelle Verbrennung der israelischen und US-amerikanischen Fahnen. All das zeigt, dass al-Qaida keine Massenbewegung mit einer soliden politischen Basis ist, sondern eine Organisation, deren Möglichkeiten sich auf die Organisation terroristischer Handlungen beschränken." (08.09.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 9. September 2011

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