Top-Thema vom Dienstag, 18. Oktober 2011
Hollandes Chancen gegen Sarkozy
Die französischen Sozialisten haben am Sonntag ihren Präsidentschaftskandidaten gekürt. Der ehemalige Parteichef François Hollande konnte sich mit rund 56 Prozent der Stimmen klar durchsetzen. Seine Markenzeichen sind Pressestimmen zufolge Unauffälligkeit und Normalität. Das bringe ihm Vorteile, aber auch Nachteile, wenn er im nächsten Frühjahr gegen Präsident Nicolas Sarkozy antritt.
Turun Sanomat - Finnland
Der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten François Hollande hat mit seinem Programm realistische Chancen, gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy zu gewinnen, meint die liberale Tageszeitung Turun Sanomat: "Bei den Wahlen im April und im Mai ist Sarkozy aus vielen Gründen in Bedrängnis. Als Person ist er kaum geachtet und die harten innenpolitischen Maßnahmen haben viele Wähler nicht gerade bei Laune gehalten. In der Steuerpolitik hat Sarkozy die Wohlhabenden auf Kosten der kleinen und mittleren Einkommensschichten begünstigt. Die Arbeitslosigkeit liegt unverändert bei zehn Prozent. ... In der Außenpolitik allerdings hat der selbstgefällige Sarkozy etwas vorzuweisen, und bei der Bekämpfung der Euro-Krise war er ebenfalls sehr aktiv. Hollande hingegen verärgert mit seiner Persönlichkeit niemanden. Er wirbt mit seiner Normalität, was ihm aber auch zur Last werden kann. Dahingegen sind die Versprechungen von einer gerechteren Besteuerung, der Verbesserung der Beschäftigungszahlen und der sozialen Sicherheit Musik in den Ohren vieler Franzosen. Die Wähler müssen nun entscheiden, welche wirtschaftspolitische Linie ihnen glaubwürdiger erscheint." (18.10.2011)
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Mladá fronta Dnes - Tschechien
Ob Frankreich in diesen Krisenzeiten ein "normaler" Präsident wie François Hollande genügt, hält die liberale Tageszeitung Mladá fronta Dnes für fraglich: "Zumal Hollande im Unterschied zu [dem ehemaligen Favoriten der Sozialisten] Strauss-Kahn die Erfahrung von Nicolas Sarkozy in den obersten Etagen der Innen-und Außenpolitik fehlt. Hollande hat über Jahre die Partei geführt, gewann mehrere Wahlen, aber er war nie Mitglied einer Regierung. Hat er das Zeug dazu, in der neuen Rolle zu bestehen? Hollande weiß, dass eine gelungene Generalprobe noch keine erfolgreiche Premiere garantiert. Bei den wichtigsten Wahlen - denen zum Präsidenten - sind viele Kandidaten seiner Partei gescheitert. Ein Grund mehr, sich bewusst zu sein, dass er derzeit noch keinen Grund zum Feiern hat. Vor allem, weil Nicolas Sarkozy ein Politiker bleibt, der nicht unterschätzt werden darf." (18.10.2011)
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
François Hollande ist als blasser Funktionär aus der zweiten Reihe keine wirkliche Herausforderung für Präsident Nicolas Sarkozy, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Tatsächlich hat Hollande bisher nicht schlüssig dargelegt, warum die Franzosen gerade ihm die Lenkung des Staates anvertrauen sollten. Gewiss, der joviale Politiker aus der Kleinstadt Tulle ist keine Schreckfigur; von der Verstaatlichung strategischer Betriebe spricht er nicht mehr, und in der Finanzpolitik bekennt er sich zum Masshalten. Aber eine Vision für Frankreich und ein kohärentes Programm zu deren Verwirklichung hat er nicht präsentiert. Wenn er daher nun grossspurig die 'Wiedererweckung des französischen Traums' verspricht, so klingt dies hohl. Hollande könnte vielleicht damit beginnen, zu erklären, worin dieser Traum überhaupt besteht." (18.10.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Andreas Rüesch
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