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Top-Thema vom Donnerstag, 20. Oktober 2011


PKK greift Türkei an


Kämpfer der kurdischen PKK haben am Mittwoch türkische Polizei- und Militärposten an der Grenze zum Irak angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet. Die Armee griff umgehend Stellungen der verbotenen PKK im Norden des Irak an. Die Türkei stürzt wieder in den Strudel der Gewalt, fürchten Kommentatoren und geben dem unentschlossenen Westen Mitschuld an der Eskalation.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Neue Spirale der Gewalt

Nach den tödlichen Angriffen der PKK droht die Türkei wieder in eine Spirale der Gewalt zu geraten, fürchtet die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Die Kurdenfrage ist das wichtigste Problem, das die Türkei zu lösen hat. ... Die PKK wurde dabei immer nur als Symptom bekämpft. Das eigentliche Problem liegt in der Unterstützung, die diese Kämpfer von großen Teilen der kurdischen Bürger in der Türkei erhalten - weil sie dem türkischen Staat nicht trauen; weil vor allem in den 1990er Jahren ihre Dörfer verbrannt, ihre Kinder getötet, ihre Männer gefoltert wurden. Die Türkei erlebt nun großen Schmerz angesichts der 26 getöteten Soldaten. Was viele Kurden nicht verstehen, ist, dass der Staat bis heute ihren Schmerz nicht anerkennt: 50.000 Tote hat der Konflikt seit 1984 gefordert - 40.000 davon waren Kurden, und die Logik von Gewalt und Gegengewalt ist noch immer nicht durchbrochen." (19.10.2011)


Corriere della Sera - Italien

Heute Terroristen, gestern Helden

An der aktuellen Zuspitzung des Konflikts zwischen Türkei und PKK trägt der Westen Mitschuld wegen seiner zwiespältigen Rolle im Irak, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Die bewaffneten Kämpfer der kurdischen Untergrundbewegung PKK verstecken sich in den Bergen im Irak. Sie genießen dort die notwendige logistische Unterstützung, um ihre Attacken in der Türkei durchzuführen. Der Glaube, die Berge trennten die guten Kurden (des reformierten Irak nach Saddam Hussein) von den bösen (in der Türkei), ist unsinnig und widersprüchlich. Er gründet im Wesentlichen auf der Annahme, dass es auf der einen Seite kurdische Terroristen gibt, so bezeichnen sie die Türkei, die USA und die EU, aber auf der anderen Seite kurdische Helden, die für den Sturz von Saddam Hussein kämpften und folglich vom Westen als Freiheitskämpfer gefeiert werden. Kämpfer, die heute hohe Ämter bekleiden, da sie im Irak-Krieg auf der Seite der Sieger standen." (20.10.2011)


Der Standard - Österreich

PKK sabotiert Reform der Türkei

Mit ihren Angriffen sabotiert die PKK gezielt politische Reformen, die den Kurden zugute kommen würden, meint die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Die PKK hat ihre Serie von Überfällen in der Grenzprovinz Hakkari genau auf den Tag gelegt, an dem in Ankara die neue Verfassungskommission ihre Arbeit beginnen sollte. Das ist kein Zufall. Die Führer der Untergrundarmee versuchen ganz offensichtlich, das wichtigste politische Projekt des Landes zu sabotieren. Mit einer neuen Verfassung wollen Parlament und Regierung die Zeit der Vormundschaft durch das Militär hinter sich lassen und den türkischen Staatsbürger neu definieren. Und zwar so, dass sich die Minderheiten im Land - in erster Linie die rund 20 Millionen Kurden - erstmals wirklich in der türkischen Republik wiederfinden. Jetzt haben erst einmal wieder die Generäle das Sagen und die politische Führung, die Vergeltung für die neuen Toten ankündigt. Die große Rechtsreform kann so nicht gelingen." (20.10.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 20. Oktober 2011

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