Top-Thema vom Donnerstag, 3. November 2011
Griechenland bekommt vorerst kein Geld mehr
Athen erhält keine weitere Finanzhilfe vor dem Referendum Anfang Dezember. Das machten Bundeskanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy und IWF-Chefin Lagarde nach einem Krisentreffen am Mittwochabend in Cannes deutlich. Das ist Pressestimmen zufolge ein angemessenes Druckmittel, damit die Griechen für die Euro-Zone stimmen.
El Mundo - Spanien
Die Finanzhilfen an Griechenland auszusetzen ist zwar hart, aber die angemessene Antwort auf das Referendum, meint die konservative Tageszeitung El Mundo: "Papandreou und die Griechen wissen jetzt, dass sie in der Euro-Zone bleiben müssen, um die Kredite zu bekommen. Der griechische Premier war unvorsichtig genug, die Verantwortung abzuschütteln, indem er sich hinter der Meinung der Leute auf der Straße verstecken will. Papandreou braucht diesen Monat acht Milliarden Euro, allein schon um das Gehalt seiner Beamten zahlen zu können. Es stimmt, dass die Bedingungen hart sind, die Europa vorschreibt, aber die Folgen, die das Land erwartet, wenn es seine Verpflichtungen nicht einhält, wären katastrophal." (03.11.2011)
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De Telegraaf - Niederlande
Griechenland den Geldhahn abzudrehen ist die einzig richtige Antwort auf das erpresserische Referendum, meint die konservative Boulevardzeitung De Telegraaf: "US-Amerikaner, Chinesen und Russen haben schon seit Monaten genug von dem Gewürge in Europa. Aber auch Sarkozy, Merkel und andere EU-Führer haben jetzt die Nase voll von den betrügerischen Griechen, die alle Probleme selbst verursachen, aber den Rettungsanker aus Brüssel ablehnen. Zurecht wird jetzt knallhart Druck auf Papandreou ausgeübt. Dabei bleibt den anderen Ländern nichts anderes übrig, als den Geldhahn zuzudrehen, auch wenn dadurch Länder wie Italien und der Bankensektor unvermeidlich in den Strudel des griechischen Bankrotts geraten. Man darf vor der griechischen Erpressung nicht in die Knie gehen. Noch mehr Geld an das unwillige Athen zu überweisen, kann man den niederländischen und anderen europäischen Bürgern nicht mehr erklären." (03.11.2011)
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Diário de Notícias - Portugal
International hat das griechische Referendum für Aufregung gesorgt, doch in Griechenland will Premier Giorgos Papandreou es einsetzen, gerade um die Gemüter zu beruhigen, meint die Tageszeitung Diário de Notícias: "Die rätselhafte Entscheidung, die an den Finanzmärkten wahres Chaos verursacht hat, kann nur eine Erklärung haben: Papandreou spielt mit den widersprüchlichen Antworten der Griechen bei Umfragen. Es stimmt, dass sich fast 60 Prozent gegen die Sparpolitik der auferlegten Stabilisierungsprogramme ausgesprochen haben. Aber es ist genauso richtig, dass auf die Frage, ob sie die Euro-Zone verlassen wollen oder darin bleiben möchten, 76 Prozent der Griechen geantwortet haben, sie möchten in der Euro-Zone bleiben. Auf den Straßen protestieren ist in Ordnung, aber Europa den Rücken kehren, das nicht. Mit anderen Worten: Der griechische Premier hat - explizit oder implizit - beschlossen, das Referendum über das Abkommen mit der Troika in eine Volksabstimmung zu verwandeln zugunsten des Verbleibs von Griechenland in der Euro-Zone - um so die Politik der langanhaltenden Sparmaßnahmen zu legitimieren, die dieser Verbleib impliziert. Und er erwartet, zu gewinnen." (03.11.2011)
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Hospodářské noviny - Tschechien
Der griechische Premier Giorgos Papandreou hat eine Art europäischen Ehestreit verursacht, analysiert die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny, der kaum beigelegt werden kann: "Als größtes Problem erweist sich das verletzte Ego des Duos Merkel und Sarkozy. Sämtliche ihrer Reaktionen lassen sich auf einen Nenner bringen: 'Wie kann Papandreou uns das antun, wo wir es doch nur gut mit ihm meinen.' Sie zitierten den griechischen Premier zu sich, damit er erklärt, was er sich dabei gedacht hat und was er weiter zu tun gedenkt. ... Man kann die Reaktion verstehen. Da sitzt man auf dem letzten Gipfel bis vier Uhr morgens, bringt sich um den Schlaf, denkt sich etwas aus, das durchführbar erscheint, und dann das. Das kann einen schon sauer machen. Man kann aber auch den griechischen Premier verstehen, der jeden Tag mit einer Revolution zu kämpfen hat, die er gerne los wäre. Das alles erinnert an eine Debatte von Eheleuten über Untreue und der großen Frage 'WARUM'. Kein guter Ausgangspunkt für einen vernünftigen Kompromiss." (03.11.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Julie Hrstková
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Naftemporiki - Griechenland
Wenn die Griechen beim Referendum Anfang Dezember gegen die Sparmaßnahmen entscheiden und somit auch gegen ihren Verbleib in der Euro-Zone, hat die Regierung ein echtes Problem, meint die Wirtschaftszeitung Naftemporiki: "Wahrscheinlich gibt es keinen Alternativplan, denn die Behauptungen von Regierungsmitgliedern, dass man in solch einem Fall das Abkommen des EU-Gipfels wieder verhandeln werde, sind nicht seriös. Die Ankündigung des Referendums wird sicherlich das Abkommen über den Schuldenschnitt verzögern. Der ursprüngliche Plan ist, dass es Anfang 2012 in Kraft tritt, und zwar nach Verhandlungen mit den Banken. Aber welche ausländische Bank kann zurzeit Verhandlungen mit der griechischen Regierung über die Streichung von 50 Prozent der Schulden ernst nehmen, wenn sie weiß, dass sich das Abkommen jederzeit in Luft auflösen kann? Vor dem Ja oder Nein ist die einzige Gewissheit, dass wir uns in einer sehr kritischen Phase befinden, und das wieder einmal ohne Plan." (03.11.2011)
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Alle verfügbaren Texte von » Panos Kakouris
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