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Top-Thema vom Dienstag, 20. Dezember 2011


Sorge nach Tod von Kim Jong Il

Der jüngste Sohn Kim Jong Un wird den Diktator beerben. (©AP)

Die Meldung über den Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il am Montag hat Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzen lassen. Die Unerfahrenheit des Nachfolgers Kim Jong Un könnte innenpolitische Machtkämpfe auslösen, fürchten einige Kommentatoren. Andere drängen den Westen, mit der Atommacht Frieden zu schließen.


Frankfurter Rundschau - Deutschland

Machtkampf der Eliten

Mit der Machtübergabe an Kim Jong Un kann das Herrschaftssystem Risse bekommen, meint die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Das politische Überleben Kim Jong Uns und seiner Verbündeten hängt ... maßgeblich davon ab, dass sie die Privilegien der Regimeträger weiterhin sichern können. … Denn wenn dem nordkoreanischen Volk bewusst würde, wie vorsätzlich seine Regierung es in den vergangenen Jahrzehnten vom Fortschritt abgeschnitten hat, würde es seine Illusionen über die Kims schnell verlieren. ... Ob Kim Jong Un in einer solchen Gemengelage mehr ist als eine politische Marionette, die nach außen Kontinuität vermitteln soll, ist eine der großen Fragen, zu denen Nordkoreabeobachter und Diplomaten in Zukunft Antworten suchen werden. Denn sollte nicht mehr ein allmächtiger Tyrann vom Schlage Kim Jong Ils das System beherrschen, sondern ein Wettstreit unterschiedlicher Kräfte beginnen, dürften sich für das Ausland bald auch Möglichkeiten ergeben, mit diesen Bündnisse einzugehen." (20.12.2011)


The Guardian - Großbritannien

Frieden schließen mit Nordkorea

Der Tod des Diktators Kim Jong Il gibt dem Westen Gelegenheit, sich diplomatisch zu zeigen und Frieden mit Nordkorea zu schließen, empfiehlt die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Man hat uns gesagt, dass das Regime unter der Ägide eines Wahnsinnigen nur auf sein eigenes Überleben achte und seine Ressourcen hauptsächlich in das Militär investiere. Aber was kann es anderes tun, wenn es weder mit Südkorea noch mit der Supermacht USA in Frieden lebt? Deshalb muss der Westen erkennen, dass Drohungen und Sanktionen nicht helfen. Er muss die Chance ergreifen, all die Schuld der Vergangenheit des Wahnsinnigen mit seinem Personenkult hinter sich zu lassen und stattdessen Hilfe, Handel und Frieden anbieten, Nuklearwaffen hin oder her. Es geht hier nicht darum, Pjöngjangs schlechtes Benehmen zu belohnen oder das Regime zu beschwichtigen. Und auch die Überwachung des Handels mit gefährlichen Waffen oder nuklearen Komponenten muss durch einen Frieden nicht eingeschränkt sein." (20.12.2011)


Magyar Nemzet - Ungarn

Der junge Kim ist unberechenbar

Nach dem Tod Kim Jong Ils übernimmt sein jüngster Sohn Kim Jong Un die Macht in Nordkorea. Er ist völlig unberechenbar, meint die konservative Tageszeitung Magyar Nemzet: "Kim Jong Il hat einen Jungen als Nachfolger bestimmt, über den die Koreaner so gut wie gar nichts wissen. Wir wissen: Die Machterlangung eines Diktators und die Einführung einer Modemarke ist mehr oder weniger dasselbe. Vor Kim Jong Il hatte das Volk Angst, und es unterwarf sich ihm. Nachfolger Kim Jong Un ist weder furchteinflößend noch durchtrieben noch hat er ausgezeichnete Verbindungen innerhalb des Staatsapparats. Selbst jener hässliche Anzug, der bei seinem Vater so schauerlich wirkte, ist ihm eine Nummer zu groß. Und dieser Junge ist nun Befehlshaber einer der größten und womöglich atomar bewaffneten Armeen der Welt." (20.12.2011)


Helsingin Sanomat - Finnland

Herrscher-Clan täuscht das Volk

Die Macht des Kim-Clans basiert auf der bewussten Täuschung des Volks, meint die liberale Tageszeitung Helsingin Sanomat: "Die Kim-Dynastie ist auch deshalb seit über 60 Jahren an der Macht, weil sie ein nationales Trauma rücksichtslos ausnutzt. Die koreanische Halbinsel war im vergangenen Jahrhundert beinahe 40 Jahre von Japan besetzt. Die lange Beziehung zur Sowjetunion war nicht gleichberechtigt. Der Kim-Clan hat mit seiner Propaganda absichtlich das Misstrauen des Volks gegenüber der Außenwelt vertieft und versucht, als einziger Garant für die Unabhängigkeit des Landes aufzutreten. Die Diktatur des Clans basiert auf einer Illusion. Die Herrscher-Familie hat schon lange ihr Recht auf die Macht verwirkt, da sie ausschließlich den eigenen Vorteil und nicht den des Volks anstrebt." (20.12.2011)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 20. Dezember 2011

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