Top-Thema vom Dienstag, 10. Januar 2012
Merkozy zu zaghaft in Euro-Krise

Das Treffen von Merkel und Sarkozy brachte Empfehlungen, keine Ergebnisse. (© dapd)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy haben am Montag in Berlin den nächsten Gipfel zur Euro-Krise vorbereitet. Dabei standen die Griechenland-Rettung und die Tobin-Steuer auf dem Programm. Doch mit ihren halbgaren Ideen verplempern sie wertvolle Zeit, meinen Kommentatoren und warnen vor der bedrohlich nahen Katastrophe.
Les Echos - Frankreich
Das deutsch-französische Duo hat es erneut verpasst, energisch gegen die bedrohlich nahe Katastrophe anzukämpfen, bedauert die liberale Wirtschaftszeitung Les Echos: "Erstens droht die Staatspleite Griechenlands. Zweitens wächst das Misstrauen gegenüber allen Ländern der Euro-Zone mit Ausnahme Deutschlands. So haben die Investoren gestern erstmals Berlin zu negativen Zinssätzen Geld geliehen oder anders ausgedrückt: Sie haben es vorgezogen, den deutschen Staat dafür zu bezahlen, dass er ihr Geld aufbewahrt, anstatt das Risiko einzugehen, es anderswo zu lassen. Drittens sind die Transaktionen zwischen Banken eingefroren, da sie einander nicht mehr vertrauen. Und viertens werden die Anleihefristen immer kürzer, sowohl für Staaten als auch für Unternehmen. Jetzt müssen alle Kräfte gebündelt werden, um zu verhindern, dass das gesamte europäische Finanzsystem erkrankt und den Kontinent mit in den Abgrund reißt. Bald wird es zu spät sein." (10.01.2012)
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Debatten verfolgen » Wege aus der Schuldenkrise
Rzeczpospolita - Polen
Das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy bringt die Rettung der Euro-Zone nicht voran, meint die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Sie wissen nicht, woher sie das Geld für die Rettung Spaniens und Italiens nehmen sollen, wenn das notwendig werden sollte. Sie haben keinen Notfallplan für Griechenland für den Fall, dass die Gespräche mit den Gläubigern um die Verringerung der Schulden erfolglos bleiben. Sie fürchten die Rekapitalisierung der Banken und drücken sich gleichzeitig um die Fragen über den Sinn der Hilfen für die bankrotten EU-Staaten. Von Zeit zu Zeit denken sie an eine Art Wirtschaftsregierung, die im Kern zur größeren Kontrolle über das Wirtschaften der anderen Euro-Länder führt. Doch sie vermeiden es, eine weitere Haushaltssäule der EU zu schaffen - nämlich den Geld-Transfer zu den weniger konkurrenzfähigen Staaten. Ihre bisherige Strategie ist eine Strategie der Niederlage." (10.01.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Hubert Kozieł
Debatten verfolgen » Wege aus der Schuldenkrise
Lidové noviny - Tschechien
Das deutsch-französische Treffen in Berlin am Montag hat den Reformdruck auf die anderen EU-Länder erhöht und zwingt sie zu raschen Entscheidungen, resümiert die konservative Tageszeitung Lidové noviny: "Für eine ernsthafte Debatte über die existenzielle Frage, eine Begrenzung der Souveränität für die Teilnahme am harten Kern der europäischen Integration hinzunehmen, bleibt uns nicht viel Zeit. Die Kanzlerin und der Präsident wollen den Vertrag über eine Union mit Budget-Aufsicht noch bis Ende Januar haben. ... Lassen wir beiseite, dass keines der Vorhaben die Schuldenkrise zu lösen vermag. Die Haushaltsaufsicht soll vor allem die deutsche Öffentlichkeit beruhigen. Die Finanztransaktionssteuer soll Sarkozy zur Verlängerung seiner Präsidentschaft verhelfen. Der Druck ist groß und wir Tschechen müssen entscheiden, was wir wollen. Es geht um deutliche Schritte hin zu einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung." (10.01.2012)
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Debatten verfolgen » Wege aus der Schuldenkrise, » Die Geschwindigkeit Europas
La Vanguardia - Spanien
Nach dem Treffen von Merkel und Sarkozy ist klar, dass Deutschland den Sparkurs auch in diesem Jahr weiterführen wird. Der EZB kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu, damit Europa attraktiv bleibt für Investoren, meint die Tageszeitung La Vanguardia: "Wenn Deutschland nicht die Rolle der Lokomotive übernehmen will - und dafür hat es seine Gründe -, muss dringend der europäische Binnenmarkt mobilisiert werden. Von der EZB hört man immer wieder, dass die Euro-Zone eine Wirtschafts- und Währungsunion ist, aber nur der zweite Teil ist erfüllt - und das mit Schwierigkeiten. ... Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble warnt davor, dass ausländische Investoren dem europäischen Stabilitätspakt nicht trauen. Man kann ihnen als Gegenwert für ihre Investition in Europa natürlich keine Hypothek in Alicante anbieten, sie brauchen etwas mehr. Zunächst brauchen sie einen guten Preis, also einen günstigeren Euro als jetzt, und dann die Perspektive, dass sie ihre Investition zurückbekommen, weil eine flexible Währungspolitik mit der Zeit für Wachstum sorgt. Die EZB spielt dabei eine wichtige Rolle." (10.01.2012)
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