Top-Thema vom Donnerstag, 12. Januar 2012
Anschlag auf Irans Atomprogramm

Präsident Ahmadinedschad will der IAEA zufolge Atomwaffen herstellen. (© dapd)
Im Iran ist am Mittwoch erneut ein Mitarbeiter des Atomprogramms durch einen Bombenanschlag getötet worden. Teheran wirft Israel und den USA vor, für das Attentat auf den 32-jährigen Professor verantwortlich zu sein. Kommentatoren gehen der Frage nach, ob Israel hinter dem Mord steckt und inwieweit er gerechtfertigt ist, um das Nuklearprogramm des iranischen Regimes zu stoppen.
The Daily Telegraph - Großbritannien
Da der Iran UN-Resolutionen ignoriert, darf der Westen zu solch drastischen Maßnahmen wie der Ermordung von Wissenschaftlern greifen, findet die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph: "Wenn der Westen tatsächlich einen geheimen Krieg gegen den Iran führt, wirft das unvermeidlich die Frage auf, wer verantwortlich ist und ob die Methoden auch gerechtfertigt sind. Das Regime in Teheran hat solche Skrupel nicht, wenn es sich in die Angelegenheiten seiner Nachbarn einmischt, ob es die Unterstützung von terroristischen Gruppen überall im Nahen Osten ist oder die Hilfe für den Aufstand im Irak, der viele britische Menschenleben gekostet hat. ... Da das Regime in Teheran keine Anstalten macht, fünf UN-Resolutionen zu befolgen, die ein Ende der Uran-Anreicherung verlangen, bedarf es drastischer Maßnahmen, wenn der Westen eine direkte militärische Konfrontation vermeiden will, die definitiv niemand will." (12.01.2012)
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Süddeutsche Zeitung - Deutschland
Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad könnte hinter dem Anschlag auf den 32-jährigen iranischen Atomwissenschaftler stecken, vermutet die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Es war nicht das erste Attentat nach diesem Muster, und gezielte Tötungen gehören zum Standardrepertoire der vom Mossad eingesetzten Taktiken. Dessen Anfang 2011 ausgeschiedener ... Chef Meir Dagan macht wenig Hehl daraus, dass er Sabotage für das beste Mittel hält, um zu verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt - besser als einen Militärschlag gegen die Nuklearanlagen. … Die Morde an Wissenschaftlern sollen offenbar auch psychologische Wirkung entfalten. Iran verfolgt ein strukturiertes Atomprogramm, das kommt nicht zum Erliegen, wenn einzelne Mitarbeiter getötet werden. Es geht darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Den Atomkonflikt mit Iran lösen solche Taten nicht." (12.01.2012)
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La Stampa - Italien
Teheran macht den israelischen Geheimdienst für das Attentat auf den Atomwissenschaftler verantwortlich. Das wahre Dilemma des Regimes ist, dass fast jeder hinter dem Attentat stecken könnte, meint die liberale Tageszeitung La Stampa, denn der Iran hat sich die ganze Welt zum Feind gemacht: "Das Attentat ist ein unmissverständliches Zeichen für die dramatische Eskalation der Krise, in der Teheran sich einer schier endlosen Reihe von Gegnern gegenüber sieht. Der große Anzahl plausibler Thesen bezüglich der Urheber des Attentats bezeugt die Isolation Teherans und wie unrealistisch seine ehrgeizigen Bestrebungen sind, in der Region als 'legitime' Macht anerkannt zu werden. Da hilft es wenig, wenn der iranische Präsident Ahmadinedschad, der für diese Isolation verantwortlich ist, herumreist und sich mit Freundschaften in der Karibik und den Anden brüstet. Doch in Wahrheit sind die wirklich wichtigen Staaten wie China und Russland nicht dazu bereit, Teheran im Falle einer gezielten Militäraktion auf die Urananreicherungsanlagen zu unterstützen, die mittlerweile weit mehr Uran anreichern als für friedliche Zwecke nötig." (12.01.2012)
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