Navigation

 

Top-Thema vom Montag, 16. Januar 2012


S&P misstraut Euro-Ländern

Die Herabstufung ließ die Börsenkurse weltweit sinken. (© dapd)

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit von neun Euro-Ländern herabgesetzt. Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA. Damit greift S&P die Euro-Rettung an, meinen einige Kommentatoren. Andere loben die Agenturen als heilsames Korrektiv, das Europa vor weiterer Verschuldung bewahrt.


Welt am Sonntag - Deutschland

Die Herabstufung der Bonität von neun Euro-Ländern geht vor allem auf die unehrliche Politik der Europäer seit dem Ausbruch der Finanzkrise zurück, meint die konservative Welt am Sonntag: "Von zwei Leitmotiven ließen sich praktisch alle maßgeblichen europäischen Politiker in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren leiten. Erstens soll dem Wähler kurzfristig möglichst wenig zugemutet werden, unweigerlich kommende Zumutungen werden so lange wie möglich verheimlicht. Zweitens wird die Verantwortung für alle Probleme Dritten zugeschoben - wahlweise oder in Kombination den Banken, den Spekulanten, den Ratingagenturen, den Amerikanern. Oder gleich den Märkten, diesen amorphen 'Monstern' (Zitat Horst Köhler) [früherer Bundespräsident]. ... Fast ist zu wünschen, dass nun die oft geforderte eigene, europäische Ratingagentur gegründet wird. Die würde entweder zu ähnlichen Urteilen kommen wie die drei Marktführer aus den USA, oder sie würde sich zum Büttel der Politik machen lassen. ... In beiden Fällen jedenfalls hätten die Verantwortlichen in Berlin und Paris, Madrid und Rom eine Ausrede weniger." (15.01.2012)


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Die Rating-Agenturen sind das letzte Mittel, um die europäische Staatsverschuldung zu begrenzen, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Am besten wären … ein rascher Abbau der Schulden und eine Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit über eine Senkung der Lohnstückkosten. Aber das dürfte schwierig werden, vor allem in der europäischen Peripherie. Erstens führt der massive Sparzwang in einen Teufelskreis aus konjunkturellem Abschwung und deshalb weiter zunehmendem Spardruck. Zweitens sind Politiker stets zwischen den zwei Wählergruppen Steuerzahler und staatliche Leistungsempfänger hin und her gerissen. Um keiner der Gruppen zu sehr weh zu tun, wird als Ausweg oft die weitere Aufnahme von Schulden gesehen. Dieser Weg wird aber zum Glück zunehmend versperrt, vor allem auch dank den Rating-Agenturen und den Finanzmärkten. Diese sind derzeit eines der letzten mächtigen Korrektive, die dafür sorgen können, dass endlich ein solider Weg eingeschlagen wird." (16.01.2012)


Il Sole 24 Ore - Italien

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neuen Euro-Ländern droht auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF der Verlust der Top-Bonität. Jetzt kann nur noch die Europäische Zentralbank helfen, meint die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Um die Krise zu überwinden, bedarf es deutlicherer Signale von Europa. Man kann sich weder auf die Mittel der Rettungsfonds - ob EFSF oder ESM - verlassen, noch auf die Hoffnung, dass die Banken wieder Staatsschulden kaufen, weil die Regierungen der einzelnen Staaten sie dazu nötigen. Dafür ist die Summe, die auf dem Spiel steht, zu hoch. Damit die Anleger wieder Vertrauen gewinnen und den Niedergang des europäischen Finanzmarkts aufhalten, gibt es nur eine einzige Möglichkeit: Eine stärkere und transparentere Einbindung der Europäischen Zentralbank, das heißt direkte Hilfen für Schuldenländer." (16.01.2012)


Hospodárske noviny - Slowakei

Mit der Herabstufung Frankreichs durch die Rating-Agentur Standard & Poor's ist nach Ansicht der liberalen Wirtschaftszeitung Hospodárske noviny Deutschland erneut massiv gestärkt worden, und die Euro-Rettung wird jetzt noch schwieriger: "Deutschland ist das einzige europäische Land, dessen Rating nicht gesenkt wurde und dessen Aussichten gleichzeitig als stabil eingeschätzt wurden. Aber nicht nur das: Deutschland bekommt damit noch stärkeren politischen Einfluss. Das Gleichgewicht in Europa verschiebt sich weiter zu Ungunsten des schwächeren Frankreich. Das wird Folgen für die politischen Verhältnisse dort haben. Der Verlust der Bestnote AAA kann für Sarkozy das Ende seiner präsidialen Träume bedeuten. Sein sozialistischer Widersacher Hollande macht kein Geheimnis aus seiner Kritik am europäischen Krisenmanagement. Die Einheit und Effektivität bei der Lösung der Probleme in der Euro-Zone dürften jetzt noch geringer werden." (16.01.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 16. Januar 2012

Weitere Inhalte