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Gesellschaft

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GESELLSCHAFT

Metro - Schweden | 23.05.2012

Schweden doch keine saufenden Barbaren

Der Alkoholkonsum der Schweden hat nach dem EU-Beitritt 1995 zunächst zugenommen und kehrte dann fast wieder auf das Ausgangsniveau zurück, wie eine aktuelle Studie im Auftrag der konservativen Denkfabrik Timbro belegt. Die Befürchtungen, dass die Schweden durch billigen Alkohol aus der EU zu einem Volk von Säufern werden, haben sich also nicht bewahrheitet, stellt die Gratis-Zeitung Metro fest: "Jahrzehntelang haben die Behörden die Schweden als potenzielle Barbaren betrachtet, die jede Chance nutzen um rote Häuser abzubrennen, kleine Kinder zu schlagen und zu fluchen. Wir standen stundenlang in Schlangen vor den Alkoholmonopol-Läden an, die zudem geschlossen waren, wenn die Leute frei hatten. Zollbeamte durchsuchten die Schmutzwäsche von Urlaubern nach grünen Flaschen. Dann brachen die Dämme und der Alkohol floss herein - und die Schweden tauschten den Kanister Schwarzgebrannten vor dem Fernseher gegen ein Glas Rotwein im Restaurant. Das belegt, dass Menschen, die wie Erwachsene behandelt werden, sich auch so benehmen. Schweden wurde freier und lustiger, ohne zur Hölle zu werden." (23.05.2012)

Corriere della Sera - Italien | 24.05.2012

Italien kämpft gemeinsam gegen Mafia

Mit zahlreichen Gedenkfeiern hat Italien am Mittwoch der Ermordung des Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone vor 20 Jahren gedacht. Premier Mario Monti sagte in Palermo auf Sizilien, das ganze Land müsse sich am Kampf gegen die Mafia beteiligen. Ein Aufruf, der nicht mehr auf taube Ohren trifft, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera hoffnungsvoll: "In diesen 20 Jahren ist etwas geschehen. Nicht nur die Mafia-Bosse wurden festgenommen und verurteilt, ihre Güter beschlagnahmt und ihre Ländereien an soziale Organisationen übergeben, sondern die gesamte italienische Gesellschaft hat Anti-Körper gegen die Mafia-Krankheit entwickelt. ... In diesen 20 Jahren hat sich die entscheidende Überzeugung durchgesetzt, dass die Mafia nicht nur ein Problem Süditaliens ist. Sie ist ein Problem ganz Italiens, und zwar nicht nur, weil die Mafia auch im Norden tätig ist, sondern weil es in unser Bewusstsein gedrungen ist, das der Kampf gegen die Mafia ein gemeinsamer ist, der sowohl geografische Grenzen als auch die der politischen Zugehörigkeit überschreitet." (24.05.2012)

Lidové noviny - Tschechien | 24.05.2012

Aus falschem Roma-Überfall Lehren ziehen

Ein 15-jähriger Tscheche aus der Kleinstadt Břeclav hat einen Roma-Überfall fingiert. Er gestand der Polizei am Mittwoch, dass er nicht wie über Wochen behauptet von einer Roma-Gang angegriffen wurde, sondern sich seine schweren Verletzungen bei einem Sturz zugezogen hatte. Die Medien hatten die Überfallversion ungeprüft verbreitet und so Spannungen in der Gesellschaft geschürt. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny bedauert das: "Dem Jungen wurde so sehr geglaubt, dass Radikale in Břeclav demonstrierten, die Polizei eine Roma-Straße schützen musste und die Ratsherren Überwachungskameras und mehr Polizisten versprachen. Hoffen wir, dass sich bei allen etwas ändert - bei dem Jungen, seiner Mutter, den Journalisten, den Demonstranten und bei denen, die wegen persönlicher negativer Erfahrungen mit Roma bereit waren, alles zu glauben. Versuchen wir uns in einer ähnlichen Situation vorzustellen, wie es ist, nur wegen seiner Hautfarbe verdächtigt zu werden." (24.05.2012)

El País - Spanien | 23.05.2012

Sparen bei Bildung verschärft Ungleichheit

In Spanien haben am Dienstag zahlreiche Lehrer und Schüler mit Streiks gegen die Einschnitte im Bildungswesen protestiert. Die Kürzungen werden die soziale Kluft vertiefen, fürchtet die linksliberale Tageszeitung El País: "Ein Streik wird wohl kaum die Regierungsbeschlüsse kippen. Aber es wäre gut, wenn die Politiker genügend Verantwortungsbewusstsein zeigten und die Kürzungen mit Maßnahmen kombinieren, mit denen die noch vorhandenen Gelder möglichst effizient eingesetzt werden können. Denn den Gedanken hatte bislang noch niemand. Es wird allerdings auch nicht so einfach sein, die negativen Folgen der Kürzungen zu minimieren. Denn während laut des jüngsten Berichts von Unicef 2,2 Millionen Minderjährige in Haushalten leben, die von Armut bedroht sind, führen höhere Studiengebühren, weniger Kinderkrippen, weniger Lehrer, größere Klassengrößen und weniger Förderunterricht automatisch zu einer größeren sozialen Ungleichheit. Die Kürzungen werden die Qualität der öffentlichen Schulbildung beeinträchtigen und die Zukunft des Landes belasten." (23.05.2012)

lrytas.lt - Litauen | 21.05.2012

Litauens Bürokraten verhindern Google Street View

Die litauische Datenschutzbehörde hat dem US-Konzern Google die Genehmigung für den im Mai geplanten Start des Diensts Street View in Litauen verweigert, weil Google dort keine Vertretung hat und deshalb keine persönlichen Daten sammeln dürfe. Das Portal lrytas.lt bewertet dies als bürokratische Idiotie: "So schützt unser Staat also unsere Privatsphäre. Doch wenn man genauer hinsieht, wird weder das Privatleben zur Schau gestellt, noch Werbung gezeigt. ... Google Street View drängt sich in kein Heim und fotografiert keine privaten Flächen. Nur der öffentliche Raum wird gezeigt, und die zufällig erfassten Menschen sind nicht die zentralen Subjekte auf den Bildern. Im größten Teil der Welt erlauben es die Gesetze, dass jeder einen beliebigen Ort ohne Sondergenehmigung fotografieren darf. ... Manchmal entsteht der Verdacht, dass diese und ähnliche Behörden nur deshalb existieren, damit ein paar Mitglieder eines 'Zirkels für sinnlose Arbeit' ihre Gehälter bekommen." (21.05.2012)

Trouw - Niederlande | 22.05.2012

Kindesmissbrauch: Keine Strafe ist angemessen

Der Erzieher Robert M. ist am Montag in Amsterdam für den sexuellen Missbrauch von 67 Babys und Kleinkindern zu 18 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherheitsverwahrung mit Zwangstherapie verurteilt worden. Ein gerechtes Urteil, meint die christlich-soziale Tageszeitung Trouw, das aber nichts wiedergutmachen kann: "Diese schwere Strafe ist eine Antwort auf die unvorstellbare Art und den Umfang dieses Verbrechens. Der Täter wird sowohl seine Strafe verbüßen als auch in einer Einrichtung behandelt werden und erst dann frei kommen, wenn er geheilt ist. ... Aber was ist schon eine 'angemessene' Strafe? Die Ermittlung eines gerechten Strafmaßes wird immer unbefriedigend sein. Die Zahl der Opfer, in der es in diesem Verfahren ging, ist so hoch, dass keine einzige Strafe wie endgültige Gerechtigkeit erscheinen wird. Keine Strafe wirkt gegen das Gefühl von Ohnmacht in der Gesellschaft, dass kleine Kinder nicht geschützt werden konnten. Der Ruf, noch härter zu bestrafen, kann auch andere Dinge verhüllen. Als ob die Opfer und ihre Eltern sich dann plötzlich besser fühlen würden. Sie brauchen jetzt vor allem Unterstützung, um weiterleben zu können, ganz praktisch." (22.05.2012)

Corriere della Sera - Italien | 21.05.2012

Italien muss sich auf Erdbeben vorbereiten

Bei dem schweren Erdbeben am Sonntag in der Region Emilia Romagna in Norditalien sind sieben Menschen gestorben, 50 Personen wurden verletzt, tausende sind obdachlos. Man kann Erdbeben zwar nicht verhindern, aber sich darauf vorbereiten, anstatt sie als Schicksalsschlag zu behandeln, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Als 1571 Ferrara halb zerstört wurde und voller Toter war, sprach man von Gottesstrafe und Unheil bringenden Herrschaftshäusern. Jahrhunderte später ist es unangemessen, angesichts der Opfer und der Zerstörungen in der Region von einem tragischen und unvorhersehbaren Schicksal zu sprechen. Denn wir wissen genau, welche Gebiete erdbebengefährdet sind. ... Wir können über die zerstörten alten Gebäude verzweifeln, aber nicht resigniert den Einsturz neuer Gebäude hinnehmen. ... Andere Länder würden strengste Bauvorschriften erlassen und regelmäßig Kurse zum Verhalten bei Erdbeben durchführen. Wir nicht." (21.05.2012)

Basler Zeitung - Schweiz | 20.05.2012

Monarchen passen zur Demokratie

Zum 60. Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. sind Monarchen aus aller Welt am Freitag zum feierlichen Mittagessen auf Schloss Windsor gekommen. Dass viele von ihnen Demokratien repräsentieren, ist kein Widerspruch, meint die konservative Basler Zeitung: "Auffällig ist, dass es oft gerade die politisch fortschrittlichsten Länder sind, welche die Monarchie beibehalten haben: England, Holland und die skandinavischen Nationen. Die einzige alte Demokratie in Europa, die nie einen König hatte, ist die Schweiz. Die nordeuropäischen Monarchien, ein historisches Paradox? Nur auf den ersten Blick. Eben weil Briten, Niederländer oder Dänen relativ früh weitgehende politische Rechte genossen, konnten sie sich mit ihren Herrschern arrangieren: Einen König, der eh nur noch zeremonielle Aufgaben wahrnimmt, muss man nicht stürzen. Und so konnten die Monarchen in London, Den Haag oder Kopenhagen die Füsse hochlegen. Bildlich gesprochen, versteht sich." (20.05.2012)

Novinar - Bulgarien | 17.05.2012

Endlich Rauchverbot auch in Bulgarien

In Bulgarien ist vom 1. Juni an das Rauchen in allen öffentlichen Räumen verboten. Das Parlament in Sofia hat am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Das allein wird die ungehorsamen Bulgaren aber nicht vom Rauchen abhalten, meint die Tageszeitung Novinar und fordert saftige Strafen: "Bislang wurden die Rechte der Nichtraucher verletzt, die gegen ihren Willen Rauch und Gestank ausgesetzt waren. ... Darum war es höchste Zeit, dass auch Bulgarien der Entwicklung der zivilisierten westlichen Welt folgt und das Rauchen verbietet. Mittlerweile haben ja sogar unsere 'orientalischen' Nachbarn in der Türkei das totale Rauchverbot eingeführt und halten sich strikt daran. ... Damit das Rauchverbot aber auch bei uns funktioniert, reicht es nicht aus, dass es auf dem Papier steht, sondern es müssen Verstöße dagegen auch geahndet werden. Da die Bulgaren für gewöhnlich jede Gelegenheit nutzen, um dem Staat eins auszuwischen und dieses Verhalten tief in ihrer Psyche steckt, brauchen wir verstärkte Kontrollen und saftige Geldstrafen für alle, die sich nicht an das Verbot halten." (17.05.2012)

Jyllands-Posten - Dänemark | 16.05.2012

Feiertage zu streichen schadet dänischer Kultur

Die dänische Mitte-links-Regierung erwägt, ein oder zwei christliche Feiertage zu streichen, etwa den Buß- und Bettag oder Pfingstmontag, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist ein Angriff auf die dänische Kultur, empört sich die liberal-konservative Tageszeitung Jyllands-Posten: "Mit ihrem Angriff auf die Feiertage beweisen die Premierministerin und ihre Getreuen nicht nur fundamentales Unwissen über die kirchlichen Feste und das christliche Kulturerbe. Das wäre an sich schon schlimm genug. Aber sie enthüllen damit auch, dass ihre Rechenlogik jegliches Verständnis gemeinsamer Pausen, des gemeinsamen Rhythmus und gemeinsamer Rituale entbehrt. Diese Rituale schaffen wiederum eine Gemeinsamkeit, die letztlich eine wesentliche Grundlage der dänischen Volkstümlichkeit und der dänischen Wohlfahrtsgesellschaft bildet. Die Absicht ist vielleicht, uns reicher zu machen, aber was nützt das, wenn die Kultur wegen unreflektierter Geschichtslosigkeit verarmt." (16.05.2012)


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