Navigation

 

Gesellschaft

1-10 von 43 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

GESELLSCHAFT

Pravda - Slowakei | 30.07.2015

Rajec entledigt sich jüdischer Vergangenheit

Im slowakischen Rajec ist die 150 Jahre alte Synagoge abgerissen worden, die 20 Jahre dem Ort gehörte und in dieser Zeit zu zerfallen begann. Unter dem zuständigen Bürgermeister wurde gleichzeitig eine höchst umstrittene Büste für den antisemitischen Minister der faschistischen autonomen Slowakei, Ferdinand Ďurčanský, in der Stadt aufgestellt. In der linken Tageszeitung Pravda kommentiert das ironisch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden der Slowakei, Igor Rintel: "Bürgermeister Ján Rybárik darf öffentlich gratuliert werden. Mit dem Abriss der Synagoge entfernte er unter den Augen des 'großen Rajecer Sohnes' Ďurčanský das letzte lästige Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Es war geradezu zynisch, dass Ďurčanský, der einst antijüdische Gesetze verfasste, immer die Synagoge vor Augen haben musste. Deren Entfernung war womöglich gesetzwidrig. Aber nicht im Widerspruch zur Moral derer, die bis heute mit dem faschistischen Staat sympathisieren. ... Rajec ist jetzt endlich 'judenfrei'." (30.07.2015)

Contrepoints - Frankreich | 25.07.2015

Autoritarismus wird in Frankreich zur Regel

Der französische Verfassungsrat hat letzte Woche ein Gesetz abgesegnet, das eine umfangreiche Überwachung von Telefonen und Internetzugängen erlaubt. Der Staat bemächtigt sich der Privatsphäre seiner Bürger, kritisiert der Politikstudent Ferghane Azihari im liberalen Webmagazin Contrepoints: "Indem er das Abhörgesetz billigt, zeigt der Verfassungsrat, dass politische Gegengewichte in diesem Land nur noch ein Hirngespinst sind. Reine Mythologie. In der Geschichte haben Verfassungsnormen nie verhindert, dass sich Regierungen immer mehr Macht über unser Leben angeeignet haben. … Vielmehr ist der Konstitutionalismus zur Gewähr dafür geworden, dass wir die Dominanz der Regierung hinnehmen. … Was daran am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass das alles reibungslos funktioniert, da die Bevölkerung sich offenbar nicht gegen dieses mafiöse Eindringen in unser Privatleben auflehnt. Autoritarismus ist zur Regel, Freiheit zur Ausnahme geworden." (25.07.2015)

Lidové noviny - Tschechien | 29.07.2015

Zeman spielt Flüchtlinge gegen Kinder aus

Tschechiens Präsident Miloš Zeman hat am Dienstag in Prag Unverständnis dafür geäußert, dass der Staat zwar für Flüchtlinge Geld habe, nicht aber für überschuldete Einrichtungen, in denen Kinder in Notlagen vorübergehend betreut werden. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny wirft dem Staatschef vor, Fremdenfeindlichkeit zu schüren: "Der Präsident will etwas Gutes tun, aber es kommt nur Populismus dabei heraus. Sein Bemühen, sich für die verschuldeten Kindereinrichtungen einzusetzen, war so ungeschickt, dass es wie die Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit aussah. ... Als ehemaliger Premier und Ökonom muss er wissen, dass der Staat das Geld für die Flüchtlinge und für die Subventionierung der Kindereinrichtungen aus völlig unterschiedlichen Kassen bereitstellt. Beide Ausgaben haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Den Kindern hilft Zemans Intervention nicht. Sie ist nur Wasser auf die Mühlen derer, die Zuwanderer hassen." (29.07.2015)

Blog Mozgástér - Ungarn | 28.07.2015

Ungarn wieder Hüter des Abendlands

Ungarn will den Bau seines umstrittenen Zauns an der Grenze zu Serbien bis Ende August fertigstellen. Das Land fühlt sich angesichts der hohen Anzahl ankommender Flüchtlinge in seine traditionelle Rolle als Hüter des Abendlands zurückversetzt, analysiert der Politologe Tamás Lánczi auf dem Blogportal Mozgástér: "Im Gegensatz zum Selbstverständnis anderer Völker hat sich die ungarische Identität niemals von der Realität abgekoppelt, um zu einer theoretischen Konstruktion zu verkommen. Die Verteidigung des Abendlands war stets mit einem veritablen Kampf gegen Gegner aus Fleisch und Blut verbunden, die uns nahezu ausnahmslos eine andere Kultur, Sprache, Religion und Moral aufzwingen wollten. Gerade deshalb reagieren die Ungarn auf Herausforderungen durch fremde Kulturen besonders sensibel. Als würde dieses historische Selbstverständnis der Magyaren durch den in den vergangenen Monaten zur Völkerwanderung ausgewachsenen Flüchtlingsstrom im öffentlichen Denken Ungarns neu erweckt. Wieder fühlen wir uns an der Grenze zweier Zivilisationen, und wieder stehen wir ohne Hilfe da [wie einst im 16. Jahrhundert gegen die Osmanen]." (28.07.2015)

The Guardian - Großbritannien | 27.07.2015

Griechenlandkrise: Deutsche denken zu eindimensional

Im Streit um die Griechenland-Rettung hat es kaum jemand in Deutschland gewagt, die strenge Linie von Finanzminister Wolfgang Schäuble zu hinterfragen, klagt Kolumnist Timothy Garton Ash in der linksliberalen Tageszeitung The Guardian: "Der Konsens ist eine der großen Stärken der Bundesrepublik, und Veränderung durch Konsens ist eine deutsche Spezialität, personifiziert durch Kanzlerin Angela Merkel. ... Doch manchmal kann es zu viel Konsens geben, und was ich in Deutschland beobachte, ist beinahe eine Art Einheitsdenken. ... Ein etwas mehr auf der Realität basierender Streit der Meinungen wäre zu begrüßen. Nicht eine sinnlose, jedem Nutzen abträgliche Parteilichkeit nach US-Vorbild, sondern das gute Unterfutter einer abwägenden Demokratie. Es mangelt nicht an talentierten, unabhängig denkenden, alten und jungen deutschen Intellektuellen. Doch viele von ihnen halten sich lieber bedeckt oder leben und arbeiten im Ausland." (27.07.2015)

Frankfurter Rundschau - Deutschland | 28.07.2015

Deutsches Einwanderungsgesetz täte Balkan gut

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat dafür plädiert, weitere Balkanländer zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären - in der Hoffnung, damit die Einwanderung aus dieser Region zu verringern. Das wird nicht funktionieren, vermutet die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Asyl beantragen die Auswanderer vom Balkan, um einen legalen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Das ist kein Betrug, sondern im Prinzip ein begrüßenswerter Impuls: Sie wollen in geordnete Verhältnisse. ... Die eingängige Formel schließlich, man solle doch lieber die Wirtschaft in den Herkunftsländern stärken, als Auswanderung zu gestatten, stellt die Verhältnisse auf den Kopf. Auswanderung ist für die armen Balkanstaaten ein wichtiges Ventil. ... Die Überweisungen von Verwandten sind im Kosovo und in Albanien der wichtigste Einnahmefaktor. Schneidet man die Balkanländer von den Überweisungen ab, kollabieren sie erst recht. Ein Einwanderungsgesetz, wie die SPD es fordert, wäre ein wichtiger Schritt." (28.07.2015)

Expressen - Schweden | 28.07.2015

Schwedens Polizei braucht Hilfe gegen Gewalt

Nach der neunten Handgranatenexplosion in Malmö in diesem Monat hat Schwedens Innenminister Anders Ygeman der Stadt Hilfe durch nationale Einsatzkräfte versprochen. Das reicht nicht aus, meint die liberale Boulevardzeitung Expressen: "Brennende Autos gehören [in Städten wie Malmö oder Göteborg] bereits zur Normalität. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist es, wenn bewaffnete Kriminelle und Granatenattacken ebenfalls Teil des Alltags sind. Die Polizei in diesen stark von Kriminalität betroffenen Gebieten braucht mehr als eine zeitweise Verstärkung. Sie braucht permanent gut ausgebildetes Personal. Ygeman betont völlig zu Recht, dass Schweden noch nie so viele Polizisten hatte wie heute. Aber die Polizisten müssen sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren können. Statt die Polizei mit wachsender Bürokratie zu verschleißen, muss es höchste Priorität sein, die eskalierende Gewalt zu stoppen." (28.07.2015)

Dziennik Gazeta Prawna - Polen | 27.07.2015

Familienpolitik in Polen völlig ineffektiv

In Polen wurden in der ersten Jahreshälfte 2015 laut aktuellen Zahlen des Statistikamts Gus 180.000 Kinder geboren - so wenig, wie seit elf Jahren nicht. Marcin Hadaj von der konservativen Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna lässt an der Familienpolitik der Parteien kein gutes Haar: "Für die [regierende] PO habe ich zwei Nachrichten - und zwar zwei schlechte. Erstens müssen die Polen keine Angst mehr vor der [Oppositionspartei] PiS haben. Damit haben Sie, meine Damen und Herren [von der PO], ein massives Problem. Denn Sie müssen endlich was tun. Zweitens sind die Leute wesentlich klüger, als Sie glauben. Denn die Menschen wollen einfach keine Kinder in einem Land haben, das die Eltern nicht einmal minimal unterstützt. Ein Blick auf die Zahlen reicht. Leider sind die Vorschläge der PiS dazu auch nicht besonders interessant. Sind denn 500 Złoty [an monatlicher Unterstützung für 1 Jahr, rund 120 Euro] für das zweite und jedes weitere Kind eine echte Familienpolitik? Nein, das ist ein übliches Wahlversprechen, das langfristig nichts bringt." (27.07.2015)

The Malta Independent - Malta | 26.07.2015

Malta muss Mafia die Stirn bieten

Die italienische Polizei hat während einer Razzia beim Wettunternehmen Betuniq über 40 Personen festgenommen und ein Vermögen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro beschlagnahmt. Der in Malta ansässige Glücksspielanbieter soll für die Mafiaorganisation 'Ndrangheta Geldwäsche betrieben haben. Die Insel darf nicht zum Paradies für organisiertes Verbrechen verkommen, meint die liberal-konservative Tageszeitung The Malta Independent: "Wenn sich ein italienisches Verbrecherkartell ansiedelt, dann ist es mit Sicherheit an der Zeit, den Überprüfungsprozess zu verschärfen, Gesetzeslücken zu schließen und die Sicherheitsüberwachung zu verstärken. Die 'Ndrangheta ist kein Haufen unkoordinierter Gauner, die sich im italienischen Kalabrien umbringen, wie es die öffentliche Wahrnehmung ist (unter denen, die überhaupt schon mal von dem Verbrecherkartell gehört haben). Sie hat einen großen Teil des weltweiten und fast den gesamten europäischen Kokainhandel unter ihrer Kontrolle. Damit ist nicht zu spaßen." (26.07.2015)

Neatkarīgā - Lettland | 24.07.2015

Flüchtlinge bleiben sowieso nicht in Lettland

Lettland will laut Regierungsbeschluss innerhalb von zwei Jahren 250 Flüchtlinge aufnehmen, doch laut aktuellen Umfragen sperrt sich die Mehrheit der Letten dagegen. Die Flüchtlinge wollen aber gar nicht im Land bleiben, meint die nationalkonservative Tageszeitung Neatkarīgā: "Hier angekommen werden sie merken, dass lediglich ein paar Politiker über unsere 'Erfolgsgeschichte' reden. ... Sie werden dann einfach aufstehen und zu Fuß Richtung Westen gehen. Wie werden wir sie in Lettland halten? Werden wir sie dafür bezahlen, damit sie hier bleiben und nichts tun? Es macht doch keinen Sinn, Geld dafür zu zahlen, um die Flüchtlinge zu uns zu holen, denn es ist schon jetzt klar, dass sie nicht in Osteuropa bleiben wollen. ... Nicht einmal die Vietnamesen, die in letzter Zeit jede Nacht illegal die lettische Grenze passiert haben ohne festgenommen zu werden, halten sich lange in Lettland auf: Sie ziehen schnell über Polen nach Deutschland weiter." (24.07.2015)


1-10 von 43 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

Weitere Inhalte