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Gesellschaft

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GESELLSCHAFT

De Telegraaf - Niederlande | 24.04.2015

Respektloser Umgang mit Opfern von MH17

Ein niederländischer Pathologe, der in dem Team arbeitet, das die Opfer des Flugs MH17 identifiziert, hat Fotos von den Arbeiten in seinen Vorlesungen eingesetzt. In der Folge wurde er am Donnerstag aus dem Team ausgeschlossen. Das reicht nicht aus, meint die rechte Tageszeitung De Telegraaf: "Selbst hinter geschlossenen Türen und im engen Expertenkreis sollte dieses Bildmaterial nicht eingesetzt werden. Dass die gezeigten Körperteile angeblich nicht erkennbar waren, ist eine billige Ausrede. Die ganze Angelegenheit noch schlimmer macht die Tatsache, dass die Hinterbliebenen nicht informiert wurden. Solange die Untersuchung läuft und die Identifizierung nicht abgeschlossen ist, sollten diese Bilder auf keinem Treffen und in keiner Vorlesung gezeigt werden. ... Die Angehörigen sind zu Recht wütend und schockiert über die totale Respektlosigkeit, mit der staatliche Stellen mit diesem äußerst sensiblen Material umgehen." (24.04.2015)

Diena - Lettland | 23.04.2015

Am 9. Mai nicht alle Russen in einen Topf werfen

Der 9. Mai als Gedenktag des Kriegsendes ist in Lettland immer noch umstritten. Jedes Jahr feiern dort hunderttausende Russen die Befreiung vom Nationalsozialismus; für die Letten markiert der Tag den Beginn der zweiten Besatzung. Doch sie sollten gerade dieses Jahr Besonnenheit und Toleranz an den Tag legen, rät die liberale Tageszeitung Diena: "Die Letten müssen endlich rational denken und am 9. Mai nicht alle Russen in einen Topf werfen. Es gibt Russen, die Lettland nicht leiden können und, unabhängig von ihrem Alter, eine Besatzermentalität an den Tag legen. Aber es gibt auch Russen, die am 9. Mai zusammenkommen, um das Kriegsende zu feiern und sich mit den anderen verbunden zu fühlen. Mit den ersten müssen die Sicherheitsbehörden klarkommen - und nicht die Zivilbevölkerung. Und wenn wir den letzteren ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten vorwerfen, weil sie damit ihre Zugehörigkeit zu den 'Besatzern' zeigen würden, so ist dies falsch. Die geopolitische Lage ist heute so angespannt, dass wir es uns nicht erlauben können, die Gräben weiter zu vertiefen." (23.04.2015)

Yeni Şafak - Türkei | 23.04.2015

Erinnern und Mahnen ist Pflicht jedes Türken

Auch der Kolumnist Ali Bayramoğlu äußert sich in der regierungsnahen Tageszeitung Yeni Şafak dahingehend, dass in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Diskussion der Massaker an den Armeniern Begriffe nicht so entscheidend sind wie die Haltung: "Ich gehöre zu denen, die das Wort 'Völkermord' ruhig verwenden. ... Nenne die Ereignisse wie du willst, aber begreife, dass es, wenn du hier lebst, deine moralische Pflicht ist, zu erinnern und zu mahnen - deine moralische Pflicht der Geschichte, deinem eigenen Volk, der nächsten Generation und den Verstorbenen gegenüber. Die türkische Identität wird sich auf diese Weise läutern und eine Gelegenheit finden, sich als Demokratie neu zu gründen. ... Dieses Land, die Kräfte, die es nach vorne bringen, seine intellektuelle Energie und seine Akademiker kämpfen seit den 2000er Jahren dafür. ... Noch ist das Glas ziemlich leer. Aber es füllt sich." (23.04.2015)

Avgi - Griechenland | 22.04.2015

Griechische Gesetze gehen USA nichts an

Laut einer Gesetzesnovelle der vergangenen Woche dürfen griechische Häftlinge, die zu mehr als 80 Prozent körperlich behindert sind, ihre Strafe unter Hausarrest absitzen. Die mögliche Entlassung von Savvas Xiros, eines auch wegen der Ermordung von US-Bürgern verurteilten griechischen Terroristen, löste daraufhin scharfe Kritik aus den USA aus. Die linke Tageszeitung Avgi wundert sich, dass sich die Opposition auf die Seite der USA schlägt: "Der US-Botschafter bat öffentlich darum, das Gesetz zurückzuziehen. ... Anstatt dass die Medien und Oppositionsparteien auf diese Einmischung in innere Angelegenheiten eingehen, reagieren sie mit Spott für die Regierung. ... Die sogenannte Freilassung ist ein Hausarrest mit Fußfessel - für jemanden, der zu 80 Prozent behindert ist und schon zehn Jahre Gefängnis hinter sich hat. Dies gilt nicht nur für Xiros, sondern für alle, die sich heute oder in Zukunft in einer ähnlichen Situation befinden." (22.04.2015)

La Croix - Frankreich | 22.04.2015

Europa muss lernen mit Terrorgefahr zu leben

Französische Sicherheitsbehörden haben am Sonntag einen mutmaßlichen Dschihadisten festgenommen, der Anschläge auf Kirchen geplant haben soll. Doch Angst und Panik sind nicht angebracht, betont die katholische Tageszeitung La Croix: "Die IS-Dschihadisten haben Christen zu ihren Hauptzielen erklärt. Es war zu erwarten, dass diese Gewalt eines Tages europäischen Boden erreichen würde. Wir müssen daher lernen, mit dieser Gefahr zu leben. Zweifellos wird die Republik alles unternehmen, um christliche Gebäude zu schützen, was übrigens bereits auf relativ diskrete Weise geschieht. Jeder von uns ist zur Wachsamkeit aufgefordert, um Gefahren zu erkennen. Doch dürfen wir dabei der Angst nicht nachgeben. Und wir dürfen auf nicht in jedem Muslim einen potentiellen Feind sehen. Denn genau dies wäre die Konfrontation, die die Dschihadisten bewirken wollen." (22.04.2015)

Zeit Online - Deutschland | 22.04.2015

Genozid-Debatte nur Begriffsfetischismus

Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu hat in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen die Verwendung des Begriffes "Völkermord" in einer für Freitag geplanten Bundestagsresolution protestiert. Ob dieses Wort verwendet wird oder nicht, ist zu diesem Zeitpunkt nachrangig, erklärt Politologe Burak Çopur in einem Gastkommentar für das liberale Onlineportal Zeit Online: "Die an einen Begriffsfetischismus grenzende Diskussion um die Verwendung des Wortes 'Völkermord' kann nicht die Grundlage für eine Stärkung der Erinnerungskultur sein. Natürlich muss der türkische Staat langfristig den Genozid beim Namen nennen, will er eine liberale Demokratie werden. Doch auf dem Weg dahin geht es um anderes. Politisch um die Aufarbeitung des Geschehens in den Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien durch die auf Eis gelegten Protokolle. Und in der Türkei und bei den Türkischstämmigen in Deutschland geht es um eine kultursensible Erinnerungsarbeit im Bildungssystem. Über die Ereignisse von 1915 muss intensiver informiert und aufgeklärt werden." (22.04.2015)

Hürriyet - Türkei | 22.04.2015

Armenier selbst schuld an Massakern von 1915

Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu hat am Montag den Hinterbliebenen der Massaker an den Armeniern 1915 sein Mitgefühl ausgesprochen. Die konservative Tageszeitung Hürriyet hingegen glaubt nicht an die Geschichte von verfolgten Armeniern und barbarischen Türken: "Die Wahrheit ist folgende: Die armenischen Banden wurden von den europäischen Staaten angestachelt und bewaffnet und begingen Gräueltaten und Massaker an den anatolischen Türken und Kurden. Die Türken gingen in die Verteidigung. ... In den Gefechten kam es auf beiden Seiten - zu Recht oder zu Unrecht - zu Toten und Ermordeten. Kurz gesagt: Armenier haben auch Türken umgebracht und Türken Armenier. Der größte Fehler der Armenier: Kein Staat im Kriegszustand kann es verzeihen, wenn seine Bürger sich mit dem Feind verbünden und dem Land, in dem sie leben, in den Rücken fallen. ... Die Armenier haben sich leider mit den Russen verbündet und den Osmanen in den Rücken gestoßen." (22.04.2015)

Irish Independent - Irland | 21.04.2015

Kämpfer für Homoehe erschreckend intolerant

Die Bürger in Irland stimmen im Mai über die Einführung der Homoehe ab. Mit ihrer selbstgerechten und intoleranten Haltung schaden die Verfechter der Einführung ihrer eigenen Sache, moniert die konservative Tageszeitung Irish Independent: "'Leben und leben lassen' - dieses grundlegende Prinzip ist in den vergangenen Jahren von einer ekelhaften liberalen Orthodoxie abgelöst worden, die darauf besteht, dass jeder, der anderer Meinung ist, nicht nur falsch liegt, sondern auch als Feind gebrandmarkt und vernichtet werden muss. Seit wann sind die Liberalen nicht mehr die Guten? Wann sind die, die am lautesten nach Toleranz rufen, zu jenen geworden, die keinerlei Abweichung von der eigenen Linie tolerieren? ... Nicht jeder Gegner der Homoehe ist ein homophober Frömmler. Der überkorrekte, scheinheilige, selbstgerechte Unsinn, der täglich von den Befürwortern der Homoehe ausgespien wird, ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch ermüdend." (21.04.2015)

T24 - Türkei | 21.04.2015

Geschichte in Türkei erfunden und verfälscht

Der türkische Vize-Premier Bülent Arınç hat am Montag bekanntgeben, die Türkei habe nie einen Völkermord begangen, auch nicht an den Armeniern im Jahr 1915. Keine überraschende Aussage, meint Journalist Hasan Cemal in der liberalen Internetzeitung T24, schließlich schweigen sich die türkischen Geschichtsbüchern nicht nur zu diesem Thema aus: "In der Geschichte, die ich gelernt habe, gab es weder Kurden, noch Aleviten, noch das Jahr 1915. Mein Geist wurde von dieser offiziellen Geschichtsschreibung geprägt, der Staat hat mich in einer Lüge leben lassen. Unsere Geschichte ist nicht wahr, sondern erfunden oder verfälscht. ... Die offizielle Geschichte unserer Heimat traut ihren eigenen Bürgern nicht. Sie will diese im Dunkeln halten. Und sie erlaubt ihnen nicht, auszubrechen aus dem, was sie auswendig gelernt haben. … Sich in der Türkei mit Geschichte zu befassen, bedeutet, sich mit dem Heute zu befassen und ist noch immer eine riskante Arbeit." (21.04.2015)

De Telegraaf - Niederlande | 21.04.2015

Auschwitz verjährt nicht

Der vermutlich letzte große Prozess zu den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz beginnt am heutigen Dienstag in Lüneburg. Angeklagt ist der 93 Jahre alte Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 ungarischen Juden. Auch 70 Jahre nach Kriegsende muss so ein Prozess noch geführt werden, betont die rechtsgerichtete Tageszeitung De Telegraaf: "Seit 2011 verfolgt die deutsche Justiz auch Verdächtige, die keine direkte Rolle in Hitlers Mordfabriken spielten. Gröning wusste der Anklage zufolge von den Gaskammern und unterstützte das Naziregime wirtschaftlich. In Deutschland ist nun eine Debatte entbrannt, ob ein Prozess gegen einen so alten Mann noch sinnvoll ist. Die Antwort ist Ja: Auch diejenigen, die nur eine Nebenrolle spielten, dürfen nicht davonkommen. Es gibt bereits zu viele Mitglieder der SS aus Auschwitz, die ihrer Strafe entkamen. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges muss das Recht immer noch siegen." (21.04.2015)


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