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Kultur

KULTUR

Večernji List - Kroatien | 22.08.2014

Sarajevos Filmfestival ist ein Lügenkonstrukt

Das Sarajevo Film Festival feiert zurzeit sein 20-jähriges Bestehen. Doch Glanz und Glamour täuschen nur über Bosnien-Herzegowinas besorgniserregenden Zustand hinweg, bedauert die konservative Tageszeitung Večernji List: "Der hedonistische rote Teppich des Sarajevo Film Festivals ist ein farbenfrohes Lügenkonstrukt, von dem aus der oberflächlichen Weltpresse zugewunken wird und auf dem Stars und Sternchen ihre Fliegen und Ballkleider vorführen, die im krassen Gegensatz zur Situation stehen, in der sich Bosnien seit Jahrzehnten befindet. … Der rote Teppich tut so, als gäbe es in Bosnien und Herzegowina einen funktionierenden Staat, doch das ist bei Weitem nicht so! ... Man vergisst, dass alle wichtigen kulturellen Einrichtungen Sarajevos nicht genug Mittel zum Überleben haben und sie den Touristen ihre Schätze deshalb gar nicht präsentieren können. Und selbst beim Festival stehen eigentlich nicht die Filme im Vordergrund, sondern ein schlichter roter Teppich." (22.08.2014)

Duma - Bulgarien | 21.08.2014

Sofia erinnert an Serbien nach dem Krieg

Sofia hat sich als europäische Kulturhauptstadt 2019 beworben. Doch diesen Titel verdient Bulgariens heruntergekommene Hauptstadt gewiss nicht, schimpft die sozialistische Tageszeitung Duma: "Wer hierher kommt, um unsere tolle Kultur zu bestaunen, fühlt sich eher an Serbien nach dem Krieg erinnert: Auf Sofias Straßen klaffen die Löcher wie nach einem Bombenangriff. Dass überhaupt noch Gehwege da sind, haben wir dem Sozialismus zu verdanken, ansonsten würden wir jetzt wohl im Matsch waten. ... Außer in der Innenstadt fehlen überall Ampeln und Zebrastreifen. ... Schuld sind nicht die Einwohner, die tun, was sie können: Sie füllen die Schlaglöcher mit Schutt, streichen ihre Häuser mit allerlei Farben, asphaltieren ihre Hauseingänge. Sie pflanzen Blumen und Bäume, um zu kaschieren, dass die Stadt immer hässlicher wird, weil sich sonst niemand um sie kümmert. Wie eine Hauptstadt sieht Sofia nicht aus, wie eine europäische Hauptstadt schon gleich gar nicht." (21.08.2014)

To Vima Online - Griechenland | 19.08.2014

Grabhügel in Amphipolis ist Griechenlands Chance

In der Nähe von Amphipolis im Nordosten Griechenlands haben Archäologen vergangene Woche einen Grabhügel aus der Zeit um 325 bis 300 vor Christus entdeckt. Es wird spekuliert, dass es sich um das Grab der Familie des makedonischen Königs Alexander des Großen handelt. Was für eine Chance für Griechenland, jubelt die Online-Zeitung To Vima: "Dieses unglaubliche Erbe inmitten einer ebenso fabelhaften natürlichen Umgebung ist der große Reichtum unseres Landes. Aber es reicht nicht, nur stolz darauf zu sein. ... Wir sind verpflichtet, dieses Erbe zu schützen und es vor allem auch auf die bestmögliche Art und Weise zu präsentieren. Und dies ist dabei nicht nur eine moralische und historische Verpflichtung, sondern gleichzeitig auch der Weg in eine bessere Zukunft. ... Das weltweite Interesse für die Entdeckung der Grabstätte in Amphipolis ist für uns eine einzigartige Gelegenheit, wieder darüber nachzudenken, wie wir unser kulturelles Erbe besser zur Geltung bringen können." (19.08.2014)

Pressa Daily - Bulgarien | 13.08.2014

Arme Bulgaren sind Kulturmuffel

Laut der aktuellen Eurobarometer-Studie haben im vergangenen Jahr nur zwei von zehn Bulgaren eine Kulturveranstaltung besucht. Demnach kamen sie EU-weit am wenigsten mit Kultur in Berührung und gaben durchschnittlich nur rund sieben Euro im Jahr für Theater, Oper und Bücher aus. Die Tageszeitung Pressa Daily ist besorgt: "Wie konnte es dazu kommen? Und wohin steuern wir als Volk? Die zweite Frage ist leichter zu beantworten: Wir steuern geradewegs ins Nichts, denn ein Volk, das keinen Bedarf an Bildung und Geist empfindet, hat keine Zukunft. ... Wenn wir es nicht schaffen, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie Kultur als eine Notwendigkeit empfinden und neugierig darauf sind, sind Hopfen und Malz verloren. ... Wenn man aber wählen muss, ob man sein Kind ins Theater führt oder Essen auf den Tisch bringt, werden die meisten das Letztere wählen und das ist verständlich. ... Darum müssen wir alle gemeinsam, unterstützt vom Staat und von Mäzenen, alles dafür tun, damit mehr Bulgaren Zugang zu Kultur haben." (13.08.2014)

Sega - Bulgarien | 07.08.2014

Bücher sind ein vergehendes Kulturgut

Immer weniger Menschen lesen Bücher auf Papier - das heißt aber nicht, dass insgesamt weniger gelesen wird, argumentiert der Kulturanthropologe Iwajlo Ditschew in der Tageszeitung Sega. Im Gegenteil: "Die digitale Revolution hat dazu geführt, dass wir viel mehr lesen als zuvor. Bloß, wir lesen nicht mehr den Gegenstand 'Buch' von Anfang bis Ende. Wir springen von Wort zu Wort, von Seite zu Seite, von Buch zu Buch, von Autor zu Autor. Wir fangen nicht mehr richtig ein Buch an und darum lesen wir es auch nicht mehr richtig zu Ende. Die Nostalgie um das Buch als Gegenstand ist die Sehnsucht nach einem Kulturgut, das einen Anfang und ein Ende hat und das uns das Gefühl gibt, das Gelesene zu besitzen: Ich habe das Buch gelesen, es gehört mir und nun gebe ich es weiter. Das Buch als Rettungsring in einem sich schwindelerregend schnell verbreitenden digitalen Universum aus Zeichen, in dem wir uns verloren vorkommen." (07.08.2014)


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