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Kultur

KULTUR

El País - Spanien | 09.09.2014

Zensur aus Angst vor Spaniens Separatisten

Das spanische Kulturinstitut Cervantes in Utrecht hat die Vorstellung der niederländischen Übersetzung des historischen Romans "Victus, Barcelona 1714" zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Madrid und Barcelona von Albert Sánchez Piñol abgesagt. Angesichts des katalanischen Nationalfeiertags am Donnerstag und dem geplanten Unabhängigkeitsreferendum im November fürchtete man eine Politisierung der Veranstaltung. Eine schwere Fehlentscheidung, urteilt die linksliberale Tageszeitung El País: "Falsch ist die Entscheidung, weil sich diese Zensur im Kontext des demokratischen Pluralismus schwer rechtfertigen lässt. ... Gleichzeitig ist sie besonders ungeschickt. Wollte man verhindern, dass sich die Buchvorstellung in eine Art Werbeveranstaltung für die katalanische Unabhängigkeit verwandelt, hat man mit der Absage genau das Gegenteil erreicht. Das Instituto Cervantes hat den Separatisten, und nicht nur ihnen, das beste Argument an die Hand gegeben, die Regierung als autoritär abzustempeln und eine Parallele zwischen der Romanhandlung und der aktuellen Situation in Katalonien zu ziehen." (09.09.2014)

Večernji List - Kroatien | 22.08.2014

Sarajevos Filmfestival ist ein Lügenkonstrukt

Das Sarajevo Film Festival feiert zurzeit sein 20-jähriges Bestehen. Doch Glanz und Glamour täuschen nur über Bosnien-Herzegowinas besorgniserregenden Zustand hinweg, bedauert die konservative Tageszeitung Večernji List: "Der hedonistische rote Teppich des Sarajevo Film Festivals ist ein farbenfrohes Lügenkonstrukt, von dem aus der oberflächlichen Weltpresse zugewunken wird und auf dem Stars und Sternchen ihre Fliegen und Ballkleider vorführen, die im krassen Gegensatz zur Situation stehen, in der sich Bosnien seit Jahrzehnten befindet. … Der rote Teppich tut so, als gäbe es in Bosnien und Herzegowina einen funktionierenden Staat, doch das ist bei Weitem nicht so! ... Man vergisst, dass alle wichtigen kulturellen Einrichtungen Sarajevos nicht genug Mittel zum Überleben haben und sie den Touristen ihre Schätze deshalb gar nicht präsentieren können. Und selbst beim Festival stehen eigentlich nicht die Filme im Vordergrund, sondern ein schlichter roter Teppich." (22.08.2014)

Duma - Bulgarien | 21.08.2014

Sofia erinnert an Serbien nach dem Krieg

Sofia hat sich als europäische Kulturhauptstadt 2019 beworben. Doch diesen Titel verdient Bulgariens heruntergekommene Hauptstadt gewiss nicht, schimpft die sozialistische Tageszeitung Duma: "Wer hierher kommt, um unsere tolle Kultur zu bestaunen, fühlt sich eher an Serbien nach dem Krieg erinnert: Auf Sofias Straßen klaffen die Löcher wie nach einem Bombenangriff. Dass überhaupt noch Gehwege da sind, haben wir dem Sozialismus zu verdanken, ansonsten würden wir jetzt wohl im Matsch waten. ... Außer in der Innenstadt fehlen überall Ampeln und Zebrastreifen. ... Schuld sind nicht die Einwohner, die tun, was sie können: Sie füllen die Schlaglöcher mit Schutt, streichen ihre Häuser mit allerlei Farben, asphaltieren ihre Hauseingänge. Sie pflanzen Blumen und Bäume, um zu kaschieren, dass die Stadt immer hässlicher wird, weil sich sonst niemand um sie kümmert. Wie eine Hauptstadt sieht Sofia nicht aus, wie eine europäische Hauptstadt schon gleich gar nicht." (21.08.2014)

To Vima Online - Griechenland | 19.08.2014

Grabhügel in Amphipolis ist Griechenlands Chance

In der Nähe von Amphipolis im Nordosten Griechenlands haben Archäologen vergangene Woche einen Grabhügel aus der Zeit um 325 bis 300 vor Christus entdeckt. Es wird spekuliert, dass es sich um das Grab der Familie des makedonischen Königs Alexander des Großen handelt. Was für eine Chance für Griechenland, jubelt die Online-Zeitung To Vima: "Dieses unglaubliche Erbe inmitten einer ebenso fabelhaften natürlichen Umgebung ist der große Reichtum unseres Landes. Aber es reicht nicht, nur stolz darauf zu sein. ... Wir sind verpflichtet, dieses Erbe zu schützen und es vor allem auch auf die bestmögliche Art und Weise zu präsentieren. Und dies ist dabei nicht nur eine moralische und historische Verpflichtung, sondern gleichzeitig auch der Weg in eine bessere Zukunft. ... Das weltweite Interesse für die Entdeckung der Grabstätte in Amphipolis ist für uns eine einzigartige Gelegenheit, wieder darüber nachzudenken, wie wir unser kulturelles Erbe besser zur Geltung bringen können." (19.08.2014)


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