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Kultur

KULTUR

Duma - Bulgarien | 21.08.2014

Sofia erinnert an Serbien nach dem Krieg

Sofia hat sich als europäische Kulturhauptstadt 2019 beworben. Doch diesen Titel verdient Bulgariens heruntergekommene Hauptstadt gewiss nicht, schimpft die sozialistische Tageszeitung Duma: "Wer hierher kommt, um unsere tolle Kultur zu bestaunen, fühlt sich eher an Serbien nach dem Krieg erinnert: Auf Sofias Straßen klaffen die Löcher wie nach einem Bombenangriff. Dass überhaupt noch Gehwege da sind, haben wir dem Sozialismus zu verdanken, ansonsten würden wir jetzt wohl im Matsch waten. ... Außer in der Innenstadt fehlen überall Ampeln und Zebrastreifen. ... Schuld sind nicht die Einwohner, die tun, was sie können: Sie füllen die Schlaglöcher mit Schutt, streichen ihre Häuser mit allerlei Farben, asphaltieren ihre Hauseingänge. Sie pflanzen Blumen und Bäume, um zu kaschieren, dass die Stadt immer hässlicher wird, weil sich sonst niemand um sie kümmert. Wie eine Hauptstadt sieht Sofia nicht aus, wie eine europäische Hauptstadt schon gleich gar nicht." (21.08.2014)

To Vima Online - Griechenland | 19.08.2014

Grabhügel in Amphipolis ist Griechenlands Chance

In der Nähe von Amphipolis im Nordosten Griechenlands haben Archäologen vergangene Woche einen Grabhügel aus der Zeit um 325 bis 300 vor Christus entdeckt. Es wird spekuliert, dass es sich um das Grab der Familie des makedonischen Königs Alexander des Großen handelt. Was für eine Chance für Griechenland, jubelt die Online-Zeitung To Vima: "Dieses unglaubliche Erbe inmitten einer ebenso fabelhaften natürlichen Umgebung ist der große Reichtum unseres Landes. Aber es reicht nicht, nur stolz darauf zu sein. ... Wir sind verpflichtet, dieses Erbe zu schützen und es vor allem auch auf die bestmögliche Art und Weise zu präsentieren. Und dies ist dabei nicht nur eine moralische und historische Verpflichtung, sondern gleichzeitig auch der Weg in eine bessere Zukunft. ... Das weltweite Interesse für die Entdeckung der Grabstätte in Amphipolis ist für uns eine einzigartige Gelegenheit, wieder darüber nachzudenken, wie wir unser kulturelles Erbe besser zur Geltung bringen können." (19.08.2014)

Pressa Daily - Bulgarien | 13.08.2014

Arme Bulgaren sind Kulturmuffel

Laut der aktuellen Eurobarometer-Studie haben im vergangenen Jahr nur zwei von zehn Bulgaren eine Kulturveranstaltung besucht. Demnach kamen sie EU-weit am wenigsten mit Kultur in Berührung und gaben durchschnittlich nur rund sieben Euro im Jahr für Theater, Oper und Bücher aus. Die Tageszeitung Pressa Daily ist besorgt: "Wie konnte es dazu kommen? Und wohin steuern wir als Volk? Die zweite Frage ist leichter zu beantworten: Wir steuern geradewegs ins Nichts, denn ein Volk, das keinen Bedarf an Bildung und Geist empfindet, hat keine Zukunft. ... Wenn wir es nicht schaffen, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie Kultur als eine Notwendigkeit empfinden und neugierig darauf sind, sind Hopfen und Malz verloren. ... Wenn man aber wählen muss, ob man sein Kind ins Theater führt oder Essen auf den Tisch bringt, werden die meisten das Letztere wählen und das ist verständlich. ... Darum müssen wir alle gemeinsam, unterstützt vom Staat und von Mäzenen, alles dafür tun, damit mehr Bulgaren Zugang zu Kultur haben." (13.08.2014)

Sega - Bulgarien | 07.08.2014

Bücher sind ein vergehendes Kulturgut

Immer weniger Menschen lesen Bücher auf Papier - das heißt aber nicht, dass insgesamt weniger gelesen wird, argumentiert der Kulturanthropologe Iwajlo Ditschew in der Tageszeitung Sega. Im Gegenteil: "Die digitale Revolution hat dazu geführt, dass wir viel mehr lesen als zuvor. Bloß, wir lesen nicht mehr den Gegenstand 'Buch' von Anfang bis Ende. Wir springen von Wort zu Wort, von Seite zu Seite, von Buch zu Buch, von Autor zu Autor. Wir fangen nicht mehr richtig ein Buch an und darum lesen wir es auch nicht mehr richtig zu Ende. Die Nostalgie um das Buch als Gegenstand ist die Sehnsucht nach einem Kulturgut, das einen Anfang und ein Ende hat und das uns das Gefühl gibt, das Gelesene zu besitzen: Ich habe das Buch gelesen, es gehört mir und nun gebe ich es weiter. Das Buch als Rettungsring in einem sich schwindelerregend schnell verbreitenden digitalen Universum aus Zeichen, in dem wir uns verloren vorkommen." (07.08.2014)

The Observer - Großbritannien | 27.07.2014

Britischer Literaturpreis nur für weiße Männer

Die Nominierungen für den wichtigsten britischen Literaturpreis, den Man Booker Prize, sind vergangene Woche bekanntgegeben worden. Dass unter den 13 Nominierten nur drei Frauen und ein nicht weißer Autor sind, beschreibt die Schriftstellerin Irenosen Okojie in der linksliberalen Sonntagszeitung The Observer als gravierendes Manko: "Es ist entmutigend, dass der Booker-Preis einmal mehr talentierte nicht weiße Autoren ignoriert, die sich von solchen Listen inspirieren lassen könnten, weil sie sich selbst dort repräsentiert sehen und literarische Vorbilder entdecken. Es fühlt sich mal wieder so an, als ob Talente nichts zählen, wenn du nicht weiß und männlich bist. ... Wenn die Jury vielfältiger wäre, dann wäre vielleicht auch die Liste repräsentativer. Eine radikale Idee: Nächstes Mal könnte sich das Komitee doch vielleicht einfach aus der gleichen Anzahl an Frauen und Männern unter Beteiligung einiger nicht weißer Menschen zusammensetzen. ... Die Stärke von Büchern ist es, soziale Grenzen zu überwinden; Autoren ganz verschiedener Herkunft sollte die Möglichkeit hierzu gegeben werden." (27.07.2014)

Vesti - Lettland | 24.07.2014

Kultursanktionen sind guter Kompromiss

Das Einreiseverbot für drei russische Popstars und damit ihren Ausschluss vom Musikfestival New Wave in Jūrmala hält die russischsprachige Tageszeitung Vesti für einen sehr klugen Schritt von Außenminister Edgars Rinkēvičs: "Eigentlich hat der lettische Außenminister eine brillante Entscheidung getroffen und das kleinere Übel gewählt. ... Im Gegensatz zu den meisten EU- und Nato-Ländern hat Lettland sehr enge wirtschaftliche Beziehungen mit Russland. Das Schlimmste, was das Außenministerium machen könnte, wäre sich in die Wirtschaft einzumischen. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland bedeuten den Verlust von vielen Millionen Euro, Tausende von Arbeitslose und Bankrott von Firmen. Da das Außenministerium diesmal irgendwie reagieren musste, waren die Kultursanktionen weniger folgenreich als die wirtschaftlichen. Die Arbeitsplätze bleiben und die Partner in der EU und Nato sind zufrieden." (24.07.2014)


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