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Kultur

KULTUR

Expressen - Schweden | 27.08.2015

Autor von Millennium 4 ist nicht böse

David Lagercrantz, Autor des am Donnerstag weltweit lancierten Nachfolgebandes der Millennium-Trilogie, wird in seiner Heimat Schweden hart kritisiert. Man wirft ihm vor, mit dem neuen Krimi das literarische Erbe des 2004 verstorbenen Stieg Larsson kommerziell auszuschlachten. Doch der Eifer vieler Medien, Lagercrantz zum gewissenlosen Schurken hochzustilisieren, geht zu weit, findet die liberale Boulevardzeitung Expressen: "Die Millennium-Bücher sind Unterhaltungsliteratur, deren Ziel es ist, sich zu verkaufen und dem Leser im besten Fall einige tiefere Einsichten zu vermitteln. Es handelt sich nicht um die fragile Gedichtsammlung eines nobelpreisverdächtigen Genies, sondern um Werke in einem Genre, in dem ganz andere Mechanismen zum Tragen kommen. Und niemand, nicht einmal Stieg Larssons Lebensgefährtin Eva Gabrielsson [die das Projekt Millennium 4 ebenfalls ablehnt], kann wissen, was laut Larsson nach seinem Tod mit seinem Vermächtnis hätte geschehen sollen." (27.08.2015)

i - Portugal | 25.08.2015

IS-Miliz zerstört Erinnerung an Zivilisation

Der 2000 Jahre alte Tempel von Baal Shamin in der Ruinenstadt Palmyra, eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Syriens, ist von der IS-Terrormiliz zerstört worden. Die Unesco hat die Tat als Kriegsverbrechen eingestuft. Auch die liberale Tagezeitung i ist außer sich: "Während man in ganz Europa (und nicht nur dort) mit außergewöhnlichen Anstrengungen und kolossalen Investitionen versucht, gefährdete Denkmäler zu retten, passiert in anderen Teilen der Welt genau das Gegenteil: Man versucht mit allen Mitteln, die Spuren der Geschichte zu löschen. Der IS hat seine erbärmlichen, barbarischen Prinzipien nach Mossul nun auch in Palmyra angewandt. ... Was aber stört diese Radikalen so sehr an den Ruinen früherer Zeiten? An Gebäuden oder Statuen, die sich selbst nicht schützen können? ... Diese sind Zeugnisse einer hohen zivilisatorischen Entwicklung - die im Gegensatz zu einem Regime steht, das sich von barbarischen Prinzipien leiten lässt. Und es ist genau diese Überlegenheit, die den Fanatikern des IS so unerträglich vorkommt." (25.08.2015)

Trouw - Niederlande | 10.08.2015

Musikkultur braucht auch lärmende Festivals

In Amsterdam klagen immer mehr Bürger über Lärmbelästigung durch die vielen Musikfestivals. Gerade die Festivalgeneration der späten 1960er Jahre sollte mehr Verständnis haben, mault die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Natürlich haben die Kritiker Recht, wenn sie darauf hinweisen, dass in den letzten Jahren sehr viele Sommerveranstaltungen organisiert wurden, die mit Lärm und mit Menschenmassen einhergehen. Allein in Amsterdam werden es in diesem Jahr nahezu 300 sein. Vor allem die Dance-Festivals mit ihren dröhnenden Bässen sind eine Quelle der Irritation. Doch solange die verantwortlichen Kommunen darauf achten, dass der Lautstärkeregler zur vereinbarten Zeit abgedreht wird, muss man damit doch leben können. ... Echte Belästigung muss man angehen, aber Bürger müssen sich auch anpassen und sollten nicht so schnell klagen. Festivals brauchen Platz, damit die Musikkultur blühen kann. Das sollte vor allem die Woodstock-Generation verstehen." (10.08.2015)

La Repubblica - Italien | 05.08.2015

Kolosseum-Renovierung völlig unnötig

Italiens Regierung will das Kolosseum in Rom renovieren lassen. Die Arena des Amphitheaters, die heute freiliegt, soll mit einer Plattform bedeckt werden, damit sie als Bühne bespielbar ist. Als ob es nichts Wichtigeres zu tun gäbe, wettert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Das Kolosseum ist bereits das meist besuchte und gewinnbringendste Denkmal Italiens. Statt die Arena zu bedecken, sollte man lieber die stinkenden mobilen Imbissbuden und die falschen Gladiatoren mit ihren peinlichen Rüstungen davonjagen und öffentliche Toiletten einrichten, um die Besucher vor der misslichen Lage zu bewahren, an die Mauern pinkeln zu müssen. Die Notwendigkeit eines Museumscafés mit einem vernünftigen Buchladen ist nicht von der Hand zu weisen. Zweifelsfrei vonnöten wäre, an das Verantwortungsbewusstsein der Gewerkschaften zu appellieren und die Öffnung des Kolosseums auch an Feiertagen zu gewährleisten." (05.08.2015)


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