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Lokale Farben

LOKALE FARBEN

Lietuvos rytas - Litauen | 21.05.2013

Litauens Nationalstadion ist Millionengrab

Der litauische Innenminister Dailis Barakauskas hat am Montag versprochen, den Bau des Nationalstadions in Vilnius, mit dem bereits 1987 begonnen wurde, bis 2016 zu beenden. Die liberale Tageszeitung Lietuvos rytas macht sich über das Versprechen lustig: "Noch kein Held hat es geschafft, dieses Milleniumprojekt zu beenden, das mit seinem in den Himmel ragendem Gerüst eine Schande des Staates symbolisiert. Doch Barakauskas spricht über den Kampf gegen diesen Drachen, als ob die Aufgabe für ihn so einfach wäre wie ein Kinder-Zaubertrick für einen erfahrenen Magier. Für dieses Denkmal an Korruption und Unordnung werden also noch etwa 270 Millionen Litas [77 Millionen Euro] gebraucht. Woher? Europa wird sie geben! Und danach wird die Sonne nicht nur für den litauischen Fußball oder litauische Sänger aufleuchten, sondern auch für Kommunalverwaltungen und Ministerien, die in diesem Stadion mit 30.000 Plätzen ihre offiziellen Feiern veranstalten sollen." (21.05.2013)

Reflex - Tschechien | 15.05.2013

Ein guter tschechischer Präsident säuft

Tschechiens Präsident Miloš Zeman ist bei der Eröffnung der neuen Kronjuwelen-Ausstellung in Prag vergangene Woche offenbar angetrunken gewesen. Seine Kanzlei sprach dagegen von den "Folgen einer Erkältung". Vor allem in den sozialen Netzwerken brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los. Das liberale Wochenblatt Reflex glossiert auf seiner Internetseite: "Der Präsident eines demokratischen Staates darf kein Brückenheiliger sein. Vielmehr muss er ein typischer Bürger seines Landes sein. ... Die Tschechen liegen beim Alkoholverbrauch auf dem zweiten Platz in Europa. Will der Präsident sein Land tatsächlich repräsentieren, muss er also auch trinken und rauchen. Schließlich leidet jeder normale Tscheche zweimal pro Woche unter 'Erkältung'. Man muss den Präsidenten also loben, anstatt ihn hysterisch zu attackieren. Zur tschechischen Vollkommenheit fehlt ihm nur, dass er bei seinen nächsten Auslandsbesuchen jemanden verleumdet und eine Kleinigkeit klaut." (15.05.2013)

Voxpublica - Rumänien | 14.05.2013

Der Agrartipp zum Sonntag

In Rumänien haben die orthodoxe Kirche und das Landwirtschaftsministerium am Montag eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach Dorfpriester am Ende ihres Gottesdiensts über Unterstützungsangebote für Landwirte informieren sollen. Bessere Ernten dank der Kirche? Das Blogportal Voxpublica kann diese Idee nur aufs Korn nehmen: "Die Dorfpriester sind aufgerufen, über den Einsatz moderner Traktoren und über Familienhöfe zu predigen. Mehr noch: Laut Vereinbarung sollen die Geistlichen über EU-Fonds oder staatliche Zuschüsse unterrichten - am Ende des Gottesdienstes, nicht dass noch Diskussionen aufkommen. ... Doch der Landwirtschaftsminister könnte es noch einfacher haben. Er könnte eine Vereinbarung mit der Feuerwehr treffen, die laut jüngsten Umfragen in der Bevölkerung das größte Vertrauen genießt (86 Prozent). ... Die Feuerwehr bewässert die Felder, die Armee hilft bei der Feldarbeit, die Popen sprechen in der Kneipe [was sie jetzt schon tun] über die Vorteile der modernen Landwirtschaft - und Rumänien wäre gerettet." (14.05.2013)

Capital - Rumänien | 08.05.2013

Rumänien braucht Autobahnen statt Bäume

Der rumänische Premier Victor Ponta hat vergangene Woche anlässlich des Tags der Arbeit in einem Bukarester Park Bäume gepflanzt. Wichtiger wäre es aber, Autobahnen zu bauen, fordert der Unternehmer Marian Dusan in der konservativen Wirtschaftswochenzeitung Capital, denn laut Eurostat belegt Rumänien EU-weit den letzten Platz - auf jeden Einwohner kämen also nur 2,4 Zentimeter Autobahn: "Spanien hat die 13-fache Länge an Autobahn. Rumänien kann lediglich 530 Kilometer Autobahn vorweisen und über die Hälfte davon ist voller Schlaglöcher. Das sind verlorene Investitionen, verlorene Jobs und verlorenes Geld zum Ankurbeln der Wirtschaft. Vor einigen Jahren haben uns die großen Firmen klar gesagt, dass sie nicht investieren, solange wir nicht die Infrastruktur ausbauen. Es ist doch also ganz einfach: Für neue Jobs müsste der Autobahnbau auf der Prioritätenliste der Ponta-Regierung ganz oben stehen. ... Ich will künftig nur noch Meldungen von Autobahnen hören und nichts mehr von Bäumen." (08.05.2013)

Gândul - Rumänien | 03.05.2013

Für die Rumänen geht's ums Würstchen

Die Rumänen fürchten um ihre gegrillten Hackfleischwürstchen Mititei. Weil diese klassischerweise von Backpulver zusammengehalten werden, dürfen sie nach einer EU-Richtlinie ab dem 1. Juni nicht mehr verkauft werden. Nun will die rumänische Regierung Mititei zur traditionellen Spezialität erklären lassen und so eine Ausnahmeregelung erwirken. Die linksliberale Zeitung Gândul kommentiert ironisch: "Ein Verbot könnte für das rumänische Volk noch brisantere Folgen haben als die Krise. Ohne ihr Lieblingsgericht werden die Rumänen in eine Depression stürzen und vor lauter Frust negative Gefühle gegen die EU hegen. Moralisch am Boden zerstört, in Erwartung langweiliger Wochenenden und gähnend leerer Geldbeutel werden sie schlechter arbeiten und mehr fluchen. ... Uns die Mititei zu nehmen, aber dafür den amerikanischen Burger zu lassen würde einer Diskriminierung gleichkommen. Wir brauchen unser Hackfleischröllchen, denn es ist unser kleiner Sieg im Kampf gegen Globalisierung und den Lebensmittelkolonialismus." (03.05.2013)

Tages-Anzeiger - Schweiz | 30.04.2013

Erster Mai erweckt das rote Wien zum Leben

Den Tag der Arbeit am 1. Mai feiern die Wiener Sozialdemokraten mit traditionellen Aufmärschen vor dem Rathaus. Bei dieser verstaubten Zeremonie ist die Welt der Sozialisten für kurze Zeit wieder im Lot, mokiert sich der liberale Tages-Anzeiger: "Alle sind da, wo sie hingehören, nur die Senioren auf den Ehrentribünen werden jedes Jahr weniger. Alle singen aus voller Kehle die Internationale und die 'Arbeiter von Wien' mit: Der rote Bürgermeister, der die schönsten Plätze der Stadt an Grossbanken und Investoren verschachert; der rote Bundeskanzler, der mit ausländerfeindlichen Boulevardblättern paktiert; der ehemalige rote Bundeskanzler, der sich von Baukonzernen und zentralasiatischen Diktatoren bezahlen lässt. Hier sind sie Sozialisten, hier rufen sie die Genossen 'zum letzten Gefecht'. Nach der SPÖ dürfen am 1. Mai auch die letzten Kommunisten, Alternative und Kurdenorganisationen über die Ringstrasse ziehen. Dann kommt die Strassenreinigung und kehrt die Reste der Revolution in die Kanalisation." (30.04.2013)


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