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Lokale Farben

LOKALE FARBEN

Duma - Bulgarien | 26.03.2015

Sofias U-Bahn braucht Englisch-Nachhilfe

Die Haltestellen-Ansagen der U-Bahn in Sofia sind seit Montag auch in englischer Sprache zu hören. Schade nur, dass es mit der korrekten Aussprache der Stationsnamen nicht so gut klappt, findet die linke Tageszeitung Duma: "Wenigstens sorgt das gebrochene Englisch mit einem kräftigen bulgarischen Akzent für ordentlich Stimmung in den Waggons. … Besonders die Teenager, die offenbar besser Englisch sprechen als die Mitarbeiter der Metrogesellschaft, amüsieren sich prächtig, wenn sich die Ansagerin an den Haltestellen 'Railway Station', 'Lion's Bridge' und 'King's Town Road' einen abstottert. … Tausende Bauarbeiter haben also jahrelang geschuftet, haben wunderbare U-Bahn-Haltestellen in die Erde gegraben, die Millionen von Euro gekostet haben, nur damit wir jetzt nicht mal jemanden finden, der ein paar Wörter richtig auf Englisch aussprechen kann?" (26.03.2015)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 26.03.2015

Warum nicht einen Wolkenkratzer im Alpendorf?

381 Meter hoch, 82 Stockwerke, bis zu 25.000 Euro pro Nacht: So sehen die Pläne für ein Luxushotel im 1000-Seelen-Dorf Vals im Kanton Graubünden aus, die Immobilieninvestor Remo Stoffel am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Innovativen Schwung für die Schweizer Alpen verspricht sich die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung von dem Projekt: "Bereits heute liegen die höchsten Bauwerke des Landes im Alpengebiet. Just oberhalb von Vals wächst die Zervreila-Staumauer über 150 Meter gegen den Himmel. Einst wurden ganze Täler für den Strombedarf des Mittellands zerstört. Nun ist das Gegenteil gewünscht: unberührte Natur, Heidiland-Kitsch ... Was in die Berge passt oder nicht, basiert auf Geschmack und kulturellen Strömungen. So einfach lässt sich Remo Stoffels Turm also nicht wegdiskutieren, zumal das Geld für den Bau da sei, wie es heisst. Hätten immer alle auf althergebrachte Auffassungen geachtet, gäbe es in Paris keinen Eiffelturm. Das Alpengebiet braucht Freiheit für notwendige wirtschaftliche Impulse, auch wenn diese nicht allen gefallen." (26.03.2015)

Népszabadság - Ungarn | 24.03.2015

Die Magyaren sind ein vergrämtes Volk

Laut einer europaweiten Studie gehören die Ungarn zu jenen Menschen in Europa, die am unglücklichsten sind. Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság erklärt, wie es zu dem Gram der Menschen kommt: "Unsere Regierung wird jetzt wohl Druck auf jene Ratingagenturen ausüben, die das Glück messen. Schließlich geht es nicht an, dass wir in Sachen Zufriedenheit in der Kategorie Ramsch sind. ... Was an anderen Ländern auffällt: Die Menschen klagen nicht ständig über ihre Befindlichkeiten. Auch herrscht anderswo weniger Aggressivität als bei uns. ... Hinzu kommt, dass Frauen im öffentlichen Leben viel präsenter und die Staatsapparate nicht so korrupt sind (abgesehen von Österreich, doch schreibt dort zumindest die Presse darüber). Es wird auch mehr für Bildung ausgegeben als für repräsentative Gebäude. Und es wird, etwa in Dänemark, nicht ständig darüber gejammert, warum man nicht glücklich genug ist." (24.03.2015)

Standart - Bulgarien | 20.03.2015

Zwangsurlaub am Schwarzen Meer ist Schnapsidee

Bulgariens Tourismusbranche fürchtet eine extrem schwache Sommersaison am Schwarzen Meer. Zum einen werden weniger russische Urlauber erwartet, zum anderen kehren immer mehr Bulgaren dem heimischen Meer den Rücken. Tourismusverbände haben nun vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer umgerechnet 30 Euro von ihrem Monatsgehalt in Form von Hotelgutscheinen erhalten sollen. Die Tageszeitung Standart hält davon gar nichts: "Es kann nicht angehen, dass wir in Reih' und Glied an den Stränden antanzen. Die Kurorte, die nicht komplett zugebaut sind und Qualität zu einem guten Preis bieten, werden auch in diesem Sommer nicht leer bleiben. Arbeitnehmer, die sich keinen Urlaub leisten können, werden sich wohl kaum freuen, dass sie 30 Euro weniger im Monat verdienen, damit sie Urlaub machen können. Diejenigen, die es sich leisten können, gehen wiederum lieber ins Ausland. Die einzigen, die von der Maßnahme profitieren würden, wären die schlechten Hotels, die sonst keine Gäste finden." (20.03.2015)

Fakt - Polen | 19.03.2015

Krawatte steht Johannes Paul II. gut

Die polnische Papst-Gedenkeinrichtung Centrum Myśli Jana Pawła II wirbt seit Montag mit Bildern von Papst Johannes Paul II., auf denen dieser einen Anzug trägt und wie ein Präsidentschaftskandidat wirkt. Die TV-Journalistin Monika Olejnik lobt die Plakate in einem Gastbeitrag für das konservative Boulevardblatt Fakt: "Damit bleibt er doch derselbe Papst, der er auch früher war. Kontrovers wäre dies nur, wenn der Anzug von Dolce & Gabbana wäre. Aber das ist er wohl nicht. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich irgendjemand von dieser Darstellung beleidigt fühlt. Es wirkt so, als ob er auf einem Sockel steht. Aber das ist doch nicht schlecht. Den Autoren ging es wohl darum zu fragen, ob wir im Alltag auch seine Lehren achten. Dann ist mir ein solches Bild allemal lieber, als die unästhetischen Denkmäler, die überall in Polen herumstehen." (19.03.2015)

24 Chasa - Bulgarien | 16.03.2015

An Bulgariens Brotregalen tun sich Abgründe auf

Am Selbstbedienungsstand in einem Supermarkt in Sofia greifen neun von zehn Menschen mit der bloßen Hand nach den frischen Brötchen, beobachtet der Schriftsteller Elin Rahnev und sieht darin eine treffende Metapher für den Zustand der bulgarischen Gesellschaft: "Eine Frau vor mit greift mit ihren bloßen Fingern in das Fach, tastet fünf, sechs Brötchen ab und geht weiter. Sie waren ihr wohl nicht warm genug. ... Schnaufend und hustend beugt sich ein Mann über die Croissants und ich denke nur an die armen Leute nach ihm und an die vielen Krankheiten, die sie sich einfangen können. Ich beobachte die Situation wie versteinert. Von zehn Menschen greift nur ein junges Mädchen zur Zange und ich denke mir: Das ist ein schlimmes Ergebnis. ... Wenn wir uns so verhalten, werden wir ewig auf der Stelle treten und darüber jammern, wie doof es in Bulgarien ist, wie der Staat nichts taugt und so weiter. Doch der Staat sind wir und solange wir mit unseren schmutzigen Fingernägeln im Brötchenkorb wühlen, ohne die geringste Rücksicht auf andere zu nehmen, haben wir nichts vom Staat zu erwarten." (16.03.2015)

The Malta Independent - Malta | 15.03.2015

Malta schmeißt Geld für Heimflüge zur Wahl raus

Der maltesische Staat zahlt seinen im Ausland lebenden Staatsbürgern einen Teil des Heimflugs, damit sie am 11. April am Referendum zum Verbot der Frühlingsjagd teilnehmen können. Das Geld wäre viel besser in die Schaffung eines moderneren Wahlsystems investiert, schimpft die liberal-konservative Tageszeitung The Malta Independent: "Die Entwicklung eines administrativ, finanziell, politisch und organisatorisch weit praktikableren Systems für die Wahl würde nicht nur denen im Ausland nützen. Es würde den in Malta Verbliebenen die Flexibilität bieten, ihre Art der Stimmabgabe wählen zu können. ... Wenn man zusammenrechnet, was es gekostet hat, Menschen in den vergangenen zehn Jahren zu jeder Wahl oder jedem Referendum nach Malta zu fliegen, käme man auf eine beträchtliche Summe. Die wäre wohl groß genug, um einen bedeutenden Beitrag zur Schaffung einer weit flexibleren Wahl-Infrastruktur zu leisten." (15.03.2015)

El País - Spanien | 12.03.2015

Flughafen Castellón bekommt endlich Flugzeuge

Der seit seiner Einweihung 2011 leerstehende Flughafen Castellón soll ab September für einzelne Ryanair-Flüge genutzt werden, wie die Airline am Mittwoch mitteilte. Die linksliberale Tageszeitung El País erinnert an ein weiteres unsinniges Großprojekt der spanischen Region Valencia: "Und so können [der inzwischen inhaftierte Ex-Präsident der Provinz Castellón Carlos] Fabra und [der schließlich freigesprochene Ex-Ministerpräsident der Region Valencia Francisco] Camps endlich sagen, dass sie Recht hatten. Die von Camps angelockten Sonntagsspaziergänger, die vom fehlenden Flugverkehr ablenken sollten, müssen die Pisten nun für startende Ryanair-Flieger räumen. Bleibt es ein Geisterflughafen? Ja, aber jetzt mit Flugzeugen! Nun muss nur noch die für 75.000 Bände geschaffene Bibliothek von Villarreal gefüllt werden, die dem großartigen Flughafenbeispiel folgend [ebenfalls 2011] mit leeren Regalen eingeweiht wurde. Was waren das doch für schöne Zeiten, als man noch nach Herzenslust Geld verprassen und hohle Projekte einweihen konnte!" (12.03.2015)

Ziare - Rumänien | 10.03.2015

Rumänien begeht peinlichen Landkarten-Fauxpas

Rumäniens Außenminister Bogdan Aurescu hat seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier am Montag ein Dokument überreicht, auf dem Deutschland versehentlich in den Umrissen von Frankreich dargestellt ist. Ein fataler Fehler, findet das Nachrichtenportal Ziare: "Das Schlimmste daran ist, dass wir damit lächerlichen Dilettantismus an den Tag legen. ... Welches Gewicht haben wir denn noch international, wenn wir solch grobe Fehler begehen? Hat denn keiner der Mitarbeiter des rumänischen Außenministeriums, die diese Broschüre in der Hand hatten, Frankreich erkannt? … Unsere geographische Lage eröffnet uns derzeit die Chance, neben Polen ein wichtiger Akteur zu sein. Eine Rolle, die man aber nur einnehmen kann, wenn man eine professionelle, visionäre, couragierte und nervenstarke Außenpolitik hat. Sie basiert nicht nur auf einem wertvollen Minister, sondern auf einem funktionierenden Ministerium mit echten Spezialisten, die auch den geographischen Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich erkennen." (10.03.2015)


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