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La Stampa - Italien | 15.04.2014

Pulitzerpreis ist Ohrfeige für Obama und Cameron

Für die Enthüllungen um den NSA-Spähskandal sind die US-Ausgabe des Guardian und die Washington Post am Montag mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Ein Rüffel für das Weiße Haus und die britische Regierung, freut sich die liberale Tageszeitung La Stampa: "Der 'Nobelpreis für Journalismus' für die beiden Zeitungen kann eine bedeutsame Wende in der sogenannten Datagate-Affäre einläuten. Die Verleihung des Pulitzerpreises in der Kategorie 'Dienst an der Öffentlichkeit' droht das Weiße Haus und die britische Regierung aus dem Konzept zu bringen, die sich im Fall Snowden auf die harte Linie eingeschworen haben und Snowden als Kriminellen einstufen, der hinter Gitter gehört. ... So untermauert der Preis auch die Forderungen an die Regierungen von Washington und London, ihre Geheimdienst-Politik grundlegend zu ändern." (15.04.2014)

Le Quotidien - Luxemburg | 11.04.2014

France 2 macht mit Le Pen Quote

Der staatliche französische Fernsehsender France 2 hat Martin Schulz, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, von einem TV-Duell wieder ausgeladen, nachdem sich die Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen geweigert hatte, mit diesem zu diskutieren. Beschämend für den öffentlich-rechtlichen Sender, findet die linksliberale Tageszeitung Le Quotidien: "Es wäre selbstverständlich gefährlich für die Medien, ein Phänomen zu ignorieren, das an Bedeutung gewinnt. Wenn man weiß, dass Marine Le Pen sich um ein neues EP-Mandat bemüht und eine große rechtsextreme Fraktion im Europaparlament gründen will, überrascht es nicht wirklich, dass sie sich weigert, mit Martin Schulz, dem Präsidenten dieses Parlaments, zu debattieren. Überraschend ist hingegen, dass France 2 wie ein kleiner Soldat gehorcht. Mit einem 'guten Kunden' eine hohe Einschaltquote erreichen, ist [dem Sender] wichtiger als das Risiko einzugehen, gute Fragen zu stellen und eine Kandidatin in die Enge zu treiben, die wiedergewählt werden will, zweifellos aber nichts Wesentliches zum europäischen Konstrukt beizutragen hat." (11.04.2014)

lrytas.lt - Litauen | 09.04.2014

Litauens Sendeverbote dienen nur dem Kreml

Die Radio- und Fernsehkommission Litauens hat in den letzten Wochen die Übertragung der russischen Sender RTR Planeta und NTV Mir wegen angeblicher feindlicher Propaganda für einige Monate gestoppt. Dies bringt gar nichts, kritisiert das Portal lrytas.lt: "Heutzutage gibt es nichts dümmeres als etwas zu verbieten - ob pornografische Filme oder Moskauer Propaganda. ... Die Verbote gelten zudem nur für Kabelfernsehbetreiber, den Satellitenfernsehbetreibern sind sie schnurz. Sie übertragen die verbotenen Sender auch weiterhin. Auch wenn die Kommission nicht aufgeben will, so wird sich ihre Arbeit doch als unnütz erweisen. Denn es wird sich 'plötzlich' herausstellen, dass man diese Programme auch problemlos über das Internet verfolgen kann. Und da die verbotene Frucht immer besser schmeckt, wird das Interesse an den russischen Kanälen auch noch steigen. Die Moskauer Propagandisten werden unseren Inspektoren dankbar sein." (09.04.2014)

Milliyet - Türkei | 03.04.2014

Ankara muss Demokratie beweisen

Das türkische Verfassungsgericht hat die von der Regierung verhängte Twitter-Sperre am Mittwoch für illegal erklärt. Die konservative Tageszeitung Milliyet begrüßt den Schritt, sieht nun aber die Regierung in der Pflicht, die riesigen Defizite in den Bereichen Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit der Justiz zu beheben: "Die Regierung hatte den Part des Zensors übernommen, das hohe Gericht nun den Part der freiheitlichen Macht. An dieser Wahrheit lässt sich nicht rütteln. Das Verfassungsgericht könnte in Zukunft die demokratischen Defizite der Türkei wenigstens zum Teil beheben. Aber wenn der politische Wille zu Reformen fehlt, werden diese Bemühungen schwer. Die Liste ist lang. Die Regierung hat zwar die Wahl [die Kommunalwahlen am Sonntag] gewonnen, aber sie muss ihr ramponiertes Image erneuern. Und die gebrochenen Herzen kitten. Im In- wie im Ausland muss sie sich Mühe geben, um zu beweisen, dass sie wirklich demokratisch ist." (03.04.2014)

Lietuvos rytas - Litauen | 01.04.2014

Der russischen Propaganda kreativ standhalten

In Litauen hat Präsidentin Dalia Grybauskaitė am Montag mit der Führung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks LRT beraten, wie man den Einfluss russischer Staatsmedien in dem Land beschränken kann. Beim Kampf gegen die Propaganda ist Kreativität gefragt, findet die liberale Tageszeitung Lietuvos rytas: "Grybauskaitė hat gestern betont, dass sich die Gesellschaft nicht irreführen und der Staat nicht erniedrigen lassen darf. Hierzu muss man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stärken, damit er die Gesellschaft angesichts des russischen Informationskriegs ausreichend informieren kann. … Doch reichen Informationssendungen allein als Waffen gegen die Propaganda aus? ... Moskau hat schon längst erkannt, dass Humor und Spannung im Informationskrieg ebenfalls sehr wichtige Waffen sind. ... Es ist jetzt entscheidend, wie unsere Antwort auf die Arbeit der Virtuosen der Moskauer Propagandaabteilung sein wird: langweilig oder kreativ?" (01.04.2014)

Blog Entre medios - Spanien | 28.03.2014

Boni für Klickzahlen fatal für Journalismus

In den USA beginnen einige Medien damit, ihren freien Mitarbeitern neben einem Grundhonorar einen Bonus zu bezahlen, der abhängig ist von den Klickzahlen ihrer Artikel, berichtet José San Clemente auf seinem Blog Entre Medios und warnt vor den Gefahren dieser Entwicklung: "Die Journalisten könnten dem Reiz verfallen, nur noch populäre und kommerziell besonders erfolgreiche Themen zu behandeln. Und dabei könnten relevante Geschichten unter den Tisch fallen, für die eine aufwändige Recherche nötig ist, die aber eben nicht das breite Publikum ansprechen. Tausende Fallen warten bei der Auswahl von Titeln, Fotos, Videos. Solche, die sofort ins Auge fallen und viele Leser anziehen, aber dabei vielleicht die Wahrheit verzerren, könnten in Zukunft die Seiten vieler Zeitungen füllen." (28.03.2014)

Le Vif/L'Express - Belgien | 25.03.2014

Arte hantiert leichtfertig mit Faschismus-Begriff

Der deutsch-französische Fernsehkanal Arte sendet am 8. April eine Reportage über populistische Bewegungen in Europa. In einer Infografik zu dem Beitrag wird die flämisch-nationalistische N-VA als genauso gefährlich eingestuft wie die griechische Neonazi-Partei Chrysi Avgi. Diese Verzerrung der politischen Realität ist kontraproduktiv, empört sich das Wochenmagazin Le Vif/L'Express: "[N-VA-Chef] Bart De Wever in die Riege der politischen Schurken einzureihen und ihn gleichzusetzen mit Orbán und Nikolaos Michaloliakos, dem 'Führer' von Chrysi Avgi (der Begriff stammt nicht von uns, sondern von seinen Anhängern), ist unüberlegt und sogar gefährlich, denn dieses Klassement verfälscht die Realität. … Dass die Grafik nicht von einer linksextremistischen Splittergruppe stammt, sondern von einem so geschätzten Fernsehsender wie Arte, der zudem durch europäische Gelder finanziert wird, gibt Anlass zum Nachdenken. All diejenigen, die die Gefahr durch die Faschisten leugnen, begehen einen großen Fehler, denn sie riskieren, dass sich die Geschichte wiederholt. Doch wer überall Faschisten sieht, weicht den Begriff auf. Und das führt ebenfalls dazu, dass die schwarzen Seiten unserer Geschichte fortgeschrieben werden." (25.03.2014)

The Guardian - Großbritannien | 25.03.2014

Trauernde haben Recht auf Privatsphäre

Die Bilder von Angehörigen, die gerade erfahren hatten, dass wohl kein Passagier des lange vermissten Fluges MH370 überlebt hat, sind am Montag um die Welt gegangen. Die chinesischen Behörden hätten die Trauernden im Pekinger Lido Hotel abschirmen sollen, kritisiert Kolumnistin Joanna Moorhead in der linksliberalen Tageszeitung The Guardian: "Als die 10-Uhr-Nachrichten all das in mein Wohnzimmer sendeten, ging mir nur ein Gedanke durch den Kopf: Wir sollten das nicht sehen. Kein Reporter, keine Kamera, keine neugierigen Blicke, keine Öffentlichkeit hätte Zutritt zu dem Raum erhalten sollen, durch den die trauernden Angehörigen gehen mussten, die gerade erfahren hatten, dass das malaysische Flugzeug definitiv verloren ist und es keine Überlebenden gibt. ... Niemand von uns würde sich wünschen, dass irgendjemand Derartiges durchleben muss. Und jene, die damit konfrontiert sind, sollten solche Momente schlicht ertragen, überleben und verarbeiten können - und zwar alleine." (25.03.2014)

Público - Spanien | 24.03.2014

Suárez' Tod verdrängt Protest aus den Medien

Spaniens erster demokratisch gewählter Premier, Adolfo Suárez, ist am Sonntag mit 81 Jahren gestorben. Die linke Online-Zeitung Público ärgert sich darüber, dass die Presse in ihrem Hype um die letzten Stunden des seit Jahren Erkrankten vergaß, über einen Massenprotest gegen die Sparpolitik zu berichten, für den Demonstranten aus dem ganzen Land zu Fuß in die Hauptstadt kamen: "Statt über den größten Protestzug zu berichten, den die Hauptstadt seit langem gesehen hat, belagerte die komplette Presse an diesem Wochenende das Krankenhaus, um Adolfo Suárez wie bei einer Wikinger-Beerdigung in den Tod zu begleiten. Den Journalisten ist es gelungen, wirklich jeden zu interviewen, selbst den Notdienst schiebenden Gynäkologen. Im Einklang mit der Alzheimer-Erkrankung des ersten demokratischen Premiers hat der spanische Journalismus seit langer Zeit seinen Stolz, seinen Sinn und seine Berufung vergessen." (24.03.2014)


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