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MEDIEN

Deutsche Welle - Rumänien | 25.03.2015

Journalisten oft schlimmer als Online-Söldner

Die von der rumänischen liberal-konservativen Partei PMP angeheuerten Internet-Kommentatoren sind mit Bestechungsgeldern bezahlt worden, die an die frühere Ministerin Elena Udrea geflossen sind. Das haben die Korruptionsermittlungen gegen die Vertraute des ehemaligen Präsidenten Traian Băsescu ergeben. Doch diese Online-Söldner sind nicht schlimmer, als unehrliche Journalisten, schimpft der rumänische Dienst der Deutschen Welle: "Der Auftrag der bezahlten Kommentatoren bestand darin, die Illusion einer erdrückenden Mehrheit zu erwecken. Sie argumentierten dabei nicht, sondern drückten gespielte Gefühle aus. Allzu oft geht aber die Presse selbst genau so vor. ... Es gibt viele Beispiele von Situationen, in denen Medien gezielt Tatsachen mystifiziert haben. ... Auch in verbaler Gewalt und im Predigerton stehen sie in nichts nach. Es wäre also wenig verwunderlich, dass die heute an den Pranger gestellten Kommentatoren sich im Vergleich zu den Weißkragen, die im großen Stil und bewusst irreführen, eher wie Kleinkriminelle empfinden." (25.03.2015)

Gândul - Rumänien | 24.03.2015

Das Unwesen bestellter Kommentare in Rumänien

Rumänische Parteien haben über Jahre hinweg Leute dafür bezahlt, dass diese Webseiten mit Kommentaren überschwemmen. Das hat die ehemalige Ministerin Elena Udrea von der liberal-konservativen PMP im Zuge von Korruptionsermittlungen gegen sie zugegeben. Die Online-Zeitung Gândul ist über dieses Geständnis nicht überrascht: "Das erklärt einmal mehr, wie im Internet das Image einiger Personen aufgebaut wird. Es herrscht eine Art Steinzeit des politischen Lobbyismus, in der dir intellektuelle Rowdys eins über die Rübe ziehen, sobald du ihre Herrscher kritisierst. Eine Zeit, in der sie gegenseitig auf den politischen Gegner eindreschen. Diese Unsichtbaren sind entweder Studenten, die sich etwas dazu verdienen wollen, junge 'Politiker in Ausbildung' oder verarmte Beamte und Rentner, die für Geld alles tun würden. Alle Parteien haben solche zuverlässigen Schreiberlinge angeleitet und aufgebaut, damit diese ihnen und ihren Parteichefs wie eine schnelle Eingreiftruppe zu Hilfe eilen können." (24.03.2015)

Handelsblatt - Deutschland | 23.03.2015

User-Kommentare gehören abgeschafft

Die Meinungen zum Ukraine-Konflikt in repräsentativen Umfragen in Deutschland und den User-Kommentaren bei Onlinemedien klaffen weit auseinander. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Demnach äußern Online-Kommentatoren mehr Verständnis für Russland. Die Medien sollten ihre Kommentarfunktionen gleich ganz abschalten, fordert das wirtschaftsliberale Handelsblatt. Denn die Meinungsdifferenz "bestätigt die in Fachkreisen bereits länger geäußerte Vermutung, dass Online-Diskurse von Menschen mit großer gefühlter Betroffenheit, hohem Sendungsbewusstsein und viel Zeit deutlich intensiver genutzt werden. Im Falle Russlands könnte noch eine weitere Komponente hinzukommen: 'information operations'. Die russischen Militärs sind dafür berüchtigt, Propaganda immer noch hochzuschätzen und intensiv zu betreiben. ... Was wir in Online-Kommentarfunktionen sehen, ist also kein herrschaftsfreier und demokratischer Diskurs. ... Wenn vorrangig Radikale, Irre und fremde Mächte dort Artikel auf ihre Wahrnehmung anpassen, lässt sich darauf getrost verzichten." (23.03.2015)

Tages-Anzeiger - Schweiz | 20.03.2015

Mittelfinger ist Symbol der Überforderung

Seit Sonntag diskutiert die deutsche Öffentlichkeit über ein Video, in dem der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Mittelfinger angeblich in Richtung Deutschland streckt. Der Tages-Anzeiger sieht darin veritable Fehlentwicklungen der Medienöffentlichkeit: "Wenn ein Moderator wie Günther Jauch auf einem öffentlich-rechtlichen Sender eine hochkomplexe Debatte auf einen Mittelfinger reduziert, ist das ein tragischer Beweis, wie weit die De­ge­ne­ra­ti­on der Medienöffentlichkeit schon fortgeschritten ist. Jauch ist ein Symbol für unsere Überforderung. Die Krise in Griechenland ist vielschichtig und unübersichtlich. Es geht um Schuld, um Abhängigkeiten, um alte Verflechtungen, um Schicksale, um ein Land am Abgrund. Doch statt sich ernsthaft mit den Ursachen dieser Krise und mit möglichen Lösungen zu beschäftigen, zielen auch Qualitätsjournalisten in diesen Tagen auf den einfachsten Reflex: die Empörung." (20.03.2015)

Jyllands-Posten - Dänemark | 20.03.2015

Ritterschlag für Mohammed-Karikaturen

Der Journalist Flemming Rose erhält den diesjährigen Publicistpris. Er hatte 2005 als Kulturchef von Jyllands-Posten die Mohammed-Karikaturen in Auftrag gegeben. Die liberal-konservative Tagezeitung hält die Vergabe der höchsten dänischen Auszeichnung für Pressefreiheit an ihren heutigen Auslandschef für absolut gerechtfertigt: "Der Preis ist ein verdienter Ritterschlag für Flemming Rose und seinen andauernden journalistischen Einsatz für den Schutz der Meinungsfreiheit. ... Edelstes Ziel der Presse- und Meinungsfreiheit ist es, Machthaber, Autoritäten und gesellschaftliche Tabus herauszufordern. ... Voraussetzung von Freiheit ist Toleranz, das Akzeptieren, dass es in einer Demokratie keine Garantie dafür gibt, dass man selbst oder das, was einem lieb und teuer ist, nicht gekränkt werden kann. Dass der Kampf für diese Haltung ernsthafte Konsequenzen hat - dass weiß unsere Zeitung und vor allem Flemming Rose." (20.03.2015)

Blog Pitsirikos - Griechenland | 19.03.2015

Deutsche Medien durch Stinkefinger blamiert

Der für die deutsche Fernsehsendung Günther Jauch zuständige Chefredakteur hat am Donnerstag via Twitter eingestanden, dass das Stinkefinger-Video mit Griechenlands Finanzminister Varoufakis aus dem Kontext gerissen wurde. Blogger Pitsirikos kritisiert die Debatte über das Video: "Die Haltung vieler deutscher und griechischer Medien gegenüber Varoufakis beweist, dass viele Massenmedien nichts mit der Information und der Wahrheit zu tun haben, sondern als Vertreter von Regierungen handeln. … Jan Böhmermanns geniale Behauptung, er habe das Video gefälscht, hat die Mainstreammedien in Deutschland noch mehr blamiert, denn alle haben es geglaubt. Der Moderator einer Satiresendung verspottet sowohl die deutschen Journalisten als auch seine Landsleute mit den Worten: 'So sind wir Deutschen halt. In einem Jahrhundert zwei Mal Europa verwüstet, aber wenn man uns den Stinkefinger zeigt, dann flippen wir aus.'" (19.03.2015)

Der Standard - Österreich | 16.03.2015

Erdoğans heuchlerischer Feldzug gegen Twitter

In der vergangenen Woche sind in der Türkei drei Menschen festgenommen worden, weil sie Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan in Twitternachrichten beleidigt haben sollen. In kaum einem Land der Welt führt der Staat mehr Prozesse gegen die Nutzer des sozialen Netzwerks, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Der Standard und sieht eine heuchlerische Kampagne dahinter: "Erdogan hat selbst mit wünschenswerter Klarheit das Ziel dieser Polizeistaatspraktiken offengelegt: Es geht um die 'Ausrottung' von Twitter und allen anderen sozialen Netzwerken im Internet. Denn was die türkische Regierung nicht kontrolliert, ist schädlich. Die Heuchelei ist beachtlich. Rufmordkampagnen gegen Journalisten und Diffamierungen von Bürgern, die sich kritisch äußern, sind das tägliche Brot twitternder AKP-Funktionäre und ihrer Trolle. Die Terrorarmee 'Islamischer Staat' (IS) muss sich dagegen in der sonst so sensiblen Türkei keine Sorgen um ihre Internetpropaganda machen." (16.03.2015)

Dagens Nyheter - Schweden | 10.03.2015

Rassistische Satire im Schwedischen Rundfunk

Das Satireprogramm des Schwedischen Rundfunks hat die neue Leiterin des Politik-Ressorts der Tageszeitung Göteborgs-Posten, Alice Teodorescu, wegen ihrer konservativen Ansichten verhöhnt und als "Hausneger" bezeichnet. Satire hat Grenzen, meint die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter: "Wie so oft provozieren nicht vorrangig die konservativen Ansichten. Aufsehen erregt eher die Tatsache, dass Teodorescu die konservativen Ansichten ausspricht und dass sie Zuwanderin und gleichzeitig rechts ist. ... Konservativ gesonnene Zuwanderer widersprechen häufig dem Bild, das man ihnen ob ihrer Hautfarbe oder ihres Namens automatisch zuschreibt: Dass sie eher mit linken Haltungen sympathisieren. ... Sind derartige Schimpfworte bei den sich antirassistisch nennenden Linken mittlerweile akzeptabel? ... Gewiss kann sich Satire über jeden lustig machen. Aber nicht alles, was unter die Meinungsfreiheit fällt, muss automatisch witzig sein. Rassismus ist selten witzig." (10.03.2015)

Lidové noviny - Tschechien | 09.03.2015

Prags "Lügen-Fernsehen" verteidigt Liberalismus

Anhänger von Tschechiens Präsident Miloš Zeman haben am Samstag in Prag gegen die ihrer Meinung nach "verlogene Berichterstattung" des öffentlich-rechtlichen Senders Česká televize (ČT) demonstriert und die Abschaffung der Gebührenfinanzierung verlangt. Die konservative Lidové noviny warnt vor solchen Attacken: "Die 'Lüge' besteht für diese Leute darin, dass ČT ihren Präsidenten zu wenig lobt. Der Sender kritisiere Russland zu viel, rede zu positiv über Ex-Präsident Havel. Einige Redakteure hätten die USA ins Herz geschlossen, sprächen Englisch oder am Ende gar Deutsch. Ein solches Fernsehen sei gegen das 'Volk' gerichtet, das gemeinsam mit dem Volks-Präsidenten dagegen aufstehen müsse. ... Das alles zeigt, dass ČT alles andere als schlecht arbeitet. Es ist nämlich immer noch das Fernsehen einer liberalen Gesellschaft, das noch nicht all die Wertorientierungen verloren hat, für die es sich 1989 entschieden hatte. Deshalb sollte es vom anderen Teil des Volks - dem Nicht-Zeman-Teil - unterstützt werden." (09.03.2015)

Ziare - Rumänien | 04.03.2015

Erpressungs-Journalismus in Rumänien alltäglich

Dan Diaconescu, rumänischer Ex-Politiker und einst schillernder Medienunternehmer, ist am Mittwoch zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte einem Lokalpolitiker und einem Geschäftsmann mit der Veröffentlichung kompromittierender Berichte über sie gedroht, sollten sie kein Schweigegeld zahlen. Der Fall ist symptomatisch für den Journalismus in Rumänien, bedauert Journalistin Ioana Ene Dogioiu auf dem Onlineportal Ziare: "Das Phänomen Erpressung ist weiter verbreitet als wir es wahrhaben wollen. Es ist Teil des stetigen und dramatischen Niedergangs der rumänischen Presselandschaft. Das Urteil gegen Dan Diaconescu ist auch ein Urteil gegen ein völlig falsches Verständnis von Journalismus: Journalismus wurde zu einem Erpressungsinstrument, um sich politisch oder wirtschaftlich durchzusetzen. … Nun aber sollte dieses Urteil der Beginn einer Genesung der rumänischen Presse sein, die bislang nicht viel besser ist als die politische Klasse, über die sie doch anständig und ehrlich berichten sollte - im Interesse der Öffentlichkeit." (04.03.2015)


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