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Lidové noviny - Tschechien | 22.04.2015

Tschechische Flüchtlings-Kommentare zum Kotzen

Auf tschechischen Internetseiten häufen sich peinliche Kommentare zu den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer, bemerkt die Feuilleton-Redakteurin Jana Machalicka in der konservativen Tageszeitung Lidové noviny: "Liest man die Debatten unter den Artikeln großer Zeitungen und Onlineportale, dann sind wir ein Volk ekelhafter und primitiver Rassisten und Fremdenfeinde. Was sich in diesem medialen Raum straflos abspielt, dreht einem den Magen um. Die große Mehrheit ist sich über die Toten im Mittelmeer einig: Wenigstens sind sie auf diese Art nicht bis zu uns gekommen. Keiner fragt, weshalb wir uns nicht schämen, wenn der Tod dieser verzweifelten Menschen begrüßt wird. Wie hätte es diesen Dummköpfen wohl gefallen, wenn man ihnen vor 1989 vorgeworfen hätte, sie wollten nur am Reichtum des Westens partizipieren und vor allem stehlen? ... Ein Teil dieser beschämenden Aussagen erfüllt gleich mehrere Straftatbestände. Es graust mir, solche Mitbürger zu haben." (22.04.2015)

Tvnet - Lettland | 17.04.2015

So wird Lettlands Russen-TV ein Flop

Lettland will einen eigenen TV-Kanal für die russischsprachige Bevölkerung gründen. Doch das derzeitige Konzept ist falsch, kritisiert Galina Timtschenko. Die geschasste Ex-Chefredakteurin von Lenta.ru, die im lettischen Exil die neue Nachrichtenplattform Meduza.io gegründet hat, schreibt auf dem Onlineportal Tvnet: "Momentan sieht es so aus, als soll sich der neue TV-Sender nur mit sozialen und politischen Angelegenheiten beschäftigen. Das Publikum will aber nicht jeden Tag nur etwas über Politik hören. Es ist bereit, zwischen guten Shows auch etwas über Politik zu hören. Ein öffentlicher russischsprachiger Fernsehkanal in den baltischen Ländern ist zum Fenster rausgeschmissenes Geld und wird keinerlei Wirkung haben. Kremlkritische TV-Profis aus Russland, die arbeitslos geworden sind, sollten für solche Kanäle Lokaljournalismus machen. Wenn sich die Programme dann noch von der Unterhaltung aus Russland unterscheiden, könnten sie ihre Wirkung entfalten." (17.04.2015)

Lietuvos rytas - Litauen | 16.04.2015

Sendersperre hilft nicht gegen Kremlpropaganda

Für den russischsprachigen Sender RTR Planeta hat am Montag in Litauen eine dreimonatige Sendesperre begonnen. Die liberale Tageszeitung Lietuvos rytas findet diesen Weg ineffizient, um das Land von russischer Propaganda abzuschirmen: "Diese Verbote sollen als eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die 'hybride Aggression' Russlands dienen, wie auch gegen den Informationskrieg, der möglicherweise auf die labilsten Schichten der Gesellschaft, insbesondere die Minderheiten, zielt. ... Tatsächlich bewerten viele Polen und Russen in Litauen (und laut Umfragen auch viele Litauer) die Situation in der Ukraine, den Westen, den litauischen Staat und dessen Position so ähnlich wie die Propagandisten des Kremls. ... Woran liegt das? Liegt es nicht daran, dass diese Gesellschaftsschichten wirtschaftlich und sozial am schwächsten sind? ... Die Beendigung dieser Ausgrenzung wäre das wirksamste Mittel, um das Land gegen die informationelle oder ideologische Bedrohungen von außen zu stärken." (16.04.2015)

Delo - Slowenien | 16.04.2015

Investigativ-Journalismus muss geschützt werden

Aus Mangel an Beweisen hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch die Anklageschrift gegen die slowenische Enthüllungsjournalistin Anuška Delić zurückgezogen. Delić hatte 2011 für die linksliberale Tageszeitung Delo von angeblichen Verbindungen zwischen einer Neonazi-Gruppe und Mitgliedern der Partei SDS von Ex-Premier Janez Janša berichtet. Sie soll dabei Geheimdienstinformationen veröffentlicht haben. Delo betont die Unschuld ihrer Journalistin: "Die Staatsanwaltschaft hätte zumindest eine Errungenschaft der Zivilisation des modernen Europa vor Augen haben müssen. In demokratischen Ländern werden Journalisten wegen der Enthüllung vertraulicher und für die Öffentlichkeit wichtiger Informationen nicht verfolgt. Niemals. … Nachdem die Angelegenheit erledigt ist, können wir, die wir Einsicht in die Arbeit der Journalistin hatten, nochmals versichern, dass die veröffentlichten Artikel nicht mit Hilfe vertraulicher Dokumente des slowenischen Geheimdiensts entstanden sind. Sie sind das Ergebnis investigativer Arbeit." (16.04.2015)

Delfi - Litauen | 13.04.2015

Russische Propaganda ist keine Nachricht

Die litauische Kommission für Rundfunk und Fernsehen hat vergangene Woche beschlossen, die Übertragungen des russischsprachigen Senders RTR Planeta für drei Monate zu stoppen, weil dieser zu Unruhen und Hass angestiftet haben soll. Die Sperre tritt am heutigen Montag in Kraft. Das Portal Delfi unterstützt die Maßnahme: "Gefälschte Berichte über die Gewalt der Ukrainer gegen die friedlichen Donezk-Bewohner würden einem Menschen, dessen Gehirn mit der russischen Propaganda noch nicht vergiftet ist, unverständlich oder einfach lächerlich vorkommen. ... Die Behauptung, dass die Bürger eines freien Landes denken und selbst die Lügen von der Wahrheit trennen können, trifft nur in einer Medienöffentlichkeit zu, in der unabhängige Journalisten unterschiedliche Meinungen und Versionen von Ereignissen veröffentlichen sowie untereinander konkurrieren können. Die aggressive Propaganda des Nachbarlandes ist keine Nachricht." (13.04.2015)

Diena - Lettland | 07.04.2015

Loyale Russen für neues TV-Programm gesucht

Nachdem der Nationale Rat für elektronische Medien den neuen russischsprachigen TV-Sender für Lettland abgesegnet hat, fragt die liberale Tageszeitung Diena, wer nun das Programm machen soll: "Die Gründer des russischsprachigen Programms gehen höchstwahrscheinlich davon aus, dass in Lettland irgendwo Dutzende Journalisten leben, die gute Russischkenntnisse haben und die imperiale Außenpolitik Russlands nicht unterstützen. Wenn wir solche 'guten Russen' noch nicht haben, dann werden wir sie großziehen. Aber wie sollten die guten Russen aussehen? Reicht es, dass sie die Amtssprache gut beherrschen und die Besatzung von 1940 anerkennen? Und wenn sie den 9. Mai als Siegestag betrachten? Wenn sie gegen die Annexion der Krim, gleichzeitig aber skeptisch gegenüber den westlichen Sanktionen gegenüber Russland sind? Passt das dann oder passt es nicht? ... Am Ende steht das neue TV-Programm im Kreuzfeuer der politischen Diskussion." (07.04.2015)

Eesti Päevaleht - Estland | 07.04.2015

Spitznamen zeigen, wie Finnen über Esten denken

Nach Protesten hat die finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat am Wochenende eine Online-Abstimmung abgebrochen, mit der sie nach dem besten Spitznamen für Esten gesucht hatte. Doch die Aktion war eigentlich ganz interessant, meint die liberale Tageszeitung Eesti Päevaleht: "War die Aktion von Helsingin Sanomat, die mit der Veröffentlichung des besten Spitznamens im Mai enden sollte, so viel Aufmerksamkeit und Empörung wert? Die Zeitung hat die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. ... Es ist eine Sache, darüber zu berichten, welche Spitznamen gebraucht werden. Eine ganz andere aber, selbst zur Stereotypenbildung aktiv beizutragen. ... Gut, dass die Zeitung die Befragung beendet und sich entschuldigt hat. Gleichzeitig wäre es schade, wenn Folkloristen sich davon abschrecken lassen würden. Die gesammelten Spitznamen sind eigentlich interessante Informationen, die zeigen, wie die Finnen über uns denken." (07.04.2015)

Latvijas Sabiedriskie mediji - Lettland | 31.03.2015

Neuer Sender keine Wunderwaffe gegen Kreml-TV

Der Nationale Rat für elektronische Medien hat grünes Licht für ein russischsprachiges TV-Programm in Lettland gegeben, um eine Alternative zu den kremlgesteuerten russischen Medien anzubieten. Medienexpertin Anda Rožkalne kritisiert auf dem Internetportal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks LSM die Pläne für den neuen Sender: "Der neue russische Kanal wird lange um seine Zielgruppe kämpfen müssen, denn es ist unmöglich, die russischsprachige Bevölkerung so schnell für das neue TV-Programm zu begeistern. ... Es ist doch albern, den neuen TV-Kanal als magisches Leuchtschwert zu betrachten, das nur einmal geschwungen werden muss, um augenblicklich alle russischsprachigen Einwohner Lettlands zu leidenschaftlichen Fans des neuen Programms machen wird. ... Es ist unverantwortlich, so ein Projekt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für eine kurzfristige Kampagne zu missbrauchen. Es wird verlangt, eine schnelle Lösung für ein Problem zu finden, das jahrelang vernachlässigt wurde." (31.03.2015)

Delfi - Litauen | 31.03.2015

Russen verschweigen ihre historischen Verbrechen

Über zwei jüngst erschienene russische Propaganda-Filme mit den Titeln "Ich bin ein russischer Besatzer" und "Ich bin müde, mich ständig zu entschuldigen" empört sich der britische Journalist Edward Lucas auf dem Onlineportal Delfi : "Der erste Film zeigt die Vorteile der sowjetischen Verwaltung in den baltischen Ländern, der Ukraine und Mittelasien (hauptsächlich wird dabei über die Industrie gesprochen). ... Der Andere erinnert an militärische und kulturelle Errungenschaften Russlands und richtet die Aufmerksamkeit auf die Verbrechen der Kolonialmächte Europas. ... Was in den Filmen ausgelassen wird, erschüttert jedoch mehr, als ihr Inhalt. Die Propagandisten Putins verschweigen, dass die Russen auch Pioniere im Kampf gegen die Freiheit und menschliche Würde waren. ... Das heutige Russland ignoriert historische Fakten und ärgert sich, wenn jemand es wagt, an diese zu erinnern. Dies gibt den Opfern [der Sowjetherrschaft] einen guten Grund, sich aufzuregen. Es kann sein, dass Moskau genau darauf zielt." (31.03.2015)

Webcafé - Bulgarien | 28.03.2015

Gefährlicher Informationsrausch nach Absturz

Die ungefilterte Informationsflut über den Piloten des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs Andreas Lubitz zeigt, wie fahrlässig im Internet-Zeitalter mit Privatsphäre umgegangen wird, meint das Onlineportal Webcafé: "Wir leben in einer Zeit, in der wir alle potentiell Schuldige sind. Informationen sind so leicht zugänglich, dass sich niemand mehr die Zeit nimmt, sich mit rationalen Argumenten auseinanderzusetzen, die nichts Skandalöses an sich haben. Mit einem Klick haben wir das Facebook-Profil von Lubitz' Bruder gefunden, der es wiederum mit nur einem Klick gelöscht hat. Dann haben wir Lubitz' Pilotenlizenz gefunden und einen virtuellen Spaziergang vor dem Haus seiner Eltern gemacht. Das Internet hat uns nackt gemacht und uns den Wölfen zum Fraß vorgeworfen. Und es gibt kein Zurück mehr. ... Es stellt sich die Frage: Wie sollen wir mit ungeprüften Informationen umgehen? Sollen wir die Namen der Opfer und Täter von Unglücksfällen und Attentaten veröffentlichen oder nicht?" (28.03.2015)


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