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La Montagne - Frankreich | 03.07.2015

Frankreichs TV entfernt sich vom Geist der 68er

Die französische Kultsendung Les Guignols de l'Info (Die Nachrichtenkasper) des Bezahlsenders Canal Plus, in der Politiker durch Puppentheater veräppelt werden, könnte Presseberichten zufolge bald abgesetzt werden. Damit würde ein Symbol der Freiheit verloren gehen, bedauert die Regionalzeitung La Montagne: "Nicht nur, weil sie ein Symbol der Unverschämtheit und einer Satiretradition ist, die von den Kabarettsängern des 19. Jahrhunderts stammt. Sondern auch, weil sie für die Liberalisierung der audiovisuellen Medien unseres Landes in den 1980er Jahren steht. … In der witzigen politischen Satiresendung haben die Kasper viele Aspekte des aktuellen Geschehens entschlüsselt und Frankreichs Politiker sogar volksnäher gemacht. Canal Plus ging in einer befreiten Gesellschaft auf Sendung, zehn Jahre nach der 68er Bewegung. Heute zieht sich die französische Gesellschaft auf ihre Moral, ihre Vorurteile und Ängste zurück. Da ist es nicht erstaunlich, dass sich Canal Plus, der sich einst alle Freiheiten herausnahm, wie ein verängstigtes Tier zusammenkrümmt." (03.07.2015)

Adevărul - Rumänien | 03.07.2015

Boulevard diffamiert Rumäniens Politikerinnen

Das Bukarester Boulevardblatt Ciao unterstellt Alina Gorghiu, Ko-Präsidentin der stärksten liberalen Oppositionskraft in Rumänien, aus Karrieregründen abgetrieben zu haben. Die Angriffe auf die Privatsphäre einer Frau werden immer unverschämter, empört sich die Tageszeitung Adevărul: "Genderstereotypen, frauenfeindliche Attacken und schmutzige Verleumdungen rumänischer Politikerinnen sind nicht neu. Neu ist aber die Art, wie Journalisten von der Kanzel moralischer Deutungshoheit urteilen, dass Gorghiu sich nur zur Abtreibung entschlossen hat, um noch einige Stufen der auch sonst so rostigen Leiter einer Politkarriere in Rumänien aufzusteigen. Naiv hatten wir angenommen, dass zusammen mit dem Abtreibungsverbot auch dieses unverschämte Herumstöbern in den Entscheidungen einer Frau über die eigene Gebärmutter verschwunden wäre. ... Diese Geschwätzschreiber zeigen uns aber, dass sie ins Intimleben einer Politikerin eindringen können, ohne etwas befürchten zu müssen." (03.07.2015)

Newsweek Polska - Polen | 01.07.2015

Demokratie muss Ultrakonservative aushalten

Polnische TV-Zuschauer haben auf Facebook eine Seite eingerichtet, auf der sie die Fernsehsender auffordern, den Journalisten Tomasz Terlikowski sowie den Geistlichen Dariusz Oko wegen ihrer ultrakonservativen Meinungen nicht mehr in Talkshows einzuladen. Dem Meinungspluralismus entspricht diese Aktion nicht, gibt das liberale Nachrichtenmagazin Newsweek Polska zu bedenken: "Grundsätzlich stimmt es, dass die beiden mehrfach - und das auch noch auf eine ordinäre Weise - Schwule und Lesben und auch die Befürworter der künstlichen Befruchtung beleidigt haben. ... Doch muss man sie deswegen gleich boykottieren? Wir haben doch alle eine Fernbedienung. Wir können das Programm wechseln und uns ein Fußballspiel oder einen Spielfilm, einen News- oder einen Lifestyle-Kanal anschauen. ... Wir leben nun mal in einer Demokratie und müssen mit anderen Meinungen klarkommen. ... Wir müssen lernen, damit zu leben." (01.07.2015)

Eesti Päevaleht - Estland | 30.06.2015

Delfi-Urteil schadet modernem Journalismus

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Mitte Juni im Fall Delfi gegen Estland sind die Betreiber von Internetseiten für beleidigende Kommentare der Nutzer verantwortlich. Dass damit die Debatte vom Tisch ist, bezweifelt in der liberalen Tageszeitung Eesti Päevaleht Anwältin Karmen Turk, die Delfi vertrat: "Die Onlinemedien in den 47 Mitgliedsstaaten des Europäischen Rats haben nun drei Optionen: Sie können mit den Kommentarplattformen weitermachen wie bisher, sie können etwas an ihnen verändern oder sie können das 'Gespräch mit dem Leser' beenden. Der ehemalige Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger sieht einen offenen Journalismus als den einzigen Überlebensweg der digitalen Medien. In dieser neuen Form des Journalismus findet ein Gespräch Leser-Journalist-Leser statt. ... Das Gericht wird hoffentlich bald die Möglichkeit bekommen, in einem ähnlichen Fall zu entscheiden und sein Urteil zu korrigieren. Denn das jetzige wirft mehr Fragen auf als es Antworten gibt." (30.06.2015)

Latvijas Avīze - Lettland | 29.06.2015

Lettlands Medienrat zu russlandfreundlich

Zwei Regierungs- und zwei Oppositionsparteien fordern die Auflösung des Lettischen Medienrates. Sie werfen dem Gremium zu viel Milde gegenüber russischer Propaganda vor. Auch die nationalkonservative Tageszeitung Latvijas Avize will eine strengere Kontrollbehörde sehen, denn der lettische Staat ist ihr viel zu russlandfreundlich: "Einige Versuche gegen die russische Propaganda gab es im vergangenen Jahr, als der Medienrat die Ausstrahlung von mehreren russischen TV-Kanälen verboten hat. Jetzt ist es viel bequemer, von einem neuen russischsprachigen TV-Kanal zu träumen, in den man Millionen investieren könnte und zu warten, wie das neue Produkt beim Russen ankommt. An die politische und ideologische Seite wird diesmal nicht gedacht: Warum hält der Staat weiter an der Idee fest, Russisch als zweite Amtssprache einzuführen, obwohl die Letten dies bei einem Referendum abgelehnt haben? ... Das könnte der weiteren Russifizierung helfen. Deshalb ist der Wunsch nach einer strengeren Medienkontrollbehörde berechtigt." (29.06.2015)

Lietuvos rytas - Litauen | 23.06.2015

Trolle entspannen sich mit Hasskommentaren

Nach dem Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs der vergangenen Woche, wonach Onlineportale für anonyme User-Kommentare verantwortlich sind, erklärt der Journalist und Schriftsteller Aidas Puklevičius in der liberalen Tageszeitung Lietuvos rytas die psychologischen Folgen des Urteils: "Ich habe immer versucht, in jeglichen anonymen Kommentaren eine wichtige Therapiefunktion zu erkennen. Das Internet hat allen einfältigen Schreiberlingen die Illusion gegeben, dass ihre Gedanken für jemanden interessant sind. Beim Aufschreiben von ein paar Hasstiraden im Internet können sie sich entspannen. ... Sie fallen in den Schlaf eines Gerechten, und nach dem Aufwachen können sie zumindest ein paar Stunden etwas Nützliches für die Gesellschaft tun. Was werden diese armen Menschlein jetzt machen, nachdem ihnen die Möglichkeit genommen wurde, virtuell Dampf abzulassen? Ich weiß es nicht." (23.06.2015)

Evrensel - Türkei | 19.06.2015

Medien-Schikane ist Türken völlig egal

Die türkische Polizei hat am Dienstag vier Journalisten am türkisch-syrischen Grenzübergang Akçakale vorübergehend festgenommen. Diese hatten zuvor dem Gouverneur der Provinz Şanlıurfa kritische Fragen zu den IS-Terrormilizen auf der anderen Seite der Grenze gestellt. Man braucht sich angesichts der Haltung der Bevölkerung nicht wundern, dass in der Türkei staatliche Übergriffe auf die Presse an der Tagesordnung sind, meint die linke Tageszeitung Evrensel: "Das Volk hat das Interesse an den Nachrichten verloren. ... Wenn die in diesem Land lebenden Menschen für demokratische Rechte und die Informationsfreiheit kämpfen, dann wird sich der Staat dem anpassen. Doch solange das Volk sich nicht einsetzt für die Rechte der Journalisten und derjenigen, die nachfragen, und solange es keine Nachrichten und von den Staatsvertretern keine wahrheitsgemäßen Informationen einfordert, wird der Teufelskreis fortbestehen." (19.06.2015)

Blog Adevărul - Rumänien | 18.06.2015

Rumänien vernachlässigt die Printmedien

Die rumänische Regierung hat vorige Woche beschlossen, Fördergelder in Höhe von 15 Millionen Euro für audiovisuelle Medien bereitzustellen, die informative und kulturelle Programme produzieren wollen. Wie gewohnt wird nur das Fernsehen unterstützt, kritisiert der Chefredakteur der Wochenzeitung Dilema Veche, Mircea Vasilescu, auf dem Blog der liberal-konservativen Tageszeitung Adevărul: "Mit einem Teil der 15 Millionen Euro könnte man Abos von Kulturzeitschriften für öffentliche Bibliotheken oder Schulen bezahlen. Aber würden wir damit Bildung und Kultur fördern? In Rumänien keineswegs, da ist das Fernsehen König. ... Fernzusehen reicht [nach Meinung der Regierung] vollkommen aus. Schließlich werden die Printmedien sowieso verschwinden. In ein paar Jahren werden wir das erste Land in Europa ohne gedruckte Presse sein, und können dann jubeln, Teil der 'digitalen Ära' zu sein." (18.06.2015)

Eesti Päevaleht - Estland | 17.06.2015

Meinungsfreiheit nach Delfi-Urteil unter Druck

Das Urteil im Fall Delfi gegen Estland wird schwer umsetzbar sein meint die Tageszeitung Eesti Päevaleht, die zu einer Mediengruppe mit Delfi gehört: "Grundsätzlich geht es um die Frage, ob die europäische Rechtsprechung die Entwicklungen berücksichtigt, die im vergangenen Jahrzehnt in den Medien stattgefunden haben. Blogs, Youtube, Facebook und andere Plattformen haben einen Bürgerjournalismus geschaffen, der parallel existiert. Auf Beleidigungen und Hassrede können die Überwacher nur direkt reagieren. Eine Vorzensur ist nur theoretisch möglich und genau so ineffektiv wie die Versuche, russische Propaganda aus dem Land zu verbannen. ... Die Kommentarbereiche sind die ideale Plattform für Hassrede und der Platz schlechthin für Trolle, Menschen die bewusst die öffentliche Meinung vergiften wollen. Demokratische Gesellschaften kommen damit klar. Doch Länder, in denen die Meinungsfreiheit sowieso schon unter Druck steht, sollten die Entwicklung genau beobachten." (17.06.2015)

Delo - Slowenien | 17.06.2015

Hass-Kommentare im Netz zensieren

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat am Dienstag im Fall Delfi gegen Estland entschieden, dass Betreiber von Internetseiten für beleidigende Kommentare der Nutzer verantwortlich sind. Ein strenges Urteil, doch sehen wir im Alltag, wie gefährlich Hassreden sind, meint linksliberale Tageszeitung Delo: "Mit Hassreden hat zum Beispiel vor fünfundzwanzig Jahren das Abschlachten auf dem Balkan begonnen. Verbale Gewalt durchdringt seither die Gesellschaft. Beleidigungen, Beschimpfungen und Hassreden sind etwas Gewöhnliches geworden. Im Parlament werden derartige Reden teilweise sogar mit Applaus belohnt. Wenn das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf persönliche Würde aufeinanderstoßen, muss sorgfältig abgewogen werden. Bisher wollten die Medien dies nicht tun. Jetzt werden sie es tun müssen. Was die Folgen sind, wird die Zukunft zeigen. Warum dies geschehen musste, zeigt die Gegenwart." (17.06.2015)


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