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Kapital - Bulgarien | 31.07.2015

Bulgariens Medien sind weiter käuflich

Die bulgarische Tageszeitung Pressa und die Wochenzeitschrift Tema haben Insolvenz angemeldet und ihr Erscheinen zum 1. August eingestellt. Die beiden einflussreichen Blätter überlebten jahrelang nur dank Krediten der 2014 pleite gegangenen Corporate Commercial Bank, für die sie im Gegenzug die Regierung von Bojko Borisov unterstützten, schreibt die Wochenzeitung Kapital. Doch Bulgariens kranke Medienlandschaft ist noch lange nicht auf dem Weg der Genesung, meint das Blatt: "Der 'Mäzen' der bulgarischen Presse [die Corpbank] ist weg vom Fenster und vorerst ist kein Nachfolger in Sicht, der bereit wäre, riesige Summen in Medien zu stecken. Das heißt aber noch nicht, dass sich die Medienlandschaft normalisieren wird. Nicht allein der Geldsegen der Corpbank hat die Glaubwürdigkeit der Medien zerstört, sondern die stets vorhandene Möglichkeit für Bulgariens Medien, ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung an die Politik zu verkaufen." (31.07.2015)

Latvijas Avīze - Lettland | 27.07.2015

Lettland muss sich gegen Kreml-Propaganda wehren

Polen und die Niederlande wollen eine russischsprachige Nachrichtenagentur gründen, um auf russische Propaganda zu reagieren. Lettland sollte sich an dem Projekt beteiligen, denn mit dem eigenen TV-Kanal für die russischsprachige Bevölkerung kommt das Land nicht voran, konstatiert die nationalkonservative Tageszeitung Latvijas Avīze: "Eigentlich sollte Lettland dem Projekt beitreten, denn wir haben keine Zeit und kein Geld, um einen guten russischsprachigen Kanal aufzubauen. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hat bis jetzt keine Entschlossenheit gezeigt, effektiv gegen die Desinformationskampagnen des Kremls vorzugehen. Gleichzeitig mussten wir in Lettland eine Niederlassung der russischen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja registrieren, obwohl deren Chef Dmitrij Kisseljow schon längst auf der EU-Sanktionsliste steht." (27.07.2015)

The Irish Times - Irland | 22.07.2015

BBC soll zum zahnlosen Tiger gemacht werden

Die konservative Regierung Großbritanniens hat vergangene Woche in einem sogenannten "Green Paper" angekündigt, die BBC auf den Prüfstand zu stellen. Die linksliberale Tageszeitung The Irish Times versteht das Regierungsdokument als direkten Angriff auf die britische Rundfunkanstalt: "Es gibt wenig Zweifel daran, dass die unausgesprochene Botschaft des Green Papers mit seiner Ankündigung einer großen 'Überprüfung' der BBC Ausdruck der tiefgehenden Antipathie vieler konservativer Parlamentarier gegen die BBC ist. Sie sind davon überzeugt, dass die BBC politisch gegen sie voreingenommen ist und zu einem zahnlosen Tiger gemacht werden sollte. Dies bedeutet eine ernstzunehmende, existentielle Bedrohung für den Charakter und die Mission der BBC. ... Befreit von einem Koalitionspartner, hat die Tory-Regierung nun die Möglichkeit, das zu erreichen, wovon sie jahrelang geträumt hat. Viele sind berechtigterweise besorgt, dass die gerade losgetretene 'Diskussion' keine sein wird. Die BBC hat allen Grund, Angst zu haben." (22.07.2015)

Dagens Nyheter - Schweden | 23.07.2015

Niemand deckt Russlands Lügenmärchen auf

Die unabhängige russische Zeitung Nowaja Gazeta ist zum wiederholten Mal von der russischen Medienaufsichtsbehörde verwarnt worden. Sie berichtete unter anderem kritisch zur Lage in der Ukraine. Dass der Kampf gegen die russische Propaganda so mühsam ist, liegt aber auch am Westen, meint die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter: "Zur Enthüllung von verbreiteten Lügenmärchen braucht es einen Journalismus, der nach der Wahrheit gräbt. ... Im Westen können sich nur wenige Medienhäuser teure Auslandskorrespondenten leisten. Darüber hinaus wird die Arbeit in Russland immer gefährlicher. Besonders bedroht sind Journalisten, die sich mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzen. ... Wollen wir wissen, was auf der anderen Seite der Ostsee geschieht, müssen wir uns aber selbst darum kümmern. Gewiss ist es merkwürdig, dass die russische Allgemeinheit nicht protestiert. Aber man muss sich daran erinnern, dass die 'Pressefreiheit' ja auch nicht viel älter ist als die Nowaja Gazeta selbst." (23.07.2015)

The Sunday Times - Großbritannien | 19.07.2015

Hitlergruß-Hysterie wenig konstruktiv

Die Boulevardzeitung The Sun hat am Wochenende Bilder aus dem Jahr 1933 publiziert, auf denen zu sehen ist, wie Queen Elisabeth II. im Alter von sieben Jahren - offenbar von ihrem Onkel Edward animiert - einen Hitlergruß zeigt. Die Veröffentlichung sollte ein Anstoß sein, die Vergangenheit kritisch zu beleuchten, findet die konservative Sunday Times: "Niemand glaubt, dass die Königin oder ihre Mutter Nazi-Sympathisanten waren. ... Aber was wäre passiert, wenn Edward VIII. König geblieben und nicht 1936 wegen der geplanten Hochzeit mit der schon geschiedenen Wallis Simpson abgedankt hätte? ... Es sind genau solche Überlegungen, die die Bilder so faszinierend machen. Hat uns die Abdankung vor einem Nazi-Sympathisanten im Palast gerettet? Wir müssen mehr zu diesem Thema wissen, nicht weniger. Der Schriftverkehr der königlichen Familie mit ihren deutschen Verwandten ist, wie vieles andere auch, in den Königlichen Archiven unter Verschluss. Aber die Zeiten haben sich geändert. Deutschland ist ein Verbündeter, kein Feind. Je mehr wir an die Öffentlichkeit bringen, desto besser." (19.07.2015)

De Volkskrant - Niederlande | 13.07.2015

Neue Sprachregelung löst kein Migrationsproblem

Die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant hat beschlossen, das Wort Allochthon [Fremde] nicht mehr zu gebrauchen. Künftig soll die ethnische Herkunft eines Niederländers mit einem Bindestrich beschrieben werden, wie etwa türkisch-niederländisch. Kolumnistin Elma Drayer bezweifelt in dem Blatt selbst, ob das was bringt: "In den 1970er Jahren suchte man eine Alternative für 'Minderheiten', 'Gastarbeiter' und 'ausländische Arbeitnehmer' - Begriffe, die man inzwischen als unsinnig oder stigmatisierend empfand. Allochthon dagegen klang neutraler. Doch es dauerte nicht lange und auch ihm hing ein stigmatisierender Geruch an. ... Ein Euphemismus reicht eben nicht. Die segensreiche Wirkung, die man sich davon erhofft, nutzt sich ab. Vor allem wenn das Problem, das der neue Begriff umschreibt, sensibel bleibt. Man kann seine Kündigung 'eine neue Chance' nennen, aber vorläufig sitzt man doch arbeitslos zu Hause. Man kann Allochthone Punktpunktpunkt-Niederländer nennen, doch damit wird das Wir-Sie-Denken nicht wie durch Zauberei verschwinden." (13.07.2015)

The Daily Telegraph - Großbritannien | 13.07.2015

Infantiles Putsch-Gerede auf Twitter

Unter dem Hashtag #thisisacoup ("Das ist ein Putsch") kritisieren Twitternutzer das Abkommen für ein neues Hilfspaket als Putschversuch und kritisieren insbesondere die Linie Deutschlands gegenüber Griechenland. Die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph hat für diese Auffassung kein Verständnis: "Eine kurze Nachhilfestunde für den Pöbel von #thisisacoup: Griechenland hat keine direkte, sondern eine repräsentative Demokratie. Das bedeutet, dass die Griechen eine Regierung wählen, die für sie Entscheidungen trifft. Referenden sind in Griechenland rechtlich nicht bindend. … Ja, Griechenland steht unter enormem Druck, ein neues Rettungspaket zu akzeptieren und einige der Bedingungen sind unverschämt hart. Aber das ist etwas Anderes, als würde man Griechenland gewaltsam dazu zu zwingen, diese zu akzeptieren. Wenn die Griechen den Deal nicht mögen, den ihre gegenwärtige Regierung ausgehandelt hat, können sie diese abwählen. ... Das ist kein Staatsstreich. Wer das denkt, sollte erwachsen werden und in der Realität ankommen." (13.07.2015)

Avvenire - Italien | 10.07.2015

Griechenlandkrise: Weinender Rentner symbolisiert sterbendes Land

Ein Foto von einem weinenden Rentner vor einer Bank in Griechenland wird seit Anfang Juli in sozialen Netzwerken und von Medien weltweit verbreitet. Ein Mann aus Australien erkannte in ihm einen Freund seines verstorbenen Vaters wieder und will ihm nun helfen. Das Bild wird zum Symbol der Krise, kommentiert die katholische Tageszeitung Avvenire: "Der alte Mann ist verzweifelt. Er weiß nicht, was er tun soll noch wie ihm geschieht. Er ist außerhalb der Welt, die Welt hat ihn verstoßen. Die Mauer in seinem Rücken ist die einer Bank - die vierte Bank, die sich geweigert hat, ihm seine Rente auszuzahlen. Homo sine pecunia est imago mortis, lautet ein lateinisches Sprichwort. Es will besagen, dass vor einem mittellosen Mann alle wie vor dem Tod fliehen. Doch in Griechenland kommt dem Sprichwort eine andere Bedeutung zu. Alle haben wenig oder gar kein Geld, niemand flieht, alle sitzen sie wie angekettet vor der Bank - leer. Und trotz der Hilfe [aus Australien], die kommt, bleibt in unserem Gedächtnis nur folgendes zurück: ein alter Mann am Boden, der weint. Der Mann, der in einem sterbendem Staat lebt, wird zum Symbol." (10.07.2015)

Kristeligt Dagblad - Dänemark | 08.07.2015

Dummer Medien-Spott über gläubigen Minister

Der neue liberale dänische Wissenschaftsminister Esben Lunde Larsen hat öffentlich kundgetan, dass er für die Entstehung der Welt sowohl wissenschaftliche als auch kreationistische Erklärungen heranzieht, und damit in den Medien Spott und Kritik geerntet. Deren Berichterstattung kritisiert die christliche Tageszeitung Kristeligt Dagblad als inkompetent: "Die Medien sollten ihre Journalisten für den Themenbereich Religion besser schulen. … Würden sie das tun, hätte es eine qualifiziertere Berichterstattung über den Glauben des Wissenschaftsministers an einen gestaltenden Gott gegeben. Alle haben laut getönt, dass Esben Lunde Larsen mit dieser Haltung nicht die Interessen der Wissenschaft wahren kann. Dabei wäre es naheliegend gewesen, die Kritiker zu fragen, welcher Wissenschaft genau ein Wissenschaftler mit seinem Glauben an eine gestaltende Kraft oder Gott im Weg steht. Und weiter hätte man fragen können, wieso einige der besten Wissenschaftler einen starken persönlichen Gottesglauben mit ihrer Wissenschaft verbinden konnten." (08.07.2015)

Õhtuleht - Estland | 07.07.2015

Panoramafreiheit muss erhalten bleiben

Das Europaparlament soll am Mittwoch über einen Report zur Urheberrechtsreform abstimmen, der unter anderem Einschränkungen für das Fotografieren von Objekten im öffentlichen Raum und die Veröffentlichung der Fotos vorsieht. In der Boulevardzeitung Õhtuleht ist der Fotograf Kaupo Kikkas empört: "Obwohl es in der juristischen Debatte um die geschäftliche Nutzung der Fotos geht, betrifft das Gesetz uns alle sehr persönlich. Wäre man juristisch genau, dürften wir nach der Verabschiedung des Gesetzes auf unserer Facebook-Seite oder in sonstigen Online-Alben keine Fotos von Häusern veröffentlichen, deren Architekt nicht mindestens 70 Jahre tot ist. ... Es ist unglaublich, dass in einer Ära, in der wir täglich über Freiheit im Geschäftsbereich, Freiheit der Gedanken und Freiheit des Wortes reden, jemand klammheimlich ein Gesetz durchzusetzen versucht, das so rückständig ist und nur dem Eigennutz einer kleinen Menschengruppe dient. Es gehört in den Mülleimer der Geschichte." (07.07.2015)


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