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Libération - Frankreich | 22.04.2014

Im Freudentaumel nicht andere Geiseln vergessen

Vier französische Journalisten sind am Sonntag nach ihrer Freilassung aus einer fast zehnmonatigen Geiselhaft in Syrien unversehrt in Paris gelandet. Die linksliberale Tageszeitung Libération mahnt, andere nicht zu vergessen, die noch immer in Gefangenschaft sind: "Den Befreiungen haftet immer ein Hauch von Geheimnistuerei an und das ist sicher der einzige Augenblick in unserem Beruf, an dem wir verpflichtet sind, das zu respektieren. Viele Geiseln aus verschiedenen Herkunftsländern - Journalisten, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen oder einfache Bürger - sind noch immer in Syrien oder anderswo in Gefangenschaft und es darf natürlich nichts gesagt werden, was ihre Freilassung gefährden könnte. Didier François, der Reporter von Europe 1, hat es auf der Landebahn von Villacoublay auf seine Art gesagt: Sie hatten das Glück, einen Staat, Redaktionen und Freunde hinter sich zu haben. Viele andere Geiseln haben nichts von alledem. Daran sollten wir immer denken. Jeder sollte dazu beitragen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten." (22.04.2014)

La Stampa - Italien | 15.04.2014

Pulitzerpreis ist Ohrfeige für Obama und Cameron

Für die Enthüllungen um den NSA-Spähskandal sind die US-Ausgabe des Guardian und die Washington Post am Montag mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Ein Rüffel für das Weiße Haus und die britische Regierung, freut sich die liberale Tageszeitung La Stampa: "Der 'Nobelpreis für Journalismus' für die beiden Zeitungen kann eine bedeutsame Wende in der sogenannten Datagate-Affäre einläuten. Die Verleihung des Pulitzerpreises in der Kategorie 'Dienst an der Öffentlichkeit' droht das Weiße Haus und die britische Regierung aus dem Konzept zu bringen, die sich im Fall Snowden auf die harte Linie eingeschworen haben und Snowden als Kriminellen einstufen, der hinter Gitter gehört. ... So untermauert der Preis auch die Forderungen an die Regierungen von Washington und London, ihre Geheimdienst-Politik grundlegend zu ändern." (15.04.2014)

Le Quotidien - Luxemburg | 11.04.2014

France 2 macht mit Le Pen Quote

Der staatliche französische Fernsehsender France 2 hat Martin Schulz, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, von einem TV-Duell wieder ausgeladen, nachdem sich die Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen geweigert hatte, mit diesem zu diskutieren. Beschämend für den öffentlich-rechtlichen Sender, findet die linksliberale Tageszeitung Le Quotidien: "Es wäre selbstverständlich gefährlich für die Medien, ein Phänomen zu ignorieren, das an Bedeutung gewinnt. Wenn man weiß, dass Marine Le Pen sich um ein neues EP-Mandat bemüht und eine große rechtsextreme Fraktion im Europaparlament gründen will, überrascht es nicht wirklich, dass sie sich weigert, mit Martin Schulz, dem Präsidenten dieses Parlaments, zu debattieren. Überraschend ist hingegen, dass France 2 wie ein kleiner Soldat gehorcht. Mit einem 'guten Kunden' eine hohe Einschaltquote erreichen, ist [dem Sender] wichtiger als das Risiko einzugehen, gute Fragen zu stellen und eine Kandidatin in die Enge zu treiben, die wiedergewählt werden will, zweifellos aber nichts Wesentliches zum europäischen Konstrukt beizutragen hat." (11.04.2014)

lrytas.lt - Litauen | 09.04.2014

Litauens Sendeverbote dienen nur dem Kreml

Die Radio- und Fernsehkommission Litauens hat in den letzten Wochen die Übertragung der russischen Sender RTR Planeta und NTV Mir wegen angeblicher feindlicher Propaganda für einige Monate gestoppt. Dies bringt gar nichts, kritisiert das Portal lrytas.lt: "Heutzutage gibt es nichts dümmeres als etwas zu verbieten - ob pornografische Filme oder Moskauer Propaganda. ... Die Verbote gelten zudem nur für Kabelfernsehbetreiber, den Satellitenfernsehbetreibern sind sie schnurz. Sie übertragen die verbotenen Sender auch weiterhin. Auch wenn die Kommission nicht aufgeben will, so wird sich ihre Arbeit doch als unnütz erweisen. Denn es wird sich 'plötzlich' herausstellen, dass man diese Programme auch problemlos über das Internet verfolgen kann. Und da die verbotene Frucht immer besser schmeckt, wird das Interesse an den russischen Kanälen auch noch steigen. Die Moskauer Propagandisten werden unseren Inspektoren dankbar sein." (09.04.2014)

Milliyet - Türkei | 03.04.2014

Ankara muss Demokratie beweisen

Das türkische Verfassungsgericht hat die von der Regierung verhängte Twitter-Sperre am Mittwoch für illegal erklärt. Die konservative Tageszeitung Milliyet begrüßt den Schritt, sieht nun aber die Regierung in der Pflicht, die riesigen Defizite in den Bereichen Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit der Justiz zu beheben: "Die Regierung hatte den Part des Zensors übernommen, das hohe Gericht nun den Part der freiheitlichen Macht. An dieser Wahrheit lässt sich nicht rütteln. Das Verfassungsgericht könnte in Zukunft die demokratischen Defizite der Türkei wenigstens zum Teil beheben. Aber wenn der politische Wille zu Reformen fehlt, werden diese Bemühungen schwer. Die Liste ist lang. Die Regierung hat zwar die Wahl [die Kommunalwahlen am Sonntag] gewonnen, aber sie muss ihr ramponiertes Image erneuern. Und die gebrochenen Herzen kitten. Im In- wie im Ausland muss sie sich Mühe geben, um zu beweisen, dass sie wirklich demokratisch ist." (03.04.2014)

Lietuvos rytas - Litauen | 01.04.2014

Der russischen Propaganda kreativ standhalten

In Litauen hat Präsidentin Dalia Grybauskaitė am Montag mit der Führung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks LRT beraten, wie man den Einfluss russischer Staatsmedien in dem Land beschränken kann. Beim Kampf gegen die Propaganda ist Kreativität gefragt, findet die liberale Tageszeitung Lietuvos rytas: "Grybauskaitė hat gestern betont, dass sich die Gesellschaft nicht irreführen und der Staat nicht erniedrigen lassen darf. Hierzu muss man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stärken, damit er die Gesellschaft angesichts des russischen Informationskriegs ausreichend informieren kann. … Doch reichen Informationssendungen allein als Waffen gegen die Propaganda aus? ... Moskau hat schon längst erkannt, dass Humor und Spannung im Informationskrieg ebenfalls sehr wichtige Waffen sind. ... Es ist jetzt entscheidend, wie unsere Antwort auf die Arbeit der Virtuosen der Moskauer Propagandaabteilung sein wird: langweilig oder kreativ?" (01.04.2014)

Blog Entre medios - Spanien | 28.03.2014

Boni für Klickzahlen fatal für Journalismus

In den USA beginnen einige Medien damit, ihren freien Mitarbeitern neben einem Grundhonorar einen Bonus zu bezahlen, der abhängig ist von den Klickzahlen ihrer Artikel, berichtet José San Clemente auf seinem Blog Entre Medios und warnt vor den Gefahren dieser Entwicklung: "Die Journalisten könnten dem Reiz verfallen, nur noch populäre und kommerziell besonders erfolgreiche Themen zu behandeln. Und dabei könnten relevante Geschichten unter den Tisch fallen, für die eine aufwändige Recherche nötig ist, die aber eben nicht das breite Publikum ansprechen. Tausende Fallen warten bei der Auswahl von Titeln, Fotos, Videos. Solche, die sofort ins Auge fallen und viele Leser anziehen, aber dabei vielleicht die Wahrheit verzerren, könnten in Zukunft die Seiten vieler Zeitungen füllen." (28.03.2014)


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