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MEDIEN

Radikal - Türkei | 02.09.2015

Türkische Pressefreiheit vor Neuwahl in Gefahr

Der Sitz des türkischen Koza İpek-Konzerns, zu dem Tageszeitungen und Fernsehsender gehören, ist am Dienstag von der Polizei wegen des Verdachts durchsucht worden, er unterstütze die von der Regierung als terroristisch eingestufte Gülen-Bewegung. Am selben Tag druckte die regierungskritische Tageszeitung Sözcü keine Kolumnen, um gegen wachsenden juristischen Druck durch die Regierung zu protestieren. Vor der Neuwahl am 1. November ergibt das ein düsteres Bild, meint die liberale Internetzeitung Radikal: "Wahlen sind ein unverzichtbares Element liberaler Demokratien, aber nicht ihr einziges. Ohne Unabhängigkeit der Justiz, Meinungs- und Pressefreiheit können Demokratien nicht funktionieren, vielmehr sind sie dann keine Demokratien im modernen Sinne; in Asien gibt es eine Menge solcher Länder. Die Türkei hingegen will zumindest auf dem Papier noch zu Europa gezählt werden. Dafür muss sie der Pressefreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz soviel Bedeutung beimessen, wie der Freiheit des Urnengangs. Denn erst ihre Existenz garantiert wirklich demokratische Wahlen." (02.09.2015)

Pohjalainen - Finnland | 02.09.2015

Trolle beherrschen Kommentarspalten im Netz

Aufgrund einer Flut von unsachlichen und beleidigenden Kommentaren sowie Bedrohungen der Redaktion hat der Onlineauftritt der Beilage der größten Tageszeitung Helsingin Sanomat seine Internetforen vorübergehend geschlossen. Das liberale Blatt Pohjalainen kann den Schritt nachvollziehen: "Der Versuch, Debatten zu zähmen, ist im Prinzip gegen die ursprüngliche Idee des Internets. Demnach ist das Internet Marktplatz und Arena von Meinungen und Wissen, der offen ist für alles außer illegalen Inhalten. Auf den ersten Blick hat die Redaktion nur eine Möglichkeit, wenn sie versuchen will, die Richtung und den Stil der Debatten zu ändern. Sie muss die Inhalte sichten und bearbeiten. ... Es geht auch um die Meinungsfreiheit und ihre Umsetzung. Man könnte meinen, je mehr diskutiert wird, umso mehr setzen sich faktenbasierte Informationen durch. Aber insbesondere die anonymen Kommentare in Diskussionsforen, aber auch die Debatten in den sozialen Medien zeigen jedoch, dass die Qualität mit der Zunahme der Quantität sinkt." (02.09.2015)

Infowar - Griechenland | 29.08.2015

Warum Medien tote Flüchtlinge zeigen sollten

Der griechische Kolumnist Aris Chazistefanou hat am Samstag Bilder von toten Flüchtlingskindern auf Twitter gestellt, wofür er von Lesern scharf kritisiert wurde. In seinem alternativen Webportal Infowar rechtfertigt er sich: "Ich habe dutzende bedrohliche Nachrichten bekommen von Menschen, die mir vorwerfen, dass ich unmenschlich und schamlos bin. ... Ich bin im Journalismus groß geworden mit einem Zitat des Nahost-Korrespondenten Robert Fisk, von dem der Satz stammt: 'Wenn wir Journalisten die wahren Bildern des Kriegs gezeigt hätten, gäbe es keine Kriege mehr.' ... Wenn Leichen an Deine Küsten gespült werden, weil die Führer der Politik- und Währungsunion, die Du unterstützt, auf der Politik der Festung Europa bestehen, musst Du über die praktischen Auswirkungen dieser Politik informiert sein. Wenn du nichts darüber wissen willst, dann kannst du mich einfach auf Twitter und Facebook blockieren. Und anschließend kannst Du auch verlangen, keine Bilder des Holocausts zu sehen." (29.08.2015)

Gazeta Polska Codziennie - Polen | 28.08.2015

Deutsche Medien haben Duda schon gefressen

Polens Präsident Andrzej Duda besucht am heutigen Freitag Berlin. Die seiner nationalkonservativen Partei PiS nahestehende Tageszeitung Gazeta Polska Codziennie bedauert, dass das neue Staatsoberhaupt in Deutschland vorverurteilt wurde: "Wir kennen bereits den Ablauf des Besuches in der deutschen Hauptstadt sowie die wichtigsten Themen, über die die politischen Führer beider Staaten sprechen werden. Das letzte Interview, das er mit der Bild-Zeitung geführt hat, lässt keinen Zweifel daran, dass es im Wesentlichen um den Ukraine-Konflikt sowie um die Beziehungen zu Russland gehen wird. ... Doch bezweifelt auch niemand, dass diese Gespräche sehr schwierig werden. Denn deutsche Medien haben schon vom ersten Tag an gegen den polnischen Präsidenten Stimmung gemacht. Gleich nach dem Sieg hat eine Wochenzeitung geschrieben, dass 'Polen einen antirussischen Euroskeptiker gewählt hat' [Zitat aus Die Zeit]. Heute wartet auf Duda eine schwere Aufgabe." (28.08.2015)

Postimees - Estland | 25.08.2015

Estlands Journalistinnen haben Angst vor Meinung

Die Meinungsseiten der estnischen Tageszeitungen werden fast ausschließlich von Männern im mittleren Alter gefüllt, lautet der Vorwurf, den der Estnische Rundfunk vergangene Woche auf seinem Onlineportal veröffentlicht hat. Der Meinungsredakteur der Tageszeitung Postimees Marti Aavik stimmt dem zu und gibt den Frauen die Schuld: "Über Jahre sind die Absagen à la 'es gibt wohl Klügere als mich' hauptsächlich von Frauen gekommen. Das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern auch die von meinen Kolleginnen in der Meinungsredaktion. Sicherlich sagen auch Männer mal mit der Begründung ab, typischer ist bei ihnen jedoch die Frage 'bis wann, wie lang?'. Männer fliegen drauf und machen es. Das ist ein großes Problem des Meinungsressorts. Es geht nicht um das formelle geschlechtliche Gleichgewicht oder darum, dass man eine besondere weibliche Sichtweise braucht (was auch immer das bedeuten mag). Es geht wirklich darum, dass ein großes Potential ungenutzt bleibt und dass wichtige Debatten, wertvolles Wissen und Argumente nicht gedruckt werden." (25.08.2015)

Newsweek Polska - Polen | 25.08.2015

Duda zieht im Umgang mit Medien neue Saiten auf

Polens Präsident Andrzej Duda lässt sich auf seinem Flug nach Berlin kommenden Freitag nur von ausgewählten Pressevertretern begleiten. Jacek Pawlicki vom liberalen Nachrichtenmagazins Newsweek Polska befindet sich nicht darunter. Damit läutet Duda einen völlig neuen Umgang mit Medien ein, glaubt Pawlicki: "Mit dem Journalismus beschäftige ich mich seit einem Vierteljahrhundert - und dabei mit der Außenpolitik und der EU fast 17 Jahre lang. In dieser Zeit habe ich schon mehrere Staatsoberhäupter erlebt. ... Als Kommentator der EU-Politik habe ich Präsident Lech Kaczyński und den Premier Jarosław Kaczyński auf ihren Auslandsreisen und bei den EU-Gipfeln begleitet. Und ich habe auch Interviews mit anderen Politikern der PiS geführt. Die damalige Außenministerin, Anna Fotyga, habe ich damals noch als Redakteur der [Tageszeitung] Gazeta Wyborcza sogar scharf kritisiert. Daran sieht man, dass sich Duda und seine Leute nun von anderen Grundsätzen leiten lassen als seine Vorgänger." (25.08.2015)

Diário de Notícias - Portugal | 17.08.2015

Spaniens Medien warnen zu Recht vor IS-Miliz

Spanien ist Medienberichten zufolge im Visier der IS-Terrormiliz. Demnach soll es Aufrufe gegeben haben, Islamisten aus Gefängnissen zu befreien. Die liberal-konservative Tageszeitung Diário de Notícias findet, dass die Bedrohung durch die IS-Miliz ernst genommen werden muss: "Die spanische Zeitung ABC widmet diesem Thema so viele Titelseiten, dass man annehmen könnte, sie wäre von al-Qaida oder dem IS besessen. Besessen sind aber eher die Dschihadisten; laut ihrer feurigen Rhetorik muss [der im Mittelalter muslimisch beherrschte Teile der Iberischen Halbinsel] al-Andalus zurückerobert werden. Dass diese Drohung ernst genommen werden muss, bezweifelt seit den Attentaten in Madrid 2004 keiner mehr. ... Absurd dabei ist, dass es genau die religiöse Toleranz sowie ein gebildeter und weltoffener Islam war, der den Mythos al-Andalus ausgemacht hat. Das interessiert die Dschihadisten allerdings wenig, doch von ihnen kann man auch keine Rationalität erwarten. Und genau das ist es, was sie so gefährlich macht." (17.08.2015)

Latvijas Sabiedriskie mediji - Lettland | 18.08.2015

TV auf Russisch: Estland zeigt, wie es geht

Ende des Monats geht in Estland ETV+ auf Sendung. Der Kanal wendet sich an den russischstämmigen Teil der Bevölkerung und soll als Korrektiv zu den aus Russland gesendeten TV-Programmen funktionieren. Glückwünsche zum Sendestart kommen vom Internetportal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Lettland LSM: "Der russischsprachige TV Kanal ist den estnischen Kollegen gelungen! ... Untersuchungen haben nachgewiesen, dass sich die Menschen vor allem für lokale Nachrichten, bekannte Persönlichkeiten, Sport und Wirtschaft interessieren. ETV+ hat sich nichts Ungewöhnliches ausgedacht, er will einfach nur die russischsprachigen Zuschauer mit einem eigenen Programm ansprechen. ... Während es für die russischsprachigen Fernsehzuschauer in Lettland keine Strategie gibt, macht der estnische öffentlich-rechtliche Sender verrückte Dinge: Er schmeißt das Geld zum Fenster raus und bedroht den Status der estnischen Sprache [in diese Richtung ging zum Teil die Kritik an dem geplanten Sender in Lettland]. ... Klingt ziemlich extrem, aber wir wünschen den Esten viel Glück!" (18.08.2015)

Večernji List - Kroatien | 13.08.2015

Bilder von toten IS-Geiseln nicht verbreiten

Die IS-Terrormiliz hat die kroatische Geisel Tomislav Salopek offenbar hingerichtet. Ein von IS-Anhängern im Internet verbreitetes Foto soll die enthauptete Leiche der Geisel zeigen. Wer solches Material im Netz verbreitet, macht sich zum Handlanger der Terroristen, findet die konservative Tageszeitung Večernji list: "Durch blindes Pochen auf sogenannte Freiheiten werden wir nur zu Handlangern der Terroristen. ... Dass man solches Material sowieso im Internet finden könnte, darf keine Ausrede sein. ... Terroristen nutzen moderne Technologie, soziale Netzwerke und die Medienfreiheit - ein Pfeiler der Demokratie - zur Verbreitung ihrer Verbrechen. ... Leider verlieren wir ohne globale Solidarität die Informationsschlacht gegen den Terrorismus - die wichtigste in modernen Kriegen. Es ist absurd, dass Terroristen Religion, Technologie und Medienfreiheit auf brutale Weise missbrauchen und gegen uns verwenden." (13.08.2015)

Standart - Bulgarien | 11.08.2015

Bulgarische Medien gieren nach IS-Terror

Bulgarische Medien haben am Wochenende falsche Informationen über zwei IS-Kämpfer verbreitet, die illegal ins Land eingedrungen sein und Terroranschläge geplant haben sollen. Das Innenministerium dementierte die Medienberichte. Die Tageszeitung Standart empört sich über die Sensationslust der Medien: "Die Verkünder des Weltuntergangs waren enttäuscht und verbittert, dass die von ihnen prophezeiten Anschläge in Bulgarien nicht passierten. Sie waren geradezu wütend, dass die Terroristen Bulgarien nicht ernst nehmen. Gott sei Dank gibt es in Bulgarien bislang weder Schläferzellen, noch stehen wir ganz oben auf der Liste von [al-Qaida-Chef] Zawahiri und von [IS-Chef] al-Baghdadi für potenzielle Anschlagsziele. Das sollte uns aber nicht traurig machen, sondern freudig stimmen. Gleichzeitig wächst das Chaos im Nachbarland Türkei, nachdem es sich der internationalen Koalition gegen den IS angeschlossen hat. Darum wäre es vielleicht besser, wenn sich die Gesellschaft und die Medien auf die realen Gefahren konzentrieren würden, anstatt jeden Tag Hirngespinste zu verbreiten." (11.08.2015)


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