Navigation

 

Medien

MEDIEN

Le Quotidien - Luxemburg | 23.07.2014

So schnell wird Twitter zur Propagandamaschine

Seit der Eskalation im Gaza-Konflikt haben die Kassam-Brigaden der Hamas und die israelische Armee versucht, ihre jeweilige Version der Ereignisse über Twitter zu verbreiten. Soziale Netzwerke sind eine wundervolle Errungenschaft für die Presse- und Meinungsfreiheit, doch die Kehrseite davon ist die Kriegspropaganda, klagt die liberale Tageszeitung Le Quotidien: "Jeder kann online sein und mit jenen kommunizieren, die er kennt oder auch nicht. Informationen zirkulieren also mit unvorstellbarer Geschwindigkeit durch Tools, die man als perfekte Vergegenständlichung einer freien Welt wahrnehmen kann, in der grenzenlose Informations-und Meinungsfreiheit herrscht. Diese Anwendungen bleiben der Ausdruck einer freien Welt. Ein Beleg dafür ist, dass soziale Netzwerke in autoritären Staaten zensiert werden. Aber sie sind auch ein wirksames Propagandamittel für die Parteien in undurchsichtigen Konflikten geworden. Was jedem bewusst sein muss, ist, dass sie für die Protagonisten von Kriegen unumgänglich geworden sind, ganz gleich ob diese psychologischer, diplomatischer, wirtschaftlicher oder eindeutig militärischer Natur sind." (23.07.2014)

The Guardian - Großbritannien | 21.07.2014

Bitte keine Bilder toter Kinder auf Twitter

Über Twitter werden derzeit Bilder von im Gazastreifen getöteten Kindern verbreitet. Das Grauen der militärischen Intervention Israels braucht jedoch keine zusätzliche Bebilderung, kritisiert Kolumnistin Suzanne Moore und beklagt in der linksliberalen Tageszeitung The Guardian, dass damit eine Pseudo-Entrüstung kreiert und eine Grenze des Respekts überschritten wird: "Uns wird glaubhaft gemacht, dass wir das Gemetzel von Zivilisten sehen müssen, um es zu verstehen. Aber die schreckliche Wahrheit ist, dass Krieg überall ähnlich aussieht. … Ich muss keine Bilder von toten Kindern sehen, um einen Waffenstillstand und eine politische Lösung zu wollen. Ich brauche eure Tweets nicht, um zu verstehen, dass ihr euch sorgt. Ein kleiner Körper ist kein öffentlich verwertbares Symbol. Er steht einfach dafür, dass irgendwo auf dieser Welt Eltern einen ihnen so wichtigen Menschen verloren haben. Diese Bilder alltäglich werden zu lassen, entwertet die gemeinsame Währung der Menschlichkeit. Wir zeigen den Menschen in den Konfliktregionen keinen Respekt wenn wir ihre Toten nicht achten. Hört auf damit!" (21.07.2014)

Club Z - Bulgarien | 18.07.2014

Bulgariens Zeitungen als Wahlkampfbroschüren?

Bulgariens Sozialisten haben im Parlament einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach die Medien vor Wahlen nur offiziell von den Parteien genehmigte Informationen veröffentlichen dürfen. Unerhört findet diesen Vorstoß das Onlineportal Club Z: "Das kommt der Zerstörung der Medien gleich. Denn mit Verlaub: Wen interessieren die offiziell verbreiteten Märchen von [Sozialistenchef] Sergej Stanischew oder [Türkenpartei-Chef] Lütfi Mestan - besonders während des Wahlkampfs? Ihre Äußerungen sind nichts weiter als ein Wasserfall aus einstudierten Klischees und leeren Phrasen. Wenn die Medien allein darauf zurückgreifen könnten, wäre Zensur überflüssig. … Gott sei Dank sind die Tage dieses Parlaments gezählt, weshalb wohl kaum noch über diesen Vorschlag abgestimmt werden kann. Er zeigt aber, dass unsere Politiker nichts aus der Vergangenheit gelernt haben und offensichtlich auch nichts lernen wollen." (18.07.2014)

MK Latvija - Lettland | 17.07.2014

Baltische Staaten eifern Sowjet-Propaganda nach

Litauen, Lettland und Estland wollen einen gemeinsamen TV-Sender auf Russisch gründen. Die Idee ist entstanden, nachdem Litauen und Lettland das Programm zweier russischsprachiger Fernsehkanäle wegen angeblich tendenziöser Berichterstattung in der Ukraine-Krise für drei Monate abgeschaltet hatten. Kolumnist Alexander Nosovics von der russischsprachigen Tageszeitung MKLatvija hat für diesen Vorstoß nur Spott übrig: "In dem gemeinsamen Fernsehen wird dann die 'richtige Information' gesendet, als Alternative zur russischen Propaganda. ... Die Methoden der früheren KP-Sekretäre und Propaganda-Verantwortlichen setzen jetzt die Abgeordneten in Lettland, Litauen und Estland fort. ... Vor 30 Jahren wurden BBC und Voice of America verboten, jetzt die russischen Sender NTV und RTR. ... Beiträge für den gemeinsamen TV-Kanal sollten am besten Abgeordnete der führenden Regierungsparteien der drei baltischen Länder produzieren, die mindestens 50 sind. Denn sie wissen am besten, wie die sowjetische Propaganda ausgesehen hat." (17.07.2014)

Hotnews - Rumänien | 02.07.2014

Facebooks Macht der Manipulation

Das soziale Netzwerk Facebook hat im Januar 2012 eine Woche lang mit manipulierten Newsfeeds die Reaktionen von fast 700.0000 Nutzern auf positive und negative Meldungen getestet. Diese wussten dabei nicht, dass sie an einer Studie teilnehmen. Das Nachrichtenportal Hotnews findet dieses Vorgehen bedrohlich: "Die Tatsache, dass Facebook so leicht die emotionale Aufladung des Online-Lebens von einigen hunderttausend Menschen manipuliert hat, wirft zu Recht Bedenken auf. ... Wenn dahinter die allgemeine Einstellung des Unternehmens steckt, dann sind die Dinge ernsthaft ins Schleudern geraten. 'Online-Botschaften beeinflussen die Art und Weise, wie wir Emotionen erleben, was sich wiederum auf eine Vielzahl von Offline-Verhaltensweisen auswirken kann', heißt es in der Studie. Das wussten wir bereits. Was wir nicht wussten war, dass der Einfluss solcher Botschaften beliebig gesteigert oder verringert werden kann. So als ob ein einziger Barmann den Alkohol in einem Cocktail ganz nach seinem Belieben dosiert - ohne unser Wissen." (02.07.2014)

Politiken - Dänemark | 01.07.2014

Neuer Eigentümer könnte Berlingske gut tun

Dänemarks älteste Tageszeitung Berlingske ist als Teil des gleichnamigen Medienhauses von der britischen Mecom Group an die belgische De Persgroep verkauft worden. Die linksliberale Tageszeitung Politiken sieht die Zukunft des traditionsreichen Blattes nach mehrjährigen ökonomischen Turbulenzen vorsichtig positiv: "Für Berlingske und den angespannten Zeitungsmarkt kann man hoffen, dass die neuen Eigentümer publizistische Ambitionen haben und nachhaltige Investitionen planen. … Dänemark braucht private Medienhäuser, die den Machthabern die nötigen Fragen stellen und jenen kritischen Journalismus liefern, der für Demokratie so wichtig ist. … Die Berlingske, liebevoll 'Alte Tante' genannt, hat nun 265 Jahre überlebt. Mögen die kommenden Jahre für die rüstige alte Dame weniger turbulent als die vorangegangenen werden." (01.07.2014)


Weitere Inhalte