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Dromos tis Aristeras - Griechenland | 22.11.2014

Griechischer Rundfunk zerstört Journalismus

Laut Medienangaben vom Sonntag sollen Journalisten aufgrund von Personalmangel beim staatlichen Rundfunk Nerit Inhalte für Radio, Fernsehen und Internet künftig in einem einzigen Newsroom produzieren. Und so bleibt immer weniger Zeit für Recherche, kritisiert die linke Wochenzeitung Dromos tis Aristeras: "Wenn ein Journalist eine Story plant und dringend die Stellungnahme einer Institution benötigt, ist sicher, dass seine Story im Papierkorb landet [weil keine Zeit ist]. Im schlimmsten Fall wird sie verfälscht. Der 'Tod' der Reportage führt zur vollständigen Kontrolle der Information durch die Medienunternehmen. Der Begriff Newsroom ist inzwischen beliebt bei Medienunternehmen. Damit haben sie es geschafft, die Arbeitsrechte sowie die Journalisten zu zerstören. Ein Redakteur, der sich in der Produktionskette eines Newsrooms befindet, hat kein Recht mehr, seine Meinung zu sagen. Er nimmt damit eigentlich nicht mehr am Prozess der Informations-Erstellung teil." (22.11.2014)

Kauppalehti - Finnland | 19.11.2014

Finnlands Rundfunk verschärft Medienkrise

Mehrere Politiker haben sich in den vergangenen Wochen für die Senkung der Mehrwertsteuer auf Online-Zeitungsabos ausgesprochen. Wichtiger wäre, dass die öffentliche Rundfunkanstalt Yle den Privatunternehmen keine Konkurrenz mehr macht, meint die Wirtschaftszeitung Kauppalehti: "Eine Steuersenkung um ein paar Prozentpunkte ist insgesamt gesehen nicht so bedeutend. Nötig sind strukturelle Änderungen. Dies gilt vor allem für Yle. Warum veröffentlicht Yle im Internet textbasierte Nachrichten? Wofür werden sie benötigt? ... Der einzige Vorteil für den Leser besteht doch darin, dass die Nachrichten kostenlos sind. Deshalb sind sie eine der wichtigsten Hürden, für die Einführung kostenpflichtiger digitaler Inhalte. ... Auch wenn das politische Tauziehen um Yle endlos ist, so wäre vielleicht doch Folgendes möglich: Man könnte beschließen, dass sich das Online-Portal Yle.fi in Zukunft auf die Verbreitung von Fernseh- und Radioprogrammen konzentriert, die die kommerziellen Medien nicht produzieren." (19.11.2014)

Népszabadság - Ungarn | 14.11.2014

Orbáns Werbesteuer hat Bumerangeffekt

Die rechtskonservative Regierung von Viktor Orbán will die im Sommer eingeführte sogenannte Werbesteuer weiter erhöhen. Die Maßnahme trifft vor allem den Privatsender RTL Klub. Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság glaubt, dass sich die Regierung dabei ins eigene Fleisch schneiden könnte, sollte sie den regierungskritischen Sender weiter gegen sich aufhetzen: "Die Regierung erhöht den Einsatz: Mit dem Hinweis auf eine gerechte Verteilung der öffentlichen Last will sie jetzt eine noch höhere Werbesteuer erheben. ... Ihre Zielscheibe ist eindeutig RTL. ... Die ganze Situation erinnert an ein tödliches Pokerspiel. Dabei stellt sich die Frage: Wer wirft zuerst das Handtuch, die Regierung oder RTL? Fakt ist, dass die Popularität der Regierungspartei Fidesz schwindet, zudem wollen die Demonstrationen gegen die Regierung nicht abreißen, und RTL ist immer professioneller darin, die Missstände der Regierungspolitik aufzuzeigen." (14.11.2014)

Duma - Bulgarien | 14.11.2014

Borisov will Journalisten gefügig machen

Kaum an der Macht, plant die Regierungspartei Gerb von Premier Bojko Borisov die Einführung eines neuen Mediengesetzes, das unter anderem Strafen für Verleumdung durch Journalisten und einen begrenzten Zugang von Reportern zum Parlament vorsieht, um die Abgeordneten nicht bei der Arbeit zu stören. Die oppositionelle Tageszeitung Duma spottet: "Reporter und Journalisten sind wieder zur Lieblingsbeschäftigung von Gerb geworden. Als wäre alles andere in bester Ordnung, knöpfen sie sich zuerst den Mediensektor vor. ... Vor ein paar Tagen soll Borisov Parlamentsreportern gesagt haben, dass sie ihm langsam auf die Nerven gingen. 'Treibt es nicht zu weit mit meinem Wohlwollen und meiner Nachgiebigkeit und lehnt euch nicht zu weit aus dem Fenster', soll er Kollegen gesagt haben. Immerhin hat er sie gewarnt. Er ist ja großzügig." (14.11.2014)

Neatkarīgā - Lettland | 13.11.2014

CNNs feiger Rückzug aus Russland

Der US-amerikanische TV-Kanal CNN hat am Dienstag angekündigt, sein Programm in Russland zum Jahresende einzustellen. Verantwortlich machte der Sender das neue russische Mediengesetz, das ausländischen Investoren mehr als 20 Prozent der Anteile eines in Russland verbreiteten Mediums verbietet. Für die nationalkonservative Neatkarīgā hat der westliche Sender kein Rückgrat: "Ausgerechnet beim Verbot ausländischer Fernsehsender und der Wiederherstellung der Zensur zeigt die westliche Demokratie ihre Schwächen. Verbot der Informationsfreiheit und Zensur sind eine Ablehnung der Demokratie. Wenn die westliche Welt sagt: Wir verzichten auf Demokratie, dann ist unser System nicht besser als das in China oder Russland. Die westlichen Medien müssen jetzt genauer in den Spiegel schauen und kritisch das neue Mediensystem Russlands beurteilen, denn dort ist von Demokratie keine Spur zu finden. Das neue Mediengesetz dient nur den großen Werbekunden. ... CNN darf seine Interessen nicht den politischen und finanziellen Clans in Russland unterordnen." (13.11.2014)

Hotnews - Rumänien | 12.11.2014

Johannis enttäuscht bei TV-Duell in Rumänien

Am Dienstag haben die beiden Kandidaten für die rumänischen Präsidentschaftswahlen in einem ersten Fernsehduell im Privatsender Realitatea TV debattiert. Der rumäniendeutsche Klaus Johannis stand dabei nicht gut da, findet das Nachrichtenportal Hotnews: "Warum ist Johannis so unvorbereitet zum Duell gekommen? Hat er die Notwendigkeit dessen ignoriert. Hatte er zu wenig Zeit? … Wir wissen es nicht, aber das Ergebnis ist unübersehbar. In den sozialen Netzwerken wird es bereits diskutiert. Als Präsidentschaftskandidat darf man nicht so viele Wissenslücken haben und im Thema Korruption muss man sich einfach auskennen - gerade wenn man vor dem Parteichef der Sozialdemokraten [Victor Ponta] sitzt und in dessen rhetorische Fallen tappt. … Johannis schaute komischerweise ständig auf die Uhr. Er erinnerte sogar den Moderator daran, dass die Zeit fürs Fernsehduell abgelaufen sei. Man hatte den Eindruck, er wünsche sich verzweifelt, dass es vorbei ist - kein gutes Zeichen." (12.11.2014)

Novosti - Kroatien | 09.11.2014

Überregionaler TV-Kanal fördert Jugo-Nostalgie

Seit Anfang November sendet der erste länderübergreifende Nachrichtensender N1 aus den Studios Belgrad, Sarajevo und Zagreb. Dass nationale Kroaten nun jugoslawische Tendenzen fürchten, bedauert die Wochenzeitung der serbischen Minderheit Novosti: "Sie haben Angst, dass N1 eine Reinkarnation des Senders Yutel [1990 gegründeter gesamtjugoslawischer TV-Sender, der mit dem Krieg 1992 erlosch] ist. Dagegen gibt es allerdings eine Medizin: Wer immer möchte, kann die Fernbedienung in die Hand nehmen und umschalten. Es gibt kein Meinungs-Monopol mehr. Es ist ausgezeichnet, dass N1 regionale kulturelle und dokumentarische Inhalte sendet. N1 hat in den ersten Tagen die TV-Serie Kaufhaus gesendet, ein Fernseh-Hit des Belgrader Regisseurs Igor Stoimenov, der sich der Jugo-Nostalgie widmet. ... Seinerzeit ausgestrahlt von allen regionalen TV-Sendern außer dem kroatischen. Nun ist auch dieser Fehler korrigiert." (09.11.2014)

Ziare - Rumänien | 06.11.2014

TV-Duell ist Bedingung für Präsidentschaft

In Rumänien debattieren die beiden Präsidentschaftskandidaten über die Modalitäten für ein Fernsehduell. Sibius Bürgermeister Klaus Johannis will eine Streitrunde, die von allen TV-Sendern übertragen wird. Premier Victor Ponta fordert vier Debatten in verschiedenen Sendern, wovon zwei als Ponta-treu gelten. Das Nachrichtenportal Ziare hält ein Duell für unabkömmlich: "Die Anspannung ist riesig und jeder Fehler kann für den Kandidaten fatal sein. Deshalb vermeidet Ponta die direkte Konfrontation [in einem einzigen Duell] mit Johannis. ... Die Zivilgesellschaft wird Druck machen, natürlich auch die Wähler und ebenso die Fernsehstationen, die auf ein solches Ereignis nicht so einfach verzichten wollen. Finanziell kann sich ein kleiner TV-Sender mit den Einnahmen aus solch einem Duell ein ganzes Jahr lang über Wasser halten. Klar ist auch: Wer für die nächsten Jahre Präsident dieses Landes sein will, muss seinen Gegenspieler in einem TV-Duell bezwungen haben. Die nächsten Tage werden entscheiden, ob wir es bekommen oder nicht." (06.11.2014)

Wiener Zeitung - Österreich | 05.11.2014

Her mit der Internetsteuer!

Nach dem Scheitern der von Ungarns Premier Viktor Orbán geplanten Internetsteuer spricht sich der Publizist Werner Stanzl in der staatlichen Wiener Zeitung generell für die Einführung einer solchen Steuer aus: "Eine Steuer pro Gigabyte von etwa einem Euro, wäre ... ein Gebot der Fairness im Wettkampf. Denn für alles und jedes wird den Konsumenten der Obolus der Mehrwertsteuer zugemutet. So auch beim Kauf von Zeitungen und Büchern. Und ausgerechnet über Internet sollen Information und Unterhaltung steuerfrei ins Haus kommen dürfen? Ein Wunder, dass die Verlage ob dieser Benachteiligung nicht schon längst aufgebrüllt haben. ... Die Besteuerung der Bytes böte zusätzlich Spannung: Wie würde der Internetkonsument reagieren auf die byte-intensiven Werbeeinschaltungen im Netz? Würde er, wissend, dass es kostet, den Werbe-Clip tatsächlich anklicken? Und noch spannender: Wie würden die Werbestrategen darauf reagieren?" (05.11.2014)

La Repubblica - Italien | 04.11.2014

IS-Terror hat Journalisten vertrieben

Die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar das seit Monaten umkämpftes Gasfeld Dschahar in der Nähe von Homs erneut unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gruppe veröffentlichte in Online-Netzwerken mehrere Fotos, die unter anderem die gehisste Fahne des IS über dem Gasfeld zeigen. Solche Meldungen sind mit Vorsicht zu genießen, urteilt Thomas L. Friedman in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: "Der Islamische Staat hat die brutale Eroberung weiter Teile Syriens und des Irak mit der Geiselnahme und Enthauptung von Journalisten begleitet. Jeder westliche Journalist, der sich heute auf das IS-Gebiet wagt, würde in jeder Sekunde sein Leben riskieren. ... Was verlieren wir, wenn wir keinen Journalisten im Gebiet des IS haben? Sehr viel. ... Der IS erzählt uns auf Twitter und Facebook nur das, von dem er will, dass wir es wissen. Von allem anderen hält er uns fern. Also Vorsicht bei allem, was über diesen Krieg erzählt wird, egal, ob es gut oder schlecht oder mit Gleichgültigkeit erzählt wird. Ohne einen unabhängigen Journalismus vor Ort werden wir uns auf Überraschungen gefasst machen müssen. Wer nicht dort ist, kann nichts wissen." (04.11.2014)


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