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Medien

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Õhtuleht - Estland | 22.09.2014

Russisches TV für Estland war überfällig

Die estnische Regierung hat vergangene Woche beschlossen, ab Herbst 2015 ein staatliches russisches Fernsehprogramm auszustrahlen. Besser spät als nie, kommentiert die Boulevardzeitung Õhtuleht: "Vernünftig, dass mit einer Verspätung von fast 20 Jahren nun ein Viertel der estnischen Bevölkerung die Möglichkeit erhält, in der eigenen Sprache die Information zu bekommen, die der estnische Staat vermitteln will. Man kann natürlich sagen, dass sie keinen eigenen Kanal brauchen, sondern Estnisch lernen und estnische Fernsehsender schauen sollten. Aber mit so einer Einstellung wird die russischsprachige Bevölkerung für immer unter dem Einfluss der Information des östlichen Imperiums bleiben. Jetzt kann der estnische Staat zumindest festhalten: Wir haben es versucht." (22.09.2014)

Phileleftheros - Zypern | 17.09.2014

Flüchtlingstragödien sind Europäern egal

Die Internationale Organisation für Migration hat am Montag berichtet, dass ein Boot mit rund 500 Flüchtlingen von Schleusern auf dem Mittelmeer zum Kentern gebracht wurde. Dutzende weitere Menschen waren nach Marineangaben bereits am Sonntag vor der Küste Libyens ertrunken. Die liberale Tageszeitung Phileleftheros beklagt die Gleichgültigkeit der Medien: "Nur wenige Zeilen wurden darüber geschrieben. Es ist einfach eine Zahl, die irgendwann in einer statistischen Analyse über das Risiko der Migration genutzt wird. Vielleicht werden wir auch irgendwann in einem Mittelmeer-Hafen ein Denkmal für den Unbekannten errichten, der es nicht geschafft hat, ein Einwanderer zu werden. Die Menschheit ist nicht einmal ein Hundertstel so schockiert, wie sie es bei der Enthauptung eines westlichen Bürgers durch die Dschihadisten war. Klar, es ist nicht die selbe Sache. Dort haben wir die Barbarei gesehen, auf den Blick des Opfers fokussiert, seine Angst gespürt. ... Er war nicht nur eine Zahl anonymer Menschen." (17.09.2014)

De Volkskrant - Niederlande | 04.09.2014

Steven Sotloff gibt dem IS-Terror ein Gesicht

Die Tageszeitung De Volkskrant hat am Mittwoch ein Foto des US-Reporters Steven Sotloff kurz vor seiner Enthauptung gezeigt und dafür Kritik geerntet. Die Medien sind beim IS-Terror in einem teuflischen Dilemma, verteidigt Kolumnist Bert Wagendorp die Entscheidung der Redaktion in der linksliberalen Tageszeitung: "Man könnte sagen, dass nicht wir, bei Zeitung, Radio oder Fernsehen, entscheiden müssen, was Propaganda ist und was nicht. Es ist unsere Aufgabe, Dinge zu zeigen. Aber es wird komplizierter, wenn völlig klar ist, dass man Teil der Propaganda wird - die Enthauptung eines Journalisten - und dass man so zum Erfolg [der Terroristen] beiträgt. ... Steven Sotloffs letzte Geschichte wurde mit Video und dem Foto im Volkskrant erzählt. Sie handelte davon, dass Menschen abgeschlachtet werden. Man kann sie in Hunderten, Tausenden oder Zehntausenden zählen, ohne dass es weh tut. Der Schmerz kommt erst, wenn die Toten einen Namen haben - Steven Sotloff zum Beispiel." (04.09.2014)

Milliyet - Türkei | 03.09.2014

Der "Spiegel" zeigt Türken guten Journalismus

Die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel über die Gezi-Proteste, das Grubenunglück von Soma und die Präsidentschaftswahl hat bei regierungsnahen türkischen Medien für Empörung gesorgt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigte das Magazin der Verunglimpfung. Doch nachdem der Spiegel den Spionageskandal Deutschlands aufgedeckt hat, sind Erdoğan-nahe Medien plötzlich verstummt, beobachtet die konservative Tageszeitung Milliyet: "Da dieses Mal die Türkei und Erdoğan in der Position des Opfers sind, wurde über den Abhörskandal mit so wunderbar originellen Überschriften wie 'Jeder ist neugierig auf die Türkei' berichtet. ... Diesmal ist natürlich keiner wütend auf den Spiegel! Hoffentlich haben die, die noch gestern den Spiegel beschuldigten, Verschwörungstheorien zu veröffentlichen, daraus eine Lehre gezogen: Journalismus bedeutet nicht, einer Organisation, Regierung oder Person Honig um den Bart zu schmieren. Kritisieren, Hinterfragen, Veröffentlichen und Beweisen sind eine Notwendigkeit des Journalismus." (03.09.2014)


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