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Reflexionen

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REFLEXIONEN

Polityka - Polen | 03.08.2015

Jan Hartman kritisiert die Unfähigkeit der Polen, zu trauern

In Polen ist am Samstag des Beginns des Warschauer Aufstandes der polnischen Armee gegen die deutsche Besatzung im Jahr 1944 gedacht worden. Echte Trauer sieht anders aus, kommentiert der Philosoph Jan Hartman auf seinem Blog beim linksliberalen Nachrichtenmagazin Polityka: "Nun bietet sich wieder eine Gelegenheit, endlich über ein solches Ereignis der polnischen Geschichte zu sprechen, ohne gleich den heroisierenden Tonfall der Kriegsveteranen anzuschlagen. Wir sollten das Gefühl zeigen, das angesichts einer solchen Tragödie ehrlich und natürlich ist: nämlich das Gefühl von Trauer. ... Wir benutzen oft nationales Pathos. Und wir sind Meister, wenn es darum geht, die eigene Geschichte propagandistisch und politisch zu vereinnahmen und sie falsch darzustellen. Doch können wir einfach kein Gefühl von Trauer und Leid empfinden. Dabei war dies doch ein ganz schrecklicher Krieg, an den sich unsere Eltern noch gut erinnern. ... Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken, aus dem 1. August einen richtigen Tag der Nationalen Trauer zu machen." (03.08.2015)

Sme - Slowakei | 31.07.2015

Matúš Krčmárik kritisiert die verbale Entmenschlichung von Flüchtlingen

Die Debatte über die Flüchtlinge am Ärmelkanal-Tunnel wird von einer gefährlichen Wortwahl bestimmt, kritisiert Matúš Krčmárik in der liberalen Tageszeitung Sme: "Die Entmenschlichung ist ein Schritt zur 'Endlösung'. Die Nazis karikierten die Juden, die Hutus nannten die Tutsis Kakerlaken. Der nachfolgende Genozid begann mit Worten. ... Die Angst, dass irgendwelche Schwarzen über Nacht 'anständige Europäer' überfallen, ist im Denken vieler tief verwurzelt. Wenn der 'anständige Europäer' dann die Bilder aus Calais sieht, kommt gesetzmäßig die Frage: 'Und diese Leute wollen wir bei uns haben?'. ... Die Menschen klettern aber nicht auf die LKWs, um sich die sommerliche Langeweile zu vertreiben. Natürlich gibt es unter Flüchtlingen auch einige Kriminelle. Es ist aber absurd, zu behaupten, zehntausende Leute kämen nur nach Europa, um die dortigen Frauen zu vergewaltigen oder die Kirchen anzuzünden. Auf die LKWs springen keine namenlosen Horden, sondern Menschen mit einem konkreten Schicksal." (31.07.2015)

Protagon - Griechenland | 28.07.2015

Griechenlandkrise: Nikos Dimou über die antieuropäischen Gefühle seiner Landsleute

Die kritische Haltung der Regierung und großer Teile der Bevölkerung gegenüber der EU wird Griechenland auf lange Sicht nur schaden, fürchtet der Schriftsteller Nikos Dimou im liberalen Webportal Protagon: "Europa ist sicher kein Paradies, aber das Beste, was wir gerade haben. ... Kennt Ihr einen anderen Ort auf diesem Planeten, der die Rechte und die Würde der Bürger mehr achtet und der friedlicher, zivilisierter, fortschrittlicher ist? Würdet Ihr Afrika, Südamerika oder Fernost bevorzugen? Ich fürchte, dass das antieuropäische Gift, das mittlerweile in den Adern der meisten Griechen zirkuliert, uns mehr Schaden bereiten wird als die Schulden und das Defizit. Wir hatten schon immer ein Problem mit unserer nationalen Identität: Ist sie balkanisch, orientalisch, europäisch? Jetzt haben wir dieses Problem so groß geredet, dass die Gefahr besteht, zu einem nationalen Nichts zu werden. Niemand - auch nicht die größte Supermacht - ist autark. Sie arbeitet im Rahmen von Traditionen, eines kulturellen Umfelds und mit Regeln. Wenn wir Europa ablehnen, wohin gehören wir dann eigentlich?" (28.07.2015)

Diário Económico - Portugal | 27.07.2015

Griechenlandkrise: Deutschlands Euro-Austritt würde EU retten, meint Pedro Braz Teixeira

Statt über den Grexit zu debattieren, sollte Europa lieber den Euroaustritt eines anderen Landes in Erwägung ziehen und damit das Ende der Gemeinschaftswährung einleiten, rät der Ökonom Pedro Braz Teixeira in der wirtschaftsliberalen Tageszeitung Diário Económico: "Nun, da der Austritt Griechenlands aus dem Euro Teil des offiziellen Diskurses geworden ist, scheint es sinnvoll, eine Alternative zu erwähnen, die schon seit Jahren als der beste Weg gilt, um die Desintegration des Euro einzuleiten: einen Austritt Deutschlands. ... Dieser nämlich könnte als politische Initiative angesehen werden, die zugibt, dass der Euro zwar ein gut gemeintes Projekt war, das aber angesichts der schwachen Resultate lieber beendet werden sollte. Während ein Grexit als ein Versagen des EU-Projekts gelten würde, könnte ein Austritt Deutschlands die Beseitigung der gravierendsten Störquelle innerhalb der EU seit ihrer Gründung bedeuten: die gemeinsame Währung. Und so kann der wesentliche Zweck der EU wiederhergestellt werden: nämlich Frieden." (27.07.2015)

Handelsblatt - Deutschland | 20.07.2015

Griechenlandkrise: Deutsche wären nach Euro-Austritt plötzlich reicher, erklärt Ashoka Mody

Der US-Ökonom Ashoka Mody fordert in einem Gastbeitrag für das wirtschaftsliberale Handelsblatt den Austritt Deutschlands aus der Eurozone: "Wenn Deutschland die Euro-Zone verlässt, fällt der Wert des Euros. Die Wettbewerbsfähigkeit der ums Überleben kämpfenden Länder an den Rändern Europas wird steigen. ... Würde aber Griechenland ausscheiden - und Portugal und Italien in den nächsten Jahren folgen -, verlöre die jeweils neue Währung, die jedes Land dann für sich einführt, dramatisch an Wert. Kredite in Euro werden unbezahlbar, die Schulden steigen. Und obwohl diese Länder mit ihrer schwächeren Währung eventuell wettbewerbsfähiger sein werden, wird das Leiden nur verlängert. Im Gegensatz dazu sind die negativen Folgen eines Austritts Deutschlands besser in den Griff zu bekommen. Die Deutsche Mark wird einen höheren Wert als der Euro haben. Mit der Mark werden dann mehr Güter und Dienstleistungen eingekauft, als das heute mit dem Euro der Fall ist. Damit wären die Deutschen mit einem Schlag reicher. Zwar verlieren Deutschlands Aktivposten im Ausland im Rahmen der teureren Mark an Wert, doch deutsche Schulden könnten auch einfacher zurückgezahlt werden." (20.07.2015)

Gulf Times - Katar | 26.07.2015

Griechenlandkrise: Philippe Legrain sieht Deutschland als das Problem der Eurozone

Deutschland misst in der Griechenlandkrise mit zweierlei Maß und spielt sich als heuchlerischer Regelhüter auf, moniert der Wirtschaftswissenschaftler Philippe Legrain in der katarischen Tageszeitung Gulf Times: "Solange die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel ihre marktbeherrschende Stellung als Hauptgläubiger für ihre eigenen Interessen missbraucht, kann die Eurozone nicht gedeihen und möglicherweise nicht überleben. Deutschlands enormer Überschuss in der Leistungsbilanz - ein Überschuss, der durch geringe Löhne und Subventionierung von Exporten erwirtschaftet wurde - ist sowohl Ursache der Eurokrise als auch Hindernis bei deren Lösung. … Deutschland bricht ungestraft Regeln, passt sie den eigenen Bedürfnissen an oder erfindet sie je nach Belieben. Auch wenn es andere zu Reformen aufruft, hat es selbst die Empfehlungen der Kommission ignoriert. Als Grundbedingung für das neue Rettungspaket zwingt Deutschland Griechenland dazu, sein Renteneintrittsalter anzuheben und senkt gleichzeitig das eigene. Es besteht darauf, dass griechische Läden sonntags offen bleiben, auch wenn das für deutsche Läden nicht der Fall ist. Korporatismus soll anscheinend anderswo ausgemerzt, zuhause aber geschützt werden." (26.07.2015)

Il Sole 24 Ore - Italien | 26.07.2015

Griechenlandkrise: Dominique Strauss-Kahn hält Südeuropa für überlebenswichtig für den Norden

Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn beschwört in einem offenen Brief in der liberalen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore die Deutschen, den Süden nicht fallen zu lassen: "Heute wende ich mich an Sie, an meine deutschen Freunde, die an das Europa glauben, das wir einst herbeisehnten: an diejenigen, die denken, dass es eine europäische Kultur gibt. ... Sie wurde geschmiedet in dieser sonderbaren Legierung, in der Individualismus und egalitärer Universalismus verschmelzen. Wir sind die Bewahrer dieser Kultur. ... Sagen Sie mir nicht, dass Sie Europa retten wollen, indem sie lediglich gesunde Verwaltungsregeln durchsetzen. ... Niemals wird Ihnen der Rückzug gen Norden ausreichen, denn um sich zu retten, brauchen Sie - wie alle Europäer - Europa. ... Um unter den Giganten zu überleben, wird Europa alle Territorien zwischen dem Eis des Nordens, dem Schnee des Urals und dem Sand des Südens versammeln müssen. ... Verfangen in unseren inneren Konflikten vernachlässigen wir den Süden. Hier liegt aber die Wiege unserer Kultur. Der Süden wird dem alten Europa das neue Blut der jungen Generationen bringen." (26.07.2015)

La Razón - Bolivien | 24.07.2015

Griechenlandkrise: Deutschland raus aus dem Euro, fordert Rolando Morales Anaya

Aufgrund seiner Übermacht sollte Deutschland aus der Eurozone ausgeschlossen werden, argumentiert der Ökonom Rolando Morales Anaya in der bolivianischen wirtschaftsliberalen Tageszeitung La Razón: "Nach zwei grausamen von Deutschland geführten Kriegen ist dieses Land erneut versucht, sich zu einer Art Weltherrscher aufzuspielen, bei Europa beginnend. Dazu bedarf es keiner Waffen mehr, die Wirtschaft liefert die besseren Instrumente. Angela Merkel nahm sich die Freiheit, zwei europäische Regierungen zu stürzen: die von José Luis Rodríguez Zapatero in Spanien und die von Silvio Berlusconi in Italien. Expräsident Nicolas Sarkozy und den aktuellen französischen Staatschef François Hollande behandelt sie wie Söhne. Nun ist sie drauf und dran, die Regierung von Alexis Tsipras in Griechenland abzusägen. Nicht nur weil dieser gegen ihr Diktat aufbegehrt, sondern auch mit dem Ziel, ein Exempel zu statuieren, um Angst in Spanien zu säen, für den Fall, dass dort die Oppositionspartei Podemos die Wahlen gewinnen sollte." (24.07.2015)

The New York Times - USA | 22.07.2015

Griechenlandkrise: Paul Krugman verteidigt seine Euro-Kritik

Seine kritische Haltung zum Euro verteidigt der Ökonom Paul Krugman im Blog der US-Tageszeitung The New York Times: "Ein Vorwurf gegen Wirtschaftskritiker wie mich lautet, dass wir einfach nicht verstehen, dass der Euro ein politisches und strategisches Projekt war und nicht einfach eine wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Frage. Ja, ich bin ein dummer, ordinärer Ökonom, der sich der Bedeutung von Politik und internationalen Strategien für den politischen Entscheidungsprozess nicht bewusst ist und der noch nie vom europäischen Projekt und dessen ursprünglicher Absicht, die europäische Kriegsgeschichte hinter sich zu lassen, gehört hat. ... Naja, eigentlich weiß ich alles darüber. Aber der Punkt ist doch der: Das Europa-Projekt kann nur funktionieren, wenn die dazugehörigen wirtschaftlichen Maßnahmen eine gute Idee sind - oder zumindest keine ganz katastrophale. Auf dem Weg zum Euro hatte sich die europäische Elite in das Symbol einer Einheitswährung verliebt und Warnungen ignoriert, dass die Vorteile einer Währungsunion für die ökonomische Logik - anders als die Abschaffung von Handelsschranken - bestenfalls nicht zweifelsfrei erkennbar waren und tatsächlich ex ante eine sehr schlechte Idee." (22.07.2015)

Corriere della Sera - Italien | 22.07.2015

Griechenlandkrise: Für Federico Fubini ist Athen nur Spielball von Apologeten

Die Krise in Griechenland dient Politikern und Intellektuellen seit einiger Zeit nur noch als Symbol, mit dem sie ihre eigenen Argumente unterfüttern, klagt der Wirtschaftsexperte Federico Fubini in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: "Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz oder Paul Krugman beharren auf der Vorhersage, die Einigung werde nicht halten und der Euro zerfallen. ... Sie führen gute Argumente an, doch präsentieren sie diese auf so nachdrückliche Weise, dass der Verdacht aufkommt, es stecke eine gewisse Ungeduld dahinter. Denn, träte das Schlimmste ein, wäre dies die Bestätigung, wie richtig sie mit ihren neokeynesianischen Theorien gegen Haushaltskürzungen lagen. ... Das gilt nicht nur für Stiglitz und Krugman, sondern auch für Politiker von Antisystemparteien wie Podemos-Chef Pablo Iglesias in Spanien und Beppe Grillo in Italien. ... Seit geraumer Zeit muss Griechenland mit seinem Drama für andere als Symbol herhalten. Die Sorge um elf Millionen Griechen kommt dabei an zweiter Stelle." (22.07.2015)


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