Navigation

 

Reflexionen

1-10 von 17 | Seite 1 . 2 . weiter  »

REFLEXIONEN

Infowar - Griechenland | 20.11.2014

Aris Chatzistefanou kritisiert die Toleranz der EU gegenüber Ultrarechten

Der Vorsitzende der ultra-rechten Partei Laikós Orthódoxos Synagermós (Laos) Giorgos Karatzaferis, damaliger Koalitionspartner von Premier Lucas Papademos, muss sich bald vor der Justiz verantworten. Das Verfahren wegen der Annahme von Schmiergeldern und anderer Unregelmäßigkeiten wurde am Mittwoch bekannt. Der Kolumnist Aris Chatzistefanou nimmt das zum Anlass, um auf dem Webportal Infowar die Tolerierung von Rechtsextremisten durch die EU zu beleuchten: "Wie in der Ukraine, wo Brüssel in Zusammenarbeit mit lokalen Oligarchen die nationalistische Swoboda an die Macht brachte, so haben die Troika und die Banken auch in Griechenland die Teilnahme von Karatzaferis an der Koalitionsregierung forciert. ... Um die Sparpolitik durchzusetzen brauchte die EU einen nicht gewählten Premier an der Spitze, unterstützt von einer breiten Koalition, der auch die rechtsextreme und junta-freundliche Partei angehörte. ... Das war der Moment als rechtsextreme und junta-freundliche Elemente von Laos wie Adonis Georgiadis und Makis Voridis [heute Gesundheitsminister] von der Regierungspartei Nea Demokratia angenommen wurden." (20.11.2014)

Mediapart.fr - Frankreich | 18.11.2014

Paul Alliès fordert weniger Macht für Frankreichs Präsidenten

Angesichts der verheerenden Halbzeitbilanz von Frankreichs Präsident Hollande fordert Jura-Professor Paul Alliès in seinem Blog in der Online-Zeitung Mediapart, die Macht des Staatsoberhaupts zu beschneiden: "Das semi-präsidentielle System Frankreich ist in Europa eine einzigartige Ausnahme. Alle anderen Mitgliedstaaten haben unterschiedliche parlamentarische Systeme, in denen der Regierungschef von der Mehrheit im Parlament bestimmt wird, was seine Rolle im Grunde auf repräsentative Aufgaben beschränkt. Die Franzosen wählen ihren Präsidenten direkt und er übt eine gewaltige politische Macht aus. Die Zwangsjacke des Präsidentenamts hindert Frankreich daran, eine große, stabile Koalition auf die Beine zu stellen, wie sie in den meisten europäischen Ländern existiert. Angesichts der heutigen Herausforderungen muss die Epoche enden, in der man regelmäßig einen neuen König wählt und ihn ebenso regelmäßig austauscht." (18.11.2014)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 20.11.2014

Klaus Brill über die merkwürdige Psychogeografie der Deutschen

Zwischen Russland und Deutschland befinden sich zwölf Staaten mit rund 160 Millionen Einwohnern. Dennoch sehen viele Deutsche Russland als wichtigsten Nachbarn, kritisiert Klaus Brill in der linksliberalen Süddeutsche Zeitung: "Wenn also Deutsche in diesen Zeiten von Russland als Nachbar sprechen, dann meinen sie das gewiss in höherem Sinne - oder sie haben die alten Karten vor Augen. ... Alles eine Frage des Blickwinkels. Jeder hat im Kopf und im Gemüt seine eigene 'mental map'. Auf ihr sind Länder nach persönlichem Interesse und tagespolitischer Brisanz sortiert. ... Wir haben es mit einer Art Psychogeografie zu tun, in der auch Machtverhältnisse und individuelle Erfahrungen eingespiegelt sind. ... Es kann nicht verwundern, dass die "dazwischen" [zwischen Russland und Deutschland] Platzierten mit anderen 'mental maps' leben. Ihnen fällt deshalb, wenn sie Deutsche so reden hören, als Erstes auf, dass sie selbst wieder einmal großzügig übersehen werden. ... So paradox es klingt: Innerlich liegt Russland manchen Deutschen offenbar viel näher als das, was sich zwischen beiden Ländern befindet. Für Polen, Letten, Esten oder Litauer ist das schmerzlich." (20.11.2014)

Delfi - Litauen | 18.11.2014

Historische Parallelen sind sinnlos, meint Romas Sadauskas-Kvietkevičius

Dass in Litauen häufig historische Parallelen zwischen Gegenwart und Vergangenheit gezogen werden, hinterfragt der Publizist Romas Sadauskas-Kvietkevičius auf dem Portal Delfi kritisch: "2014 vergleichen wir mit 1914, als Europa in den Flammen des Ersten Weltkrieges versank; beim Verfolgen der Nachrichten aus der Ostukraine erinnern wir uns daran, wie wir es 1940 nicht geschafft haben, einen bewaffneten Widerstand gegen die Sowjetunion zu leisten; und wenn wir die Forderungen der polnischen Minderheit besprechen, die Straßennamen [in von Polen dicht besiedelten Orten] auf Polnisch zu schreiben, erinnert man sich unbedingt an die Okkupation des Vilniusser Gebiets [durch Polen] in der Zwischenkriegszeit. ... Diese vererbte Vergangenheit hilft manchmal, die heutigen Ereignisse und Bedrohungen zu verstehen. Viel öfter hindert sie uns jedoch daran, eine klarere Zukunftsperspektive zu sehen. Es ist ähnlich wie in einem alten Haus, in dem sich zu klein gewordene Kleider einiger Generationen, Spielzeuge aus der Kindheit, nicht funktionierende oder einfach veraltete Geräte stapeln und den Raum zustellen." (18.11.2014)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | 12.11.2014

Für Michail Jampolsky verlieren Russen Bezug zur Realität

Die russische Gesellschaft ist geprägt von Ressentiments und Erschöpfung und drauf und dran eine Sklavenmoral zu entwickeln, analysiert der russisch-amerikanische Kulturhistoriker Michail Jampolsky in der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung:  "Die Realitätsverweigerung im gegenwärtigen Russland steht meiner Ansicht nach in direktem Zusammenhang mit der Hilflosigkeit von Menschen, die unfähig sind, auch nur die kleinste Veränderung in ihrem Land oder wenigstens in ihrer Familie zu bewirken. ... Die gesamte russische Gesellschaft, von Putin bis zum letzten Straßenkehrer, ist gleichermaßen vom Ressentiment infiziert. Bei Putin liegt es daran, dass Russland und sein Präsident nicht als gleichberechtigte Akteure in der globalen Arena akzeptiert werden, für den Straßenkehrer an seiner Hilflosigkeit gegenüber Polizisten, Beamten, Richtern und Kriminellen. Ich glaube, die Ressentiment-Phantasien der Staatsmacht fanden in einem bestimmten Moment bei den Ressentiment-Phantasien der Bevölkerung ein eigentümliches Echo. ... Obwohl die Regierung, wie Putin sie verkörpert, daran schuld ist, dass den Bürgern jede Form von Einflussnahme auf Ereignisse und Entscheidungen verwehrt ist, nützen die aktuellen psychischen Metamorphosen ihr, statt ihr zu schaden." (12.11.2014)

Irish Independent - Irland | 16.11.2014

Dan O'Brien sieht politische Mitte in Krisenländern implodieren

Die drei großen irischen Parteien des politischen Zentrums kommen laut einer aktuellen Meinungsumfrage zusammen auf nicht einmal mehr 50 Prozent der Stimmen. Auch in Spanien und Griechenland drohen traditionelle Parteien bei den nächsten Wahlen gegenüber populistischen oder anti-demokratischen Kräften stark zu verlieren, analysiert Kolumnist Dan O'Brien in der konservativen Tageszeitung Irish Independent: "Jene, die die Meinung vertreten haben, dass die aktuelle Ära jene der 1930er-Jahre widerspiegelt, haben nun noch bessere Argumente. Betrachtet man die jüngsten Entwicklungen in Irland und Spanien und den seit längerem bestehenden Trend in Griechenland, wird deutlich, dass sich das politische Zentrum nach sechs Jahren wirtschaftlicher Krise in den am stärksten vom Abschwung betroffenen Ländern nicht länger behaupten kann. ... In allen drei Staaten wird bald die zweite Parlamentswahl nach 2008 [dem Ausbruch der Krise] stattfinden. Und alles deutet darauf hin, dass es politische Turbulenzen geben wird. ... Jene, die vor den politischen Folgen der Wirtschaftskrise gewarnt haben, haben nun tatsächlich allen Grund, sich Sorgen zu machen." (16.11.2014)

NaTemat.pl - Polen | 13.11.2014

Aleksandra Kosmopolska über Polens fehlende Moral

Die polnische nationalkonservative PiS hat am Montag drei Abgeordnete aus der Partei geworfen, die Reisekosten falsch abgerechnet hatten. Dass sie nicht von allein zurücktraten, zeugt von einem Mangel an gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein, den nicht nur diese drei vorweisen können, ärgert sich die Bloggerin Aleksandra Kosmopolska auf dem Online-Portal NaTemat: "Ich habe mal überlegt, warum ausgerechnet Polen ein solch komisches Land ist, in dem es außergewöhnlich viele politische und moralische Affären gibt. Statistisch ist dies mehr als woanders. ... Jeder, der gewählt wird, stammt doch aus dem gleichen Volk. Er hat die gleichen ethischen Normen und den gleichen kulturellen Hintergrund. Dabei ist in der [polnischen] Gesellschaft das Verantwortungsbewusstsein für das gemeinschaftliche Wohl kaum vorhanden. ... Außerdem sind die Medien nur dann kritisch, wenn man damit die Auflagenzahl steigern kann. Deshalb kann es keine politische Kultur geben, in der die Leute von alleine zurücktreten. Das heißt, es gibt dort kein gesundes politisches System." (13.11.2014)

Jutarnji List - Kroatien | 11.11.2014

Snježana Pavić über die Verschiebung der Berliner Mauer

Die vor 25 Jahren gefallene Berliner Mauer ist nicht verschwunden, sondern wurde vielmehr an die Außengrenze der EU verschoben, mahnt die Kolumnistin Snježana Pavić in der liberalen Tageszeitung Jutarnji List: "Feuerwerk, Champagner und Luftballons können nicht verbergen, dass die Wirklichkeit, die in den letzten 25 Jahren entstanden ist, ganz anders ist, als die Hoffnungen der jungen Menschen am Brandenburger Tor im November 1989. Das Ende der bipolaren Welt sollte der Aufbruch in eine menschlichere Zukunft werden. ... Tatsächlich sind beide Welten, Ost und West, zusammengebrochen. Die eine so drastisch, dass nach zwei Jahren keine Spuren von ihr übrig geblieben sind. Die andere verschwand allmählich und liegt heute in den letzten Atemzügen ihrer einst ruhmreichen Blüte. Guantánamo und Snowden haben die Geschichte von Freiheit und Menschenrechten umgekehrt. Das 'Freie Europa' gleicht immer mehr dem Weltbild eines Katastrophen-Films aus Hollywood, in dem die Überlebenden ihre übrig gebliebenen zivilisatorischen Ressourcen mit Schüssen auf die hoffnungslos ausgehungerte Masse auf der anderen Seite der Mauer verteidigen. Diese Mauer verläuft nicht mehr durch das Zentrum von Berlin, sondern entlang der Grenze von Spanien, Italien, Bulgarien Griechenland, Kroatien." (11.11.2014)

Financial Times - Großbritannien | 10.11.2014

Gideon Rachman findet Russland bedrohlicher als den IS

Barack Obama will sich nach dem Apec-Gipfel in Peking am Mittwoch mit Chinas Staatschef Xi Jinping treffen, um eine stärkere Kooperation beider Länder zu vereinbaren. Außerdem kündigte er Samstag an, im Kampf gegen IS die Truppen im Irak zu verdoppeln. Statt mit den Terror-Milizen und China sollte sich der US-Präsident lieber mit einem anderen Global Player beschäftigen, warnt Chefkolumnist Gideon Rachman in der konservativen Tageszeitung Financial Times: "Historiker werden beurteilen müssen, ob die Obama-Regierung ihre strategischen Prioritäten richtig gewählt hat oder ob sie im entscheidenden Moment in die falsche Richtung losgestürmt ist. Mein Instinkt sagt mir, dass Russland derzeit die größte Herausforderung darstellt. Chinas Aufstieg ist enorm bedeutsam, momentan wirkt dieser jedoch wie ein langwieriger Prozess, ohne dass ein unmittelbarer Konflikt mit den USA droht. Scheiternde Staaten im Nahen und Mittleren Osten und die Gefahr von Terrorismus sind Bedrohungen, die zu diesem Zeitpunkt leider schon normal wirken. Doch ein wütendes, atomar bewaffnetes Russland, das fest entschlossen ist, die USA in ihrer Machtstellung herauszufordern, stellt Risiken dar, die wir erst zu verstehen beginnen." (10.11.2014)

Zaman - Türkei | 06.11.2014

Ali Bulaç über die unmoderne Auslegung des Islam durch den IS

Die radikalen, frauenfeindlichen Regeln des alltäglichen Lebens, die der Islamische Staat in Mossul und anderen besetzten Städten aufgestellt hat, befolgen nur vordergründig die Gebote des Korans, reflektiert der Theologe und Autor Ali Bulaç in der konservativ-islamischen Tageszeitung Zaman: "Wenn es wirkliche Beweise dafür gäbe, dass diese Praxis erforderlich ist, würden wir alle sagen, dies ist ein göttliches Dekret, und wir würden die Regeln befolgen. ... In früheren Epochen haben islamische Rechtsgelehrte jeden Text, jedes Urteil mit der Akribie eines Juweliers betrachtet und mit den Lebensbedingungen der Zeit abgeglichen. ... Das können wir heute nicht machen. Die Muslime müssen einen Ausweg aus dem Dilemma finden, zwischen einer Moderne, die sich radikal von den Lebensbedingungen früherer Epochen entfernt hat, und einer falsch angewandten Praxis, die wortwörtlich aus der früheren Zeit übernommen wird. Denn sonst werden sowohl die Muslime selbst als auch der Islam großen Schaden nehmen, der als moralische, freiheitliche und gerechte Religion entworfen wurde." (06.11.2014)


1-10 von 17 | Seite 1 . 2 . weiter  »

Weitere Inhalte