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Reflexionen

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REFLEXIONEN

Público - Portugal | 09.02.2012

Joseph Nye über männlichen und weiblichen Führungsstil

Die Qualität einer Führungsperson hängt keinesfalls vom Geschlecht ab, analysiert der US-Politologe Joseph Nye in der Tageszeitung Público, doch die Welt wäre wohl friedlicher mit mehr Frauen in Leitungsfunktionen: "Führungspersonen sollten weniger im Hinblick auf heldenhafte Befehlsgewalt betrachtet werden, sondern vielmehr im Lichte ihrer Fähigkeit, in einem Unternehmen, einer Gruppe, einem Land oder Netzwerk Mitwirkung zu fördern. Fragen des angemessenen Stils - wie etwa der Einsatz harter und weicher Fähigkeiten - sind für Männer und Frauen gleichermaßen relevant und sollten nicht durch traditionelle geschlechtsspezifische Stereotype vernebelt werden. In manchen Fällen werden Männer mehr 'wie Frauen' agieren müssen und in anderen Fällen werden Frauen eher 'wie Männer' handeln müssen. Die wichtigsten zukünftigen Entscheidungen über Krieg und Frieden werden nicht vom Geschlecht abhängen, sondern davon, wie Führungspersonen Fähigkeiten der harten und weichen Macht kombinieren, um zu intelligenten Strategien zu kommen. Diese Entscheidungen werden sowohl Männer als auch Frauen treffen. Aber der [Harvard-Psychologe] Steven Pinker hat wahrscheinlich recht, wenn er feststellt, dass in denjenigen Teilen der Welt, die hinsichtlich des Rückgangs der Gewalt hinterherhinken, auch im Hinblick auf die Gleichberechtigung der Frauen Aufholbedarf besteht." (09.02.2012)

Ta Nea - Griechenland | 08.02.2012

Giannis Politis über zwei deutsche Rezepte für die griechische Krise

Deutschland ist zweigeteilt in der Griechenland-Frage, analysiert der Kolumnist Giannis Politis in der linksliberalen Tageszeitung Ta Nea die unterschiedlichen Botschaften, die aus Deutschland nach Griechenland gelangen: "Es gibt zwei Deutschlands und zwei Rezepte für die Rettung Griechenlands. Das erste kennen wir alle. Es wird von Angela Merkel, ihrem Gefolge in der Regierung und den Banken vertreten. Sie behandeln uns wie protestantische Mönche: erst harte Strafe und Demütigungen, dann die Erlösung. … Aber selbst die religiöse Hingabe, mit der die Kanzlerin die harte Taktik verfolgt, hat keine Früchte getragen. Glücklicherweise gibt es auch das andere Deutschland - das von Helmut Schmidt und seinen Gesinnungsgenossen, das von der europäischen Idee überzeugt ist. Zusammen mit bedeutenden Medien verlangt dieses Deutschland, dass die Farce der angeblichen Rettung Griechenlands aufhört, und es schlägt vor, dass das Griechenland mit einem neuen Marshall-Plan wiederaufgebaut wird. … Es ist offensichtlich, dass die gegenwärtige Führung in Deutschland nicht die einzige Wahrheit besitzt." (08.02.2012)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 08.02.2012

Arié Malz fordert mehr Einsatz für eine supranationale Weltordnung

Die neue, multipolare Weltordnung mit mehreren Machtzentren ist in ihrer jetzigen Form noch nicht tragfähig, meint der Verteidigungsexperte Arié Malz in der liberal-konservativen Neuen Zürcher Zeitung: "Der von Russland, China und Indien verlangte Wechsel von einer unipolaren zu einer polyzentrischen Welt ist Realität geworden, ohne dass sich dabei ein tragfähiges System herausgebildet hätte. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die in immer kürzeren Abständen von einer Krise in die nächste schlittern. Bisher hat das pragmatische Handeln der Beteiligten allen unmittelbaren Krisen den Geschmack der Katastrophe genommen. Schleichende Risiken dagegen wie zum Beispiel die Klimafrage oder die Welternährung nimmt man bewusst in Kauf, und ihre Bewältigung wird vertagt. Daher wäre es kurzsichtig, diese Realität des pragmatischen Handelns zum erfolgreichen Konzept zu erheben. Das Ringen um ein tragfähiges supranationales Gebilde für das 21. Jahrhundert muss weitergehen. Doch vorderhand sind nicht einmal die Umrisse eines solchen Systems erkennbar." (08.02.2012)

Jornal de Negócios - Portugal | 05.02.2012

Stephen Roach über China und Indien als Opfer der Euro-Untergangs

China und Indien werden die nächsten Opfer der Euro-Krise sein, sollten sie ihre Wirtschaftspolitik nicht neu ausrichten, meint der Ökonom Stephen Roach in der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios: "Doch keine der beiden Volkswirtschaften wird wohl von allein implodieren. Es bedürfte einer zusätzlichen Erschütterung, um in Asien eine harte Landung auszulösen. Eine offensichtliche Möglichkeit wäre ein Unruhe stiftendes Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion. In diesem Fall könnten sowohl China als auch Indien (wie auch sonst die meisten Volkswirtschaften weltweit) in ernste Schwierigkeiten geraten. … Der Westen hat sich von der politischen Ökonomie eines falschen Wohlstands verführen lassen und seine Macht verbraucht. Asien - getrieben von strategischem Denken und Stabilitätsbewusstsein - hat auf seinen neu gefundenen Stärken aufgebaut. Aber nun muss es sich neu erfinden. Eine Stagnation japanischen Stils in der entwickelten Welt fordert das bisher vom Außenhandel abhängige Asien heraus, sich auf die Binnennachfrage zu konzentrieren. Der Druck, unter dem China und Indien derzeit selbst stehen, verstärkt diese Notwendigkeit." (05.02.2012)

Welt am Sonntag - Deutschland | 05.02.2012

Richard Herzinger verzweifelt nicht an Gewalt im Nahen Osten

Der Nahe Osten kommt seit dem Erwachen der Freiheitsbewegung im vergangenen Jahr nicht zur Ruhe. Europas Demokratien haben rund 200 Jahre gebraucht, um sich zu stabilisieren, tröstet sich der Publizist Richard Herzinger in der konservativen Welt am Sonntag, denn es "lohnt die Vergegenwärtigung der Tatsache, dass revolutionäre Umwälzungen, wie sie jetzt den Nahen Osten erfasst haben, in aller Regel viele Jahrzehnte voller blutiger Wirren, schrecklicher Irrwege und grausamer Kriege in Anspruch genommen haben. Dabei war das zentrale Problem von Revolutionen stets, wie die in ihr entfesselte Gewalt eingefangen und institutionell begrenzt werden kann. Der amerikanischen Revolution gelang dies einigermaßen vorbildlich, die Französische Revolution lief erst einmal terroristisch aus dem Ruder - von der russischen nicht zu reden. Insgesamt hat es an die 200 Jahre gedauert, bis die Demokratie in der westlichen Welt umfassend etabliert war. Die Besinnung auf das Denken in langen Linien der Geschichte kann immerhin helfen, an den gegenwärtigen Schrecken im Nahen Osten nicht zu verzweifeln - und sich, statt Visionen von einer idealen demokratischen Zukunft nachzuhängen, auf die beharrliche Bekämpfung schlimmster Inhumanität zu konzentrieren." (05.02.2012)

Trends Tendances - Belgien | 03.02.2012

Bruno Colmant über Europas Jugend als Opfer der Krise

Bei den Verhandlungen zur Lösung der europäischen Schuldenkrise vergessen die europäischen Staats- und Regierungschefs gerne, dass auf lange Sicht Europas Jugend die Rechnung zahlen wird, mahnt der Wirtschaftsprofessor Bruno Colmant in der die Wirtschaftszeitung Trends Tendances: "Schulden sind eine Hypothek auf den Wohlstand zukünftiger Generationen, wodurch diese unbestreitbar an der demokratischen Teilhabe gehindert werden. Daher wird sich unsere europäische Gemeinschaft sicherlich den heftigen ideologischen Debatten stellen müssen, die während der vergangenen 30 Jahre von der günstigen Konjunktur erstickt wurden. Die nächsten Jahre werden von zunehmenden Spannungen zwischen einem individuellen Kapitalismus und kollektiven Kräften geprägt sein, die gegen Spekulationen, für höhere Steuern und inflationäre Maßnahmen eintreten werden. Dieser Konflikt wird von sozialen Spannungen aufgrund der ungleichen Verteilung zwischen den Generationen, die man bereits in vielen Ländern beobachten kann, noch verstärkt werden. Denn für all diese Szenarien gilt: Die Jugend ist das Opfer." (03.02.2012)

Hospodářské noviny - Tschechien | 02.02.2012

Tomáš Sedláček über Tschechiens seltsamen Isolationismus

Das Nein Tschechiens zum neuen EU-Fiskalpakt isoliert das Land zunehmend, fürchtet der Wirtschaftswissenschaftler Tomáš Sedláček in der liberalen Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny: "Unsere Politik, sei es die aus dem Präsidialamt oder zunehmend auch aus der Regierung, wendet sich grundsätzlich gegen alles, was mit E wie Europa beginnt. Das Nein zum Fiskalpakt war ein trauriges Beispiel dafür. Dabei passt der Pakt der Regierung in den Kram. Aber er ist von der EU vorgeschlagen worden. Jeder Ökonom, jeder Politiker muss sich da an den Kopf fassen. Es ist schon sehr mutig, eine Chance zu vergeben, um die Verschuldung unseres Landes zu verhindern. ... Glauben wir wirklich, dass wir mit unserem Nein unsere Souveränität beweisen? Auch ein US-Präsident, das starke Deutschland oder das stolze Frankreich müssen Kompromisse schließen, suchen Verbündete. Wie viele haben wir von dieser Sorte? Immer und immer weniger. Dafür runzeln mehr und mehr Staaten über uns die Stirn." (02.02.2012)

ABC - Spanien | 01.02.2012

Spanien muss sich Merkels Sparpolitik unterordnen

Spanien tut gut daran, sich der von Deutschland verordneten Sparpolitik unterzuordnen, meint die konservative Tageszeitung ABC: "Europa hat Keynes per Dekret verboten und die Gegner der Sparpolitik ziehen lange Gesichter. So wie Margaret Thatcher vor 30 Jahren hat sich nun Angela Merkel mit ihrem Sparfundamentalismus durchgesetzt, gegen dieses verschwenderische Gen der Sozialdemokratie, die immer eine Ausrede sucht, um mehr auszugeben: in Jahren des Booms, weil es Geld im Überfluss gibt, in Zeiten der Rezession, weil man das Wachstum anschieben muss. Aber die deutsche Kanzlerin ist eine vorsichtige Frau, die mit der Angst vor der Inflation erzogen wurde, die ihre Nation während der Weimarer Republik ausgebrütet hat, der Vorstufe zum Nationalsozialismus. Und das Credo ihrer Führerschaft ist unantastbar: Erst den Haushalt ausgleichen, danach sehen wir weiter. ... Spanien tut gut daran, sich dieser Politik anzupassen, und hat auch gar keine andere Wahl. Reformen oder Bankrott, es bleibt keine andere Möglichkeit. ... Es ist nur sie, also Deutschland, die den europäischen Motor am Laufen hält und bestimmen kann, wo es lang geht. ... Und wer zahlt, bestimmt die Regeln. Vielleicht gibt es einen Plan B, aber der wird nicht angerührt, solange Plan A nicht erfüllt ist." (01.02.2012)

Financial Times Deutschland - Deutschland | 31.01.2012

Alan Greenspan sieht den Kapitalismus zu Unrecht in Verruf

Die freie Marktwirtschaft hat seit ihrer Entstehung das Leben aller Menschen verbessert, meint  Alan Greenspan, der ehemalige Chef der US-Notenbank Fed in der liberalen Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland. Außerdem seien Habsucht und Ungleichheit keine Besonderheiten des Kapitalismus: "Während des vergangenen Jahrhunderts schuf das durch konkurrierende Märkte erzeugte Wirtschaftswachstum Ressourcen, die das für den Fortbestand notwendige Mindestmaß deutlich überstiegen. Selbst in am stärksten auf Konkurrenz ausgerichteten Volkswirtschaften wie der amerikanischen wurde dieser Überschuss größtenteils dazu genutzt, die Lebensqualität zu steigern - Fortschritte im Gesundheitswesen, höhere Lebenserwartung und damit einhergehende Rentensysteme, ein allgemeines Bildungssystem und deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen. Einen Großteil dieses beträchtlichen Vermögensanstiegs, der durch unsere marktgetriebenen Volkswirtschaften generiert wurde, haben wir dazu genutzt, uns das zu erkaufen, was die meisten als höheres Maß an Zivilität bezeichnen würden. ... Gier und Habsucht werden mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht und häufig angefeindet. Aber sie sind in Wahrheit Teil der menschlichen Natur … und sie treten in allen Wirtschaftsformen auf." (31.01.2012)

Basler Zeitung - Schweiz | 31.01.2012

Rolf Weder über den Sündenbock Wirtschaftswissenschaften

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Teilnehmenden auch darüber diskutiert, ob die Wirtschaftswissenschaften einen Anteil an der anhaltenden Wirtschaftskrise haben. Anstatt jedoch bei den Wissenschaftlern die Schuld für verfehlte Analysen zu suchen, sollte sich die Politik selbst an die Nase fassen, meint der Basler Ökonom Rolf Weder in der konservativen Basler Zeitung: "Die Wirtschaftswissenschaften weisen seit Jahrzehnten darauf hin, dass der Markt bei fehlenden Eigentumsrechten wie im Falle der globalen Gemeinschaftsgüter (zum Beispiel die Weltmeere oder das Klima) nicht richtig funktionieren kann. Die Politik wird von der Disziplin deshalb konstant ermahnt, vorgeschlagene Regeln auf globaler Ebene einzuführen. Jene macht aber gerne das Gegenteil. So werden die Fischereiindustrien weltweit mit Milliarden subventioniert, anstatt sie zu besteuern und so die Überfischung der Meere zu vermindern. Meines Erachtens müssten sich die Damen und Herren in Davos viel mehr mit solchen Dingen beschäftigen, als über unsere Disziplin und ein Perpetuum mobile für die Schulden- und Eurokrise zu debattieren." (31.01.2012)


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