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Reflexionen

REFLEXIONEN

Hürriyet Daily News - Türkei | 27.05.2015

Abdullah Gül über den ideologischen Kampf gegen Dschihadisten

Der Kampf gegen die Terrorgruppe IS kann nur gewonnen werden, wenn ihr die Muslime im Nahen Osten die Demokratie entgegensetzen, meint der türkische Ex-Präsident und Mitbegründer der islamisch-konservativen AKP, Abdullah Gül, der seit August 2014 nicht mehr in der Politik aktiv ist: "Es ist von entscheidender Bedeutung, die Ziele des Arabischen Frühlings für alle Völker in der Region am Leben zu erhalten und relativ stabile Länder zu ermutigen, ihre Bemühungen um eine verantwortungsbewusste Regierungsführung fortzuführen. Demokratische Standards müssen geschützt und verbessert werden. ... Gegen die dunklen Dystopien von Organisationen wie al-Qaida oder IS sollten Muslime aufgeklärte und funktionsfähige Regierungsmodelle präsentieren, die auf den wahren Werten des Islam beruhen - vor allem Gerechtigkeit und Barmherzigkeit -, und ernsthafte Schritte unternehmen, um sie aufrichtig umzusetzen. … Ich glaube, ein überzeugender ideologisch-theologischer Kampf gegen extreme Fanatiker ist eine moralische Pflicht für die Politiker und Intellektuellen in Ländern wie Ägypten, der Türkei, Bosnien-Herzegowina und Iran ebenso wie Marokko und Tunesien." (27.05.2015)

Il Sole 24 Ore - Italien | 20.05.2015

Für Adriana Cerretelli ist Europa zum Stillstand verdammt

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben am Dienstag auf eine Einigung in der griechischen Schuldenkrise bis Ende Mai gedrungen. Die Journalistin Adriana Cerretelli glaubt jedoch nicht daran, dass es eine Einigung geben wird und meint in der liberalen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore, die EU droht an ihrer Politik des Nichtstuns zu scheitern: "Mit jedem Tag wird deutlicher, dass der politische Preis, den einzelne Regierungen für eine Einigung zahlen müssen, so hoch ist, dass es für sie besser wäre, keine Vereinbarung zu treffen, statt einer Vereinbarung, die auf nationaler Ebene und bei den Wählern eine Bumerang-Wirkung hätte. ... Bis zur Lehman-Pleite waren Krisen und Notstände entscheidende Triebfedern, die Europa große Schritte nach vorn brachten. Nun scheint das Gegenteil der Fall zu sein, denn zu den traditionellen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Interessenskonflikten haben sich mit der wachsenden Abhängigkeit der Mitgliedstaaten untereinander, politische, demokratische, kulturelle und wahlpolitische Interessenkonflikte gesellt. Fazit: Europa zu regieren, ist so schwierig geworden, dass die Versuchung nichts zu tun unwiderstehlich wird." (20.05.2015)

Il Sole 24 Ore - Italien | 13.05.2015

Kenneth Rogoff über die Schuld des Westens am Flüchtlingselend

Die Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer müssen im Zusammenhang mit der globalen Ungleichheit gesehen werden, fordert der US-Ökonom Kenneth Rogoff in der liberalen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore und wirft dem Westen Versäumnisse vor: "Europas Migrationskrise deckt einen fundamentalen Fehler, wenn nicht gar übermächtige Scheinheiligkeit in der laufenden Debatte über die wirtschaftliche Ungleichheit auf. ... Viele Vordenker in den hochentwickelten Volkswirtschaften vertreten eine Anspruchsmentalität, doch der Anspruch endet an der nationalen Grenze: Obwohl sie eine größere Umverteilung innerhalb ihrer jeweiligen Länder als absolute Notwendigkeit betrachten, bleiben die Bewohner der Schwellen- und Entwicklungsländer außen vor. ... Die Ungleichheitsdebatte konzentriert sich so stark auf die nationale Ungleichheit, dass das viel größere Problem globaler Ungleichheit davon überschattet wird. Das ist schade, denn die reichen Länder könnten hier in vieler Hinsicht etwas bewirken. Sie können kostenlose Online-Unterstützung im Bereich der Medizin und der Bildung leisten, die Entwicklungshilfe ausweiten, den armen Ländern Schuldenerlasse und Marktzugang gewähren. ... Die Ankunft verzweifelter Boatpeople an Europas Küsten ist ein Symptom ihres Versäumnisses, das zu tun." (13.05.2015)

nrc.next - Niederlande | 11.05.2015

Die Globalisierung zerstört Europas Linke, meint Caroline de Gruyter

Die Wahlniederlage von Labour in Großbritannien ist ein erneuter Beweis für die Krise der Linken in Europa, die den Preis für die Globalisierung bezahlt, analysiert die Europakorrespondentin Caroline de Gruyter in der liberalen Tageszeitung nrc.next: "Eine linke Regierung führt fast dieselbe Wirtschaftspolitik aus wie eine rechte. Diese Politik wird über ihren Kopf hinweg vorgegeben: von den Märkten, dem IWF, der Troika oder dem Vorstand von Pimco, einer der größten Investmentgesellschaften der Welt. ... Durch die wirtschaftliche Globalisierung fiel der wichtigste Unterschied von links und rechts weg. Sie schmolzen zusammen zum 'Establishment'. Im Wahlkampf geht es vor allem um andere, nicht wirtschaftliche Themen. Es geht nicht mehr um die gerechte Gesellschaft, für die die Linke immer eintrat. ... Wähler hören eine Establishment-Botschaft über Haushaltsdisziplin, Reformen und Sparmaßnahmen. ... Das ist ein Grund, warum immer mehr Europäer entweder gar nicht erst zur Wahl gehen oder aus Protest oder Frust 'etwas Neues' wählen." (11.05.2015)

Világgazdaság - Ungarn | 04.05.2015

Harold James über den Wirtschaftserfolg autoritärer Staaten

Autoritär geführte Staaten stehen wirtschaftlich mitunter besser da als demokratische, konstatiert der Historiker Harold James in der wirtschaftsliberalen Wirtschaftstageszeitung Világgazdaság: "Autoritäre Regime - die nicht auf die Plünderung des eigenen Landes aus sind - sind zielorientierter, wenn es darum geht, Maßnahmen zu ergreifen, die nachhaltige Wirtschaftserfolge gewährleisten. Das explodierende chinesische Wachstum seit Beginn dieses Jahrhunderts hat das Schlaglicht der Weltöffentlichkeit auf die positiven Effekte des Autoritarismus gelenkt. Dass es der Kommunistischen Partei Chinas gelungen ist, das Land erfolgreich durch die Stürme der Finanz- und Wirtschaftskrise zu navigieren, hat anderer Staaten aufmerksam gemacht, die dem chinesischen Beispiel folgen wollen. Staatenlenker wie der Russe Wladimir Putin, der Türke Recep Tayyip Erdoğan, der Ägypter Abdel Fattah el-Sissi und der Ungar Viktor Orbán nehmen in Kauf, dass für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum die Demokratie bisweilen eingeschränkt werden muss." (04.05.2015)


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