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Reflexionen

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REFLEXIONEN

Avvenire - Italien | 03.07.2015

Fulvio Scaglione über die Furcht vor der islamistischen Hydra

Nach der Anschlagsserie auf dem Sinai hat Ägypten sein Anti-Terror-Gesetz verschärft, um der IS-Miliz entgegenzutreten. Der Kampf gegen die Terrorgruppe muss in Syrien und im Irak beginnen, mahnt Journalist Fulvio Scaglione in der katholischen Tageszeitung Avvenire: "Der Sinai grenzt an den Gazastreifen, an Israel, an Jordanien und am Golf von Akaba an Saudi-Arabien. Grund genug, um ein Erdbeben zu befürchten. Ägypten, das sein Problem mit dem Islamismus selbst noch nicht gelöst hat, kann schwerlich hinnehmen, dass der IS einen Stützpunkt auf ägyptischem Boden errichtet. ... Israel fühlt sich erstmals wirklich von den Dschihadisten bedroht. ... Jordanien, das unter den Flüchtlingen aus Syrien förmlich zu zerbrechen droht, fürchtet einen Angriff von hinten. … Und Saudi-Arabien, das bereits in den Krieg im Jemen verwickelt ist, beäugt argwöhnisch die Taten des bösen Geistes, dem es selbst aus der Flasche half. Alle stehen vor ein- und demselben Problem: Um die islamistische Hydra zu stoppen, muss man ihr das Haupt abschlagen - das heißt, sie in Syrien und im Irak bekämpfen. Doch es gibt kaum Länder, die dazu bereit sind. Sie sind weniger zahlreich und auch weniger entschlossen als diejenigen, die den Iran und die Schiiten mehr fürchten als den IS." (03.07.2015)

El País - Spanien | 28.06.2015

Für Moisés Naím ist islamistischer Terror kein Kampf der Kulturen

Wer angesichts der Nachrichten von den terroristischen Anschläge in Tunesien, Frankreich und Kuweit am Freitag an die von Samuel Huntington aufgestellte These vom Kampf der westlichen und der islamischen Kultur denkt, verkennt die Tatsachen, erinnert Foreign Policy-Chefredakteur Moisés Naím in der linksliberalen Tageszeitung El País: "Die Nachrichtenbilder, die offiziellen Reden oder die heftigen Debatten in Radio und Internet können einen leicht Glauben machen, dass der blutigste Konflikt des 21. Jahrhunderts zwischen zwei Gruppen verläuft: radikale Muslime gegen Ungläubige. Doch das ist falsch. Die Statistiken zeigen, dass dies eine Fehlinterpretation ist und dass islamistische Terroristen mehr Angehörige ihrer Religion als andere getötet haben. Der Kampf zwischen Schiiten und Sunniten kostet immer noch Tote, vor allem Muslime. Und es stimmt auch nicht, dass in den USA Attentate hauptsächlich von radikalisierten Muslimen ausgeführt werden. Es sind US-amerikanische Rassisten - vor allem diejenigen, die von der Überlegenheit der weißen Rasse ausgehen -, die durch ihre Anschläge für den größten Teil der Opfer von Terroranschlägen verantwortlich sind." (28.06.2015)

La Repubblica - Italien | 25.06.2015

Für Tahar Ben Jelloun kapituliert der Westen vor der IS-Barbarei

Im Kampf gegen die IS-Terormiliz droht dem Westen der Untergang, warnt der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: "Die Welt büßt jetzt für die allzu vorsichtige Politik von Obama und Europa. Man hätte vom ersten Tag an in Syrien eingreifen müssen, als die Soldaten von Baschar al-Assad auf friedliche Demonstranten schossen. ... Doch man ließ ihn gewähren. Lieber ein Diktator wie Assad als ein islamisches Regime, beteuerten alle immer wieder. Assad ist noch immer an seinem Platz. Doch wir versinken mit oder ohne Assad im Chaos. ... Dabei sollten wir nicht vergessen, dass Assad und sein Freund und geheimer Ratgeber Putin das Phänomen der Extremisten des IS gefördert haben. Die kriminellen Dschihadisten rücken unaufhaltsam vor und verhöhnen die zivilisierte Welt. Warum erklären wir nicht gleich offiziell, dass es keine Großmacht mehr gibt, kein Recht und keine Gerechtigkeit mehr, dass die Barbarei gesiegt hat und dass wir uns ihrer Schreckensherrschaft unterwerfen müssen?" (25.06.2015)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 23.06.2015

Jürgen Habermas über die mangelnde politische Teilhabe der EU-Bürger

Der Philosoph Jürgen Habermas beklagt in der linksliberalen Süddeutschen Zeitung im Zusammenhang mit der Griechenlandkrise eine Fehlkonstruktion der Währungsgemeinschaft: "Die fehlende Fiskalsouveränität ist nur eine der vielen verwundbaren Stellen. Die Währungsgemeinschaft bleibt instabil, solange sie nicht um eine Banken-, Fiskal- und Wirtschaftsunion ergänzt wird. Das bedeutet aber, wenn wir die Demokratie nicht unverhohlen zur Dekoration erklären wollen, den Ausbau der Währungsgemeinschaft zu einer politischen Union. ... Was wirklich fehlt [ist] ein Fokus für eine gemeinsame politische Willensbildung der Bürger über folgenreiche politische Weichenstellungen in Kerneuropa. Aber der Schleier über diesem institutionellen Defizit ist noch nicht wirklich zerrissen. Die griechische Wahl hat Sand ins Brüsseler Getriebe gestreut, weil in diesem Fall die Bürger selbst über eine europapolitische Alternative entschieden haben, die ihnen auf den Nägeln brennt. ... Die politischen Eliten in Europa dürfen sich nicht länger vor ihren Wählern verstecken und selber den Alternativen ausweichen, vor die uns eine politisch unvollständige Währungsgemeinschaft stellt. Es sind die Bürger, nicht die Banken, die in europäischen Schicksalsfragen das letzte Wort behalten müssen." (23.06.2015)

Corriere della Sera - Italien | 24.06.2015

Maurizio Ferrera mahnt Europas Intellektuelle zu mehr Engagement

Die Intellektuellen Europas sind naiv, wenn sie glauben, die Politik allein kann Lösungen für die politische Krise der EU finden, urteilt der Politikwissenschaftler Maurizio Ferrera in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: "Die Debatte wird in den letzten Monaten von zwei Extremen beherrscht: Technizismus und Moralismus. ... Gefehlt hat eine Diskussion zwischen diesen Polen, eine Diskussion, die obwohl auf Fakten basierend, von höheren Prinzipien inspiriert gewesen wäre und sich vor allem in Weitsicht geübt hätte. Der Vorwurf eines neuen 'Verrats der Intellektuellen' - in Anlehnung an [den Philosoph] Julien Benda - entbehrt zwar nicht jeder Grundlage, ist aber übertrieben. ... Einige wichtige Stimmen der europäischen Kultur melden sich regelmäßig zu Wort, so zum Beispiel erst gestern Jürgen Habermas. ... Nur: Wenn es stimmt, dass wir neue Visionen brauchen, ist es ein wenig naiv, zu hoffen, die derzeitige politische Klasse Europas könnte diese ausarbeiten. Sollten wir es wirklich mit einem Kampf der Völker zu tun haben, kann die Politik sich nicht darauf beschränken, zu vermitteln, sie muss versöhnen. Ein schwieriger Prozess, in dem allen voran die Intellektuellen die Pflicht haben, ihren Beitrag zu leisten." (24.06.2015)

La Repubblica - Italien | 22.06.2015

Michela Marzano über die unsinnige Verteufelung der Gender-Lehre

Zehntausende haben am Samstag in Rom gegen die Pläne der Regierung demonstriert, gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich anzuerkennen. Die Veranstalter des Family Day erklärten, dass sie ihre Kinder vor der Propaganda der Gender-Theorie schützen wollten. Sie verteufeln die Gender-Lehre zu Unrecht, klagt Philosophin Michela Marzano in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: "Wer kennt nicht den berühmten Ausspruch, den Simone de Beauvoir 1949 in 'Das andere Geschlecht' niederschrieb: Man ist nicht als Frau geboren, man wird es. Der Satz ist berühmt, doch wahrscheinlich vielen noch immer unklar. Die französische Intellektuelle wollte damit nicht sagen, dass die Frauen wählen können, ob sie eine Frau sein wollen oder nicht. Simone De Beauvoir wollte sagen, dass die Frau das Recht hat, ihre Rolle in der Gesellschaft neu zu definieren. ... Die Gender-Lehre hat nicht zum Ziel, Männer dazu zu verleiten, Frauen zu werden oder umgekehrt, so wie es diejenigen behaupten, die im Kampf gegen sie Gespenster heraufbeschwören. Sie will auch nicht Heterosexuelle lehren, homosexuell zu werden. Gender will Respekt für jeden Menschen, unabhängig von seiner geschlechtlichen Identität und seiner geschlechtlichen Orientierung." (22.06.2015)

Magyar Hírlap - Ungarn | 21.06.2015

Zsolt Bayer über das Flüchtlingsdrama als Heilmittel für den Westen

Das Elend der Flüchtlinge könnte den Westen endlich zur Einsicht kommen lassen, dass sein dekadenter Lebenswandel in den Untergang führt, meint der rechte Kolumnist Zsolt Bayer in der konservativen Tageszeitung Magyar Hírlap: "Die Maßlosigkeit des westlichen Menschen hat uns hierher geführt. Seine Gott- und Zukunftslosigkeit, sein Konsumwahn, ja seine schleichende, aber unaufhaltsame Verblödung haben uns hierher geführt. Schweinen gleich fressen wir auf der Insel der Kirke und warten darauf, dass uns Hermes, der Götterbote, die erlösenden Heilgräser bringt. Vielleicht hat er sie uns schon gebracht. Vielleicht wird die Flut der Flüchtlinge unser Heilmittel sein. Sie werden uns zur Räson bringen und uns von Schweinen in Menschen zurückverwandeln. Vielleicht lehren sie uns, wieder Maß zu halten. Vielleicht lehren sie uns, die Welt wieder zu achten, und unsere Mitmenschen, unsere Zivilisation, unseren Gott, unsere Vergangenheit und Zukunft, die Zeit, die Kultur, die angestaubten, schummrigen Bibliotheken, die müßiggängerischen Nachmittage, die verbliebenen Wälder, das Wasser, die Stille, das Brot, die Traditionen und die Weisheiten unserer Großeltern. Oder wir gehen unter." (21.06.2015)

Blog Apostolis Fotiadis - Griechenland | 19.06.2015

Apostolis Fotiadis fordert einen Realitätsschock für Europa

Europa sollte sich nicht von ideologischen und moralischen Zwängen, sondern von der Realität leiten lassen, fordert der Journalist Apostolis Fotiadis in seinem Blog: "Ob es nun um die griechische Insolvenz und die Stabilität der Eurozone geht, die Stabilisierung des westlichen Balkans oder die Einwanderungs- und Flüchtlingskrise - die EU-Führer haben sich entschieden, das nationale Publikum zufriedenzustellen und die politischen Kosten zu minimieren, anstatt nach echten Lösungen zu suchen. ... Aber Europas Rohstoff war immer schon die Realität. Als im Jahr 1951 Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und die Benelux-Länder den Vertrag von Paris unterschrieben und die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gründeten, gingen sie davon aus, dass ideologische und moralische Zwänge nicht das Schlüsselelement bei der Bildung von politischen Ziele sein können. Die heutigen Führer Europas haben sich schon lange von dieser Art des Realismus getrennt. Sie lassen nun mehr als nötig die Ideologie die Politik bestimmen. … Die EU braucht einen historischen Realitätsschock, bevor es zu spät ist. Hoffentlich wird dieser nicht den Namen Grexit tragen." (19.06.2015)

The Times - Großbritannien | 17.06.2015

Über Waterloo und den Triumph des Nationalstaats

Die Schlacht bei Waterloo jährt sich am heutigen Donnerstag zum 200. Mal. Ihr wahres Vermächtnis ist der Triumph des Nationalstaats über andere Formen der politischen Organisation, zu denen auch die supranationale EU zählt, meint die konservative Tageszeitung The Times: "Damals konnte es noch niemand wissen, aber dieser blutgetränkte Nachmittag war der Anbruch eines Jahrhunderts des Friedens, des Wohlstands und des Fortschritts in Europa, das zurecht Pax Britannica genannt wurde. Allein wegen der Dominanz Großbritanniens im 19. Jahrhundert als Vermächtnis von Waterloo haben die Schlacht und der Duke von Wellington ihren Platz in der Geschichte verdient. Doch das allein erklärt noch nicht den Stellenwert des heutigen 200. Jahrestages. Waterloo markiert einen weltbekannten militärischen Sieg, aber auch den Triumph des Nationalstaats über die Autokratie als natürlichen Bezugspunkt der Loyalität der Bürger. Dieser Triumph hat die Weltkriege, den Totalitarismus des 20. Jahrhunderts und die stetige Aufweichung nationaler Souveränität, die fixer Bestandteil des europäischen Projekts ist, überdauert." (17.06.2015)

Internationale Politik - Deutschland | 15.06.2015

Joseph E. Stiglitz über die Fehleinschätzungen der Gläubiger Athens

Die starre Haltung der Gläubiger in der Griechenlandkrise ist riskant für ganz Europa, kritisiert der US-Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz in einem Gastbeitrag für das Debattenportal ipg-journal: "Die Troika hat mit ihren Prognosen wiederholt danebengelegen, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern um enorme Summen. Die griechischen Wähler taten Recht daran, einen Kurswechsel zu verlangen, und ihre Regierung hat Recht, wenn sie sich weigert, sich zu einem zutiefst fehlerhaften Programm zu verpflichten. ... Einigen in Europa, insbesondere in Deutschland, scheint ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone egal zu sein. Der Markt, so behaupten sie, habe einen derartigen Bruch bereits 'eingepreist'. Manche suggerieren sogar, dass dies gut wäre für die Währungsunion. Ich bin der Meinung, dass mit derartigen Ansichten sowohl die derzeitigen als auch die künftigen Risiken deutlich unterschätzt werden. Ein ähnliches Maß an Gleichgültigkeit war in den USA vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 zu erkennen. ... Die Zukunft Europas und des Euros hängt nun davon ab, ob die politischen Führer der Eurozone ein Minimum an wirtschaftlichem Verständnis mit einem visionären Sinn und mit der Sorge für europäische Solidarität verbinden können." (15.06.2015)


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