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Reflexionen

REFLEXIONEN

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | 23.10.2014

Europa muss der Ukraine endlich beistehen, fordert George Soros

Europa muss im Ukraine-Konflikt endlich entschlossener auftreten, fordert der US-Investor George Soros in einem Gastbeitrag für die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung kurz vor der ukrainischen Parlamentswahl: "Die neue Ukraine hat den politischen Willen, Europa gegen die russische Aggression zu verteidigen und radikale Strukturreformen umzusetzen. Um diesen Willen zu bewahren und zu verstärken, bedarf die Ukraine angemessener Hilfe seitens ihrer Unterstützer. ... Es ist höchste Zeit, dass die EU-Mitglieder aufwachen und sich wie Länder verhalten, die indirekt selbst im Krieg sind. Es ist für sie besser, der Ukraine zu helfen, sich zu verteidigen, als wenn sie selbst kämpfen müssten. ... Es ist zudem höchste Zeit, dass die EU einen kritischen Blick in den Spiegel wirft. Es kann etwas nicht stimmen, wenn Putins Russland so erfolgreich sein kann, und sei es nur kurzfristig. ... Und die Europäer selbst müssen einen genaueren Blick auf die neue Ukraine werfen. Es könnte ihnen helfen, den ursprünglichen Geist, der zur Schaffung der EU geführt hat, wieder einzufangen. Indem sie die Ukraine rettet, könnte sich die EU womöglich selbst retten." (23.10.2014)

The Daily Telegraph - Großbritannien | 14.10.2014

Philip Johnston über die Identitätskrise der Briten

Der Aufstieg der populistischen Ukip-Partei, die vergangene Woche ein Mandat im britischen Unterhaus erhielt, sowie der sezessionistischen Schottischen Nationalpartei (SNP) zeigt die Identitätskrise der britischen Gesellschaft, klagt Kolumnist Philip Johnston in der konservativen Tageszeitung The Daily Telegraph: "Seit das Ende des Zweiten Weltkriegs die Auflösung des Kolonialreichs beschleunigt hat, hängt die Frage 'Wer sind wir?' über der britischen Politik. ... Obwohl das Land unendlich wohlhabender ist als vor einem halben Jahrhundert, herrscht ein starkes Gefühl vor, dass diese Nation dahintreibt. Der Aufstieg von Ukip und der SNP macht das ebenso sichtbar wie unsere unsichere Reaktion auf internationale Ereignisse wie die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Denn zu wissen, wer wir sind, geht damit einher, instinktiv zu erkennen, was zu tun ist. Viele fragen sich, ob wir dazu noch imstande sind. ... Wir haben keine langfristige Vision, weil wir nicht sicher sind, wo wir hinwollen. Und unsere Politiker haben sich zu lange davor gedrückt, diese Frage zu stellen." (14.10.2014)

15min - Litauen | 14.10.2014

Laut Yulia Latynina gäbe es keine russische Kultur ohne Europa

Kreml-Ideologen und TV-Moderatoren staatlicher russischer Sender setzen in letzter Zeit verstärkt die Kultur Russlands einem Bild europäischer Geistlosigkeit entgegen, beobachtet die russische Schriftstellerin und Journalistin Yulia Latynina. Dabei wäre Russlands Kultur ohne Europa ein Nichts, erklärt sie in ihrem Text in der russischen Zeitung Nowaja Gaseta, der vom Portal 15min übernommen wurde: "Was ist denn diese einzigartige 'russische Kultur'? Zweifelsohne existiert eine russische Kultur, die der Welt tolle Musiker, Dichter und Schriftsteller gebracht hat. Das Problem ist jedoch, dass sie erst dann so großartig wurde, als Russland ein Teil Europas wurde. Die Musik Tschaikowskis hat sich nicht durch Volksbalalaikas entwickelt. Puschkin ist im Imperialen Lyzeum aufgewachsen, nicht mit Omas Märchen. ... Die Kultur Russlands wurde erst dann groß, als die Wissenschaft, die Literatur, die Musik und die Kunst des Landes zum Teil der westlichen Kultur wurden. Dazu kommt noch etwas: Wenn Peter der Große Russland nicht zu einem Teil Europas gemacht hätte, dann hätten wir nicht nur keinen Tolstoi oder Dostojewski. ... Es gäbe auch kein russisches Imperium, das unsere Patrioten so sehr lieben." (14.10.2014)

Tages-Anzeiger - Schweiz | 13.10.2014

Harold James beobachtet einen wirtschaftlichen Philosophenstreit

Der Streit darüber, wie eine neue Wirtschaftskrise verhindert werden soll - mit Konjunkturprogrammen, wie etwa Frankreich oder die USA sie fordern, oder mit Sparprogrammen, wie Deutschland meint - gleicht zunehmend einem mittelalterlichen Philosophenstreit, meint der US-Geschichtsprofessors Harold James im Tages-Anzeiger: "Die Zentralbanken heute ähneln den philosophischen Fakultäten des Mittelalters: Sie diskutierten nicht nur über Massnahmen, sondern auch über die Probleme dahinter. Bei der Europäischen Zentralbank beispielsweise wird darüber debattiert, unter welchen Bedingungen ein Abweichen von der orthodoxen Haushaltspolitik langfristig stabilisierend sein könnte. Das Ergebnis dieser Debatte könnte zu einer neuen Art internationaler Kooperation führen. Aber die neue Rolle der Zentralbanken als übergeordnete Vermittler politischer Wahrheiten birgt Gefahren. Ihre Lösungen sind das Produkt technokratischer statt demokratischer Prozesse. Das droht, populistische Reaktionen heraufzubeschwören." (13.10.2014)

Le Temps - Schweiz | 09.10.2014

Für Sylvain Besson benötigt der Kampf gegen den Dschihad neues Narrativ

Wollen die westlichen Gesellschaften verhindern, dass sich weitere junge Menschen vom Dschihad verführen lassen, braucht es ein neues Narrativ der westlichen Kultur, analysiert Sylvain Besson in der liberalen Tageszeitung Le Temps: "Die Mythologie des Dschihad stellt die geistige Leere unserer auf Effizienz und Materialismus basierenden Gesellschaften vor ein Problem. Sie verführt einige Menschen, die sich nicht mit einer Welt abfinden, in der es keinen Gott gibt und in der das Leben kein anderes Ziel hat, als flüchtige materielle Gelüste zu befriedigen. ... Es geht hier weder um die Entschuldigung noch um die Relativierung der Gewalttaten des Islamischen Staats und dessen Anhänger. Denn um Dschihad-Anwärter umzustimmen, brauchen wir ein neues Narrativ unserer eigenen Kultur. Von Freiheit und Wohlstand zu sprechen, genügt nicht. Wenn man das Zielpublikum der Terroristen - junge Menschen auf der Suche nach einem existentiellen Engagement - erreichen möchte, muss man über Begriffe sprechen, die aus unserem Leben verbannt wurden - wie Gott, Tod, Opfer. Und dabei geht es auch darum, zur Überzeugung zurückzufinden, dass unsere Gesellschaften edlere Werte zu bieten haben als Technik, Unterhaltung und materiellen Komfort." (09.10.2014)

Sme - Slowakei | 07.10.2014

Für Peter Morvay schadet Putins Kraftmeierei Russland nur

Wegen des Ukraine-Konflikts spielt Russland mit der Drohung, dem Westen den Gashahn zuzudrehen. Mit seiner Politik bringt der russische Präsident Wladimir Putin sein Land um alle Zukunftschancen, analysiert der Kolumnist Peter Morvay in der liberale Tageszeitung Sme: "Russland verliert Investitionen, Technologien und Vertrauen. Und wenn Putin auch noch Gazprom und die Gaslieferungen als Instrument des politischen Drucks gegenüber Europa einsetzt, dann verliert das Land zudem Einnahmen und den Ruf als vertrauenswürdiger Handelspartner. Ohne westliche Hilfe hat das Land keine Chance auf Modernisierung von Staat und Wirtschaft. Es wird ihm nicht gelingen, sich von den Exporten von Rohstoffen unabhängiger zu machen. Die Hilfe des Westens ist nicht zu ersetzen. So kann beispielsweise das Gas, das heute nach Europa fließt, nicht gleichermaßen nach China geliefert werden. Es fehlt an Leitungen und China will nicht so viel bezahlen. ... So führt Putins Politik Russland in die Isolation, in die Rückständigkeit und zu noch größerer Korruption. Die Interessen Putins und Russlands unterscheiden sich sehr. Putin will jetzt seine Macht sichern. Was in zehn Jahren sein wird, ist ihm gleichgültig." (07.10.2014)

Die Welt - Deutschland | 07.10.2014

Für Jacques Schuster fehlt die Gegen-Ideologie zum Dschihadismus

Dass der Konflikt mit dem Islamismus als machtpolitische und nicht als ideologische Auseinandersetzung begriffen wird, ärgert Jacques Schuster, Chefkommentator der konservativen Tageszeitung Die Welt. Für den Fall des Eisernen Vorhangs verantwortlich war "die Idee, die aus dem Licht ins Dunkel hinüberschien. Seltsam, dass im Kampf gegen den Dschihadismus und den islamistischen Anspruch auf die Weltherrschaft kaum jemand heute daran erinnert. Einer der Gründe für diesen Missstand liegt darin, dass im Zeitalter der politischen Korrektheit und dem Hang zur Leisetreterei nur wenige mutige Geister im Westen bereit sind, den Islamismus auf eine Stufe mit den totalitären Ideen des 20. Jahrhunderts zu stellen. Dass er dort hingehört, lässt sich anhand zahlreicher Worte und Taten aus der islamischen Welt belegen. ... Um es auch an dieser Stelle offen auszusprechen: Faschismus, Kommunismus und Islamismus haben vieles miteinander gemein. … Es wird Zeit, Romane zu übersetzen und in die Staaten zu bringen - sei es in Buchform oder durchs Internet -, in denen eine bildungshungrige, aber hoffnungsarme Jugend nach Ideen sucht und nichts als die geistigen Ausdünstungen des Islamismus findet." (07.10.2014)

El Periódico de Catalunya - Spanien | 02.10.2014

Josep Oliver Alonso über den zerplatzten Traum vom solidarischen Europa

Die EU als Solidargemeinschaft? Diese Vorstellung war nichts als ein Traum, aus dem Spanien nun unsanft erwacht, bedauert Ökonom Josep Oliver Alonso in der linksliberalen Tageszeitung El Periódico de Catalunya: "Die Krise hat uns aus einem langen und tiefen Schlaf gerissen, sie hat ein schönes Trugbild zerstört und uns die wahre Natur der EU gezeigt. Es war ein unsanftes Erwachen, auf das diese schreckliche Einsamkeit folgte, die wir jetzt verspüren. ... Der Mythos eines vereinten und solidarischen Europas ist tief in unserem kollektiven Bewusstsein verwurzelt. Die demokratischen Impulse, die Spanien von der EU erhielt, haben dazu ebenso beigetragen wie die finanziellen Hilfen in den vergangenen Jahrzehnten. Aber so stark, wie [während der Krise] die angeforderten und die erhaltenen Hilfen auseinanderklafften, war diese Vorstellung eben nur ein Trugbild. Dieses Europa der mächtigen Staaten bleibt leider noch immer ein Amalgam aus strategischen Interessen, Gesellschaftsmodellen, kulturellen Vorstellungen sowie sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärken und Schwächen. ... Die lange Rezession hat uns gezeigt, dass wir trotz wichtiger Hilfen am Ende vor allem auf unsere eigenen Kräfte angewiesen sind, um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir stehen." (02.10.2014)

New Statesman - Großbritannien | 01.10.2014

Für John Denham macht Glaube allein keine Terroristen

Laut Angaben des EU-Anti-Terror-Koordinators Gilles de Kerchove haben sich rund 3.000 Europäer den IS-Terrormilizen in Irak und Syrien angeschlossen. Doch es ist weniger die Religion, die auf junge Muslime anziehend wirkt, analysiert der Abgeordnete der britischen Labour-Partei, John Denham, im linken Magazin New Statesman: "Radikale Bewegungen haben ihre Vordenker, daher ist es in gewissen Situationen immens wichtig, die ideologische Auseinandersetzung zu gewinnen. Doch junge Menschen werden nur selten durch Ideen und Konzepte allein radikalisiert. Es sind emotionale und soziale Bindungen, sowie das Gefühl, bedeutsam zu sein und Sinn und Zweck zu haben, die anziehend wirken. Zu viele junge Muslime fühlen sich entfremdet, sprachlos und ungerecht behandelt. Das Empfinden von Zurückweisung, Vorurteilen, Ohnmacht und Doppelmoral ist weit verbreitet. Das macht sie nicht zu Terroristen, aber es macht sie verwundbar. ... Die Tendenz, der Theologie die Schuld für die Radikalisierung zu geben, führt dazu, wichtigere Faktoren außer Acht zu lassen." (01.10.2014)

Blog Vlemma - Griechenland | 26.09.2014

Nikos Xydakis über die Demütigung Griechenlands in der Krise

Der Botschafter Griechenlands in Berlin, Panagiotis Zografos, hat vorige Woche unerwartet seinen Rücktritt eingereicht, weil er laut griechischer Medien nicht zum Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Amtskollegen Antonis Samaras eingeladen war. Die Demütigung des Botschafters ist vergleichbar mit der Demütigung des griechischen Staats, kommentiert der Kolumnist Nikos Xydakis in seinem Blog Vlemma: "Wenn wir also davon ausgehen, dass der Staat selbst den von ihm ernannten Botschafter nicht respektiert, wie sollen dann andere diesen Staat respektieren? ... Was wir heute in Griechenland erleben, lässt uns über viele Dinge nachdenken: über die Lage der staatlichen Institutionen, die Selbstachtung der gewählten Volksvertreter und ihrer Berater, den Respekt gegenüber den Beamten, die Achtung der Regeln und Protokolle und den daraus folgenden Anspruch, dass internationale Partner und griechische Bürger den Staat gleichermaßen respektieren. ... Die Krise führt zwangsläufig zu Instabilität, Unsicherheit, Erschütterung. Nüchternheit, politischer Mut, Selbstachtung, sind jetzt notwendiger denn je. Doch wir erleben das Gegenteil: Der Mangel an demokratischer Erziehung manifestiert sich in der Missachtung des institutionellen Rahmens." (26.09.2014)


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