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Reflexionen

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REFLEXIONEN

Sme - Slowakei | 01.08.2014

Tomáš Gális über Israel-Kritik und Antisemitismus

Vier Jahre Bürgerkrieg in Syrien haben 170.000 Tote gefordert, in einem Streifen von Libyen bis zum Irak werden täglich Massaker verübt, doch die Welt scheint sich nur für tote Palästinenser zu interessieren, reflektiert Kommentator Tomáš Gális in der liberalen Tageszeitung Sme die wachsende internationale Kritik an Israel: "Woran liegt das? An der großen Menge von Journalisten in dem Gebiet? An höheren Ansprüchen an Israel? Interessieren tote Muslime erst dann, wenn sie Opfer Israels wurden? Natürlich müssen die Proteste in den Medien und auf den Straßen ernst genommen werden. Es braucht eine Antwort auf die Frage, wo ein Militäreinsatz noch der Verteidigung dient und wo sinnloses Töten beginnt. ... Es braucht aber auch eine Antwort auf die Frage, wo Kritik an der Politik Israels endet und wo gewöhnlicher Antisemitismus beginnt. Wenn man in großen europäischen Städten wieder 'Juden ins Gas!' ruft und Synagogen mit Brandflaschen bewirft, dann ist die Sympathie für die Palästinenser nur noch ein Vorwand. Immer mehr Juden werden sich dessen bewusst und verlassen Europa Richtung Israel. Was sagt es über Europa aus, wenn sie lieber in einen Staat gehen, dessen Existenzrecht ständig bestritten wird?" (01.08.2014)

Corriere della Sera - Italien | 31.07.2014

Für Don Futterman versündigt sich Israel in Gaza

Aus dem neuen Gaza-Krieg wird Israel nicht mit reinem Gewissen herausgehen, mahnt der israelische Kolumnist Don Futterman in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: "Israel handelt kraft einer neuen Moral-Strategie, die uns freie Hand lässt auch im Fall von 'schädlichen Nebenwirkungen' und uns gestattet, alle Palästinenser zu vernichten, die sich in der Schusslinie zwischen uns und den Hamas-Milizen befinden. Wir haben entschieden, der Bevölkerung von Gaza Tod und Zerstörung aufzuerlegen und die Schuld für unsere Brutalität dem Feind anzulasten. Da ein hoher Anteil der Bevölkerung in Gaza minderjährig ist, bedeutet dies, dass der jüdische Staat eine große Zahl von Kindern umbringt. Ein entsetzliches Kalkül, ein skandalöses und tödliches Kalkül. ... Wenn die Palästinenser der Bevölkerung von Gaza wieder einen Schimmer von Hoffnung geben wollen, müssen sie die Hamas absetzen. Doch wenn wir etwas Besseres anstreben als die anhaltende Pattsituation vor dem Konflikt, haben auch wir Führungskräfte nötig, die zu einer anderen Sichtweise fähig sind." (31.07.2014)

El País - Spanien | 31.07.2014

Juan Claudio de Ramón Jacob-Ernst beweint den Mord an Jean Jaurès

Der sozialistische Politiker und Historiker Jean Jaurès wurde am heutigen Donnerstag vor 100 Jahren von einem französischen Nationalisten erschossen. Wenige Tage später gaben die sozialistischen Parteien Europas ihre Anti-Kriegs-Haltung auf und stimmten in den jeweiligen nationalen Parlamenten für die Kriegskredite. Jaurès' Stimme hätte den Lauf der Geschichte verändern können, bedauert der Diplomat Juan Claudio de Ramón Jacob-Ernst in der linksliberalen Tageszeitung El País: "An dem Abend, an dem er ermordet wurde, dachte er, der Krieg sei noch zu verhindern. Er debattierte dies mit seinen Kollegen beim Diner im Café du Croissant, als sich ein Revolver durch das Fenster schob und zwei Schüsse auf seinen Kopf abfeuerte. ... Jaurès, der den Krieg bis zur letzten Minute verhindern wollte, hatte noch zwei Trümpfe in der Hand: die Geschlossenheit der europäischen Arbeiterbewegung und sein eigenes hohes Ansehen. ... An diesem Abend wollte er einen langen Artikel schreiben, um die europäische Öffentlichkeit umzustimmen. Das konnte er nicht mehr. Die Titelseite des Folgetages zeigte nicht Jaurès Unterschrift unter einem eindringlichen Appell, sondern die Schlagzeile seines Todes. ... Man muss kein Sozialist sein, um heute den Tod von Jaurès zu beweinen." (31.07.2014)

La Stampa - Italien | 25.07.2014

Für Cesare Marinetti muss Paris wieder aktiv in Europa werden

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich bei einem Treffen in der vergangenen Woche hinter seinen französischen Amtskollegen Michel Sapin gestellt. Dessen Haushaltspolitik sprach er trotz des langsamen Abbaus der Neuverschuldung sein Vertrauen aus. Doch wo ist das Frankreich, das eine aktive Rolle in Europa hat, fragt sich der stellvertretende Direktor der liberalen Tageszeitung La Stampa, Cesare Marinetti: "Es gab einmal ein Land, das Europa schuf. Als sein Präsident [Mitterand] den deutschen Kanzler [Kohl] bei der Hand nahm, auf den Feldern, wo noch einige Jahrzehnte zuvor ihre Väter in Schützengräben voller Blut und Schlamm lagen, wussten alle, dass ein neues Kapitel der Geschichte begann. Dieses Land erscheint heute nur mehr als Gespenst seiner Vergangenheit. Frankreich ist unsicher, gespalten, geschwächt, unfähig, seiner Rolle gerecht zu werden. Doch wenn es wahr ist, dass Europa nicht mehr von Paris abhängig ist, so ist es doch ebenso wahr, dass es unmöglich ist, ein Europa ohne Frankreich zu schaffen. … Doch wo ist das Frankreich hin, das Europa bräuchte?" (25.07.2014)

ETC - Schweden | 25.07.2014

Johan Ehrenberg über das Davonschmelzen der Nationen

Die Unabhängigkeitsbestrebungen in Schottland, Katalonien und der Ostukraine haben Anlass für eine Debatte darüber gegeben, ob es in Zukunft mehr Nationalstaaten geben wird als bisher. Der Gründer und Herausgeber der linken Tageszeitung ETC, Johan Ehrenberg, sieht die Zeit der Nationen und des Nationalismus hingegen als vorüber an: "Wir leben in Nationen, die durch Globalisierung und Technik immer uninteressanter geworden sind. Dass die lokale Wirtschaft funktioniert, ist für die Einwohner wichtiger als die Verteidigung der ‚schwedischen Währung' durch die Reichsbank. Eine globale Umweltbewegung ist wichtiger für unsere Zukunft als eine Untersuchung der [schwedischen] Energiebehörde. Weil die Nationen schwächer werden, erhält natürlich auch der Nationalismus neuen Nährboden. Aber er hat keine Chance, wenn die Sozialisten auf Föderalismus und Zusammenarbeit setzen. Er ist passé. Es ist längst geschehen, auch wenn wir es noch nicht wahrgenommen haben, was sich unter unseren Füßen bewegt: Die Nationen weichen, schmelzen davon." (25.07.2014)

Eesti Ekspress - Estland | 23.07.2014

Sergei Metlev hofft auf Raison der Auslandsrussen

Die im europäischen Ausland lebenden Russen könnten sich mit ihrem ungetrübten Blick von außen stärker dafür einsetzen, die Regierung in der Heimat in Bezug auf die Politik in der Ukraine zur Raison zu bringen, hofft der russischstämmige Bürgeraktivist Sergei Metlev in der Wochenzeitung Eesti Ekspress: "Die Millionen Menschen, die im Sommer 1991 auf den Moskauer Straßen ihren Freiheitswillen zeigten, sind in der Dunkelheit der Geschichte verschwunden. Die Umfragen zeigen, dass über vier Fünftel der Russen die Besetzung der Krim befürworten. Einen Hoffnungsschimmer sieht man noch: Die Millionen russischstämmigen Menschen, die weltweit in der Freiheit leben oder innerlich frei sind, könnten die Degenerierung dieses Staates aufhalten. Es ist heute besonders schwer Russe zu sein. Putin hat die ganzen Jahre über gelogen, dass er das kniende Russland aufstehen lassen wird. Stattdessen trägt er die Sowjetunion mit seinen Befehlen zu Grabe. ... Die Frage ist, wie die russischen Auslandsgemeinden weltweit es schaffen, ihre geistige und kulturelle Verbundenheit mit Russland aufrechtzuerhalten und gleichzeitig zu Europäern zu werden, die bewusst und mutig genug sind, um für eine offene Gesellschaft einzutreten." (23.07.2014)

Kathimerini - Griechenland | 23.07.2014

Pantelis Boukalas über die ungleichen Toten in der Ukraine und in Gaza

Die öffentlichen Diskurse nach dem Abschuss von Flug MH17 und der israelischen Offensive in Gaza vergleicht Kolumnist Pantelis Boukalas in der konservativen Tageszeitung Kathimerini und kritisiert, dass dem Tod so vieler Menschen nicht in beiden Fällen die gleiche Bedeutung beigemessen wird: "Tote sind Tote. Ob sie nun Malaysier, Niederländer, Palästinenser oder Israelis sind. … Es scheint aber, dass in der internationalen Politik die Ermordeten in der Ukraine und in Gaza nicht auf die gleiche Weise tot sind. Wir unterscheiden zwischen 'unseren' Toten und 'deren' Toten. Der Tod von 'denen' hat nicht die gleiche Bedeutung. Er verlangt nicht nach wütenden Reaktionen der betroffenen Interessengruppen. Und er lässt die Mächtigen auf dieser Erde auch nicht nach einer gemeinsamen Haltung suchen. Ihnen ist es völlig egal, ob ihr Verhalten stringent, das heißt unparteiisch ist, und ob ihre moralische Kriterien konsequent angewendet werden oder im Gegensatz abhängig sind von der Nationalität der Getöteten. Diejenigen, die zum Volk der Toten gehören, haben nichts mehr mit unseren Nationalitäten und Ethnien zu tun. … Es ist ein Albtraum, dass man den Tod der 'Unsrigen' nutzt, um den Tod der 'anderen' herunterzuspielen." (23.07.2014)

Contrepoints - Frankreich | 22.07.2014

Für Jean-Baptiste Noé tut Europa Frankreich gut

Gerade weil Frankreich derzeit schwere Zeiten erlebt, darf nicht vergessen werden, dass das Land seinen Wohlstand der EU verdankt, argumentiert Historiker Jean-Baptiste Noé auf der Webseite contrepoints.org: "Die EU hat Frankreich dazu gezwungen, tiefgreifende Strukturreformen durchzuführen. So hat unser Land in den letzten 30 Jahren eine rasante Entwicklung erlebt und großen Wohlstand erreicht. An unseren wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist nicht die EU schuld, sondern die französische Politik. Brüssel hat uns nicht befohlen, unsere Unternehmen und Heimarbeit dermaßen stark zu besteuern, unser Bildungswesen zu zerstören und der unternehmerischen Freiheit Steine in den Weg zu legen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass ohne die EU grundlegende Reformen nicht durchgeführt worden wären. Wir sollten den Mut haben, das auch öffentlich zuzugeben und der Bevölkerung klar zu machen, dass die wirtschaftliche Liberalisierung ein Segen war. Andernfalls brauchen wir uns nicht wundern, dass der Front National als neue "soziale" Partei so gute Wahlergebnisse erzielt." (22.07.2014)

El País - Spanien | 18.07.2014

Thomas Cooley und Ramon Marimon warnen vor Verlust einer Generation

Die Krise in Europa gleicht derjenigen, die Japan zu Beginn der 1990er Jahre durchlief, analysieren Thomas Cooley und Ramon Marimon in der linksliberalen Tageszeitung El País. Doch während man in Japan lediglich von einem "verlorenen Jahrzehnt" spricht, wird Europa später eine "verlorene Generation" beklagen, fürchten die Ökonomen: "Die Produktivität war in einigen Teilen Europas schon vor den Krisen niedrig, aber durch sie sank sie weiter und hat sich außer in Deutschland bislang nicht erholt. Im Gegensatz zu Japan gingen in der europäischen Peripherie vor allem Arbeitsplätze verloren. Außerdem scheint Europa nicht ausreichend in Humankapital zu investieren, um die Produktivität zu steigern. Bei der jüngsten Pisa-Studie hatten die 15-Jährigen in der europäischen Peripherie schlechte Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften. Gleichzeitig durchlaufen ihre älteren Geschwister mit Arbeitslosigkeit und befristeten Teilzeitanstellungen keine bessere Schule. Zusammengefasst wird der große Verlust des verlorenen Jahrzehnts in der europäischen Peripherie eine verlorene Generation sein. Und das obwohl die europäische Gesellschaft ebenso wie die japanische veraltet ist und auf die junge Generation setzen müsste, um zu wachsen." (18.07.2014)

Der Standard - Österreich | 17.07.2014

Florian Scheuba fordert Blauhelm-Einsatz im Fifa-Headquarter

Die Fifa unter Sepp Blatter ist eine multikriminelle Bande und agiert wie eine Besatzungsmacht, schimpft Kabarettist Florian Scheuba nach der WM im linksliberalen Standard und schlägt eine UN-Mission vor, um dem Fußballweltverband Einhalt zu gebieten: "Ganz bestimmt gibt es sogar bei der Fifa Anständige, die vermutlich von den korrupten Eliten in Geiselhaft genommen wurden. Ein unhaltbarer Zustand, zu dessen Beendung wir uns ein Beispiel am Vorgehen der Fifa selbst nehmen sollten. Diese hat es praktisch geschafft, in den Veranstalterländern von Weltmeisterschaften während der Turniere ein eigenes Staatsgebiet zu errichten, in dem die herrschenden Gesetze (Steuerpflicht, freier Warenverkehr, Einreisebestimmungen etc.) außer Kraft gesetzt sind. Sie agiert also wie eine Besatzungsmacht. Unter diesem Aspekt erscheint es angemessen, die Fifa zu enteignen und ihre Zentrale in Zürich durch Friedenstruppen der Vereinten Nationen einzunehmen. Der humanitäre Charakter einer derartigen Mission wäre unzweifelhaft, ist sie doch als Geiselbefreiung zu bewerten, in deren Verlauf nicht nur etwaige unkorrumpierbare Fifa-Mitarbeiter befreit würden, sondern auch der Fußballsport an sich." (17.07.2014)


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