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TOP-THEMA | 19.12.2014

Putin bestreitet Schuld an Rubel-Krise

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag den Ölpreisverfall und die Sanktionen des Westens für die schlechte Wirtschaftslage seines Landes verantwortlich gemacht. Wie ein sowjetischer Generalsekretär verzerrt Putin die Realität, denn verursacht hat die Krise vor allem seine verfehlte Wirtschafts- und Außenpolitik, meinen Kommentatoren.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Süddeutsche Zeitung - Deutschland, Rzeczpospolita - Polen, La Stampa - Italien, The New York Times - USA

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Putin hat kein Konzept präsentiert, mit dem sein Land aus der Wirtschaftskrise kommen würde, konstatiert die linksliberale Süddeutsche Zeitung, doch sei dies für ihn auch nicht prioritär, weil "patriotisches Pathos und die Erzählung vom Bären Russland, der sich nicht zähmen lässt, bislang ihren Zweck erfüllen und Volk und Präsidenten zusammenschweißen. Es ist möglich, dass Putin damit einige harte Jahre übersteht. Die dringend notwendige Diversifizierung der Wirtschaft wird es in diesen Jahren freilich ebenso wenig geben, wie es sie in den fetten Jahren gegeben hat. ... Die Frage für Russlands Nachbarn und für den Westen ist, ob Putin auf die Probleme auch mit mehr Aggression nach außen reagieren wird. Oder ob er angebotene Kompromisse annehmen kann, um Verbesserungen für sein Land zu erreichen. Aber auch da ist die Entscheidung offenbar noch nicht gefallen." (19.12.2014)

Rzeczpospolita - Polen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag bei seiner Pressekonferenz wie ein Sowjetführer auf fast satirische Weise die wirtschaftlichen Probleme verleugnet, findet die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Die UdSSR ist wieder auferstanden. Ihr politischer Anführer ist zwar wesentlich jünger als seine Vorgänger und sein Anzug sieht wesentlich besser aus. Doch inhaltlich sagt er genau dasselbe. Diese Pressekonferenz war wie eine Zeitreise. Denn dies war kein Treffen von Journalisten mit einem Präsidenten, sondern eine Art Huldigung für einen Zaren. ... Er hat zwar gerne über die Wirtschaft gesprochen, doch war seine Botschaft dabei ganz einfach: Für die Probleme sei ausschließlich der Westen mit seinen Sanktionen verantwortlich. Doch Russland werde nicht nachgeben, weil seine Unabhängigkeit ganz wichtig sei. Und die Krise gebe es ja sowieso nicht. Dass Putin von der wirtschaftlichen Größe seines Landes nach wie vor überzeugt ist, wirkt wie eine Satire. Und solche Satiren hatten wir auch damals ganz oft." (19.12.2014)

La Stampa - Italien

Russlands Präsident Putin rechnet angesichts der "ungünstigen globalen Bedingungen" mit zwei Krisenjahren. Auch die werden ihm nichts anhaben können, kommentiert die liberale Tageszeitung La Stampa: "Halb wie ein letzter Zar, halb wie ein letzter Generalsekretär der KPdSU, hat Wladimir Putin gestern mit hochrotem Kopf und mal mit belehrender mal sarkastischer Stimme eingestanden, dass der Rubel und das Heimatland in der Krise sind. Das sind ganz neue Töne. Wie ein 'gutes Väterchen', das sich um die Seinen sorgt, versprach er, dass alles wieder gut wird. Die Schuld trägt der Westen, der den 'russischen Bären an die Kette legen will'. Nur ändert das nichts an dem Tatbestand. Die Krise ist da und wird zwei Jahre dauern. ... Dies wäre der geeignete Moment, in Russland einen Rivalen aufsteigen zu lassen, der 2018 gegen Putin antreten könnte. Doch das postdemokratische Regime von Wladimir Wladimirowitsch hat vorläufig für Konkurrenzlosigkeit gesorgt. Der Ex-Oligarch Chodorkowski hat nach zehn Jahren Sibirien an Glanz verloren. Der Moskauer Blogger Nawalny steht unter Hausarrest." (19.12.2014)

The New York Times - USA

Russlands Präsident Wladimir Putin hat auf der Pressekonferenz am Donnerstag den Fall des Ölpreises für die Finanzkrise in seinem Land hauptverantwortlich gemacht. Dem widerspricht die linksliberale Tageszeitung The New York Times und empfiehlt ihm eine radikale Umkehr in der Wirtschafts- und Außenpolitik: "Ursache der Krise ist vor allem die desaströse Politik von Präsident Putin selbst, der sein Ego, seine territorialen Ambitionen und die finanziellen Interessen seiner Kumpane beständig über die Bedürfnisse seines Landes gestellt hat. ... Ein Abzug aus der Ukraine wäre das Vernünftigste, das Putin jetzt tun kann. Es würde ein rasches Ende der Sanktionen bedeuten, was wiederum die aktuelle Krise entschärfen und den Behörden Spielraum zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Landes geben würde. Die Frage ist, ob dieser rücksichtslose politische Führer schon genug geläutert wurde, um seinen Kurs zu ändern." (18.12.2014)

TOP-THEMA | 18.12.2014

Annäherung zwischen USA und Kuba

Präsident Barack Obama hat am Mittwoch angekündigt, den Personen-, Geld- und Warenverkehr zwischen den USA und Kuba erheblich zu erleichtern. Zudem sollen wieder diplomatische Beziehungen zwischen Ländern aufgenommen werden. Endlich beendet Washington die ineffiziente Isolationspolitik, loben einige Kommentatoren. Andere bezweifeln, dass Kuba dadurch demokratischer wird.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Soir - Belgien, Corriere della Sera - Italien, De Volkskrant - Niederlande, El País - Spanien

Le Soir - Belgien

Obama tut gut daran, die Beziehungen mit Kuba zu verbessern, zumal die bisherige Politik in die Sackgasse geführt hat, meint die liberale Tageszeitung Le Soir: "Die Politik, mit der die USA Kuba in den vergangenen 50 Jahren zu isolieren versuchten, war inneffizient, denn dort regiert noch immer ein Castro. Während den Beziehungen zwischen Washington und Moskau zunehmend der unangenehme Geruch des Kalten Krieges anhaftet, hat der US-Präsident beschlossen, in seiner Nachbarschaft mit dieser störenden Hinterlassenschaft der 1960er Jahre aufzuräumen. Dadurch, dass er Kuba die Tür öffnet, können sich Politiker, Bürger und Ideen frei bewegen. Ein heilsamer frischer Wind, der bereits die Befreiung politischer Gefangener ermöglicht hat. Kuba hat sich auch verändert und zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht geöffnet. Obama hat den Ball aufgenommen, der ihm zugespielt wurde. Es war höchste Zeit." (17.12.2014)

Corriere della Sera - Italien

So schnell wird sich Kuba nicht demokratisieren, kommentiert die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera mit Blick auf die Annäherung zwischen Washington und Havanna: "Ich mache mir keine Illusionen, hat Obama gesagt. Er hat getan, was seit geraumer Zeit empfehlenswert war. Doch wie Obama selbst sind auch wir skeptisch, ob die Annäherung auch der kubanischen Regierung zuträglich sein wird. Auf wirtschaftlicher und finanzpolitischer Ebene zweifelsohne, denn Kuba steht das Wasser bis zum Hals. Doch was ist mit der Reisefreiheit und den Beschränkungen im Bankenwesen? Und wie sieht es vor allem mit der Öffnung des Markts für Kommunikationstechnologien und mit dem Zugang zum Internet aus? Raúl Castro hat Mut zu Reformen bewiesen, doch waren sie nie politischer Natur. Er wird vielleicht die Handbremse anziehen müssen, um sich im Sattel zu halten und um zu verhindern, dass sein Bruder Fidel vor Kummer das Zeitliche segnet." (18.12.2014)

De Volkskrant - Niederlande

Die USA und Kuba haben einen historischen Schritt getan, lobt die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Beide Länder haben ein Interesse an der Verbesserung ihrer Beziehungen. Das Handelsembargo ist für Kuba ein Klotz am Bein und macht das Land ökonomisch völlig abhängig vom Wohlwollen seiner Verbündeten. ... Nach dem Fall der Mauer bekam Kuba Probleme, bis Venezuela [durch eine kuba-freundliche Politik] zu Hilfe kam. ... Die Frage ist, wie lange Venezuela sich die Unterstützung für Kuba noch leisten kann. Für die USA gibt es nun geopolitische Vorteile. ... Sie senden auch Russland ein Signal, das seit dem Ukraine-Konflikt verzweifelt versucht, die Beziehungen zu Lateinamerika zu verbessern. Die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba wird den USA großen Applaus von lateinamerikanischen Führern einbringen und Russland den Wind aus den Segeln nehmen." (18.12.2014)

El País - Spanien

Seit für US-Präsident Barack Obama feststeht, dass er ohne Mehrheit in beiden Parlamentskammern als "lame duck" regieren muss, hat er nach Ansicht der linksliberalen Tageszeitung El País besonders wichtige Entscheidungen getroffen: "Das Tauwetter in den eisigen Beziehungen zwischen Washington und Havanna besiegelt einen der produktivsten Monate des Demokraten Barack Obama, seit er 2009 das Weiße Haus bezog. ... Die Entscheidungen in den drei Bereichen Klimawandel, Migrationsreform und Kubapolitik haben etwas gemeinsam: Es sind unilaterale Handlungen, Entscheidungen des Präsidenten ohne eine Mehrheit im Kongress. Obama hat den engen Spielraum, den ihm der gegnerischer Kongress lässt, gut zu nutzen gewusst, um Politik zu machen und um das zu belegen, was ein anderer Demokrat vor ihm, Lyndon B. Johnson, kurz vor Verabschiedung der Gesetze zu den Bürgerrechten sagte: Das Amt des Präsidenten kann zu etwas nützlich sein." (17.12.2014)

TOP-THEMA | 17.12.2014

Russische Währungskrise eskaliert

Im Kampf gegen den Wertverlust des Rubels hat die russische Zentralbank in der Nacht zum Dienstag den Leitzins von 10,5 auf 17 Prozent angehoben. Als Gründe für die Währungskrise gelten vor allem der fallende Ölpreis und die Sanktionen des Westens. Ein Kollaps der russischen Wirtschaft kann eine internationale Finanzkrise auslösen, fürchten Kommentatoren und fordern Präsident Wladimir Putin auf, seine Großmachtambitionen endlich aufzugeben.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Financial Times - Großbritannien, Pravda - Slowakei, Les Echos - Frankreich, El País - Spanien, Il Sole 24 Ore - Italien

Financial Times - Großbritannien

Russlands Präsident Wladimir Putin sollte die Chance ergreifen, mit einer weniger aggressiven Außenpolitik den freien Fall des Rubels zu stoppen, drängt die konservative Tageszeitung Financial Times: "Der Verfall der Währung spiegelt den wachsenden Glauben der Finanzmärkte wider, dass Putin Russland nicht mehr im Sinne der wirtschaftlichen Interessen des Landes führt, sondern fest entschlossen illusorische geopolitische Ziele verfolgt. ... Der Westen sollte ihm unmissverständlich zu verstehen geben, dass eine Deeskalation in der Ukraine den internationalen Druck auf die russische Wirtschaft verringern würde. Es ist zu hoffen, dass Putin sogar in der derzeitigen Situation in der Stimmung ist, seinen Kurs zu ändern. Zu fürchten ist allerdings, dass seine Antwort auf die verschärfte Wirtschaftskrise in Russland darin besteht, eine neue, noch gefährlichere Politik des Revanchismus zu verfolgen." (16.12.2014)

Pravda - Slowakei

Russland ist am Boden und das, worauf Wladimir Putin seine Herrschaft stützt, besteht nicht mehr, konstatiert die linke Tageszeitung Pravda: "Putins Popularität gründete sich auf drei Pfeiler: auf Stabilität, relativen Aufschwung und in den letzten beiden Jahren auch auf Patriotismus. Die Russen sind ein stolzes Volk. Doch die Vaterlandsliebe hat Grenzen. Auch der Stolz auf die Wiedererlangung der Krim wird schwinden, kostet der Spaß doch jährlich 4,5 Milliarden Dollar. ... Als Putin im Dezember 1999 die Macht von Boris Jelzin übernahm, gelang es ihm nach einer Zeit des absoluten Chaos die Wirtschaft zu stabilisieren. Damals aber war die Lage anders: Der Ölpreis stieg. ... Der Präsident muss jetzt seinen Kurs ändern. Er muss bei seinen Großmachtambitionen und bei der Rüstung abspecken. Er muss mit der Neustrukturierung der Wirtschaft beginnen. Und hoffen, dass der Ölpreis wieder steigt." (17.12.2014)

Les Echos - Frankreich

Nur eine Verbesserung der Beziehungen zur EU kann Russland aus der Krise helfen, kommentiert die liberale Wirtschaftszeitung Les Echos: "Wer Wladimir Putin in letzter Zeit gesprochen hat, bekam zu hören: Russland kann auf Europa verzichten und vielleicht sogar auf den Rest der Welt. Das ist natürlich reiner Selbstbetrug und die Trotzreaktion eines verletzten Autokraten. Es ist wichtig, eine Ausdehnung der Krise zu verhindern. Man muss Moskau klarmachen, dass seine Zukunft in Europa liegt. Und dass diese nur durch die Modernisierung der Wirtschaft gesichert werden kann, nicht durch den Bau von Pipelines nach China. Russland bildet mit der EU eine Schicksalsgemeinschaft. Es muss durch einen Kompromiss über die Ukraine eine neue Vertrauensbeziehung aufbauen. Davon hängt die wirtschaftliche Stabilisierung Russlands, die Aufhebung der Sanktionen und die Rückkehr des Kapitals ab. Es ist nicht verboten, optimistisch zu sein: Die Zeit spielt gegen Moskau." (17.12.2014)

El País - Spanien

Ein Zusammenbruch der russischen Wirtschaft kann zu einer neuen internationalen Finanzkrise führen, warnt die linksliberale Tageszeitung El País: "Der Fall des Rubels ist ein Symptom für das schwere Misstrauen in die unmittelbare Zukunft der Wirtschaft und eine Warnung, dass Russland in den kommenden Monaten eine verheerende Inflation sowie ein schwerer Einbruch in der Produktion bevorstehen könnte. Und nicht nur Russland. Die Gründe hinter dem Verfall des Rubels und Russlands Schuldenstand bedrohen die Devisen aller Schwellenländer. Sollten sich die Aussichten für Länder wie Russland, Venezuela und Nigeria nicht verbessern, könnte dies erneut zu allgemeinen Wirrungen führen. ... Solange der Ölpreis nicht durch kurzfristige Maßnahmen (Steigerung der Nachfrage, Senkung der Produktion) nach oben korrigiert wird und man die Auswirkungen der aktuellen Entwicklung des US-Dollars nicht abfedert, ist die Gefahr einer neuen Finanzkrise in höchstem Maße real." (17.12.2014)

Il Sole 24 Ore - Italien

An der russischen Börse fielen die Kurse am Dienstag um fast 20 Prozent, der höchste Tagesverlust aller Zeiten. Die russische Währung hat in den vergangenen drei Monaten 37 Prozent an Wert verloren. Die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore warnt vor einer Ausweitung der Finanzkrise: "Die Wirtschaft kümmert sich wenig um große Worte. Mit der russischen Krise könnten Spannungen und repressive Maßnahmen wieder aufflackern. ... Zudem droht Ansteckungsgefahr: der Absturz des Rubel, die mögliche Einführung von Kontrollen von Kapitalanlagen, das Misstrauen, das sich wie ein Ölteppich ausbreitet, 'Vergeltungsschläge' eines von den Sanktionen gebeutelten Russlands - all dies kann eine neue Finanzkrise auslösen und eine Kapitalflucht zur Folge haben." (17.12.2014)

TOP-THEMA | 16.12.2014

Terror in Sydney

Sicherheitskräfte haben in der Nacht zu Dienstag ein Café in Sydney gestürmt, in dem ein mutmaßlich islamistischer Täter mehr als ein Dutzend Besucher in seiner Gewalt gehalten hat. Laut Polizeiangaben wurden drei Menschen getötet, darunter der Geiselnehmer. Islamistischer Terror ist leider überall möglich, konstatieren Kommentatoren, warnen die Menschen aber davor, sich abzuschotten und Islamisierungsängste zu schüren.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
The Independent - Großbritannien, Kurier - Österreich, Frankfurter Rundschau - Deutschland, Jutarnji List - Kroatien

The Independent - Großbritannien

Durch seine Beteiligung am Krieg gegen den Terror wurde Australien zum direkten Ziel von Terroristen, analysiert die linksliberale Tageszeitung The Independent: "Mehrere australische Regierungen und auch die Öffentlichkeit haben in den vergangenen zehn Jahren gedacht, dass sie beides haben können. Sie dachten, sie könnten sich an US-geführten Abenteuern in Afghanistan und im Irak beteiligen, um bei westlichen Verbündeten zu punkten. Sie fühlten sich dabei mehr oder weniger sicher vor jeglichen terroristischen Gegenreaktionen, weil sie überzeugt waren, dass Australien zu klein und zu weit entfernt war, um ein Ziel zu werden. Natürlich gab es die Bomben in Bali 2002 und anderswo, denen - viel zu viele - Australier zum Opfer fielen. Doch diese waren gegen Westler generell gerichtet, nicht speziell gegen Australier. ... Das Gefühl der Unverwundbarkeit wurde nun schwer erschüttert." (15.12.2014)

Kurier - Österreich

Die Förderung einer offenen Gesellschaft ist nach Meinung der liberalen Tageszeitung Kurier der einzige Weg, auf Terroranschläge wie den in Sydney zu reagieren: "Australien war vorbereitet, hatte bereits Attentate auf seinem Boden vereitelt, es herrschte Alarmstufe drei (von vier) - aber Taten wie die im Lindt Café in Sydney lassen sich nicht verhindern. Nicht durch massivste Sicherheitsmaßnahmen, auch wenn eine noch stärkere Überwachung der Islamisten nottut. Nicht durch Aufklärung in Schulen und linkische Gegenpropaganda im Netz für potenzielle Dschihadisten im Westen. ... Schon gar nicht durch Abschottung und das Schüren von Islamisierungsängsten in Europa, wie das in Deutschland die Pegida-Bewegung tut. So arbeitet man unbedacht allenfalls den Terroristen zu, deren Ziel die Verbreitung von Angst ist. 'Australien ist eine offene, friedliche Gesellschaft. Nichts sollte das je ändern, und deshalb bitte ich alle Australier, zurück zu business as usual zu gehen', sagte Australiens Premier am Montag noch während der Geiselnahme. Das ist tatsächlich die einzig richtige Antwort." (16.12.2014)

Frankfurter Rundschau - Deutschland

Der Geiselnehmer hielt während der Tat eine schwarze Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis an ein Fenster. Die Geschehnisse in Sydney verdeutlichen erneut die Empfindlichkeit der urbanen Welt gegenüber islamistischem Terror, kommentiert die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Die Geiselnahme ... zeigt einmal mehr, dass der radikalislamische Terror ein leicht zu kopierendes Verbrechens- und Wahnsystem ist, vor dem sich kein Land und keine Stadt restlos schützen kann. Ein mutmaßlich einzelner Täter vermag eine ganze Stadt in Atem zu halten, und über die sozialen Netzwerke ist die ganze Welt an sein bizarres Tun angeschlossen. Dabei ist es am Ende von zu vernachlässigender Bedeutung, ob es sich um die Tat eines verwirrten Einzelnen handelt oder ob sie aus organisierten Strukturen hervorgegangen ist. Es ist zu befürchten, dass im Zeichen schwarzer Fahnen noch viel Unheil angerichtet werden wird, dessen größte Gefahr in seiner Irrationalität besteht." (16.12.2014)

Jutarnji List - Kroatien

Die Muslime weltweit müssen damit leben, dass sie unter den Generalverdacht des islamistischen Terrors gestellt werden, sorgt sich die liberale Tageszeitung Jutarnji List: "Wenn der Iraner Man Haron Monis, der selbsternannte Scheik, ganz alleine einen terroristischen Anschlag auf ein Café verüben konnte und dabei Menschen getötet und verletzt wurden, dann könnte dies auch jedes andere Mitglied der muslimischen Gemeinschaft auf der Welt tun. Nun wird jeder Muslim automatisch verdächtigt werden und als potentieller Terrorist gelten. Für viele vollkommen unschuldige Muslime wird sich das Leben in eine Hölle verwandeln. ... Es gibt nur einen Weg, sich dem Terrorismus entgegenzustellen: Man muss islamistische Terroristen bekämpfen. Vor allem aber muss man sich auch denen widersetzen, die der islamischen Welt ihre politischen und zivilisatorischen Standards aufzwingen wollen, ohne den historischen und kulturellen Unterschieden Rechnung zu tragen." (16.12.2014)

TOP-THEMA | 15.12.2014

Klimagipfel endet mit Minimalkonsens

Die UN-Klimakonferenz in Lima hat sich am Sonntag auf einen Entwurf für einen Weltklimavertrag verständigt. Er soll nun als Grundlage dienen für Verhandlungen bis zur nächsten Konferenz im Dezember 2015 in Paris. Im heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist dies ein kümmerlicher Kompromiss, klagen Kommentatoren und mahnen, dass Klimaschutz nicht auf internationalen Konferenzen sondern zu Hause beginnt.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Soir - Belgien, El Mundo - Spanien, Die Presse - Österreich, tagesschau.de - Deutschland

Le Soir - Belgien

Politische Abkommen allein werden nichts nützen, die Menschen in aller Welt müssen in ihrem Alltag gegen den Klimawandel agieren, fordert die liberale Tageszeitung Le Soir: "In Lima haben 195 Länder den Weg bereitet für ein ehrgeiziges Abkommen. Nach dieser Vorübung muss man das Vorhaben nun zum Erfolg bringen. Aber das Wichtige ist vielleicht nicht, irgendein Abkommen zu schließen, sondern die Menschheit für eine Sache zu sensibilisieren, von der ihr Wohlergehen und an bestimmten Orten der Welt sogar ihr Überleben abhängt. Diese Menschheit ist direkt an der nächsten Straßenecke zu finden. Es geht um unsere Regierungen, unsere Städte und Gemeinden, unsere Vereine und Schulen, unser alltägliches Leben. Hier sind wir an der Macht. Genau hier sind Intelligenz, Mut und Verantwortungsbewusstsein gefordert." (15.12.2014)

El Mundo - Spanien

Obwohl die Bedrohung durch den Klimawandel immer offensichtlicher wird, ist die internationale Gemeinschaft nicht in der Lage, diesen aufzuhalten, bedauert die konservative Tageszeitung El Mundo: "Das zu Ende gehende Jahr war das wärmste, das jemals dokumentiert wurde. 800 Wissenschaftler warnen, dass der Klimawandel unaufhaltbar sein wird, wenn wir die Emissionen nicht drastisch reduzieren. Und trotzdem ist die internationale Staatengemeinschaft nicht in der Lage, eine gemeinsame Strategie gegen die Erderwärmung zu definieren. Der 20. Klimagipfel der Vereinten Nationen, zu dem sich in Lima Vertreter aus 195 Ländern trafen, endete gestern früh mit einem enttäuschenden Minimalkonsens. ... Mit einem so allgemeinen Abkommen wird es sehr schwierig, auf der nächsten Konferenz in Paris eine Einigung zu erlangen, die das Kyoto-Protokoll ersetzen könnte. ... Es geht hier nicht darum, Panik zu machen, sondern darum, vernünftig zu sein." (15.12.2014)

Die Presse - Österreich

Dass beim Klimagipfel in Lima die freiwilligen Verpflichtungen von Staaten im Mittelpunkt standen, hält die konservative Zeitung Die Presse für richtig. Zu lange habe gerade Europa versucht, der Welt verbindliche Ziele vorzuschreiben, während immer mehr Klimagase emittiert wurden: "Europas One-Man-Show in Sachen Klimaschutz ist also nicht nur teuer, sondern global gesehen auch wirkungslos. Der Kontinent ist gerade für ein Zehntel der weltweiten Emissionen verantwortlich. Genau hier brachte die Konferenz in Lima einen entscheidenden Fortschritt: Erstmals haben auch die großen Emittenten USA, China und Indien, die gemeinsam für mehr als die Hälfte aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, Reduktionen versprochen. ... Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem für Europa. Klimaschutz kann nur erfolgreich - und bezahlbar - werden, wenn er kein Hobby der (noch) reichen Europäer bleibt." (15.12.2014)

tagesschau.de - Deutschland

Trotz aller Kritik an der Weltklimakonferenz, darf man dieses Verhandlungsformat nicht abschaffen, warnt das öffentlich-rechtliche Portal tagesschau.de: "Das wäre das Dümmste, was man tun könnte. Woher kommt es denn, dass so viele Staaten Klimaschutz betreiben, dass wir über Klimaschäden überhaupt nur reden und die Sorgen der Betroffenen wahrnehmen? Dass sich selbst die USA und - ganz zäh - China bewegen? Die Konferenzen sind Plattform, Antrieb und Schaufenster des Klimaschutzes. Hier müssen sich Bremser verteidigen - wo sonst? Diese Konferenzen haben aus einem wissenschaftlichen Rand- ein Topthema der Weltpolitik gemacht. Nur für die, die drinstecken sind sie - mit ihren nächtelangen Endphasen und Verlängerungen - schwer erträglich." (14.12.2014)


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