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TOP-THEMA | 29.07.2014

Russland droht Milliardenzahlung an Jukos-Eigner

Russland soll den früheren Aktionären des Jukos-Konzerns 50 Milliarden Dollar Entschädigung zahlen. Wie am Montag bekannt wurde, fällte der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag schon Mitte Juli ein entsprechendes Urteil, das Moskau allerdings anfechten will. Mitten in der Ukraine-Krise kommt der Entscheidung besondere Bedeutung zu, meinen Kommentatoren und richten ihr Augenmerk auf den russischen Steuerzahler, der nun die Rechnung begleichen muss.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Il Sole 24 Ore - Italien, De Volkskrant - Niederlande, Der Standard - Österreich

Il Sole 24 Ore - Italien

Mitten in der Ukraine-Krise hat das Urteil auch eine politische Dimension, analysiert die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Abgesehen von seinen wirtschaftlichen Auswirkungen, die in dieser Höhe selbst für einen Riesen wie Russland schmerzhaft sind, kommt dem Urteil eine politische Bedeutung zu. Mit einer beispiellosen Klarheit verleiht das Urteil der Illegalität des Staats in Russland und der Unterwerfung der Justiz dem Willen der Regierung gegenüber Ausdruck. Und es tut dies in einem Moment, in dem die Flammen in der Ukraine und der Abschuss eines aus Amsterdam kommenden, malaysischen Flugzeugs die Befürchtungen wachsen lassen, der russische Imperialismus sei wieder auferstanden. Es besteht keine Verbindung zwischen den Ereignissen, doch eine unübersehbare zeitliche wie auch geografische Koinzidenz, bei der die Niederlande - unfreiwillig - die Hauptrolle spielen." (29.07.2014)

De Volkskrant - Niederlande

Der Schiedsspruch im Jukos-Rechtsstreit ist eine bittere Nachricht für den russischen Steuerzahler, fürchtet die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant. "Für den russischen Staat ist dieses Urteil ein hartes und klares Signal, dass die Vergewaltigung von Eigentumsrechten eine Todsünde ist. Der Zeitpunkt des Urteils ist allerdings unglücklich: Im Moment kann der Kreml die Aufmerksamkeit leicht von seinem eigenen Raubkapitalismus ablenken und das Urteil als Teil einer westlichen Kampagne gegen Russland darstellen. Das russische Volk sieht die Milliarden bereits wegströmen und fragt sich, wie oft man ihm dasselbe Geld noch stehlen will. Denn für viele Russen ist [Ex-Jukos-Chef] Chodorkowski ein Dieb, der später von Wladimir Putin und seinem KGB-Freund Igor Setschin [Vorstandsvorsitzender von Rosneft, einst Konkurrent von Jukos] bestohlen wurde. ... Ein russischer Oppositioneller fasste die Tatsache, dass nun der russische Staat und damit der Steuerzahler die Rechnung serviert bekommt, mit folgendem Witz zusammen: 'Papa, der Preis für Wodka ist gestiegen. Wirst du jetzt weniger trinken? - 'Nein, lieber Junge. Ihr werdet weniger essen.'" (29.07.2014)

Der Standard - Österreich

Das Urteil des Haager Schiedsgerichts zeigt, wie willkürlich Russland mit Wirtschaft und Investoren umgeht, meint die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Die Unberechenbarkeit der russischen Justiz, speziell wenn die Politik ins Spiel kommt, ist ein Punkt, der seit Jahren Investoren in Russland verschreckt. ... Überhaupt konnten sich die großen staatlichen oder staatsnahen Betriebe immer mehr Anteile am russischen Volkseinkommen sichern, während der Klein- und Mittelstand es schwer hat. Korruption und Bürokratie sind zwar nach Einschätzung von Unternehmern zurückgegangen; das Ausmaß ist jedoch nach wie vor gewaltig - ebenso wie die Machtbefugnisse der 'kompetenten Organe', sich überall einzumischen. Unsicherheit und eine dirigistische Wirtschaftspolitik befeuern seit Jahren die Kapitalflucht. Experten machen diese Politik auch für das trotz stabil hoher Ölpreise schwache Wirtschaftswachstum des Landes verantwortlich." (29.07.2014)

TOP-THEMA | 28.07.2014

UN-Sicherheitsrat fordert Waffenruhe in Gaza

Der UN-Sicherheitsrat hat die Konfliktparteien in der Gaza-Krise am Montag zu einem sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand aufgerufen. Die Erklärung ist rechtlich nicht bindend. Vorherige Vermittlungsbemühungen waren am Wochenende gescheitert. Kommentatoren nennen die Entmilitarisierung des Gaza-Streifens und einen Bewusstseinswandel bei den Israelis als Bedingungen für eine Lösung des Konflikts.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Kurier - Österreich, La Repubblica - Italien, Irish Independent - Irland, Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Kurier - Österreich

Verantwortlich für die Eskalation der Gaza-Krise ist die radikal-islamische Hamas, meint der Vizepräsident des Europäisch Jüdischen Kongresses Ariel Muzicant in der Tageszeitung Kurier und fordert ihre Entwaffnung und eine dauerhafte Entmilitarisierung des Gaza-Streifens: "Die Hamas versteckt ihre Waffen unter Spitälern, Schulen und Moscheen und ruft die Bevölkerung auf, als lebende Schutzschilder zu fungieren. Also geht es jetzt um den zynischen Versuch der Hamas, die zivilen Opfer möglichst zu erhöhen, um zumindest den Propagandakrieg zu gewinnen und den Israelis Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Viele neutrale Beobachter verlangen ein Ende der Gewalt. Dabei übersieht man, dass die Gewalt aus dem Gaza-Streifen einen Bruch aller getroffenen Vereinbarungen darstellt. Wenn all jene, die ehrlich einen langfristigen Waffenstillstand und Ruhe zwischen dem Gaza-Streifen und Israel wünschen, dafür sorgen, dass der Gaza-Streifen entmilitarisiert wird, könnte die palästinensische Bevölkerung dort endlich in Ruhe und Frieden leben." (28.07.2014)

La Repubblica - Italien

Möglich wird eine Ende des Gaza-Konflikts erst durch einen Bewusstseinswandel der israelischen Bevölkerung, schreibt der israelische Schriftsteller David Grossman in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica - und hält diesen für möglich: "Der jetzige Konflikt zwischen Israel und Gaza unterscheidet sich von früheren. Erstmals richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Israelis auf den Mechanismus, der der ganzen Situation zugrundeliegt: einen sterilen und todbringenden Mechanismus der Wiederholung. ... Solange die Menschen im Gaza-Streifen nicht frei atmen können, kann auch Israel nicht wirklich Luft holen. Wir Israelis wissen das seit Jahrzehnten - und weigern uns seit Jahrzehnten, dies zu begreifen. Doch vielleicht haben wir es diesmal ein wenig mehr begriffen als sonst - oder haben zumindest für einen Moment unser Leben von einer anderen Warte aus gesehen. Die Erkenntnis ist schmerzlich, doch sie könnte der Beginn eines Wandels sein und die Israelis von der zwingenden Notwendigkeit und Dringlichkeit überzeugen, Frieden mit den Palästinensern zu schließen." (28.07.2014)

Irish Independent - Irland

In Gaza ist am Wochenende nach palästinensischen Angaben das 1.000. Todesopfer geborgen worden. Die Welt distanziert sich durch kühle Rhetorik und Pseudo-Betroffenheit von den vielen Toten in Gaza und dem Schicksal der Palästinenser, kritisiert Nahost-Korrespondent Robert Fisk in der konservativen Tageszeitung The Irish Independent: "Wann sind es genug palästinensische Tote, wann ist die Grenze erreicht, ab der wir einen andauernden Waffenstillstand erwarten dürfen? Bei 800? Bei 1.000? Oder erst bei 8.000? Könnten wir vielleicht eine Anzeigetafel haben? Oder vielleicht einen Wechselkurs entsprechend der Anzahl der Toten? Oder warten wir, bis sich uns angesichts des vergossenen Blutes die Kehle zuschnürt, bevor wir endlich sagen: Es reicht - selbst für einen Krieg Israels ist das Maß voll. ... Die Wahrheit ist, dass hunderttausende Menschen in aller Welt - ich wünschte, ich könnte sagen: Millionen - ein Ende dieses straflosen Tötens wollen und das Ende aller Floskeln von wegen 'unverhältnismäßige Opferzahlen'. Unverhältnismäßig in Bezug worauf?" (28.07.2014)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die jüngsten Vermittlungsbemühungen unter US-Außenminister John Kerry im Gaza-Konflikt sind gescheitert. Israel und die Hamas beschuldigen sich gegenseitig, Feuerpausen nicht einzuhalten. Mit Kerrys Pleite wird klar, dass dieser Krieg von außen kaum mehr steuerbar ist, resümiert die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Die USA haben ihren Einfluss auf die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu verloren, Ägypten fällt als mäßigende Macht gegenüber der Hamas aus. Neu im Spiel sind Katar und die Türkei, doch die sind bislang mit ihren Tiraden gegen Israel nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Der Krieg ist so dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Weil eine diplomatische Lösung nicht in Sicht ist, kann er nur durch eine Kosten-Nutzen-Analyse der Kontrahenten beendet werden." (28.07.2014)

TOP-THEMA | 25.07.2014

Vorschlag für Waffenruhe im Gaza-Konflikt

US-Außenminister John Kerry hat in der Gaza-Krise beiden Konfliktparteien einen Vorschlag für eine Waffenruhe vorgelegt. Nach Informationen der Zeitung Haaretz sollen die Kämpfe für eine Woche ausgesetzt werden und unter ägyptischer Vermittlung Gespräche über eine längerfristige Lösung beginnen. Kommentatoren betonen, wie dringlich eine Waffenruhe ist und analysieren die Gründe für die Passivität der arabischen Welt angesichts der Gewalt in Gaza.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Milliyet - Türkei, Der Tagesspiegel - Deutschland, lrytas.lt - Litauen

Milliyet - Türkei

Eine Waffenruhe muss so schnell wie möglich erreicht werden, drängt die konservative Tageszeitung Milliyet: "Mit jeder Stunde, die vergeht, ja, mit jeder Minute, die verstreicht, wird die Katastrophe schlimmer. ... Man muss jetzt eine dauerhafte Waffenruhe erreichen, in der die Waffen komplett verstummen und in der man sich auf der einen Seite um die Verletzten kümmern kann und auf der anderen Seite eine politische Lösung gesucht wird. ... Ehrlich gesagt ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um zu debattieren, ob erst die Voraussetzungen für Verhandlungen erfüllt sein müssen und es dann eine Waffenruhe geben kann oder ob zuerst die Waffenruhe kommen muss und dann die Verhandlungen. Doch offensichtlich führen die Vermittler mit den Konfliktparteien seit drei, vier Tagen genau diese Diskussion. ... Die Lösung dieses so alten Konflikts liegt nicht an der Militärfront, man muss sie auf politischem Wege finden. Eine Waffenruhe darf nicht nur eine kurze 'Pause' der Angriffe sein. Einschließlich der Hamas müssen alle Seiten auf politischem Wege zu einer Einigung kommen, die ein 'Neuanfang' sein sollte." (25.07.2014)

Der Tagesspiegel - Deutschland

Erstaunt darüber, dass die größten Proteste gegen Israels Offensive im Gaza-Streifen derzeit nicht im Nahen Osten sondern in Europa stattfinden, zeigt sich der liberal-konservative Tagesspiegel – und kommt zu dem Schluss, dass das Gefüge in der Region drei Jahre nach dem Arabischen Frühling gehörig durcheinandergeraten ist: "Die Region polarisiert sich immer mehr in hyperautoritäre Polizeistaaten auf der einen und zerfallende Staaten auf der anderen Seite. ... Die zerfallenden Staaten wie Syrien, Irak, Libanon und Libyen sind absorbiert von ihrem eigenen Untergang und völlig mit sich selbst beschäftigt. Die autoritären Staaten wie Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait und die Emirate lassen praktisch überhaupt keinen inneren Dissens mehr zu. ... Zugleich tun ihre Herrscher alles, was islamistischen Bewegungen schadet, die sie als Kernursache des regionalen Niedergangs identifiziert haben und die sie als Hauptgefahr für ihre eigenen Machtaussichten ansehen." (25.07.2014)

lrytas.lt - Litauen

Der Beschluss des UN-Menschenrechtsrats, mögliche Kriegsverbrechen im Gazastreifen zu untersuchen, ist Publizist Arkadijus Vinokuras ein Dorn im Auge. Auf dem Portal lrytas.lt schreibt er: "Man hat den Palästinensern einen Bärendienst erwiesen und der Terrororganisation Hamas und anderen politischen Islamisten die Hand gereicht. Aber wahrscheinlich konnte der Beschluss angesichts der Zusammensetzung des Rates nicht anders ausfallen. Schauen wir uns einige Mitglieder dieser Legislaturperiode an: Burkina Faso, Benin, Kongo, China, Kuba. ... [Die westlichen Staaten], die sich noch vor einigen Tagen deutlich gegen den Terror der Hamas ausgesprochen hatten, widersprachen diesem phantasmagorischen Zusammenschluss der 'Kämpfer für die Menschenrechte' und ihrer Resolution nicht. … Sie werden so lange zynisch versuchen, der Verantwortung auszuweichen, bis die politischen Islamisten auch vor ihrer Tür stehen. Nazis und Sowjets standen einst schon vor der Tür. Die Amerikaner kamen zur Rettung. Wer wird das nächste Mal zur Rettung kommen?" (25.07.2014)

TOP-THEMA | 24.07.2014

Kerry und Ban Ki Moon vermitteln im Gaza-Konflikt

US-Außenminister John Kerry ist am Mittwoch in Israel eingetroffen und bemüht sich dort mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um einen Waffenstillstand im Gaza-Konflikt. Einige Kommentatoren sehen Israel nach der faktischen Schließung des internationalen Flughafens in die Ecke gedrängt und glauben, dass die Vermittlung deshalb fruchtet. Andere betonen, dass eine Waffenruhe längst keinen Frieden bedeutet, doch ein wichtiger erster Schritt wäre.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Il Sole 24 Ore - Italien, Savon Sanomat - Finnland, Die Zeit - Deutschland, Tages-Anzeiger - Schweiz

Il Sole 24 Ore - Italien

Die Bemühungen um einen Waffenstillstand könnten erfolgreich sein, denn Israel fürchtet sich vor der Isolation, glaubt die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "In einem Käfig gefangen: Das ungute Gefühl, eingeschlossen zu sein wie die Palästinenser im Gazastreifen, wird nun auch von Israel erprobt - auch wenn es anders begründet ist. Seit eine Rakete der Hamas vor zwei Tagen in der Nähe einer Landebahn einschlug, ist der Flughafen Ben Gurion, die Pforte des Landes zur Welt, so gut wie geschlossen. Die Offensive in Gaza läuft anders als es die israelische Regierung und der Generalstab geplant hatten. Unter Belagerung befindet sich jetzt auch der jüdische Staat. Durch die Militäroperationen der Hamas, aber vor allem durch den Druck der internationalen Diplomatie und der öffentlichen Meinung. Deshalb nimmt der Waffenstillstand, der von US-Außenminister John Kerry und den Ägyptern ausgehandelt wurde, jetzt konkrete Form an und könnte schon morgen in Kraft treten." (24.07.2014)

Savon Sanomat - Finnland

Eine Erhöhung des internationalen Druck auf die Hamas und Israel beobachtet die liberale Tageszeitung Savon Sanomat und hofft, dass ein Waffenstillstand im Gaza-Konflikt als so wichtiger erster Schritt tatsächlich erreicht wird: "Bis Mittwoch sind bei den schon seit zwei Wochen andauernden Kämpfen über 600 Menschen gestorben, die überwiegende Mehrheit davon Palästinenser. Zwei Drittel der Todesopfer sind palästinensische Zivilisten, darunter etwa 100 Kinder. ... Es ist zwecklos zu glauben, dass die Vereinbarung einer Waffenruhe auf Basis des Vorschlags der ägyptischen Regierung eine Lösung für die über Jahrzehnte angehäuften Probleme wäre. Ein Waffenstillstand ist dennoch nötig, um das Blutvergießen zu beenden. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Gewalt in einem halben oder einem Jahr wieder beginnt, wenn die Parteien bei den Verhandlungen nicht weiter kommen." (24.07.2014)

Die Zeit - Deutschland

Wenn sich internationale Politiker für eine Lösung des Gaza-Konflikts einsetzen, muss es ihnen möglich sein, Kritik am Vorgehen Israels zu üben - auch, wenn sie aus Deutschland stammen, meint die liberale Wochenzeitung Die Zeit: "Als Martin Schulz, der Präsident des EU-Parlaments, Anfang des Jahres in einer Rede vor der Knesset Israels Siedlungspolitik und die Blockade in Gaza als Friedenshindernisse kritisierte, handelte er sich von der israelischen Rechten prompt den Vorwurf des Antisemitismus ein. An die Adresse eines Deutschen impliziert das immer auch: In eurer Verantwortung für die Schoa habt ihr die Pflicht, Israel zu verteidigen – was auch komme. Dieses Missverständnis sollte man ausräumen: Deutsche haben wegen der Geschichte eine besondere Verpflichtung, Antisemitismus zu bekämpfen und für das Existenzrecht Israels einzutreten. Aber es gibt keine Verpflichtung, zu völkerrechtswidrigen Handlungen einer israelischen Regierung zu schweigen." (24.07.2014)

Tages-Anzeiger - Schweiz

Der UN-Menschenrechtsrat hat am Mittwoch die israelische Militäroffensive in Gaza verurteilt und eine Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission beschlossen. Diese Initiative begrüßt der Tages-Anzeiger: "Es wäre nicht die Kernaufgabe des UNO-Menschenrechtsrats, sich um den Schutz des humanitären Völkerrechts zu kümmern. Er tut es trotzdem regelmässig. ... Denn vor der Tatsache, dass der Gazakrieg innert weniger Tage über 200 Frauen und Kinder das Leben kostete, kann niemand die Augen verschliessen. Der Menschenrechtsrat tut denn auch das einzig Richtige: Er pocht auf die Einhaltung des Kriegsvölkerrechts. … Zu viele Krieg führende Staaten foutieren sich um den Schutz der Zivilbevölkerung. Sie lassen ihre Soldaten auf Spitäler und Schulen schiessen, schützen weder Frauen, Kinder, Verletzte noch Menschen mit Behinderungen und verhindern nach Belieben Nahrungsmittellieferungen und medizinische Nothilfe. Das alles, obschon sie die Genfer Konventionen unterzeichnet haben und damit verpflichtet sind, das Kriegsvölkerrecht zu respektieren." (24.07.2014)

TOP-THEMA | 23.07.2014

EU prüft neue Sanktionen gegen Russland

Die EU-Außenminister haben sich am Dienstag nicht auf weitere Sanktionen gegen Russland geeinigt. Stattdessen beauftragten sie die EU-Kommission, bis Donnerstag neue Maßnahmen wie ein Waffenexportverbot zu prüfen. Kommentatoren kritisieren, dass nicht sofort harsche Wirtschaftssanktionen beschlossen wurden, und fordern die EU auf, gegenüber Moskau endlich eine einheitliche Haltung einzunehmen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
De Volkskrant - Niederlande, Il Sole 24 Ore - Italien, The Times - Großbritannien, Berliner Zeitung - Deutschland

De Volkskrant - Niederlande

Die Rhetorik Europas gegen Moskau ist schärfer geworden, stellt die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant fest, doch ist damit noch nicht zufrieden: "Hunde, die bellen, beißen nicht. Einige Länder, die gestern eine letzte Warnung an Putin schickten, stritten kurz zuvor noch über konkrete Maßnahmen. Kennzeichnend dafür war die Hartnäckigkeit des französischen Präsidenten Hollande, der zumindest ein Mistral-Kriegsschiff [von zwei geplanten] an Moskau liefern will. ... Die Niederlande müssen nun eine führende Rolle übernehmen, um die Uneinigkeit Europas zu durchbrechen. Putins heillose Entscheidung für Ethno-Nationalismus und Abenteuer im Ausland kann nur etwas entgegengesetzt werden, wenn seine 'europäischen Partner' deutlich machen, dass sie diese nicht tolerieren. ... Es gibt keine Wahl: Putins Macht kann nur durch eine effektive Gegenmacht gezähmt werden." (23.07.2014)

Il Sole 24 Ore - Italien

Eine gespaltene Gemeinschaft, in der jeder Staat seine eigenen Interessen verfolgt, ist wenig glaubwürdig, bedauert die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Wenn es um die Beziehungen zu Russland geht, hat jeder in Europa mehr als eine Leiche im Keller. ... Wie lange kann sich Europa noch der Illusion hingeben, seine kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen über jede ethische und strategische Grundüberlegung zu stellen, ohne einen hohen Preis dafür zu bezahlen? Das Modell des Wirtschaftsriesen, das auf seinem gemeinsamen Binnenmarkt und seiner Gemeinschaftswährung ruht, ohne sich um andere Dinge zu kümmern, funktioniert nicht mehr. … Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Außenpolitik und einer Verteidigung kann nicht länger ignoriert werden. Stattdessen beschränkt sich Europa mit Spielereien auf dem Rechenschieber der Sanktionen: eine für dich, eine für mich, oder lieber doch keine. So kommt es nicht weit." (23.07.2014)

The Times - Großbritannien

In der Diskussion um mögliche Sanktionen gegen Russland steht nach Ansicht der konservativen Tageszeitung The Times besonders Deutschland in der Pflicht, mehr Druck auszuüben: "Angela Merkel wird keine Machtprobe riskieren, denn Deutschland sieht sich in der Rolle des Putin-Flüsterers, als offizieller Übersetzer Wladimir Putins. … Aber langsam realisiert Merkel, dass die Neuausrichtung der Beziehung zu Russland die größte Herausforderung ihrer neun Amtsjahre sein könnte, ebenso bedeutend wie die Eurokrise und komplexer als ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU. Es bedeutet, laut darüber nachzudenken, ob die EU selbständig ihre politischen und geografischen Grenzen festlegen kann. Für Deutschland ist das eine schwierige Situation und es wird ein Ausmaß an Härte gegenüber Moskau erfordern, das bislang fehlte. ... Und in der Tat wurde der Preis für starrköpfige Toleranz gegenüber Putin gerade mit dem Blut unschuldiger Flugzeug-Passagiere bezahlt." (23.07.2014)

Berliner Zeitung - Deutschland

Wladimir Putin hat am Dienstag auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats erstmals davon gesprochen, Einfluss auf die Separatisten in der Ostukraine nehmen zu wollen. Doch im Gegenzug will der russische Präsident etwas vom Westen haben - und das offenbart seine wahre Sorge, kommentiert die Berliner Zeitung: "Von allen Vorsichtsfloskeln entkleidet fordert Putin sinngemäß, der Westen müsse verbindlich zusichern, die inneren Probleme eines Landes nicht mehr auszunutzen, um sogenannte Farbenrevolutionen oder Völkerfrühlinge zu unterstützen. Die sind in den Augen Putins nichts anderes als die Destabilisierung fremder Staaten und das Anzetteln gewöhnlicher Putsche. ... Er will, dass der Westen ihm garantiert, eine weitere Ukraine werde es nicht geben. Nicht bei Nachbarn wie Weißrussland oder Kasachstan - vor allem aber nicht in Russland selbst. Dort ist die Zustimmung zu seinem Kurs derzeit überwältigend, weil er so stark und unbeugsam erscheint. Doch Putin weiß nicht zuletzt aus der ukrainischen Erfahrung, wie schnell und aus welch nichtigen Anlässen Stimmungen kippen und sich gegen ihn wenden können." (23.07.2014)


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