Navigation

 

Top-Thema

1-5 von 21 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

TOP-THEMA | 27.02.2015

Paris bekommt mehr Zeit zum Sparen

Die EU-Kommission hat am Mittwoch über die Haushalte der Mitgliedsstaaten entschieden. Frankreich erhält einen Aufschub bis 2017, um seine Probleme in den Griff zu bekommen, bleibt aber im Defizitverfahren. Italien und Belgien wendeten Verfahren ab. Endlich rückt die EU von der strikten Sparpolitik ab, freuen sich einige Kommentatoren. Andere kritisieren, dass sie im Umgang mit den Krisenländern mit zweierlei Maß misst.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
De Volkskrant - Niederlande, Le Soir - Belgien, Handelsblatt - Deutschland, La Stampa - Italien

De Volkskrant - Niederlande

Erneut werden die Abmachungen des Stabilitätspaktes von der Realität überholt, kritisiert die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Dass der Euro nicht mehr wankt, ist nicht den Mitgliedsstaaten zu verdanken, sondern Mario Draghi, dem Präsidenten der EZB. ... Doch im Prinzip arbeitet Draghi gegen den Stabilitätspakt. Der Pakt sollte die Inflation niedrig und den Euro stark halten. Draghi will aber gerade die Inflation schüren und den Euro schwächen, um den Export zu stimulieren. Dafür übernimmt die EZB sogar Staatsschulden. Inzwischen sind die Zinsen so niedrig, dass die Staaten schön dumm wären, wenn sie keine Schulden machten. Es fehlt jeglicher finanzielle Anreiz, um zu sparen. Solange die EZB diese Politik verfolgt, muss die disziplinierende Wirkung von den Politikern kommen. Die aber beweisen immer wieder, dass sie dazu nicht in der Lage sind. Somit ist der Stabilitätspakt eine Farce." (27.02.2015)

Le Soir - Belgien

Warum die europäischen Partner Frankreich nicht mit der gleichen Härte begegnen wie den anderen Euro-Krisenländern, erklärt die liberale Tageszeitung Le Soir: "Ein wichtiges Mitgliedsland und eins im 'Herzen Europas' hat mehr Gewicht als ein kleines Land oder ein Land der 'Peripherie'. Zudem ist da noch die Bedrohung durch den Front National. Weil sie ein Aufbegehren der Straße und ein Erstarken des Front National auf jeden Fall vermeiden wollen, schieben die französischen Regierungen (Konservative wie Sozialisten) schwierige Maßnahmen ständig auf. Und ebenfalls unter dem Eindruck dieser ewigen Bedrohung geben die europäischen Partner (EU-Kommission, Deutschland …) letztlich immer nach. Da bekommt man Lust, einen Satz umzuschreiben, der Churchill zugeschrieben wird: Da Frankreich sich nicht zwischen Reformen und Front National entschieden hat, wird es schließlich weder Reformen noch Front National verhindern können. Europa hingegen hat erneut die unschöne Wahrheit bewiesen, dass es mit zweierlei Maß misst." (27.02.2015)

Handelsblatt - Deutschland

Der französische Finanzminister Michel Sapin muss der Eurogruppe im Mai neue Sparmaßnahmen und Reformen vorlegen. Liefert er dann nicht, werden seine Amtskollegen den Druck erhöhen, blickt das wirtschaftsliberale Handelsblatt voraus: "Viele Verbündete hat Sapin in Wahrheit nicht mehr in der Eurogruppe. Spanien und Portugal sind ihm davongeeilt. Sogar Italien packt überfällige Reformen mutiger an als Frankreich. ... Zwar wäre laut Stabilitätspakt die Geldstrafe spätestens jetzt zweifellos fällig gewesen. Doch in diesem Punkt ist der Pakt wirklichkeitsfremd. Es macht einfach keinen Sinn, ein finanziell angeschlagenes Land mit einer Geldstrafe noch mehr zu schwächen. ... Der Eurozone bleibt also nichts anderes übrig: Sie muss den politischen Druck auf die Regierung in Paris aufrechterhalten und noch viele mühsame Diskussionen mit dem französischen Finanzminister durchstehen." (27.02.2015)

La Stampa - Italien

Endlich hält die EU nicht mehr starrköpfig am Sparkurs fest, freut sich nach der Entscheidung der EU-Kommission die liberale Tageszeitung La Stampa: "Das Urteil über unsere Wirtschaftspolitik bestätigt, dass sich im Euroraum etwas tut, im positiven Sinne. Statt blind an einer schematischen und kontraproduktiven Haushaltsdisziplin festzuhalten, fordert man das Land auf, sich zu erneuern. Gemäß der ursprünglichen Regeln des Fiskalpakts, die unter dem Eindruck des Terrors einer Schuldenkrise verabschiedet wurden, wäre Italien durchgefallen - und zwar mit der falschen Begründung, dass seine Sparpolitik nicht ausreiche. Dank der Neuinterpretation des Stabilitätspakts, so wie sie von Jean-Claude Juncker und seinen Kollegen während der italienischen EU-Ratspräsidentschaft ausgearbeitet wurde, werden wir versetzt - wobei man sich vorbehält, das Land auf sinnvolle Art und Weise zurechtzuweisen." (27.02.2015)

TOP-THEMA | 26.02.2015

Neue Regeln für Österreichs Muslime

In Österreich hat das Parlament am Mittwoch das Islamgesetz novelliert, um Rechte und Pflichten der Muslime im Land neu zu regeln. Unter anderem wird die Finanzierung muslimischer Gemeinden aus dem Ausland verboten. Wien versucht, einen einheimischen Islam zu begründen, loben einige Kommentatoren. Andere kritisieren, dass das Gesetz die Muslime unter Generalverdacht stellt.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Der Standard - Österreich, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, Público - Portugal

Der Standard - Österreich

Das Gesetz mutet an wie ein Sicherheitsgesetz und schürt Vorurteile, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Die Regierung will einen Islam österreichischer Prägung forcieren. Die Frage ist, ob sie das mit diesem Gesetz erzwingen kann. Einzelne Passagen lassen darauf schließen, hier handle es sich um ein Sicherheits- und nicht um ein Religionsgesetz. Es stellt Muslime unter Generalverdacht. In Zeiten, in denen eine konkrete Bedrohungslage einer allgemeinen, diffusen Angst Platz macht, werden Vorurteile geschürt: Bei den Muslimen in Österreich - und ihnen widmet sich das Gesetz - sind die Gefahr, der Extremismus und vielleicht auch der Terror zu Hause. Diese Unterstellung ist keine gute Voraussetzung für ein Miteinander, das helfen könnte, Ängste abzubauen. Da fühlen sich beide Seiten bedroht, die Muslime ebenso wie die Nichtmuslime. Die Regierung in Wien hat den richtigen Ton nicht getroffen." (26.02.2015)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Österreich macht es richtig, wenn es von seinen Muslimen fordert, dass diese einen eigenen Islam begründen, meint die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Damit der Leitsatz des Gesetzes - 'Der Islam gehört zu Österreich' - eine breite gesellschaftliche Akzeptanz findet, wird sich der in Österreich praktizierte Islam weiter von dem Islam der Herkunftsländer der Muslime abnabeln müssen. Selbstverständlich sind die Formulierungen im Gesetz, dass das staatliche Recht über dem religiösen steht und dass sich die Muslime zur Gesellschaft und dem Staat, in dem sie leben, bekennen müssen. Gefragt ist dazu ein Islam, der mit der Lebenswirklichkeit der Muslime hierzulande in Einklang steht. Was Österreich anstrebt, wollen alle in Europa: Die Muslime sollen einen einheimischen Islam hervorbringen, letztlich einen Euro-Islam. Das bedeutet auch, dass Imame dann nicht mehr in dem Maße wie bisher aus der Türkei entsandt und dass etwa aus Saudi-Arabien keine Gelder mehr zu Finanzierung von Moscheen angenommen werden dürfen." (26.02.2015)

Público - Portugal

Das Verbot der ausländischen Finanzierung muslimischer Vereine und Moscheen verhindert eine Gleichheit der Religionen vor dem Gesetz und kann sich bei der Bekämpfung von muslimischem Radikalismus als kontraproduktiv erweisen, fürchtet die liberale‏ Tageszeitung Público: "Manche Änderungen gefallen den lokalen Gemeinschaften, so zum Beispiel die Anerkennung von Feiertagen. ... Aber es gibt eben auch eine Änderung, die starke Proteste hervorrief: das Verbot für Moscheen und Imame, finanzielle Unterstützung aus dem Ausland zu erhalten - was christliche und jüdische Glaubensgemeinschaften ohne Probleme tun können. Österreich irrt, wenn es glaubt, dass man so die terroristische Bedrohung eindämmen wird. Wenn man die Rechte moderater Muslime begrenzt und sie stärker überwacht, wird der Druck durch den Radikalismus nicht verringert. Vielmehr könnte das Gegenteil erreicht werden." (26.02.2015)

TOP-THEMA | 25.02.2015

Athen bekommt wieder Geld

Die Euro-Finanzminister haben am Dienstag Athens Reformprogramm abgesegnet. Die Geldgeber stellten daraufhin eine Verlängerung der Hilfszahlungen bis Ende Juni in Aussicht, verlangten aber noch Nachbesserungen. Für einige Kommentatoren hat Griechenland kapituliert. Andere glauben, dass die Regierung nun die historische Chance hat, das Land zu reformieren.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Il Sole 24 Ore - Italien, De Telegraaf - Niederlande, Dimokratia - Griechenland, Delo - Slowenien

Il Sole 24 Ore - Italien

Jetzt, wo die EU Athen gebeugt hat, sollte sie mit Griechenland sanfter verfahren, mahnt die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Tsipras' Griechenland hat wehmütig die weiße Flagge gehisst, um die Staatspleite und den Euro-Austritt zu verhindern. Doch jetzt steht das Land vor einem neuen Dilemma: Wie die Entscheidung einer verantwortungsbewussten und disziplinierten EU-Partnerschaft mit der Kontrolle der Parteibasis von Syriza vereinen, die offen gegen den Premier rebelliert? Die erst einen Monat alte Koalitionsregierung von Tsipras wird bei der Parlamentsabstimmung der Reformen in Bedrängnis geraten. Politische Instabilität, wenn nicht gar Neuwahlen, bahnen sich an. Die Eurozone könnte sich alsbald vor einer neuen Griechenland-Krise befinden, die nicht unbedingt leichter handzuhaben ist. Es ist deshalb in niemandes Interesse, auf der Politik der eisernen Faust gegenüber Athen zu beharren, vor allem jetzt, wo die Regierung der extremen Linken kapituliert hat." (25.02.2015)

De Telegraaf - Niederlande

Die Reformvorschläge von Griechenland sind vorerst nur schöne Worte, warnt die konservative Tageszeitung De Telegraaf: "Die politische Entscheidung, das Land in der Eurozone zu halten, war ausschlaggebend für die Zustimmung, das ist überdeutlich zu sehen. Denn inhaltlich ist viel zu den sechs A4-Seiten mit den wachsweichen Plänen anzumerken. Das machten unter anderen EZB-Präsident Draghi und seine IWF-Kollegin Lagarde in gepfefferten Briefen deutlich. Sie bleiben sehr skeptisch, dass die lange Liste der griechischen Versprechen realistisch und durchsetzbar ist. ... Daher gilt: Erst sehen, dann glauben. In den kommenden Monaten muss der Druck auf Athen in vollem Maße aufrecht erhalten bleiben und man muss verhindern, dass das Land wieder in halbherzige Maßnahmen zurückfällt. Wenn Europa das nicht tut, kehren das griechische Chaos und der drohende Grexit im Sommer wie ein Bumerang zurück." (25.02.2015)

Dimokratia - Griechenland

Vom linken Parteiflügel der Syriza kommt zum Teil scharfe Kritik am Kompromiss mit der Eurogruppe über eine Verlängerung des Kreditprogramms. Die konservative Tageszeitung Dimokratia findet diese unangebracht: "Diejenigen, die jetzt die Regierung kritisieren, können nicht erkennen, dass die Menschen im Land ihre Situation nicht verschlechtern wollten [durch einen Bruch mit Europa], sondern - im Gegenteil - entschlossen waren, sie zu verbessern. Sie können nicht erkennen, dass die Wähler von Syriza keine Stalinisten, Maoisten oder vermummte Unruhestifter mehr sind, sondern die ehemalige Mittelklasse. … Die Regierung hat sich verpflichtet, alles zu tun, um die gemeinsame Währung zu behalten, aus vielen Gründen. Ein Austritt aus der Eurozone könnte in einer echten Tragödie enden." (24.02.2015)

Delo - Slowenien

Athens heftiger Widerstand in den Verhandlungen um neue Hilfszahlungen könnte nun immerhin der Garant dafür sein, dass sich die griechische Regierung bei der Umsetzung der notwendigen Reformen der Unterstützung der Bürger sicher sein kann, hofft die linksliberale Tageszeitung Delo: "Wenn man an ein optimistisches Szenario glaubt, könnte die linke Syriza-Regierung dort erfolgreich sein, wo die alte politische Elite völlig versagt hat. Ungeachtet der linken Rhetorik wird es der Regierung mit der Hilfe Europas vielleicht gelingen, die nötigen neoliberalen Reformen durchzusetzen. So könnte Griechenland, das ein Gefangener der Vetternwirtschaft ist, wieder wettbewerbsfähig werden und nicht auf ewig von ausländischer Hilfe und von Krediten abhängen. So wie damals der Republikaner Richard Nixon als erster US-Präsident das kommunistische China besucht hat, könnte Syriza die Menschen vom Nutzen der einst verhassten Reformpolitik überzeugen." (25.02.2015)

TOP-THEMA | 24.02.2015

Athens Reformpläne auf dem Prüfstand

Experten der EU-Kommission, der EZB und des IWF bewerten am heutigen Dienstag die Reformliste der griechischen Regierung. Am Nachmittag wollen die Euro-Finanzminister entscheiden, ob sie weitere Hilfszahlungen zusagen. Doch bei der Umsetzung der Reformen steckt der Teufel im Detail, warnen Kommentatoren und glauben, dass Griechenland nach dem Kompromiss mit seinen Geldgebern schlechter dasteht als zuvor.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Naftemporiki - Griechenland, Diário Económico - Portugal, The Irish Times - Irland, La Tribune - Frankreich

Naftemporiki - Griechenland

Mit der Vorlage der geforderten Reformliste in Brüssel hat der Kampf für Griechenland erst begonnen, meint die konservative Wirtschaftszeitung Naftemporiki: "Der Waffenstillstand ist beendet und die Regierung betritt heute wieder das 'Schlachtfeld'. ... Dass so gut wie sicher ist, dass die Liste mit den Reformen akzeptiert wird, bedeutet noch gar nichts. Denn der schwierige Teil kommt erst noch! Die Institutionen, also EU, IWF und EZB, wollen keine Theorie, sondern Zahlen. Sie wollen Maßnahmen sehen. ... Selbst wenn man davon ausgeht, dass sie keine neue Sparmaßnahmen fordern und das gesamte Paket der humanitären Hilfe akzeptieren, werden sie eine detaillierte Kostenkalkulation dazu sehen wollen, wie man die 'schwarzen Löcher' füllen kann." (24.02.2015)

Diário Económico - Portugal

Nach der vorläufigen Einigung mit der Eurogruppe ist das Dilemma Athens noch größer als zuvor, analysiert die wirtschaftsliberale Tageszeitung Diário Económico: "Die Konfrontationen der letzten Wochen haben Griechenland und dem Euro geschadet - allein wozu? Syriza wurde gezwungen, ihr Wahl- und Regierungsprogramm zu verwerfen, in die Arme der Troika zurückzukehren und muss nun liefern. ... Kurz gesagt: Alles ist wie zuvor. Abgesehen davon, dass die Renditen dreijähriger griechischer Anleihen um 20 Prozent gestiegen sind, die Griechen immer mehr Geld von ihren Konten abheben, die Banken sich am Rande des Bankrotts befinden und ausländische Investoren so schnell nicht zurückkehren werden. Und mehr noch: Syriza hat so hohe Erwartungen geschürt, dass das Selbstwertgefühl der Griechen - auch der radikalsten und militantesten - den Boden erreicht hat. ... Syriza hat viel versprochen, wird aber nur wenig liefern. Die Realität ist eben stärker als die Fantasie." (23.02.2015)

The Irish Times - Irland

Das Tauziehen der neuen griechischen Regierung mit den EU-Partnern zeigt, dass Syriza zumindest kämpft, um seine Ziele zu erreichen, meint anerkennend die linksliberale Tageszeitung The Irish Times: "Nach Jahren des hilflosen Herumtreibens bietet Griechenland nun einen interessanten Testfall. Die rebellische Neigung, die die Griechen derzeit an den Tag legen, hat etwas äußerst Anziehendes an sich. Ein Rebell, ein Außenseiter und ein Comeback - das ist etwas, was jeder mag und Griechenland steht nun für zwei dieser drei Charakteristika. ... Wenigstens drängt Syriza auf etwas. Es hat etwas sehr Anziehendes, ein Land der Euro-Zone dabei zu beobachten, wie es versucht, seine Eigenständigkeit zu erlangen. Das gilt ganz besonders aus einer irischen Perspektive, haben wir doch die Lenkung und Leitung unserer eigenen Angelegenheiten ausgelagert." (23.02.2015)

La Tribune - Frankreich

Die Konfliktlinie in der Eurokrise verläuft nicht, wie man meinen mag, zwischen verschiedenen Nationen, sondern zwischen gesellschaftlichen Gruppen, meint die liberale Wirtschaftszeitung La Tribune: "Es gibt nur eine einzige Frontlinie, die zählt und die klar identifiziert werden muss, damit man sie bestmöglich bekämpfen kann: Es ist die Linie, die die Wirtschaftswelt und die Finanzelite, die vor, während und nach der Krise umfassend profitiert hat, trennt von der Masse der Angestellten und der Arbeiter der Mittelklasse - und zwar egal, ob es sich um die deutsche, französische, griechische oder die eines anderen Landes handelt. ... Anders gesagt: Der unbarmherzige Krieg in Europa tobt zwischen wirtschaftlichen Gruppen und Kasten - und nicht zwischen europäischen Nationalitäten. Sich dessen bewusst zu werden, heißt bereits, Lösungen wahrzunehmen und der extremen Rechten Einhalt zu gebieten." (23.02.2015)

TOP-THEMA | 23.02.2015

Vorläufiger Kompromiss im Schuldenstreit

Athen und die Euro-Finanzminister haben sich auf eine Fortführung der Hilfszahlungen an Griechenland für zunächst vier Monate verständigt. Eine Liste mit Reformvorschlägen hat die griechische Regierung am Sonntagabend an ihre Verhandlungspartner verschickt. Kommentatoren werten den Kompromiss als Niederlage für die Regierung von Alexis Tsipras. Einige glauben aber, dass er in der nächsten Runde mehr Entgegenkommen erwarten kann.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
El Huffington Post - Spanien, Welt am Sonntag - Deutschland, Blog Pitsirikos - Griechenland, Irish Independent - Irland, Foreign Policy - USA

El Huffington Post - Spanien

Die am Freitag erzielte Einigung zwischen Athen und der Eurogruppe bedeutet für die Syriza-Regierung nichts anderes als dass sie ihre Wahlversprechen nicht gehalten hat, analysiert Carlos Carnero, Leiter der Fundación Alternativas, in der linksliberalen El Huffington Post: "Eigentlich lässt sich alles in einem Satz zusammenfassen: Syriza hat nach dem Wahlsieg das von den Vorgängerregierungen unterschriebene Rettungsprogramm für ungültig erklärt, um es dann am 20. Februar in all seinen Punkten anzunehmen. Und das gleiche wird Tsipras mit dem dritten Hilfspaket tun, wenn er seine Taktik und seine Europa-Strategie nicht noch um 180 Grad wendet. Tsipras hatte mehrere Dinge übersehen - unter anderem die Tatsache, dass seine Legitimität als Regierungschef auch nicht größer ist als die seiner Amtskollegen in allen anderen Ländern der Eurozone." (23.02.2015)

Welt am Sonntag - Deutschland

Nach dem am Freitag gefundenen Kompromiss kann der griechische Premier Alexis Tsipras für die nächsten Verhandlungen mit der Eurogruppe auf ein Entgegenkommen hoffen, glaubt die konservative Wochenzeitung Welt am Sonntag: "Ein echter Schuldenschnitt ist unwahrscheinlich, eine noch längere Laufzeit und niedrigere Zinsen für die Hilfskredite aber nicht. Nachdem schon der jetzige Kompromiss eher die Handschrift der pragmatischen Angela Merkel als des knallharten Wolfgang Schäuble zu tragen scheint, spricht einiges dafür, dass Europa zu weiteren solchen Schritten bereit sein wird. Wenn man dafür Tsipras von dem Irrweg abbringt, wichtige Strukturreformen für Griechenlands Wirtschaft zurückzudrehen und die zarten Erfolge über Bord zu werfen, kann sich das auszahlen. Denn nur wenn das Land wieder wettbewerbsfähig wird, bestehen überhaupt Chancen, dass es zumindest einen Teil der Hilfsgelder zurückzahlt. Tsipras' krachender Auftaktniederlage könnten daher Erfolge in Runde zwei und drei folgen." (22.02.2015)

Blog Pitsirikos - Griechenland

Die Spareinlagen in Griechenland sind laut Medienberichten auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Krise 2009 gefallen. Solidaritätsproteste hin oder her - wenn die Bürger täglich mehrere Hundert Millionen Euro außer Landes schaffen, fallen sie der griechischen Regierung in den Rücken, kritisiert der Blogger Pitsirikos: "Es war gar nicht nötig, dass die EU-Partner ein Liquiditätsproblem der Banken verursachen [um den Griechen Angst zu machen]. Die Griechen haben selbst dafür gesorgt. Gleichzeitig fordern sie von der Regierung, bei den Verhandlungen zu kämpfen. Doch wer glaubt, dass er der Regierung in den Verhandlungen den Rücken gestärkt hat, indem er sein Geld von der Bank abgehoben hat, und meint, dass die Deutschen und die anderen EU-Partner dies nicht mitkriegen, hat keine Ahnung, was los ist. Wir Bürger nahmen ebenfalls an den Verhandlungen teil, auch wenn die meisten Griechen glauben, sie seien an überhaupt gar nichts beteiligt." (21.02.2015)

Irish Independent - Irland

Europa sollte Berlin dankbar sein, dass Griechenland in den Schuldenverhandlungen wieder auf Linie gebracht wurde, meint die konservative Tageszeitung Irish Independent: "Europa und Griechenland werden diese Woche weiter verhandeln. Es steht viel auf dem Spiel, da dürften sich alle einig sein, doch das Ergebnis ist vorprogrammiert. Das Hilfsprogramm - ob es nun so heißen soll oder nicht - wurde verlängert, und niemand sollte sich täuschen lassen: Griechenland wird weiterhin stark unter Druck gesetzt werden, nicht nur von Deutschland. ... Vor drei Jahren sagte der damalige polnische Außenminister Radosław Sikorski, dass es nur eine Sache gebe, die ihm mehr Angst mache als deutsches Handeln: deutsches Nicht-Handeln. Vergangene Woche wurden wir erneut Zeugen deutschen Handelns. Der Rest Europas sollte sich dessen bewusst und dankbar sein." (22.02.2015)

Foreign Policy - USA

Die von Berlin durchgesetzte Sparpolitik hat verheerende Folgen für ganz Europa und muss beendet werden, klagt das US-Fachmagazin Foreign Policy: "Die Politik, die von der Regierung Angela Merkel in Berlin vorgegeben, von der EU-Kommission in Brüssel umgesetzt und von der EZB in Frankfurt zwar gelegentlich abgemildert, doch meistens mit Zwang durchgesetzt wird, bleibt verheerend. Die derzeitigen Maßnahmen - exzessives Sparen und Lohnkürzungen, Nachsicht gegenüber den Banken, keine Umschuldung und keine Anpassung an Deutschlands Merkantilismus - führen Europa in den Abgrund. ... Ein 'Kompromiss', der den Kurs Merkels um vielleicht gerade mal einen Millimeter verrückt, wäre ein Fehler. Er muss in Frage gestellt und außer Kraft gesetzt werden." (22.02.2015)


1-5 von 21 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

Weitere Inhalte