Navigation

 

Top-Thema

1-5 von 21 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

TOP-THEMA | 17.04.2014

Nato verstärkt Präsenz in Osteuropa

Die Nato hat am Mittwoch angekündigt, ihre Truppen in Osteuropa zu verstärken. In Genf kommen am heutigen Donnerstag die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine mit der EU-Außenbeauftragten zu einem Krisengespräch zusammen. Diese Doppelstrategie ist der richtige Umgang mit Russland loben einige Kommentatoren. Andere haben wenig Hoffnung auf eine diplomatische Lösung der Krise.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Blog EUROPP - Großbritannien, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, De Standaard - Belgien, Večernji List - Kroatien

Blog EUROPP - Großbritannien

Allein eine Doppelstrategie des Westens gegenüber Moskau kann dazu beitragen, in der Ukraine-Krise zu deeskalieren, analysiert Politikwissenschaftler Borja Guijarro Usobiaga auf dem Blog EUROPP der London School of Economics: "Zunächst müssen die USA und die EU Russland an den Verhandlungstisch bringen und dafür sorgen, dass es Teil der Lösung und nicht des Problems ist. ... Gleichzeitig muss der Westen Wladimir Putin klarmachen, dass es immense wirtschaftliche und politische Kosten für Russland haben wird, wenn er sich weigert mitzuspielen. Maßnahmen zur Deeskalation müssen letztlich auch einen gewaltigen diplomatischen Aufwand beinhalten, um sicherzustellen, dass sich Russland an den Wahlen in der Ukraine am 25. Mai beteiligt und diese aktiv unterstützt. Denn nur eine neu gewählte Regierung kann jene Legitimität für sich beanspruchen, die der derzeit agierenden in der Ukraine fehlt." (16.04.2014)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Die Nato hat am Mittwoch angekündigt, ihre Truppen in Osteuropa zu verstärken. Das ist das mindeste, was sie vor den Gesprächen in Genf tun muss, meint die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Das Baltikum und Polen sind anders als die Ukraine Bündnisgebiet. Viel mehr als dieses Signal ist die Verlegung von ein paar Flugzeugen, Schiffen und Soldaten nicht. Das ist das mindeste, was das Bündnis tun muss, um nach außen und nach innen glaubwürdig zu bleiben. Weniger als das würde der Kreml als Zeichen der Schwäche und der Unentschlossenheit werten, derenthalben er den Westen ohnehin schon verachtet. Mehr will die Nato derzeit aber nicht tun, um Moskau nicht einen Vorwand zu liefern, die mühsam vereinbarten Gespräche abzusagen. Denn nicht nur die EU, sondern auch die Nato redet lieber tausendmal, als dass sie einmal schießt. Das einzige Problem daran ist, dass das auch Putin weiß." (17.04.2014)

De Standaard - Belgien

Von den heutigen Gesprächen in Genf zur Krise in der Ukraine ist nicht viel zu erwarten, vermutet die liberale Tageszeitung De Standaard: "Die russischen Vorschläge über eine Föderalisierung haben kaum eine Chance. Die westlichen Führer wollen vor allem über die bedrohliche russische Militärpräsenz an der Grenze reden und das unkontrollierbare Verhalten der pro-russischen Milizen. Themen, die für die Russen Tabu sind. Kurz, die Chance ist klein, dass in Genf die Grundlage für eine Lösung gelegt wird. Aber was dann? Die Europäische Union droht mit der dritten Stufe der Sanktionen. ... Doch dazu ist Europa zu sehr gespalten. ... Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass Nato-Truppen in der Ukraine eingreifen. Die Ukraine ist schließlich kein Nato-Mitglied. ... Es geschieht nichts und das Chaos hält an. Das scheint am Realistischsten zu sein. Sicher bis zur Präsidentenwahl am 25. Mai." (17.04.2014)

Večernji List - Kroatien

CIA-Chef John Brennan hat der Ukraine am Wochenende einen geheimen Besuch abgestattet. Für die konservative Tageszeitung Večernji List ein Zeichen, dass das Land zum Spielball von Amerikanern und Russen geworden ist. Bei diesem Spiel gebe es eine eindeutige Verliererin: "Obama und Putin stecken bis zum Hals im ukrainischen Treibsand. Das geteilte und verarmte Land ist zu einem Spielfeld geworden, auf dem sie ihre Kräfte messen und um Einfluss ringen. Die Amerikaner haben einen direkten Einfluss auf die neue ukrainische Regierung, aber die Russen haben ein gut funktionierendes Agenten-Netzwerk im ganzen Land aufgebaut. Die beiden Großmächte können - wann immer es ihnen gefällt - einen Bürgerkrieg aufflammen lassen, aber ebenso jederzeit einen Friedensprozess in Gang setzen. ... Wenn es aber zu ernsthafteren Auseinandersetzungen und härteren Sanktionen kommt, wird vor allem die EU wirtschaftlichen Schaden nehmen. Vielleicht wurde von bestimmten Machtzentren dies alles hochgekocht, um die vollständige politische Anerkennung der EU und ihres wichtigsten Mitglieds - Deutschland - aufzuhalten?" (17.04.2014)

TOP-THEMA | 16.04.2014

Kiew setzt Militär gegen Separatisten ein

Die ukrainische Armee hat am Dienstag die angekündigte Offensive gegen Separatisten im Osten des Landes begonnen. Die russische Führung warnte indes vor einem Bürgerkrieg in der Ukraine und drohte damit, die geplanten Gespräche in Genf scheitern zu lassen. Moskaus Erklärungen sind doppelzüngig, meinen Kommentatoren und sehen Russland als Profiteur der Eskalation.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Lidové noviny - Tschechien, Neue Zürcher Zeitung - Schweiz, Turun Sanomat - Finnland, Financial Times - Großbritannien

Lidové noviny - Tschechien

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat am Dienstag vor einem Scheitern der Gespräche in Genf gewarnt, sollte die ukrainische Regierung mit Gewalt gegen die Separatisten im Osten vorgehen. Seine Propaganda ist doppelzüngig, kommentiert die konservative Tageszeitung Lidové noviny: "Lawrow sagt, die Anwendung von Gewalt bei der Lösung der inneren Konflikte in der Ukraine ist unannehmbar. Was heißt das im Klartext: Wenn prorussische Milizen mit Gewalt vorgehen, ist das logisch, ist doch Kiew angeblich nicht fähig und willens, die Interessen der russischsprechenden Bevölkerung zu wahren. Aber wenn die Ukrainer auf Gewalt ebenso mit Gewalt reagieren, dann ist das inakzeptabel und eine Verletzung internationaler Normen. ... Gleichzeitig lehnt Russland die ukrainische Einladung von UN-Beobachtern ab, die die internationalen Normen in höchstem Maß verkörpern. Warum gefällt Moskau dieser Vorschlag nicht? Weil es die Russen sind, die die internationalen Normen verletzten und Minister Lawrow nichts anderes ist, als ein Lügner." (16.04.2014)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Je brisanter die Situation im Osten der Ukraine wird, desto mehr kommt das Moskau gelegen, glaubt die liberal-konservative Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung: "Die Zuspitzung der Lage in der Ostukraine ist ganz im Interesse des Kremls, denn sie stellt die ukrainische Regierung vor ein Dilemma. Lässt sie die Separatisten gewähren, verliert sie immer mehr die Kontrolle über Gebiete im Osten des Landes. ... Geht Kiew aber zu einem entschlossenen Einsatz gegen die prorussischen Aktivisten über, ist Blutvergiessen nicht zu vermeiden, und Moskau böten sich zahlreiche Vorwände, nun auch offiziell zum Schutz ethnischer Russen in der Ostukraine einzugreifen. Die Truppen stehen dazu in Grenznähe bereit. Beide Szenarien werden, zumindest im Osten des Landes, eine ordnungsgemässe Durchführung der Präsidentschaftswahlen am 25. Mai erschweren, wenn nicht sogar verunmöglichen, wodurch Moskau weiterhin behaupten kann, der Ukraine fehle eine legitime Führung." (16.04.2014)

Turun Sanomat - Finnland

Am Donnerstag kommen in Genf die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine sowie die EU-Außenbeauftragte zu Gesprächen über die Ukraine-Krise zusammen. Der Westen muss dabei deutlich machen, dass nun endgültig eine Grenze überschritten ist, fordert die liberale Tageszeitung Turun Sanomat: "Ein Einmarsch Russlands in die Ostukraine wäre ein sehr großes politisches Risiko. Militärisch wäre das Risiko geringer, denn der Westen würde wohl kaum militärisch antworten. Russland muss auch wirtschaftlich denken. Eine schrumpfende und isolierte Volkswirtschaft würde den Kreml von innen ins Wanken bringen. Die internationale Gemeinschaft hat machtlos zugeschaut, wie Russland einen europäischen Staat zerstückelt und unter Druck setzt. In Genf muss unmissverständlich klargestellt werden, dass neue Militäroperationen den Westen zu schärferen Reaktionen zwingen als bisher." (16.04.2014)

Financial Times - Großbritannien

Dem Kreml geht es darum, der russischsprachigen Minderheit im Osten der Ukraine zu ihren Rechten innerhalb des Landes zu verhelfen, analysiert der Leiter des Carnegie-Zentrums in Moskau, Dmitrij Trenin, in der konservativen Tageszeitung Financial Times: "Dem Kreml wird oft vorgeworfen, Instabilität in der Ostukraine zu schüren, um einen Vorwand für eine Invasion zu schaffen. In Wahrheit ist es jedoch Russlands größtes Ziel, dem russlandfreundlichen Südosten des Landes zu helfen, sich zu behaupten und eine neue politische Balance innerhalb der Ukraine zu schaffen. ... Die Ukraine ist ein großes und komplexes Land. Ukrainer sind keine Russen, wie auch Wladimir Putin zugeben muss. Sie verstehen sich auch untereinander nicht als 'ein Volk'. Gleichzeitig sind aber auch nicht all jene, die eine enge Variante des ukrainischen Nationalismus ablehnen, russische Agenten." (15.04.2014)

TOP-THEMA | 15.04.2014

Ukraine erwägt Referendum

Um die angespannte Lage im Osten der Ukraine zu entschärfen, hat Interimspräsident Alexander Turtschinow am Montag ein Referendum über eine Föderalisierung des Landes vorgeschlagen. Zugleich bat er die UN um die Entsendung einer Friedenstruppe. Kommentatoren zweifeln an der Durchsetzungskraft Kiews und halten Hilfe von außen für die einzige Lösung der Krise.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Pravda - Slowakei, taz - Deutschland, Milliyet - Türkei, Wiener Zeitung - Österreich, Libération - Frankreich

Pravda - Slowakei

Das Angebot Kiews über ein Referendum wird kaum etwas an der verfahrenen Lage in der Ukraine ändern, an der die derzeitige Führung eine Mitschuld trägt, meint die linke Tageszeitung Pravda: "Die Regierung in Kiew befindet sich an der Schwelle zu einer tödlichen Spirale. Jeder weitere Schritt kann katastrophale Folgen haben. Wenn die Behörden zulassen, dass in der Ostukraine bewaffnete Anarchie herrscht, bei der 'prorussische' und 'prowestliche' Gruppen ihre Rechnungen begleichen, bestätigt sich, dass der ukrainische Staat nicht einmal seine Grundaufgaben bewältigen kann. Freilich stehen an der nahen Grenze auch 40.000 russische Soldaten zur Intervention bereit. ... Wenn Übergangspräsident Alexander Turtschinow jetzt ein Referendum über die Ukraine zusammen mit den Präsidentschaftswahlen am 25. Mai anbietet, kann er womöglich die Erwartungen einiger unzufriedener Menschen erfüllen. Doch die Gefahr einer Teilung des Landes, ob unter direkter oder indirekter Beteiligung Putins, besteht weiter." (15.04.2014)

taz - Deutschland

Der Vorschlag von Übergangspräsident Alexander Turtschinows für ein landesweites Referendum über eine Föderalisierung der Ukraine dürfte bei den Separatisten im Osten wenig Gehör finden, glaubt die linke Tageszeitung taz: "Denn das Vorgehen der uniformierten bewaffneten Besetzer deutet nicht darauf hin, dass sie bereit wären einzulenken. Im Gegenteil. Ihre Devise lautet: Die östlichen Landesteile weiter destabilisieren, und das um jeden Preis. ... Dabei werden Tote und Verletzte billigend in Kauf genommen. Wenn diese Kräfte, wer auch immer sie sind, an einem Volksentscheid interessiert sind, dann nach ihren 'demokratischen' Regeln und mit nur einem möglichen Ergebnis: einer Loslösung von der Ukraine und einem Anschluss an die Russische Föderation. Jüngste Äußerungen aus dem Nachbarland sind auch nicht dazu angetan, die Lage zu entspannen. Sie erschöpfen sich in Drohungen an die Adresse Kiews und die wenig überzeugenden Dementis, mit den Besetzungsaktionen in der Ostukraine überhaupt etwas zu tun zu haben." (15.04.2014)

Milliyet - Türkei

Eine Föderalisierung kann die Spaltung der Ukraine nur verhindern, wenn beide Seiten auf Gewalt verzichten, findet die konservative Tageszeitung Milliyet: "Die Führung in Kiew muss verstehen, dass sie die Bewegung im Osten des Landes nicht mit Gewalt unterdrücken kann, um die Krise zu überwinden. Ganz im Gegenteil, die Spannungen werden sich noch steigern, der Bürgerkrieg wird eskalieren. Die territoriale Einheit der Ukraine zu schützen und die Polarisierung der Bevölkerung zu überwinden, ist nur mit der Schaffung einer neuen politischen Ordnung möglich. Dieser Weg führt über ein föderales und repräsentativeres Regierungssystem. Um dies zu erreichen, müssen aber zuerst beide Seiten Gewalt und Machtdemonstrationen beenden. Leider weist der aktuelle Trend nicht in diese Richtung." (15.04.2014)

Wiener Zeitung - Österreich

Friedenstruppen könnten ein wichtiger Bestandteil der dringend benötigten Hilfe von außen sein, glaubt die staatliche liberale Wiener Zeitung: "Zu den Ritualen der Beherrschbarkeit des Kalten Kriegs haben die sogenannten Gipfeltreffen gehört: Der US-Präsident und der Vorsitzende des Obersten Sowjet besprachen die Weltlage. Das Bedrohliche an der Situation jetzt ist die Weigerung aller großen Staatenlenker, sich zu treffen. Da gab es bilaterale Telefonate, die - angesichts der aktuellen Entwicklung in der Ukraine - zu gar nichts geführt haben. Dieses Treffen wäre aber dringend notwendig, denn kein Politiker in der Ukraine verfügt über die Statur, die Krise zu meistern. Der Vorschlag, UN-Friedenstruppen in die Ukraine zu schicken, ist Ausdruck dieser Hilflosigkeit. Genau aus diesem Grund ist der Vorschlag gut. Die Ukraine braucht dringend Hilfe von außen, und Hilfe besteht bekanntlich weder aus Saboteuren noch aus Waffenlieferanten." (15.04.2014)

Libération - Frankreich

Die EU hat am Montag angekündigt, die Sanktionen gegen Russland leicht zu verschärfen. Ein peinlicher Entschluss, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Libération: "Wird die Ukraine zum historischen Misserfolg der Europäischen Union? Zum Symbol eines diplomatischen, politischen und militärischen Fiaskos? Das reiche Europa überlässt Russland ein Volk, das an Europas Werte glaubte und zur EU gehören wollte. Das ist wie ein Verrat an allem, wofür Europa stehen soll. Die europäische Führungsriege droht lediglich mit folgenlosen Sanktionen. Anders gesagt kann Putin angesichts der Spiegelfechterei von Merkel, Hollande und Cameron weiter sein Unwesen treiben, ohne Strafen zu fürchten. Das Auseinanderbrechen der Ukraine ist eine schlechte Nachricht für Europa, aber auch für alle Nachbarländer, die nun einem Räuber ausgeliefert sind, der weiß, dass die Staatengemeinschaft ihn gewähren lässt." (15.04.2014)

TOP-THEMA | 14.04.2014

Kiew geht gegen Separatisten vor

In mehreren ostukrainischen Städten haben prorussische Separatisten am Wochenende Polizei- und Verwaltungsgebäude gestürmt. Die Regierung in Kiew reagierte mit einem Anti-Terror-Einsatz, bei dem mindestens ein Mensch starb. Damit treibt sie das Land in einen Bürgerkrieg, warnen Kommentatoren und fordern den Westen auf, die gemäßigte Mitte in der ukrainischen Gesellschaft zu stützen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
La Repubblica - Italien, Público - Portugal, Der Standard - Österreich, The Guardian - Großbritannien, Journal 21 - Schweiz

La Repubblica - Italien

Der Anti-Terror-Einsatz der Regierung gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine verschärft die Situation fatal, kritisiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Die Russen in der Ukraine wollen ein Referendum, das den Staat in einen föderalen Staatenbund verwandelt. Sie wollen den Volksentscheid jetzt, vor der Präsidentschaftswahl am 25. Mai, damit der neue Präsident ihn berücksichtigen muss. … Die Regierung in Kiew droht hingegen, sie werde durchgreifen. Doch bleibt völlig unklar, wie dies geschehen soll, ohne einen Bürgerkrieg anzufachen. …. Während Moskau Kiew vor gefährlichen und 'nicht wiedergutzumachenden' Schritten warnt, gießt der ukrainische Innenminister, Arsen Awakow, noch Öl ins Feuer und verkündet, einer nicht weiter identifizierten Gruppe 'Junger Patrioten' Waffen und Befugnisse geben zu wollen. Mit anderen Worten Vertretern der Rechtsradikalen, die an der Maidan-Revolution teilgenommen haben." (14.04.2014)

Público - Portugal

Der Einsatz der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen die prorussischen Besetzer in der Ostukraine könnte das Land in einen Bürgerkrieg treiben, warnt die liberale Tageszeitung Público: "Mit jedem Tag, der vergeht, wird das Szenario eines Bürgerkriegs in der Ukraine realer. Und die Ankündigung der Regierung in Kiew, sie wolle ihre Großoffensive gegen prorussische Separatisten im Osten der Ukraine ausweiten, hat die Lage noch weiter zugespitzt. ... Die aufständischen bewaffneten Milizen zeigen sich alles andere als zum Rückzug bereit und halten Polizeistationen und Verwaltungsgebäude in mehr als einem Dutzend Städten in der Ostukraine besetzt. ... Moskau spricht von einem 'kriminellen' Räumungsbefehl Kiews und die Besetzer bitten ihren 'Kameraden' Putin um Hilfe. Gefährliche Spiele, die bereits Opfer gefordert haben und nun noch größeren Schaden anzurichten drohen." (14.04.2014)

Der Standard - Österreich

Nach den jüngsten Ereignissen in der Ostukraine kann niemand mehr ernsthaft behaupten, Russland stecke nicht dahinter, meint die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "In der Ukraine ist jetzt nach der Krim der Osten des Landes an der Reihe. Es fällt sehr, sehr schwer, in den Besetzungsaktionen prorussischer Aktivisten etwas anderes als eine zentral gelenkte Destabilisierungsoperation zu sehen. Faktum ist: Die Regierung in Kiew hat dazu keinerlei Anlass geliefert. Im Gegenteil: Premier Arseni Jazenjuk deutete eben erst substanzielle Zugeständnisse in Richtung mehr Autonomie an. Da kann man schwerlich, wie vor der Krim-Annexion, auf die 'Faschisten' in Kiew verweisen. Stattdessen häufen sich Moskauer Verbalattacken gegen die Nato, seit sie den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze immer genauer dokumentiert." (14.04.2014)

The Guardian - Großbritannien

Bei den am Donnerstag anstehenden Vermittlungsversuchen von USA und EU in der Ukraine-Krise müssen diese beachten, dass sich die Mehrheit der Ukrainer weder von den Nationalisten im Westen noch von den prorussischen Separatisten im Osten des Landes vertreten fühlt, analysiert die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Es gibt eine Minderheit archaischer radikaler Nationalisten im äußersten Westen der Ukraine, denen ihre Rolle in der Revolution ein paar Posten in Kiews ansonsten gemäßigter Regierung eingebracht hat. Und es gibt eine Minderheit neosowjetischer Extremisten im Osten. Zwischen diesen beiden befindet sich jedoch eine größere Gruppe von Ukrainern, für die der Unterschied zwischen den beiden Kulturen und Sprachen unbedeutend ist. Sie wollen, dass ihr Land ein ostslawischer Raum ist, der gerechter und weniger korrupt ist als Putins Russland, Janukowitschs Ukraine oder Lukaschenkos Weißrussland. Wie auch immer Europa und die USA handeln, sie müssen dabei die Interessen dieser Gruppe im Fokus haben." (13.04.2014)

Journal 21 - Schweiz

Der Westen hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Steilvorlage für sein Vorgehen in der Ukraine geliefert, indem er ihn falsch eingeschätzt hat, schreibt das Webmagazin Journal 21: "Unsere Empörung verdrängt die Selbstkritik. Sie ist wichtiger als die Putin-Kritik! Sie muss uns lehren, Russland inskünftig richtig einzuschätzen: Nicht mehr als den Schwächling, der den Kalten Krieg verloren hat, sondern als Macht im Osten Europas mit eigenen, den unsrigen widersprechenden politischen Werten und Traditionen. Vielleicht sogar als Macht, welche in der Weltpolitik auf gleicher Höhe wie die USA und China mitspielen will, vom weltpolitisch kraftlosen Europa zu schweigen. Das bedeutet nicht, wie es der Eifer der ersten Tage übertrieb, die Wiedergeburt des Kalten Kriegs, aber, wie es der Moskauer Ex-Botschafter und Spezialassistent Obamas für Sicherheitsfragen McFaul nennt, einen 'intellektuellen Kampf mit unseren westlichen Normen gegen Putins autokratisches System'." (13.04.2014)

TOP-THEMA | 11.04.2014

Griechenland-Anleihen heiß begehrt

Griechenland hat am Donnerstag erstmals nach vier Jahren wieder Staatsanleihen am Kapitalmarkt platziert. Sie stießen auf rege Nachfrage der Anleger, so dass Athen insgesamt drei Milliarden Euro einnahm. Einige Kommentatoren feiern dies bereits als Ende der Euro-Krise. Andere warnen, dass weder Griechenland noch Europa über den Berg sind.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Il Sole 24 Ore - Italien, Der Standard - Österreich, Pravda - Slowakei, Turun Sanomat - Finnland, To Vima Online - Griechenland

Il Sole 24 Ore - Italien

Die Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte ist der letzte Beweis, dass die EU ihre Bewährungsprobe bestanden hat, frohlockt die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Mit Griechenland sind alle Länder, die Rettungspakete von der EU und dem IWF benötigten, wieder an den Markt zurückgekehrt. Ein beachtliches Ergebnis, erinnert man sich an die unheilvollen Prophezeiungen all derer, die den Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft, den Zerfall des Euro-Raums und das Ende der Gemeinschaftswährung weissagten. Die Unkenrufer haben das politische Kapital, das in den Euro investiert wurde, nicht verstanden oder unterschätzt. Der Euro war niemals nur ein geldpolitisches Projekt. Er war und ist ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Integration. ... Trotz großer Schwierigkeiten, Widersprüche, Zerwürfnissen und Kehrtwendungen ist das institutionelle Gefüge der europäischen Gemeinschaft heute robuster als vor der Krise. Und der Euro, der sich gar den Luxus erlaubt hat, die Währungsunion um weitere Mitglieder zu ergänzen, bleibt ein Ansporn, weiter für ein vereintes Europa einzutreten." (11.04.2014)

Der Standard - Österreich

Es ist nicht verwunderlich, dass die Anleger angesichts der derzeitigen Zinsen sogar wieder in griechische Staatsanleihen investieren - doch das Land hat von diesen Spekulationen gar nichts, warnt die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Weil die Leitzinsen niedrig sind, bringen viele klassische Investmentprodukte kaum noch Rendite. Anleger suchen daher verzweifelt nach lukrativen Finanzprodukten, selbst wenn das Risiko dabei hoch ist. ... Von dieser Scheinwelt haben allerdings die Menschen wenig bis gar nichts. Jeder dritte Grieche ist arbeitslos. Das ist ein horrender Wert, der eher zur Depression der 1930er-Jahre denn ins 21. Jahrhundert passt. Das Land steckt in einer Deflation fest, die Wirtschaft hat eine horrende Rezession durchgemacht und stagniert nun. Auch an den Finanzmärkten dürfte irgendwann das böse Erwachen kommen: Griechenlands Schulden sind heute mit 175 Prozent der Wirtschaftsleistung höher als je zuvor. Europa ist noch weit davon entfernt, über den Berg zu sein." (11.04.2014)

Pravda - Slowakei

Die Rückkehr Griechenlands auf den Kapitalmarkt nach Jahren der Krise ist eine gute Nachricht, meint die linke Tageszeitung Pravda, warnt aber vor Blauäugigkeit: "Von Stabilität ist Griechenland weit entfernt. Als das Parlament jüngst über ein weiteres von den internationalen Gläubigern gefordertes Sparpaket abstimmte, ging es nur mit einer Stimme Mehrheit durch. Diese Woche erlebte das Land einen weiteren Massenstreik. Dennoch macht der Gang auf die Finanzmärkte Sinn. Premier Samaras braucht ein positives politisches Signal. Er muss bei der anstehenden Europawahl ein Debakel verhindern. ... Und die Rahmenbedingungen für diesen Schritt sind günstig. Die internationalen Investoren vertrauen dem Versprechen der EZB, Athen nicht hängen zu lassen. Die gute Nachricht kann aber eine trügerische Sicherheit erzeugen. Sie ist in dem Moment nichts mehr wert, in dem unerwartete Ereignisse in der Euro-Zone, den USA, China oder Russland eine neue Panik auslösen. Deshalb Vorsicht vor übertriebenem Optimismus." (11.04.2014)

Turun Sanomat - Finnland

Griechenland hat zwar viel getan, um wieder auf die Beine zu kommen, war aber bei den nötigen Strukturreformen zu zögerlich, erinnert die liberale Tageszeitung Turun Sanomat: "Griechenland hat seinen Haushalt stark gekürzt. Es hat die Löhne und Renten gesenkt, Stellen im öffentlichen Sektor abgebaut, neue und effektivere Steuern festgesetzt. ... Doch mit den Strukturreformen ist man nur langsam vorangekommen. Privatisierungen sind politisch so brisant, dass die Regierungen sie größtenteils vermieden haben. Noch kann sich Griechenland nicht von dem Kreditprogramm befreien, sondern benötigt ein drittes Hilfspaket - deutlich kleiner als die beiden vorangegangenen. ... Die Troika muss nun sicherstellen, dass Griechenland nicht in den alten Trott zurückfällt. Das Land benötigt dauerhafte Strukturreformen und eine klar geregelte Rechnungsführung. Und es kommt am besten klar, wenn es seine Angelegenheiten selbst in Ordnung bringt." (11.04.2014)

To Vima Online - Griechenland

Einen Tag nach der Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte reist Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Freitag nach Athen. Sie muss nun einen klaren Plan für den Abbau von Griechenlands Schulden vorstellen, damit Europa seine Krise hinter sich lassen kann, meint die linksliberale Online-Zeitung To Vima: "Griechenland ist nicht mehr das schwarze Schaf Europas, wie die populistischen deutschen Medien sehr oft geschrieben haben. Mit den Fortschritten, die das Land erzielt hat, kann nun auch ganz Europa aus der Krise herauskommen. Merkel sollte deshalb öffentlich erklären, dass sie eine Lösung für die griechischen Schulden finden wird. Vermeidet sie eine solche Erklärung, sollte Samaras sie daran erinnern. Griechenland verlangt nichts Abwegiges. Das Land hat das Recht, so etwas zu fordern, so wie auch unsere Partner auf die Erfüllung der gemeinsamen Verpflichtungen pochen. Es ist der einzige und auch der fairste Weg, um endlich der gemeinsamen europäischen Vision ihr verlorenes Vertrauen zurückzugeben." (11.04.2014)


1-5 von 21 | Seite 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . weiter  »

Weitere Inhalte