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TOP-THEMA | 29.08.2014

Kiew wirft Russland Einmarsch vor

Kiew hat Moskau am Donnerstag eine Invasion in die Ostukraine vorgeworfen. Auch die Nato legte Satellitenbilder vor, die russisches Kriegsgerät in der Ukraine zeigen sollen. Nun herrscht ein echter Krieg, zeigt sich die Presse entsetzt. Während einige Kommentatoren Waffenlieferungen an Kiew fordern, glauben andere, dass nur noch das russische Volk Putin stoppen kann.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Rzeczpospolita - Polen, Der Standard - Österreich, De Telegraaf - Niederlande, De Standaard - Belgien, Lidové noviny - Tschechien

Rzeczpospolita - Polen

Die Naivität, mit der der Westen Putin bis heute begegnet, ist unerträglich, ärgert sich die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Nun haben wir einen richtigen Krieg. Putin hat zwar bereits Dutzende von roten Linien überschritten. Doch schien er trotzdem für viele noch immer ein hervorragender Partner für eine diplomatische Lösung des Konfliktes zu sein, den er selber verursacht hatte. Man kann zwar nicht sagen, dass der Westen gar nicht reagiert hätte. ... Doch der Glaube an den guten Willen Putins ist nie verschwunden. Nun darf sich kein ernstzunehmender Politiker mehr vormachen, dass der Präsident wirklich an einer Deeskalation interessiert ist. … Je schwächer die Reaktion des Westens ausfällt, desto mehr wird Putin nach vorne preschen. Dass er nun russische Panzer nach Odessa oder Kiew schickt, ist nicht mehr ausgeschlossen." (29.08.2014)

Der Standard - Österreich

Der Westen muss nun auch direkte Militärhilfe für Kiew in Betracht ziehen, fordert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Waffenlieferungen, die Stationierung von Nato-Truppen in der Ukraine bis hin zu US-Luftschlägen gegen Separatistenstellungen und russische Nachschublinien - alle Optionen gehören in diesen Tagen auf den Tisch. Das ist höchst riskant, denn Putin ist nicht der Typ, der leicht zurückweicht. Die wachsende Kriegsgefahr bedroht die ohnehin schwache Konjunktur in Europa; das Blutvergießen in der Ostukraine wird kein Ende nehmen, und die Flüchtlingsströme werden anschwellen. Und am Ende dieses Eskalationsprozesses droht eine Konfrontation zwischen zwei Atommächten zu stehen. ... Aber die Alternativen sind noch schlimmer. Wenn Putin aus der Ostukraine eine zweite Krim oder ein zweites Transnistrien machen kann, dann ist der Rest der Ukraine gefährdet, und in der Folge sind es dann wohl auch die baltischen Staaten und Polen." (29.08.2014)

De Telegraaf - Niederlande

In der eskalierenden Ukraine-Krise hat der Westen nun zwei Möglichkeiten, analysiert die rechtsgerichtete Tageszeitung De Telegraaf: "Der Westen könnte die Ukraine jetzt schnell mit militärischem Material ausrüsten. Das befürworten viele Experten. Abgesehen davon, dass dies ein unglaubliches Blutbad bedeuten würde, ist es für diesen Schritt vermutlich bereits zu spät. Die zweite Option beurteilen viele als 'defätistisch', als Kniefall vor Putin. Sie bedeutet, dass der Westen, allen voran Europa, so schnell wie möglich eine Friedensinitiative organisiert und der wichtigsten Forderung des Kreml entgegenkommt: der Einbeziehung der Donbass-Rebellen bei den Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine. Ohne sie scheint ein schneller Frieden Illusion. ... Sind die Verfechter einer harten Linie auch bereit, ihre Söhne an die Front zu schicken? Diese Frage will man sich eigentlich nicht stellen müssen. Doch nun müssen wir dies tun." (29.08.2014)

De Standaard - Belgien

Die zwei unterschiedlichen Gesellschaftsmodelle in Russland und Europa machen es den europäischen Führern schwer, Wladimir Putin zu kontern, stellt die liberale Tageszeitung De Standaard fest: "Die merkantile Sichtweise Europas geht davon aus, dass sich Entwicklung im Streben nach Wohlstand vollzieht. ... Freiheit und Demokratie bringen Fortschritt und Wachstum. Aus diesem Idealismus heraus unterstützte Europa vor neun Monaten die sympathische Revolution in Kiew. Putin ist aus anderem Holz geschnitzt. Er bespielt den Nationalismus, der sich gerne an seinem gekränkten Stolz labt. Die frühere Großmacht muss wiederhergestellt werden. Und dafür muss man leiden, auch ökonomisch, und Gewalt ist legitim. ... Gegen dieses Gebaren setzt Europa eine Waffe ein, durch die es selbst verletzt wird, das wird immer deutlicher. Die Sanktionen kosten die Eurozone inzwischen 0,2 Prozent Wachstum. ... Im Wirtschaftskrieg haben die europäischen Führer mehr zu verlieren als Putin." (29.08.2014)

Lidové noviny - Tschechien

Einhalt gebieten kann Putin wahrscheinlich nur noch sein eigenes Volk - das ist die Überlegung der konservativen Tageszeitung Lidové noviny: "Es bleibt nur eine Chance, Putin zu stoppen. Und die liegt bei der russischen Bevölkerung. Bei denen, die den Kreml-Chef derzeit über alle Maßen bewundern. Möglicherweise werden sie sich dessen bewusst, dass Putins Weg nach Europa eine Sackgasse ist. Schon treffen Zinksärge mit russischen Soldaten in der Heimat ein. Soziologen sagen, dass nur fünf Prozent der Russen mit dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine einverstanden sind. Den Russen nämlich würde das Schießen auf Ukrainer sehr viel schwerer fallen als das Schießen beispielsweise auf Tschetschenen. Wir haben es mit einem Bruderkrieg zu tun, der der russischen Seele schwer zu schaffen macht. Womöglich ist hier dem kaltblütigen Politiker Putin sein größter Fehler unterlaufen? Hoffen wir es." (29.08.2014)

TOP-THEMA | 28.08.2014

Ernüchterung nach Ukraine-Gesprächen in Minsk

Auch nach dem Krisentreffen zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko in Minsk halten die Gefechte in der Ukraine an. Zudem berichtet die US-Regierung von einer russischen Militärkolonne im Südosten des Landes. Der Gipfel hat rein gar nichts gebracht, konstatieren Kommentatoren und sehen einen Teil des Donbass bereits als verloren an.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Jornal de Negócios - Portugal, Süddeutsche Zeitung - Deutschland, Lidové noviny - Tschechien, Komsomolskaja Prawda - Russland

Jornal de Negócios - Portugal

Rein gar nichts gebracht hat das Treffen des ukrainischen und des russischen Präsidenten in Minsk nach Ansicht der wirtschaftsliberalen Tageszeitung Jornal de Negócios: "Wladimir Putin und Petro Poroschenko haben sich in Belarus begrüßt, doch der tobende Wirbelsturm des Kriegs setzt seinen Lauf einfach fort und macht die Hoffnung auf Frieden zunichte. ... Die Unsicherheit, die diese Kriegsereignisse mit sich bringen, bildet die entscheidende Rahmenbedingung für politische Verhandlungen über den ukrainisch-russischen Konflikt. Kurzfristig werden sie außerdem von dem neuen Kräfteverhältnist, das die Neuwahl der Rada in Kiew hervorbringen wird, und von dem für nächste Woche in Cardiff geplanten Nato-Gipfel beeinflusst." (28.08.2014)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Angesichts des mutmaßlichen Eindringens russischer Soldaten in die Ukraine und der Schwäche der ukrainischen Armee hält die linksliberale Süddeutsche Zeitung Kiews Kampf um die Ostukraine für aussichtslos. Poroschenkos Regierung bleibe jetzt nur eins: "Sie muss die Bevölkerung, wohl oder übel, darauf vorbereiten, dass der Teil des Donbass, der noch immer in der Hand der prorussischen Kräfte ist, verloren ist - entweder, weil die Rückeroberung zu viele Menschenleben kosten und den schweren Konflikt mit Moskau noch verschärfen würde; oder weil tatsächlich Verhandlungen mit den Separatisten geführt würden, die aber kaum je in einer Umsetzung von Poroschenkos Friedensplan münden würden. Der sieht zwar eine Verfassungsänderung, den Schutz der russischen Sprache und neue Arbeitsplätze in der Region vor, alles gut und richtig. Nur: Damit würden die Separatisten die Entscheidungsgewalt über den Donbass an Kiew zurückübertragen. Und danach sieht es derzeit nun wirklich nicht aus." (28.08.2014)

Lidové noviny - Tschechien

Scharfe Kritik an der Diplomatie des Westens übt in der konservativen Tageszeitung Lidové noviny Luboš Dobrovský, einst tschechischer Verteidigungsminister und Botschafter seines Landes in Moskau. Er fühlt sich an das Verhalten der verräterischen Westmächte gegenüber der Tschechoslowakei 1938 in München erinnert: "Es gibt keine klare Haltung und kein entschlossenes Vorgehen. Stattdessen hören wir immer wieder, dass nur eine 'Realpolitik' nach Münchner Vorbild einen neuen Kalten Krieg und einen heißen Krieg zwischen Russland und der Ukraine verhindern könne. Als wäre der Krieg nicht längst da, als würden keine russischen Soldaten den Kampf der Separatisten mit aus Russland geschmuggelten Waffen führen. Als wären nicht schon längst russische Soldaten ausgezeichnet worden für die erfolgreiche Vorbereitung und Durchführung der gewaltsamen Annektierung der Krim - also von ukrainischem Territorium. ... Auf dem Treffen in Minsk hat nicht nur die Ukraine verloren, sondern auch der Westen." (28.08.2014)

Komsomolskaja Prawda - Russland

Russland will nach Angaben des Außenministeriums einen weiteren Hilfskonvoi in die Ukraine schicken. Die regierungsnahe russische Boulevardzeitung Komsomolskaja Prawda schimpft, dass der Westen nur die russische Hilfe kritisiert anstatt selbst etwas zu unternehmen: "Alle Fakten beweisen, dass im Südosten der Ukraine eine humanitäre Katastrophe ausgebrochen ist. Jeden Tag werden dort Zivilisten getötet und die Überlebenden sind von der Versorgung abgeschnitten. ... Die westliche Diplomatie bemüht sich, die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass an all diesen Geschehnissen allein Russland schuld ist. Nun gut, mögen sie das so sehen. Doch wo ist die Hilfe aus Europa und den USA? ... Die zivilisierte Welt verschließt vor dem Leiden der Menschen die Augen. ... Die Mädchen von Pussy Riot waren die internationale Aufmerksamkeit wert. Die Mädchen, die tot auf dem Asphalt in Lugansk oder Donezk liegen, sind es offenbar nicht." (28.08.2014)

TOP-THEMA | 27.08.2014

Erste Gespräche zwischen Putin und Poroschenko

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Amtskollege Petro Poroschenko haben sich am Dienstag in Minsk erstmals seit Beginn der Ukraine-Krise unter vier Augen getroffen und Möglichkeiten eines Waffenstillstands ausgelotet. Allein die Zusammenkunft ist für sich schon ein Erfolg, meinen Kommentatoren und drängen, der Ukraine eine Perspektive zwischen Ost und West zu bieten.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Il Sole 24 Ore - Italien, The Guardian - Großbritannien, Gość Niedzielny - Polen, Dnevnik - Slowenien

Il Sole 24 Ore - Italien

Hätte es ein Treffen wie das in Minsk schon vor einem Jahr gegeben, hätte man die Ukraine-Krise damit wohl verhindert, bedauert die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Das Assoziierungsabkommen mit der EU, das Petro Poroschenko nun wieder aufgegriffen hat, könnte Russland über 100 Milliarden Rubel kosten, zwei Milliarden Euro. Deshalb verteidigt Wladimir Putin sein Recht, Handelsbarrieren gegen europäische Produkte zu erheben. Denn diese drohen den russischen Markt in dem Moment über die Ukraine zu erreichen und zu überfluten, in dem die Importzölle aufgehoben werden. Zum Beginn der Begegnung mit dem ukrainischen Präsidenten und den Partnern der Eurasischen Zollunion - Kasachstan und Belarus - hat Putin dieses Schlüsselthema nun angesprochen. Es ist der Knackpunkt und die Ursache der Krise, die vor Monaten ausgebrochen und nun im Krieg geendet ist. Hätten sich Russen, Europäer und Ukrainer vor einem Jahr an diesem Tisch getroffen und versucht, sich gütig über die jeweiligen Erwartungen und Sorgen zu verständigen, hätte die Krise vielleicht verhindert werden können." (27.08.2014)

The Guardian - Großbritannien

Nur eine umfassende Friedenslösung mit Zugeständnissen von Kiew, Moskau und der EU kann der Krise in der Ukraine ein Ende bereiten, meint die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Eine solche würde die Verpflichtung der Ukraine umfassen, dem Osten des Landes echte Selbstbestimmungsrechte zu übertragen. Sie würde aber nicht so weit gehen, eine Abhängigkeit von Moskau zu schaffen, die Russland wohl gefallen könnte. Moskau wiederum würde in seinem Umgang mit Kiew und der EU auf wirtschaftliche Erpressung verzichten. Die Ukraine würde außerdem akzeptieren, dass die Nato-Mitgliedschaft in absehbarer Zukunft kein Ziel und die EU-Mitgliedschaft noch lange kein Thema ist - das wären ja auch keine riesigen Konzessionen, weil beides der Realität entspricht. ... Unglücklicherweise ist solch ein Deal noch in weiter Ferne." (26.08.2014)

Gość Niedzielny - Polen

Freuen kann sich nach der Zusammenkunft in Minsk allein der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, denn der hat nun Polen als Vermittler im Ukraine-Konflikt abgelöst, resümiert auf dem nationalreligiösen Nachrichtenportal Gość Niedzielny enttäuscht Andrzej Grajewski: "Das Treffen hat gezeigt, dass Kiew allein zurechtkommen muss. Der Schlüssel für die Lösung des Konflikts liegt nach wie vor beim Kreml, das haben die Gespräche noch einmal bestätigt. ... Immerhin der Gastgeber kann auf jeden Fall einen Erfolg für sich verbuchen. Präsident Lukaschenko, den wir abfällig 'Väterchen' nennen, hat sich wieder einmal als pfiffiger erwiesen, als viele gedacht hatten. Früher hat man ihn als Politiker in die Ecke gestellt, mit dem man nicht reden darf. Nun bittet er selbst die EU-Diplomaten an den Gesprächstisch mit Moskau. Ich erinnere noch einmal ausdrücklich daran, dass eigentlich wir Polen die Vermittler sein sollten." (27.08.2014)

Dnevnik - Slowenien

Wer den Ukraine-Konflikt darauf reduziert, dass der Terror von Russland kommt, macht es sich zu leicht, kritisiert die linksliberale Tageszeitung Dnevnik die Haltung Westeuropas: "Niemand in der EU hat sich bei der Ukraine-Krise gefragt, wer in dieser Geschichte ein Terrorist und was die gerechte Sache ist. … Es gibt in der Ukraine weder einen Terrorismus unter ideologischen noch einen unter religiösen Vorzeichen. Der Staat steht einfach nur vor dem völligen Bankrott und seine Bewohner haben verschiedene Ansichten darüber, wie man diese Situation mit schlechten Stiefeltern auf beiden Seiten überstehen soll. Die Behauptung, dass es Kiew mit Terroristen zu tun hat, die von Russland gelenkt werden, ist zu einfach, um wahr zu sein. Und es liegt ganz gewiss nicht im Interesse Europas, auf dieser Theorie zu beharren. Willy Brandt hätte das sofort erkannt, auch Chirac und Schröder wäre alles schnell klar geworden. Doch die heutigen europäischen Politiker sind viel zu klein für derartige Probleme." (27.08.2014)

TOP-THEMA | 26.08.2014

Frankreichs Regierung tritt zurück

Kritik von Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Sparkurs hat am Montag offenbar zum Bruch der Regierung in Frankreich geführt. Premier Manuel Valls reichte den Rücktritt seines Kabinetts ein und soll nun ein neues aufstellen. Das Zerwürfnis zeigt, dass sich Paris gegen Berlins Spardiktat nicht durchsetzen kann, meinen einige Kommentatoren. Andere hoffen, dass der Weg nun frei ist für dringende Reformen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Figaro - Frankreich, Tvxs - Griechenland, Süddeutsche Zeitung - Deutschland, Corriere della Sera - Italien

Le Figaro - Frankreich

Der Rausschmiss von Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg ist für die konservative Tageszeitung Le Figaro der richtige Schritt, macht sie doch den Weg frei für Reformen: "Seine Provokationen gingen zu weit, seine Schadenfreude war zu ausgeprägt und seine Verachtung war zu deutlich spürbar, als dass man die Angriffe des Ministers gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung weiter hätte tolerieren können. Denn sonst hätte der Präsident auch das letzte bisschen Autorität verloren, und der immer unbeliebtere Premier das letzte bisschen Vertrauen. Wenn diese eher erzwungene als gewollte Klarstellung mehr Zusammenhalt in das Regierungsgespann bringen und ihm helfen würde, die angekündigten, auf die lange Bank geschobenen Reformen anzustoßen, kann sich das Land darüber nur freuen." (26.08.2014)

Tvxs - Griechenland

Hollande ist gescheitert, weil er sich nicht - wie versprochen - gegen das Spardiktat Berlins durchsetzen konnte, analysiert das linke Webportal Tvxs die Regierungskrise in Frankreich und zieht Parallelen zur Politik in Griechenland: "Hollande hat die Politik, die er anstrebte, vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich so vehement verteidigt, dass die deutsche politische Führung sich sogar weigerte, ihn zu treffen. Doch was ist aus seinen Plänen geworden? Übrig blieben nur Stagnation und Rezession, Demütigung und Abenteurertum. Die Lektion ist klar: Wer glaubt, dass er ohne einen echten Alternativplan und ohne einen unbedingten Kampfeswillen auf dem politischen Parkett in Europa auftreten kann, um sich dort für einen Politikwechsel einzusetzen, sollte erst einmal sehen, was mit Hollande und Griechenlands ehemaligem Premier Papandreou passiert ist." (25.08.2014)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Obwohl Frankreichs Präsident Hollande viele Fehler gemacht hat, ist es unfair, ihm allein die Schuld an der politischen Lähmung des Landes zu geben, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Frankreich hat es über Jahrzehnte versäumt, Staat und Verwaltung, Steuer- und Sozialsystem auf die Globalisierung vorzubereiten. Seine konservativen Vorgänger Chirac und Sarkozy packten viel zu wenig an. Ausgerechnet der Sozialist Hollande beginnt nun, unpopuläre Einschnitte im französischen Modell vornehmen. ... Rettet den Soldaten Hollande. Wenn der Präsident und seine neue Regierung den Reformkurs stetig fortsetzen, sollten ihnen Berlin und Brüssel entgegenkommen - durch europäische Investitionsprogramme, einen gemeinsamen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und vor allem mehr Flexibilität bei der magischen Neuverschuldungsgrenze von drei Prozent. Denn keinem ist geholfen, wenn zwar der französische Haushalt saniert wird, dabei aber der Präsident und die moderaten Kräfte des Landes bankrottgehen." (26.08.2014)

Corriere della Sera - Italien

Hinter der Regierungskrise steckt ein erbitterter Machtkampf, schimpft der ehemalige Le-Monde-Herausgeber Jean-Marie Colombani im liberal-konservativen Corriere della Sera: "Der Abgang von Montebourg war unvermeidbar. Der Wirtschaftsminister kritisierte die Wirtschaftspolitik, die er hätte durchführen sollen. Es gibt einen Präzedenzfall: Nicolas Sarkozy. Als Minister von Jacques Chirac verbrachte der seine Zeit damit, den Präsidenten zu kritisieren oder sogar ungestraft zu beleidigen. Am Ende gewann er mit einem Programm des 'Umbruchs', das identisch war mit der Politik seines Vorgängers, die Präsidentschaftswahlen 2007. Machen wir uns keine Illusionen. Arnaud Montebourg wollte Sarkozys Taktik wiederholen. Doch François Hollande und Manuel Valls haben seine Pläne durchkreuzt. ... Der gegenwärtige Fall zeigt deutlich die Gefahren des französischen Präsidialsystems auf. Die Regierungsgeschäfte sind auf ein einziges Datum ausgerichtet, das der Präsidentschaftswahlen. Die Kämpfe sind nicht politischer, sondern rein persönlicher Natur." (26.08.2014)

TOP-THEMA | 25.08.2014

Merkel sichert Kiew Unterstützung zu

Bei ihrem Besuch in Kiew hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko finanzielle und diplomatische Unterstützung zugesagt. Gleichzeitig forderte sie, dass im Ukraine-Konflikt beide Seiten die Waffen ruhen lassen. Kommentatoren loben Merkel dafür, dass sie Kiew Rückendeckung gibt, zeigen sich jedoch skeptisch ob des Erfolgs der Vermittlungsbemühungen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Deutschlandfunk - Deutschland, Lidové noviny - Tschechien, Diário de Notícias - Portugal, Rzeczpospolita - Polen

Deutschlandfunk - Deutschland

Die klare Rückendeckung von Bundeskanzlerin Merkel für die Politik von Präsident Poroschenko ist richtig, lobt der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk: "Das braucht die Ukraine. Sie befindet sich in der schwierigsten Lage seit der Unabhängigkeitserklärung 1991 - und das zum allergrößten Teil unverschuldet. Moskau hatte entschieden, das Nachbarland zu destabilisieren, nachdem der pro-russische Präsident Viktor Janukowitsch geflüchtet war… Der Besuch der Kanzlerin unterstrich, dass Deutschland seine Politik gegenüber der Ukraine und gegenüber Russland nicht mehr nur durch eigene Wirtschaftsinteressen leiten lässt, wie das noch im Frühling der Fall war. Vielmehr konnten auch die Ukrainer spüren, dass Berlin Verantwortung übernommen hat. Merkel wies auch auf eine der wichtigsten Forderungen hin, die man heute an Russland richten muss: eine internationale Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze." (23.08.2014)

Lidové noviny - Tschechien

Niemand wird Angela Merkel um ihre Mission in Kiew beneiden, und dennoch hat die Kanzlerin dort genau das Richtige getan, lobt die konservative Tageszeitung Lidové noviny: "In Europa muss sich Merkel anhören, dass sie zu viel Verständnis für Putin aufbringe. Kiew wiederum vertraut einem alles rettenden 'Plan Merkel'. Nur hat sie überhaupt keinen Plan. Sie weiß, dass der Westen die Realität nicht ändern kann. Lindern kann er wenn überhaupt die Folgen dieser Realität, die durch die wirtschaftliche Krise der Ukraine gekennzeichnet ist, durch die Leiden der Zivilisten in der Ost-Ukraine, durch das russische Diktat beim Export von Erdgas. ... Was der Westen kann ist Klartext reden, so wie das Merkel in Kiew getan hat: Ein Frieden in der Ukraine ist so lange nicht möglich, wie die ukrainisch-russische Grenze nicht unter Kontrolle ist. Dies klar zu formulieren, ist bereits ziemlich viel und besser, als ständig diplomatisch von 'beiden Seiten des Konflikts' zu reden." (25.08.2014)

Diário de Notícias - Portugal

Angela Merkel hat bei ihrem Besuch in Kiew der Ukraine umfassende Unterstützung zugesagt und gleichzeitig an Moskau appelliert, sich einer diplomatischen Lösung des Konflikts nicht zu verschließen. Skeptisch, dass diese Vermittlungsbemühungen am Ende fruchten, ist die liberal-konservative Tageszeitung Diário de Notícias: "Merkels Besuch hat zu einem Zeitpunkt stattgefunden, da die Spannungen mit Wladimir Putin, der Lastwagen mit humanitärer Hilfe für die prorussischen Separatisten in die Ukraine entsendet hat, ihren Höhepunkt erreicht haben. Es scheint, als ob Merkels Besuch nicht zur Entspannung der Lage in der Region beitragen konnte. ... Am Dienstag trifft sich der russische Präsident Putin mit seinem ukrainischen Kollegen Poroschenko. Dann erst wird sich zeigen, inwiefern Merkels Forderungen nach Mäßigung und Zurückhaltung auch gehört wurden." (24.08.2014)

Rzeczpospolita - Polen

Ungeachtet der Kämpfe im Osten des Landes hat die Regierung in Kiew am Sonntag eine große Militärparade zum Unabhängigkeitstag abhalten lassen. Die Aggression Putins hat die Ukrainer auf nie dagewesene Weise zusammenrücken lassen, freut sich die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Auf der Hauptallee in Kiew sind Soldaten marschiert, deren Aufgabe es ist, gegen ein Land zu kämpfen, das man noch vor kurzem als Brudervolk bezeichnet hat. Die Bilder von vor vier Monaten, als die Ukraine kampflos die Krim abgegeben hat, waren an diesem Sonntag schon lange vergessen. Dieser Patriotismus ist auch deshalb sehr bewundernswert, weil das Lebensniveau der Ukrainer seit der Revolution auf dem Majdan stark zurückgegangen ist. ... Diese Wiedergeburt des ukrainischen Volkes ist vor allem das Verdienst eines Mannes: Putin. Seine brutale Aggression und seine rücksichtslose Strategie, das Land in der russischen Einflusszone zu halten, haben die Ukrainer gegen Russland vereint." (25.08.2014)


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